In Minneapolis, Minnesota hat ein Gericht entschieden, dass auch Zombies ein Recht auf freie Meinungsäußerung besitzen. Echt jetz! („Echt jetz!“ im Sinne von: Man darf sich tatsächlich als Zombie verkleiden und so für seine Rechte auf die Straße gehen. Ich bin ja schwer für mehr Zombies auf Protesten, um die Ernsthaftigkeit der Angelegenheit zu unterstreichen.)
An appeals court in the northern US city of Minneapolis, Minnesota on Wednesday allowed a group of zombies — or rather, several protesters costumed as such — to press ahead with their lawsuit against police who arrested them for disorderly conduct.
The appeals court overturned a lower court in finding that the group of seven “zombies” had been wrongfully detained during a 2006 shopping mall protest against consumerism.
Pro-Palästina-Protest von den Na’vi. Und an dieser Stelle danke an alle, die gegen die Nazis in Dresden auf die Straße gegangen sind, Mission fullfilled, großartig!
The village of Bilin reenacted James Cameron’s new film Avatar during todays weekly demonstration. Five Palestinian, Israeli and international activists were painted blue, with pointy ears and tales, resembling the Avatar characters. Like Palestinians, the Avatars fight imperialism, although the colonizers have different origins. The Avatars presence in Bilin today symbolizes the united resistance to imperialism of all kinds.
Was machen Iraner, wenn ihr Internet überwacht und ihre Redefreiheit genommen wird? Sie protestieren trotzdem, und zwar anonym auf Geldscheinen.
Anti-government activists are not allowed to express themselves in Iranian media, so theses activists have taken their expressions to another high circulation mass-medium, banknotes. The Central Bank of Iran has tried to take these banknotes out of circulation, but there are just too many of them, and gave up. For the activists’ people it’s a way of saying “We are here, and the green movement is going on”.
Dieses Video von der FSA09 ist dem CCC zugesteckt worden. Hintergrund ist, dass der Fahrradfahrer im blauen Hemd Anzeige gegen einen anderen Polizisten erstatten wollte, weil der einen Freund von ihm unter unfreundlichen Umständen (”aggro-zecke trifft aggro-polizist”) festgesetzt wurde.
In dem Video sieht man, wie die Polizisten gegen ihn und diverse unschuldige Passanten handgreiflich werden.
[update] Hier ein Video, das den Herrn im blauen Shirt zeigt, wie er ein paar Minuten oder Sekunden vor dem Übergriff bereits von den Einsatzkräften herumgeschubst wird.
Ich saß während des Gerangels mit Princo ein paar Meter entfernt, habe aber leider keine Details festhalten können. Aber man konnte die Schläge bis zum Restaurant über eine Entfernung von rund 20 Metern hören, in dem wir grade ein paar Demo-Abschlußbiere tranken. Hier mein Shot der Aktion, auf dem man leider nicht wirklich etwas erkennen kann:
Insgesamt blieb die Demo aber sehr friedlich, von ein paar kleineren Tumulten am Rande gegen Ende und obiger Aktion mal abgesehen, außer, dass ich mir bei einer verunglückten Kletteraktion beinahe den Daumen gebrochen hätte.
Als der Zug am Holocaust Mahnmal vorbeikam, dachte sich der supersportliche René nämlich, er könnte mal flugs auf eines der etwas höheren Dinger klettern (und bei aller Selbstüberschätzung: das Ding war nun nicht wirklich hoch), was natürlich schiefging, ich mich auf dem Ding auf den Boden legte und mich so abfing, wie man das nicht tut: Mit dem Daumen nach innen. Ich schaute da nur drauf und dachte, jeden Moment knackt das. Tat’s aber nicht und jetzt isser nur verstaucht. Is’ ja auch was.
Mit lädiertem Daumen bin ich dann jedenfalls meistens beim Wagen der Piraten mitgelatscht, weil die statt des dämlichen Zensursula-Songs lieber die Loveparade wieder auferstehen ließen und alleine für die Tatsache gewählt werden sollten, dass sie Ramirez’ „La Musica Tremenda“ (YT) in irgendeinem Remix spielten und bei Josh Winks „Higher State of Consciousness“ (YT) war die Zeitreise dann abgeschlossen und es war 1996.
Hier zwei Videos der Berichterstattung der Abendschau und Tagesschau:
Und hier noch die Pressemitteilung des AK Vorrat von gestern abend:
“Freiheit statt Angst” Demonstration ein voller Erfolg.
* Insgesamt 25.000 Bürger protestierten gegen den Überwachungswahn
* “Freiheit statt Angst” Demonstration ein voller Erfolg
Mit dem Reggaesong “Wir sind mehr – wir sind viele” der Band Mono & Nikitaman wurden die Teilnehmer der heutigen Demonstration gegen den Datenwahn nach zweistündigem Marsch durch die Mitte Berlins gegen 18.15 Uhr am Potsdamer Platz empfangen.
Die Veranstalter, ein Bündnis von 167 Organisationen aus beinahe allen gesellschaftlichen Gruppen, werteten die Demonstration als “vollen Erfolg”, der um so höher zu bewerten sei, weil eine Woche nach der Antiatomdemonstration abermals so viele Menschen mobilisiert werden konnten. “Das zeigt uns, dass die Menschen keinesfalls politikverdrossen sind – sie haben nur kein Vertrauen in die herrschende Politik”, bekräftigt Rena Tangens vom Presseteam des Bündnisses. “Jetzt müssen die neuen Überwachungsgesetze wie die Vorratsdatenspeicherung endlich wieder abgeschafft werden, sowohl national wie auch europaweit.”
“Eine Politik die uns, die Bürger dieses Landes, in erster Linie als potenzielle Terroristen, Kinderschänder oder Amokläufer sieht, zerstört die Grundlagen unserer Demokratie”, sagte Franziska Heine auf der Abschlußkundgebung. Heine initiierte im Frühjahr dieses Jahres die Onlinepetition gegen Netzsperren an den Bundestag.
Zum Thema Schuldateien sagte Schülervertreter Vito Dabisch, diese seien ein weiteres Beispiel für die Datensammelwut: “Ich will nicht, dass in der Datei gespeichert wird, ob ich geschwänzt habe.”
Auch die elektronische Gesundheitskarte war Thema der Veranstaltung. Dazu sagte Silke Lüder vom Aktionsbündnis gegen die E-Card: “In diesem Jahr soll diese Karte eingeführt werden, gegen alle Widerstände von Bürgern und Ärzten.” Die neue Karte sei der große Schlüssel für ein gigantisches Computernetzwerk, “dem sich zwangsweise alle Arztpraxen, Krankenhäuser, Zahnärzte, Apotheken, Psychologen und Massagepraxen anschließen müssen”.
Hier nochmal ein Reminder: Morgen findet die Großdemo „Freiheit statt Angst“ statt, Treffpunkt 15 Uhr am Potsdamer Platz, Snip aus der Pressemitteilung:
“Stoppt den Überwachungswahn!” lautet der Schlachtruf eines Bündnisses von über 160 Organisationen im gemeinsamen Aufruf zur Großdemonstration “Freiheit statt Angst”. Nur 15 Tage, bevor Millionen von Bürgern über die Politik der kommenden vier Jahre abstimmen werden, wird ein gigantischer Demonstrationszug durch die Bundeshauptstadt Berlin ziehen und von der zukünftigen Regierung eine kenntnisreichere Gestaltung der Kommunikationsgesellschaft fordern. Auch viele Städte im Ausland folgen diesem Ruf: Im Rahmen des internationalen Aktionstages “Freedom not Fear” demonstrieren zeitgleich in Wien, Prag, Stockholm, Helsinki, Guatemala, Buenos Aires und weiteren Städten zahlreiche Menschen ihre Überwachungsverdrossenheit.
Dem Aufruf von über 160 Organisationen folgend, gehen in Berlin am Samstag, dem 12. September 2009 zehntausende für das Recht auf Privatsphäre auf die Straße! “Wir werden Berlin Mitte am Samstag zu einem Ort der Freiheit und einer gelebten Demokratie machen”, so padeluun vom Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung.
Die Auftaktkundgebung startet um 15.00 Uhr auf dem Potsdamer Platz (erreichbar mit der U-Bahn-Linie 2). Danach wird der Demonstrationszug durch die Berliner Innenstadt ziehen und in eine Abschlusskundgebung am Potsdamer Platz münden. Unter anderem sprechen Dr. Thilo Weichert, Datenschutzbeauftragter des Landes Schleswig-Holstein, der Rechtsanwalt und Publizist Dr. Rolf Gössner und Frank Bsirske, Vorsitzender der Vereinten Dienstleistungsgesellschaft ver.di, zu den Themen Daten- und Arbeitnehmerdatenschutz und Aushöhlung der Grund- und Menschenrechte. Weitere prominente Redner werden die Themen Internetsperren bzw. -zensur, Schülerdatei, staatliche Überwachungsmaßnahmen, Vorratsdatenspeicherung und elektronische Gesundheitskarte thematisieren. Die deutsch-österreichische Dancehall-Gruppe Mono & Nikitaman sowie die Rapperin Schwesta aus Regensburg und der Berliner DJ Tanith begleiten die Demo musikalisch. Ende der Demo ist um 22 Uhr.
Nur eine Stunde vor dem Treffen am Potsi (Udpate von NC-Leser Nico: „Der Flashmob findet übrigens NICHT am Potsdamer Platz statt sondern auf dem Schlossplatz.“) (und überall in Deutschland, Treffpunkte hier) findet genau dort ein Flashmob für Mindestlohn statt, auch dort werde ich sehr wahrscheinlich dabei sein:
Kurz vor der Bundestagswahl, zum deutschlandweiten Mindestlohntag am 12. September, organisieren wir in den unten aufgelisteten Städten den Flashmob “Stimmen für den Mindestlohn”. Ein Flashmob ist eine scheinbar spontane, blitzartige Bildung eines Menschenauflaufs (Mob). Diese kreative Aktionsform ermöglicht uns in kurzer Zeit und mit wenig Aufwand ein sehr starkes Bild in der Öffentlichkeit zu erzeugen, denn “Diese Wahl ist nicht egal!”
Die Teilnahme am Flashmob bedarf keiner weiteren Vorbereitung: Kommt kurz vor 14:00 Uhr zu einem der unten aufgelisteten Treffpunkte und stellt euch Punkt 14:00 Uhr an der aufgestellten Mindestlohn-Wahlurne an – nicht früher. Und bringt eure Freunde mit: Weitersagen!
Bei FoeBud gibt es 50 Sticker zur Mobilisation für die Demonstration „Freiheit statt Angst“ am 12. September 2009, 15 Uhr, Berlin Potsdamer Platz und zwar gratis und versandkostenfrei. Spread the word!
Hier ein kleines und unspektakuläres Update zum heute doch stattgefundenen Picknick-Flashmob. Ich mag die „Don’t Picnic“-Schilder ja sehr.
Von den angekündigten Polizisten, welche die Leute offiziell am gemütlichen Picknick hindern sollten gab es genau 3. Diese 3 saßen in ihrem Polizei Bulli und haben den Platz vor dem Schloss “beobachtet”. Nachdem die Aktion in vollem Gange war und ich das zweite mal nach dem Bulli schauen wollte, war dieser nicht mehr vorhanden. Wahrscheinlich war es den 3 Polizisten langweilig geworden…
Was natürlich auch damit zusammenhängen dürfte, dass im letzten Moment eine Demonstrationsgenehmigung erteilt wurde, Snip von Heise:
Nun hat sich der Ratsherr Peter Rosenbaum der Aktion angenommen und mit der Fraktion Bürgerinitiative Braunschweig eine Demonstration gegen ein Flashmob-Verbot angemeldet – und hatte damit Erfolg. Bei politischen Demonstrationen hat die grundgesetzlich garantierte Versammlungsfreiheit und nicht die Sondernutzungssatzung der Stadt Braunschweig Vorrang.
Tierschutzaktivisten haben halbnackt auf den Straßen von St. Petersburg gegen ein neues Jagdgesetz protestiert, indem sie sich mit einer Menge Kunstblut auf dem Asphalt abschlachten ließen. Metaphorisch, natürlich. Now, these are some Suicide Girls.
Downtown St.-Petersburg. A man dressed in a camouflage hunter uniform fusilladed half-naked people wearing animal masks. People were moaning and whining and begging to save them, but the hunter had no sympathy for dying creatures, and after slaughtering each of the “animals” and feeling that our duty has been done, he made his getaway in a rush. That performance was organized by activists from Alliance for Animal Rights, who were speaking and acting out against the new hunting law.
Payman und Sina sind Iraner aus Shanghai und sie haben die Artworks aus Marjane Satrapis Comic „Persepolis“ neu betextet, damit sie die aktuellen Ereignisse in Iran wiedergeben. Die neuen Texte sind zwar etwas klein geraten, aber die Idee ist dennoch hervorragend.
In related News, hier ein guter Artikel bei Telepolis über die gescheiterte grüne Revolution, die es bei einer Revolte belies:
Inzwischen verfällt die Opposition in Agonie. Eine wirkliche Perspektive hatte die Bewegung mit Mussawi und anderen Präsidentschaftskandidaten sowieso nicht. Ein “Change” war nicht vorgesehen, sondern nur ein Machtwechsel innerhalb der Elite. Das kann keine “grüne Revolution” bewirken, warum sollten die Menschen ihre Freiheit und ihr Leben riskieren? Letztlich würden nur die Köpfe verschoben, aber das System nicht verändert. Auf der Bühne der Macht wird den Menschen im Iran ein seltsames Spiel vorgespielt.
In diesem Video erzählt Kevin Smith, wie er damals inkognito selbst gegen seinen eigenen Film „Dogma“ protestierte. Sehr passend am Sonntagmorgen und superlustig, immerhin waren seine Protestschilder größer und besser als die der protestierenden Christen. Hier ein Video von einem Newsschnipsel mit Smith beim Protest.
Der Clip ist ein Ausschnitt der DVD „An Evening with Kevin Smith“, die ich mir endlich mal zulegen muss. Bei den Filmfreunden bloggte ich vor kurzem einen anderen Ausschnitt, in dem er über seinen nie gedrehten Superman-Film spricht.
Im Iran zeigen sie einen „Herr der Ringe“-Marathon, um die Leute von Protesten abzuhalten.
In Tehran, state television’s Channel Two is putting on a “Lord of the Rings” marathon, part of a bigger push to keep us busy. Movie mad and immunized from international copyright laws, Iranians are normally treated to one or two Hollywood or European movie nights a week. Now it’s two or three films a day. The message is “Don’t Worry, Be Happy.” Let’s watch, forget about what’s happened, never mind. Stop dwelling in the past. Look ahead.
Frodo: “I wish the ring had never come to me. I wish that none of this had happened.”
Gandalf: “So do all who live to see such times, but that is not for them to decide. All we have to decide is what to do with the time that is given us.”
Unglücklicherweise scheint „Herr der Ringe“ nicht grade geeignet zu sein, um die Leute die Proteste vergessen zu lassen. Das iranische Wort für Hobbit ist zufällig das Wort, mit dem die Protestbewegung Ahmadinejad bezeichnete: Zwerg. Und auch doof, dass der Baumbart ja auch eher grün ist.
Iranian films are dubbed (forget the wretched dubbing into English in the U.S.; in Iran dubbing is a craft) and there are plenty of references to “kootoole,” little person, the Farsi word used in the movie for hobbit and dwarf. “Kootoole,” of course, was, is, the term used in many of the chants out on the street against President Ahmadinejad. He is the “little person.” (”And whose side are you on?” Pippin asks the ancient, forest-dwelling giant named Treebeard. Those watching might think the answer is Mousavi, since Treebeard is decked out in green.)
Die Erschafferin des Comics „Persepolis“ und dessen Verfilmung hat zur Unterzeichnung einer Petition gegen die Gewalt im Iran aufgerufen. Meine Unterschrift steht drunter.
Dear Friends
To all who believe in freedom and democracy
Please sign this petition to the United Nations to stop the violence,
arrests and torture in Iran.
The situation is really really bad.
Please forward it to whoever you know
Best and lots of love
Marjane Satrapi
Anyone using twitter, please make Tehran your home town and set your time zone at +3.30GMT. Security forces are hunting on twitterers in Tehran and are finding them by searching on home town and time zone. Please share this with all your friends. Thanx
hab ich gerade per Weiterleitung bekommen. Konnte zwar noch nichts finden, was diesen Verdacht bestätigt, macht aber Sinn.
Ich weiß nicht, was da dran ist, aber eine Ortsumstellung auf Twitter schadet mir nicht, deshalb mach’ ich das jetzt. Ansonsten kann ich nur auf Andrew Sullivans Blog hinweisen, der seit Tagen die Tweets aus dem Iran sammelt und Videos postet.
[update] Von Telepolis:
Nach Medienberichten wird in geheimen Treffen in der heiligen Stadt Qom unter Leitung von Rafsandschani die Absetzung von Khamenei und Ahmadenidschad diskutiert.
Angeblich sucht die klerikale Machtelite im Iran nach einer Möglichkeit, den obersten geistlichen Führer Kahmenei, der sich hinter Ahmadenidschad gestellt und damit das harte Vorgehen gegen die Demonstranten gebilligt hat, zu stürzen und durch eine kollektive Führung zu ersetzen. Zudem soll in den geheimen Treffen darüber gesprochen worden sein, Ahmadiedschad zum Rücktritt zu zwingen.
Ich komme grade von der Demo gegen die Netzsperren in Berlin und habe ein paar Bilder davon bei Flickr hochgeladen. Das da oben mag ich sehr gerne, die Piratenflagge und die deutsche Fahne auf einem Bild inklusive einem Herrn mit Zensurbalken (das ist nicht gephotoshopt, die wurden dort verteilt, ich habe lediglich am Kontrast drehen müssen).
Ich schätze mal, dass ungefähr 400 Leute da waren, da ist noch Luft nach oben, aber für 4 Tage Organisationszeit ist das nicht schlecht. Jörg Tauss hat auf der Kundgebung am Potsdamer Platz dann seinen Austritt aus der SPD und seinen Beitritt bei der Piratenpartei bekanntgegeben. Man merkte ihm und Ströbele (der auch mitgelaufen ist) natürlich in den Reden die politische Erfahrung an und es waren auch die besten Reden heute.
Und noch etwas zu diesem völlig beknackten Lied, das auch heute den ganzen Tag auf der Demo lief: So eine Demo gegen Netzzensur und politischer Aktivismus hat nur wenig mit der Ästhetik einer Party am verfickten Ballermann zu tun und ich will kein Kirmestechno von einer blonden Tralala-Hupfdohle auf einer Demo hören, auf der wir für Grundrechte kämpfen. Unpassender geht’s nicht, lasst diesen Dreck bitte in der Versenkung verschwinden.
Und grade schaue ich CNN, die unbestätigte Meldungen über Explosionen, Tränengas und Wasserwerfer in Teheran melden. Deshalb hier ein paar Links zum Iran:
Heute ruft Revolutionsführer Chamenei persönlich zum Freitagsgebet in Teheran – das ist mehr als nur ein Gottesdienst. Denn bei dieser Gelegenheit wird sich entscheiden, ob noch mehr Blut fließen wird im Iran oder ob sich doch noch irgendeine friedliche Lösung abzeichnet. Das Mullah-Regime ist in Unruhe geraten, 30 Jahre nach dem Sieg der islamischen Revolution, 30 Jahre nach der Demütigung der USA, 30 Jahre nach der Invasion der Sowjetunion in Afghanistan. Das alles läutete 1979 eine weltweite Zeitenwende ein: Es war der Anfang des Niedergangs der Supermächte, das Erwachen der multipolaren Welt von heute, das Signal zum auch terroristischen Aufstand des Islam gegen den Westen. Der Gottesstaat von Teheran prägt die Welt bis heute – DER TAG über die andere, wichtigere Wende.
Offenbar strömen die Menschen in Teheran bereits zu der Protestkundgebung, während sich massive Polizeieinheiten im Stadtzentrum versammeln sollen. Die Universität sei von Polizei umstellt worden. Wie der Guardian berichtet, ist die Lage weiterhin unklar, da es keine Berichte gebe, weil das Handy-Netz in Teheran teilweise lahmgelegt worden sei.
sources from Tehran: ppl are killed, ppl are in blood, tehran is hell.
We witnessed police spraying pepper gas into the eyes of peaceful female protesters
We are here in the dark, all kinds of rumors fly by; nothing is sure.
IRIB TV warned people seriously about going to tomorrow’s rally, mobile network might be down for tomorrow’s rally.
to other sources: this isn’t the police! police is still outside! we’re under attack by Ansar-Hezbolah.
There Will Be Blood — Exclusive Interview With an Iranian Journalist in Tehran: „Another friend from Tehran cried on the phone, after he had been to Tehran University to pray and hear the Ayatollah’s sermon. His last words to me before the mobile phone connection was cut off were: ‘Tomorrow there will be blood.’“
Ich gehe dann mal protestieren. Das schöne ist ja: Der Treffpunkt an der SPD Zentrale ist circa zwei Minuten von mir weg. Ich kann denen quasi auf’s Dach spucken. Genau das mach ich dann mal.
3D-Supply verschenkt Piratenpartei-Shirts, zahlen muss man nur die Versandkosten. Markus schreibt mir: „Uns reicht’s jetzt – neben kollektivem Parteieintritt aller Mitarbeiter verschenken wir jetzt wahlweise das Zensursula-Shirt (wie gehabt) oder halt das Shirt mit Piraten-Parteilogo. Die Bedingungen sind die gleichen wie vorher, 6,90 Versandkosten, ab 10 Euro nur noch 2,50 Euro. So, weiter geht es mit Drucken – wir rüsten nen Haufen Demos der nächsten Tage mit Gratis-Shirts aus.“
Die Websperren in Deutschland sind da und da platzt uns die Hutschnur. Also bieten wir ab sofort wahlweise das Zensursula oder das Piratenparteishirt gegen eine Versandkostenpauschale von 6,90 Euro oder zum kostenlos mitbestellen an.
In diesem Zusammenhang nochmal der Hinweis auf die bundesweite Demonstration morgen, hier alle Infos dazu. Um 12 geht’s los, expect us.
[update] Und ein weiteres Gratis-Shirt gegen Netzzensur, Philipp schreibt mir:
Hallo, um ein deutliches Zeichen gegen die Internetzensur zu setzen, bieten wir ab sofort ein kostenloses Shirt mit dem Aufdruck ‘Stoppt die Internetzensur! Löschen statt Sperren.’ an. Es fallen nur Versandkosten von 5,90 EUR an.
Das Gesetz zu Netzsperren wurde mit 389 Ja-Stimmen vom Bundestag beschlossen, entgegen allen Mahnungen und Kritiken fast aller befragter Experten. Um ein bisschen Stimmung für das Gesetz zu machen, musste die Regierung Bauernfänger auf die Straße und vor Fußballstadien schicken, um ahnungslose Leute mit irreführenden Fragen in die Falle zu locken. Und wie von Björk in obigem Video gefordert erkläre ich hiermit meine Unabhängigkeit, die Unabhängigkeit des Internets, von dieser ekelhaften Politik der Inkompetenz, der Heuchelei und der Lügen. Declare Independence. Don’t let them do that to you. Make your own flag. Raise your flag.
Liebe Politik,
nach diesem Beschluß eines Gesetzes, das in mehreren Punkten gegen das Grundgesetz verstößt (Aushebelung der Gewaltenteilung, Verhinderung der Aufklärung von Straftaten), wird es auf sie in diesem Internet nur noch Scheiße regnen. Das ist ein Versprechen.
Sie haben folgenden Fehler begangen: Sie unterschätzen das Netz. Und das im Jahr 2009, herzlichen Glückwunsch.
Jemand hatte neulich mal ausgerechnet, dass „wir“ ungefähr 500.000 Leute zählen. Das klingt für politische Entscheider erstmal wenig, angesichts von 82.310.000 Einwohnern. Jetzt verrate ich Ihnen aber mal was: Laut der 2009er Onlinestudie der ARD: ist „der Anteil der Internet-Nutzer in Deutschland [...] auf 67,1 Prozent (2008: 65,8 Prozent) angestiegen. 43,5 Millionen der bundesdeutschen Erwachsenen sind online – 0,8 Millionen mehr als im Vorjahr.“ (ARD)
Und hier nun der Fehler: Diese 500.000 Leute sind Teilnehmer im Netz. Die neuen Produzenten von Tweets, Postings und Content im Netz. Mit einem anderen Wort: Multiplikatoren. Und Sie wollen nicht wirklich 500.000 Multiplikatoren gegen sich haben, die Postings und Texte schreiben, die von 43,5 Millionen Menschen gelesen werden, oder? Haben sie aber, von jetzt auf ewig. Zum Vergleich: Die alteingesessene FAZ hat eine Auflage von 360.915 Exemplaren.
Diese 500.000 genannten Menschen haben Sie sich heute zum Feind gemacht. 500.000 Multiplikatoren im Netz, die twittern, bloggen und sich vernetzen. Und ich verrate Ihnen noch ein Geheimnis: Wir werden nicht weniger. Surprise!
Ihre schmierigen, schmutzigen Tricks und Taktiken werden hier innerhalb von Minuten publik gemacht, für jedermann zugänglich. Das reicht wahrscheinlich noch nicht, um die diesjährige Bundestagswahl zu beeinflussen und vier weitere Jahre voller Bullshit stehen uns ziemlich sicher bevor. Aber wie der Wahlkampf von Barack Obama zeigte, der es schaffte, über das Netz eine Graswurzelbewegung zu starten, die ihm die Werbespots finanzierte, die ihm zum Wahlerfolg verhalfen, wird auch diese Entwicklung auch hier stattfinden. Und dann gnade Ihnen Gott.
Hier nochmal die Doku „Us now“, die Regierungsformen im Digital Age zum Thema hat. Eine kleine Lehrstunde für Sie, liebe Politik, denn diese Form der Politik ist am Ende. Wir brauchen Sie nicht mehr und die heute gezeigte Ignoranz ist lediglich ein weiterer Sargnagel.
Us Now takes a look at how this type of participation could transform the way that countries are governed. It tells the stories of the online networks whose radical self-organising structures threaten to change the fabric of government forever.
Us Now follows the fate of Ebbsfleet United, a football club owned and run by its fans; Zopa, a bank in which everyone is the manager; and Couch Surfing, a vast online network whose members share their homes with strangers.
The founding principles of these projects — transparency, self-selection, open participation — are coming closer and closer to the mainstream of our social and political lives. Us Now describes this transition and confronts politicians George Osborne and Ed Milliband with the possibilities for participative government as described by Don Tapscott and Clay Shirky amongst others.
Ich erlebe hier grade eine nahezu komplette Politisierung der deutschen Blogosphäre. Klar, is ja Wahlkampf. Aber in diesem Wahlkampf haben Sie uns heute den Krieg erklärt und diese eine Schlacht haben Sie vielleicht gewonnen, aber ich garantiere Ihnen in den Worten der vielleicht mächtigsten Website der Welt:
We are Anonymous.
We are Legion.
We do not forgive.
We do not forget.
We will be heard.
Piratenpartei ruft zu bundesweiten Demos am 20. Juni 2009 um 12:00 Uhr gegen das Netzsperrengesetz auf, organisiert wird der Protest hier im Wiki. Bitte weitersagen und mitmachen.
Pirate Bay unterstützt seit gestern Anonymous in ihrem Kampf gegen Scientology und haben die Website Seaarrrgh.com gelauncht. Arrrrrr!
YARRR MATEYS!
Welcome to Operation Sea Arrrgh II, the home of the Anonymous pirate fleet!
Avast, join us today! Or stick around here and learn more about the sea arrrgh / sea org, Scientology’s private navy – but be forewarned: ye might be doomed to over 9000 years on the scourge of the seven seas, the SS Longcat!
Ich höre grade der HR2 Der Tag-Podcast zum 20. Jahrestag des Massakers auf dem Platz des Himmlischen Friedens in China. Ich hatte das damals nur am Rande mitbekommen, mit 15 war ich alles andere als politisch interessiert. Was sich schlagartig ein paar Monate später änderte, als die Mauer fiel, quasi der Gegenpol zum Tian’anmen-Massaker, und mir bewieß, dass Geschichte auch ohne Blut geschrieben werden kann.
Das Bild ging um die Welt: Ein Mann – weißes Hemd, dunkle Hose – vor der Panzerkolonne auf dem Platz des Himmlischen Friedens. 2600 Menschen wurden im Juni 1989 in Peking vom Militär getötet. Das blutige Ende der Demokratiebewegung in China. Und, im Nachhinein gesehen, wohl der Beginn einer Ära, in der es dem Staat zumindest vorläufig gelingt, mit seinem Volk eine Art gesellschaftliches Stillhalteabkommen herzustellen. Der TAG über den kapitalisierten Kommunismus der Volksrepublik.
Mehr: Hier die Story um die Veröffentlichung der Memoiren von Zhao Ziyang, dem früheren Generalsekretär der Kommunistischen Partei, der während der Studentenproteste vermitteln wollte und hierfür nach dem Massaker gestürzt wurde: Revealed: the inside story of the Tiananmen massacre
As the tanks rolled into central Beijing on 3 June Mr Zhao writes: “While sitting in the courtyard with my family, I heard intense gunfire. A tragedy to shock the world had not been averted, and was happening after all.”
The current Chinese leadership says the crackdown was a “disturbance” by “hooligans” and says crushing the revolt was essential to ensure a stable foundation for the country’s economic growth. Mr Zhao takes the opposite view. “I had said at the time that most people were only asking us to correct our flaws, not attempting to overthrow our political system,” he wrote.
After all others had been silenced, his lonely act of defiance against the Chinese regime amazed the world. What became of him? And 20 years later, has China succeeded in erasing this event from its history?
“It all started with a man in a white shirt who walked into the street and raised his right hand no higher than a New Yorker hailing a taxi,” James Barron wrote the following day in The New York Times. The picture appeared on the front page of this newspaper as well as in countless other publications around the world.
To this day, the identity and fate of the man in the picture remains unclear. A riveting documentary, “The Tank Man,” by PBS Frontline [siehe oben] in 2006 explored his fate.
Nochmal PBS Frontline über den Erfolg der Zensur in China: Junge Menschen kennen das Bild des Tank Man schlicht nicht: Atempting to erase history
Producer Antony Thomas showed the iconic ‘Tank Man’ photo to a group of undergraduates at Beijing University – in 1989 the university had been the nerve center of the student movement that inspired the nationwide uprising. None of the students knew what the photo was.
Hier das wahrscheinlich elaborierteste Streetart-Video, das ich in einer ganzen Weile gesehen habe. Vhils verarbeitet die Studentenproteste in Paris 1968 mit Graffitis, die er nach dem Sprühen mit einem Presslufthammer bearbeitet, was er in einem superträumerischen Video fetsgehalten hat. Sieht erstmal etwas lahm aus, das alles, aber desto länger man drüber nachdenkt, desto fantastischer wird diese Aktion. Snip von Wooster:
Paris, May 1968. When the enragés started digging up the stones from the Boulevard St. Michel to use them as weapons against the forces of the old order, they came upon the sand that covered the surface underneath them. The earth. Beneath the concrete, the earth. Beneath the urban environment, nature. Beneath the artificial, life.
Behind all these brick and concrete walls, these dull, grey surfaces that condition our existence, behind all of these cities, there is life. There are individuals, there is nature. “Scratching the surface” is an act of creation taken from lifeless forms. It is the subversion of lifeless forms. The act of engraving the idea of life on a wall, of creating the image of an individual, an iconographic piece of representational symbolism that will endure. As if rendering him eternal by bringing him to life where life was not supposed to be. By carving it out of that which is still-born by its very nature, by its design.
So until the symbolical demise of all walls that separate, that impose, that condition, of a social system that overbuilds in order to control and perpetuate its grasp on the divisions that stem from this eternal partitioning and keep individuals in place, it will be easier and easier to forget who we are, where we come from and what nature is really all about. How easy it is to lose track of what our nature really is while caught amid this saturated, un-organic environment.
Wir verschenken ab jetzt “Zensursula”-Shirts an Jeden der eins will. Bestellen die Leute nur das eine Shirt, zahlen sie 6,90 Euro Versandkosten, sonst gehen wir pleite. Ab 10 Euro Warenwert sinds dann aber nur noch schmale 2,50 Euro.
Weil heute aller Wahrscheinlichkeit nach die Online-Sperren durchgewunken werden, veranstaltet Spreeblick (mit denen ich auf die ein oder andere Art verdaddelt bin) eine Online-Demo mit Googlemaps-Mashup, auf der man sein Statement abgeben kann. Ich habe zwar ein Problem mit Protest im Netz (weshalb ich schon damals bei der Burma-Aktion nicht teilgenommen habe) und bin eher dafür, das Netz als Kommunikationsmedium zu Nutzen, um physischen Protest zu organisieren, weil sich Internet-Protest für mich ein wenig nach Telefon-Protest anhört, aber egal:
Spreeblick befindet sich am Mittwoch, den 22. April 2009, im demonstrativen Streik.
Am heutigen Tag, dem 22. April 2009, will das Bundeskabinett ein Gesetz zur Sperrung von Websites beschließen, die Kinderpornografie darstellen oder anbieten. Wir unterstützen die Bundesregierung in ihrem Bestreben, dem Missbrauch von Menschen und speziell Kindern ein Ende zu bereiten, bezweifeln jedoch auf Grundlage vieler Expertenmeinungen, dass dieses Bestreben der wahre Grund für die angekündigten Sperrungen ist.
Die geplante technische Umsetzung auf Basis von Sperrlisten halten wir für laienhaft, wirkungslos und unter Umständen kontraproduktiv. Wir fordern die Bundesregierung auf, die durch die Listen offensichtlich bekannten illegalen Websites zu schließen und ihre Urheber bzw. Betreiber strafrechtlich zu verfolgen. Wir lehnen Internetsperren ab, die ob ihrer Intransparenz und technischen Zweifelhaftigkeit eine Gefahr für die Demokratie in Deutschland sind. Wir fühlen uns durch die von Fachleuten wiederholt in Frage gestellten Zahlen und Fakten, die das Familienministerium kommuniziert, als wählende Bürger belogen.
Der neue Elektrische Reporter über politischen Aktivismus aus dem Netz (feat. Anonymous).
Das Internet wird zum Raum für politschen Protest: Ob Scientology-Sekte oder die FARC-Rebellen in Kolumbien – schon manch eine mächtige Organisation hat die Wucht von Online-Aktivisten zu spüren bekommen. Aber wie funktioniert politisches Engagement in Digitalien und wie wirkungsvoll ist es?
Das Netz bietet für den politisch aktiven Menschen eine Fülle von Kommunikations- und Aktionsmöglichkeiten. Dabei braucht es weder eine Führungsspitze noch Mitgliederlisten, wie das Beispiel der Gruppe “Anonymous” und ihr Kampf gegen die Scientology-Sekte zeigt. Protest im Web entsteht spontan, ist scheinbar chaotisch – und kann dennoch wirkungsvoll sein.
Fest steht: Die digitalen Medien verändern das politische Leben. Politik wird entkoppelt von den Institutionen und kehrt zurück in den Alltag der Bürger. Und wenn dort ausreichend Wut über die herrschenden Umstände vorhanden ist, müssen die Mächtigen mit Attacken aus völlig unerwarteten Richtungen rechnen.
Robovox ist ein acht Meter hoher Roboter, der an öffentlichen Plätzen ausgestellt wird, die einen politischen Hintergrund haben. Vorm Bundestag etwa. Dann kann René eine SMS schreiben, etwa „Vorratsdatenspeicherung ist per se doof“, die wird dann von Robovox vorgelesen. Ich war ja schon immer für mehr Demos mit Riesenrobotern und überhaupt: Roboter sollten ganz allgemein sowieso viel politischer werden, finde ich.
am 11. Oktober gibt es wieder eine grosse Demonstration gegen die Vorratsdatenspeicherung und die ausufernde Überwachung in Berlin. Mittlerweile haben sich über 90 Organisationen dem Aufruf des AK Vorratsdatenspeicherung angeschlossen. Wir würden gerne wieder mindestens 15.000 Menschen in Berlin auf der Strasse sehen wie vor einem Jahr. Im gegensatz zu letztem Jahr ist das Thema Vorratsdatenspeicherung leider nicht mehr so präsent in den Medien. Dafür brauchen wir mehr Mobilisierung mehr Aufmerksamkeit. Ich würde mich freuen, wenn Du darüber bloggen könntest und auf die Demo hinweist.
Was ich hiermit tue. Ich war ja letztes Jahr dabei, zwar nicht in Berlin mit 15.000 anderen Leuten, die mit einem gesunden Menschenverstand ausgestattet sind, sondern „nur“ mit 650 Leuten in Frankfurt. Die diesjährige Demo findet leider nur in Berlin statt, soweit ich das richtig verstanden habe und wenn ich zufällig zu der Zeit vor Ort bin, latsche ich natürlich mit. Sehr wahrscheinlich ist das aber leider nicht. Deshalb nur mein Aufruf an alle mitlesenden Berliner: Arsch hochkriegen, mitgehen gegen den Überwachungswahn!
Am 10. Mai fanden die vierten weltweiten Anonymous-Demonstrationen gegen Scientology statt. Die Internet-Bewegung Anonymous findet sich seit Februar im Monatsrhythmus vor den Zentralen der Organisation zusammen, um gegen die Methoden von Scientology zu protestieren.
Einen kleinen Bericht gab’s schon hier, jetzt noch ein paar Links und Bilder, leider war es zu dunkel für meine Billigstdigicam. Egal. Der Demonstrationszug unter den Hochhäusern war trotzdem sehr beeindruckend, erst recht, wenn er unter einer Werbetafel vorbeiprotestiert, auf der sowas, wie da oben steht. Auf dem Nachhauseweg die Überwachungskameras in der S-Bahn dann auch nochmal mit anderen Augen gesehen. Gib mir den Rest, Baby…
Das erste mal demonstrieren war ich beim ersten oder zweiten Irak-Krieg. Damals, Anfang der Neunziger, gab es dafür schulfrei und deshalb war ich dabei. Das nächste mal protestierte ich vor drei Stunden. Gegen Überwachung und so.
Und da latscht nun René vom Paulsplatz mit laut Veranstalter 650 anderen Überwachungsgegnern durch die Frankfurter Innenstadt, ruft mehr als einmal „Steckt den Schäuble in den Knast, weil er die Verfassung hasst“, besorgt sich Anmeldeformulare für die Piratenpartei, macht ein paar Fotos, die er morgen erst von der Kamera holen kann, weil das Kabel mal wieder im Büro rumliegt, geht eine kurze Strecke im lautesten Block mit, weil die so lustig auf ihren Fäßern rumtrommeln, verpisst sich da aber wieder, weil das Megafon genau ins Ohr plärrt, fetzt im einsetzenden Regen seinen Schirm, der sich nach dem Regen nicht schließen ließ und jetzt seine letzten Tage in einer Mülltonne irgendwo auf der Zeil fristet, tritt schließlich während der Abschlusskundgebung den Heimweg an und lässt sich zu guter letzt von einem offensichtlich homosexuell interessierten Rentner um eine Kippe anschnorren (die hat er natürlich gekriegt, die Kippe; den Rest nicht), woraufhin ich schleunigst Reißaus nahm und mich in die Bahn setzte, nur um festzustellen, dass mir irgendwann während der Demo ein Vogel auf die Hose gekackt hat, was ich mit einer auf dem Sitz von irgendeinem weitsichtigen Business-Kasper extra für solche Fälle hinterlegten Financial Times beseitigt habe.
Deshalb demonstriert man also für oder gegen irgendwas: nur um am Ende wieder beschissen zu werden. Aber lieber den Spatzendreck auf der Hose als die Taube auf dem Dach. Oder so ähnlich.
Heute morgen habe ich noch gesagt: bei dem Wetter geh’ ich garantiert nicht demonstrieren, danach bin ich ja tot und krank beziehungsweise totkrank und dieser Zustand ist ja auch nicht wirklich förderlich für alles und so. Außerdem habe ich behauptet, dass das Wetter pro Vorratsdatenspeicherung und pro Schäuble und pro Überwachung ist, weil es ausgerechnet heute pisst, dieses Scheißwetter.
Aber jetzt scheint ja die Sonne, da geh ich doch nachher gerne demonstrieren. Ich Schönwetterdemonstrant.
Anmerkungsmann: das ist ja nicht mehr alt, sondern schon antik ;) und erleichtert jedem hedonisten, der kein bock auf politik hat, seine einstellung zu erklären.
unwohltaeter: Hm… Fünf Tassen. Ich glaube mein Highscore, was Kaffee angeht, ist 7 Tassen. An dem Tag war ich fertig… :D
Stefan: Bewegliche Letter gab es schon lange vor Gutenberg – womit er faktisch auch nicht das Setzverfahren erfunden hat. Das Handgießinstrument, welches die Herstellung von Metall-Lettern beschleunigte, geht auf seine Kappe und damit nicht...