Ready Player 2

Ernest Cline hat ein Sequel zu seinem Nostalgie-Ejakulat Ready Player One angekündigt. Während eines Livestreams zum neuen Trailer fragte jemand nach einem zweiten Teil zum Buch und Cline antwortete: „It’s true. I can’t talk about it too much, but there’s no better inspiration for a writer [than] to return to a world they’ve already worked on when they’re watching Steven Spielberg bring that world to life.“

Es ist jetzt nicht so, dass ich Ready Player One hasse. Es ist ein schlechtes Buch, es ist Nerd-Pulp. Nicht mehr, aber auch nicht weniger (und ich habe immer ein Herz für Pulp, mache mir aber keine Illusionen über seine Qualität).

Genau deshalb finde ich das Buch hauptsächlich interessant und zwar vor allem in seiner Rezeption von Fans. Ich finde es extrem faszinierend, dass dieses Buch so dermaßen gehyped wird, obwohl selbst der größte Fan zugeben muss, dass RPO weder Hochliteratur ist noch elegante Prosa aufweist, es ist eine 80s-Referenz nach der anderen in einem superausgelutschten Futuristic-Evil-Megacorp-Plot. That's it.

Ich denke, was das Buch so anziehend macht, ist 1.) die Geborgenheit der eigenen Kindheit und ihrer kulturellen Marker (Nostalgie halt), sowie 2.) die explizite Auslebung einer Nerd-Power-Fantasy, womit ich nicht die „Awkward Nerd rettet die Welt“-Fantasy meine (die hat wohl in irgendeiner Form jeder), sondern die „In the Oasis, you can be whoever you want, do whatever you like and create, whatever you can imagine“-Fantasy. Und es sagt etwas aus, dass es diese Fantasy in unserer Zeit zu einem solchen Kult-Status geschafft hat. Das hat sicher natürlich auch mit unserer Generation zu tun, deren Kindheit nunmal in den 80ern liegt, aber genauso sicher mit dem allumfassenden Zugriff auf so gut wie alle kulturellen Erzeugnisse ever, freigegeben zu jedem Remix.

Diese beiden Dinge ergeben in einem literarisch nicht weiter erwähnenswerten Text das möglicherweise zeitgeistigste Buch, das es in den letzten Jahren gab. RPO ist viel eher Phänomen, als Literatur, und als solches ist ein Sequel natürlich ein nobrainer. Tatsächlich denke ich, dass Ernest Clines Buch Armada (das ich nicht gelesen habe, von dem mir aber erzählt wurde, es wäre ziemlich furchtbar) bereits ein Sequel war. Ich denke, Cline kann nicht mehr als „die explizite Auslebung einer Nerd-Power-Fantasy“ – ich denke, er ist ein One-Trick-Pony.

Ich denke aber auch, dass Spielberg das weiß und der Film entsprechend kritische Subtexte liefert. Werden wir dann nächstes Jahr sehen.

Das Sequel werde ich grade aus allen oben genannten Gründen dennoch lesen, denn als Phänomen ist RPO viel zu interessant, um es zu ignorieren. Wer es verstehen will, sollte mal eine oder zwei Stunden in Reaction-Videos zum ersten Trailer investieren und auf die Gesichter an den Stellen achten, in denen der Nostalgie-Porn des Trailers seine Höhepunkte erreicht (Oasis-Geburtstagsparty, das Rennen, die Schlacht). Die Leute rasten nicht aus, kein Whoohoo, kein Geschrei und kein Gejohle – sie sind paralysiert! (Und nicht falsch verstehen: I'm one of them.)

Was man da sieht sind Kinder im Körper von Thirtysomethings, die nicht fassen können, ihre gesammelte Nostalgie im Bewegtbild zu sehen. Und mich interessiert sehr, was bei diesen Leuten passiert, wenn der Novelty-Effekt des ausgelebten Nostalgie-Pornos wegfällt – wenn also nach dem Buch-Sequel der dritte Teil erscheint und dann der vierte und dann das Sequel verfilmt wird und meine Generation langsam aber sicher keine Lust mehr darauf hat. Werden die dann alle erwachsen oder was?

Wie auch immer: RP2 in the making. Yay, or something.