James Damore verklagt Google

Vor zwei Wochen schrieb ich einen kurzen Text über James Damores Googlememo und erzählte, wie dieses Memo zustande kam und warum die Medien dabei nahezu komplett versagten. Weil sie der Meme des „Sexist Screed“ (dt. „sexistische Tirade“) folgen mussten, initiiert von schlechten Clickbait-Medien (Gizmodo), die verfälscht und immer ideologisch eingefärbt berichteten. Die Meme wurde dann natürlich in den Sozialen Medien als Standard-Virtue-Signaling-Munition aufgenommen und fertig war der Bullshit des Sommers. Die deutschen Medien haben diesen Bullshit dann praktisch nahtlos übernommen, mehr nicht. Und in dieser Bullshit-Form war die Berichterstattung zum Memo nahezu komplett falsch. Good job.

Jetzt verklagt Damore seinen ehemaligen Arbeitgeber und die dpa (hier am Beispiel der Süddeutschen) schreibt dazu:

Im Sommer fiel der Google-Entwickler James Damore mit diskriminierenden Aussagen auf - jetzt fühlt er sich selbst diskriminiert. Weil der Konzern ihm gekündigt hat, zieht er nun vor Gericht.

Es war ein sexistisches Schreiben, das Damore im August bekannt machte. In einem internen Papier erklärte er den geringen Anteil von Frauen in der Technologiebranche mit angeblichen biologischen Unterschieden zwischen den Geschlechtern. In dem Brief behauptete er zudem, die Dominanz progressiver Ideologie bei Google verhindere eine offene Diskussion über solche Themen.

An diesen zwei Absätzen sind genau 2 Aussagen korrekt: Damore zieht vor Gericht und die Behauptung, die dominanz progressiver Ideologie bei Google verhindere eine offene Diskussion. Die letzte Behauptung wurde von den Medien letzten Sommer bewiesen und die erste ist ein Fakt.

Der Rest dieser zwei Absätze ist kompletter Bullshit, mindestens die Hälfte des Artikel ist gelogen: 1.) das Memo ist nicht diskriminierend, sondern weißt auf biologische Geschlechter-Unterschiede in Interessen und Vorlieben hin 2.) das Memo ist nicht sexistisch, sondern weißt auf biologische Geschlechter-Unterschiede in Interessen und Vorlieben hin und 3.) die „angeblichen biologischen Unterschiede […] zwischen den Geschlechtern“ hab ich selbst schon ein paar mal gesehen und miterlebt, dpa. Unglaublich aber wahr. Und mit einem solchen Bullshit auf'm Zettel wollen Medien dann irgendetwas gegen FakeNews ausrichten, dabei sind sie selber blind wie'n Fisch.

Zur Meldung selbst: Ich bin ziemlich gespannt, grade zur juristischen Dimension des Falls hatte ich das hier aufgeschrieben:

Google befindet sich in mehrere Klagen verstrickt, die dem Konzern geschlechtsbasierte Gehaltsdiskriminierung vorwerfen – eine zusätzliche Belastung der Konzern-Strategie durch eine populärwissenschaftliche Kritik kam zu diesem Zeitpunkt äußerst ungelegen. Für Google ein Dilemma, man kann sich keine Debatte um Diversity-Maßnahmen im Konzern leisten und sägt Damore kurzerhand ab, ging schnell und mit Ansage.

Die Medien errichteten das Narrativ, die Meme des AltRight-Sexisten und bewahrten so Googles Selbstwahrnehmung als „der progressive Internet-Gigant“, der für Diversity kämpft und auch vor Gericht damit glänzen kann. Wäre ich Damores Anwalt, ich würde diese Punkte anführen. Ethics in Social Justice Clickbait-Media anyone?

Damore mag ein Idiot sein, alles was er nach dem Memo getan hat (minus das Peterson-Interview) war mehr oder weniger dumm und unerfahren. Aber er hat auch ein Memo geschrieben, das gar nicht mal so doof war und wurde davon von der Presse zerfickt. Oder: Sie hatten es versucht und, wie man hier am Beispiel der dpa und der Süddeutschen sieht, sie versuchen es immer noch. Ich jedenfalls drücke ihm die Daumen.

[UPDATE] Christian hat sich die Klageschrift angesehen und ein paar Stellen übersetzt, Hervorhebungen von mir. Ich würde alle, die denken, die Assoziation von „3rd Wave Feminismus“ und „Totalitarismus“, sich diese Stellen mal sehr genau durchzulesen und die Stichworte „Gamifizierte Jagd auf Andersdenkende“ im Kopf zu behalten, Hervorhebungen von mir:

67. Am 3. August 2017 schickte George Sadlier („Sadlier“), ein Direktor bei Google, eine Massen-E-Mail, in der James‘ Essay als „abstoßend und intellektuell unehrlich“ verurteilt wird und Personalabteilungsmaßnahmen versprochen werden Sadlier bewarb auch Mitteilungen, die sich für körperliche Gewalt gegen Damore aussprachen. Daraufhin erhielt Damore am Freitag, den 4. August 2017, eine nächtliche E-Mail von Alex.Hidalgo, ein Site Reliability Engineer bei Google in Sadlier’s Organisation, der feststellte: „Du bist ein Frauenfeind und eine schreckliche Person. Ich werde dich weiter verfolgen, bis einer von uns gefeuert wird. „Fick dich“ […]

75. Das Google Recognition Team erlaubte es den Mitarbeitern, Kollegen „Peer Bonus“ zu geben, wenn diese gegen Damores politische Standpunkte argumnentierten. Peer Boni waren typischerweise reserviert für herausragender berufliche Leistungen oder wenn ein Mitarbeiter über seine Pflichten hinaus im besonderen Maße tätig war. Die Verteidigung der liberale Agenda oder die Verteidigung von Verstößen gegen das kalifornische Arbeitsrecht ist in keinem Stellenbeschreibung eines Google-Mitarbeiter enthalten.

76. In einem Beispiel gab ein Mitarbeiter einem anderen Mitarbeiter einen Peer Bonus und erklärte, dass die Prämie für „das Eintreten für die googleischen Werte und die Förderung von Vielfalt und Integration sei gegen „dem elenden Haufen von Abschaum und Niedertracht, welchen das Damore Meno darstellt“. Das Google Erkennungsteam überprüfte diese Begründung, hielt sie für angemessen, und erlaubt die Durchsetzung des Bonus.