Hetenraum 02: Liebe, Flirtregeln und starke Männer

Darth Elle Nerdinger, Aktivistin der dunklen Seite des Feminismus, hat zusammen mit yours truly ein neues Podcast-Format am Start: Der Hetenraum. Darin erzählt sie von ihren eigenen Interpretationen feministischer Themen, während ich im Text eine Antwort darauf formuliere, die mal Zustimmung ausdrücken kann oder auch prinzipielle Ablehnung hulkschen Ausmaßes. Zum Abschluss der insgesamt 6 kurzen Episoden folgt ein langer Podcast, in dem wir das Gesagte und Geschriebene noch einmal reflektieren. Am Ende holen wir dann die Lichtschwerter raus und hauen uns die Köpfe kaputt, so wie das sein muss.

Hier die zweite Folge, in der Elle über „Liebe und so weiter“ redet und sich an sogenannten „Flirtregeln“ abarbeitet.

Hetenraum 02: Liebe und so weiter


MP3: http://www.nerdcore.de/podcast/het_02.mp3, Soundcloud

Elle bezeichnet sogenannte „Flirtregeln“ in ihrer „festgeschriebenen“ Form als Bullshit. „3 Dates vor'm Sex“ ist Bullshit. „Männer zahlen immer“ ist Bullshit. „Abendessen, Kino, Boomshakalaka“ ist Bullshit. Sie hat vollkommen Recht, solche Scheinregeln in die Tonne zu treten – except, when she's not.

„Flirtregeln“ werden für jedes flirtende Pärchen neu geschrieben, live, while flirting. Die können dann auch so aussehen: 5 Minuten Eisessen gehen und dann ab in die Kiste, wenn Partner das so wollen und die Regeln eben so aushandeln. Diese Regeln können auch so aussehen: 5 Jahre lang Freundschaft und Werbung und auf einmal haut es hin oder doch nicht. Aber selbst bei „flexiblen Game-Regeln“ muss ich Elle widersprechen: Auch wenn diese „Regeln“ in ihrer „festgeschriebenen“, starren Form Bullshit sind, so sind sie doch nichts weiter als ein „formaler Richtwert“ zur Orientierung und haben als solche ihre Berechtigung.

Deshalb muss ich Elles folgendem Satz sogar massiv widersprechen: „Altbackene Regeln haben traditionelle Wurzeln, die in der Realität nicht so gut anwendbar sind, weil die meisten Leute nicht in zwei Schubladen leben“. Das ist Bullshit oberster Güteklasse, Elle ;) Die meisten Menschen leben nämlich durchaus in diesen Schubladen, verhalten sich wie „classic men“ und „classic women“ und schreiben sich diese traditionellen Regeln, wie sie sie eben brauchen. Nicht weil sie tatsächlich zu 100% der Schublade entsprechen oder sich tatsächlich nach Schubladen-Regeln verhalten – es sind schlichtweg (auch linguistische) Kategorien, die uns das Leben erleichtern und sich deshalb durchsetzten. Das macht sie in der Realität tatsächlich ziemlich gut anwendbar, grade weil Menschen ambivalente Wesen sind und diese scheinbar starren Schubladen-Regeln immer in spielerischer Form erweitern und live-in-the-game umschreiben. Deshalb kann auch ein Cishetwhitebro wie ich, der diese „traditionellen Flirtregeln“ durchaus ernst nimmt, nach 5 Minuten Eisessen mit einer Dame in der Kiste landen – weil es meine scheinbar starren Schubladen-Regeln erlauben.

Sie erweitert das Thema schließlich auch auf traditionelle männliche Eigenschaften und zum Beispiel den Spruch: „Ich brauch mal ein paar starke Männer“. Auch hier muss ich entschieden widersprechen: Während der Spruch nerven mag, so ist es dennoch so, dass ein feministischer Kumpel beim Umzug ein paar starke Männer anrufen musste, um die Waschmaschine runterzutragen. Man kann solche Sprüche gerne nervig finden, das Klischee dürfte so schnell nicht verschwinden, da es auf Realität basiert.

Und auch wenn Elle später anmerkt, dass traditionelle Flirt-Sprüche und Bemerkungen über sexy Körper ermüdend sind: Das sind sie nicht bei allen und nicht immer. Um das rauszufinden, müssen wir damit spielen und wenn es schiefgeht, you lose. So einfach. Deshalb können wir die Diskussion über „die aufgehaltene Tür“ auch nicht beenden, nur spielerisch erweitern.

Ich schätze mal, über das Thema werden wir und im langen Abschlusspodcast ein bisschen fetzen. Ich freu mich drauf. 😈

Teil 1: Wer redet hier über Sex?