Wie schon die Petition gegen Netzsperren landet grade auch die gegen ein Verbot von „Killerspielen“ so langsam in den Mainstream-Medien. Derzeit steht die Petition bei knapp 48500 Unterzeichnern. Golem hat ein Interview mit dem Initiator, die TAZ einen Artikel zu den Petitionen. Snip:
Golem.de: Warum greifen Politiker Computerspiele und Computerspieler – Stichwort: Killerspiele – an?
Peter Schleußer: Erstmal wäre es schön, wenn auch die Presse diesen irreführenden Begriff nicht mehr verwenden würde. Nach dem Amoklauf von Winnenden mussten die Innenminister reagieren, und ich bin mit den meisten ihrer Entscheidungen auch sehr zufrieden, etwa “die Verfügbarkeit von Schusswaffen zu begrenzen und den Schutz vor einer missbräuchlichen Verwendung zu erhöhen” und “die Medienkompetenz bei erziehungsbeteiligten Personen sowie Kindern und Jugendlichen weiter zu stärken”. Aber ein Verbot von Action-Computerspielen geht entschieden zu weit. Mitschuld an der Situation muss man auch der Boulevardpresse geben, die mit Computerspielen gleich einen Schuldigen für den Amoklauf zur Hand hatte und damit eine Hexenjagd ausgelöst hat.
Ü-Man schreibt mir: „Penn & Teller nehmen sich dem Thema ‘Killerspiele’ an, natürlich auf ihre eigene Art und Weise. U.a. mit einem Waffennarr, der andere vor 3D-Shootern warnt und einem 9-jährigen, den man eine echte Waffe abfeuern lässt. Sollte nur mit dem Warnhinweis ‘Dieses Video könnte bei CSU-Politikern Herzinfarkte auslösen’ veröffentlicht werden“.
Und Penn & Teller nennen im ersten Video Jack Thompson, den berüchtigten Anwalt und wohl vehementester Kritiker von Videospielen, einen „Stupid Fuck“. Herrlich. Zumindest die unterhaltsame Seite der Killerspiel-Debatte hat hiermit ihren absoluten Höhepunkt erreicht.
als leser deines blogs dachte ich, dass dich meine bachelorarbeit wahrscheinlich interessieren könnte. einen tag nach dem amoklauf von winnenden fertiggestellt, behandelt sie das weite feld der “gewalthaltigen videospiele”, knackiger und wertender eben “killerspiele”. ich denke, dass sie einen relativ guten überblick über das thema bietet, durch mein studium bedingt mit einem kulturwissenschaftlichen schwerpunkt. wurde inkl. mündlicher prüfung auch eine 1,0, hat also wohl hand und fuß.
hier gibt es eine kurze zusammenfassung inkl. downloadlink:
Das hier hatten mir letzte Woche bereits ein paar Leute geschickt, allerdings war der Petitions-Server damals down und dann habe ich es schlichtweg vergessen. Jedenfalls: Es gibt eine Petition gegen das Verbot von Killerspielen, die wurde mittlerweile über 38000 mal gezeichnet und ich gehe sehr fest davon aus, dass auch diese Petition die 50000 schon bald knacken wird.
Als volljähriger Bürger und Wahlberechtigter bitte ich Sie nachdrücklich, …
• den irreführenden und diskriminierenden Begriff “Killerspiele” aus der politischen Diskussion zu nehmen.
• das Vertrauen der Öffentlichkeit in die bestehenden staatlichen Jugendschutzmechanismen zu stärken.
• den Vollzug bestehender Gesetze zu verbessern und zu gewährleisten, dass Kindern und Jugendlichen nur Computer- und Videospiele entsprechend der USK-Jugendfreigabe zugänglich gemacht werden.
• Eltern, Pädagogen sowie erzieherisch verantwortliche Personen bei der Förderung der
Medienkompetenz zu unterstützen.
• die Computer- und Videospiele-Branche in Deutschland und insbesondere die Ausbildung in diesen zukunftsträchtigen Berufen zu fördern.
Ich habe ja neulich schon gelernt, dass die Schießstände von Schützenvereinen gerne in Schulen untergebracht werden und dass das was scheinbar ganz normale ist. Dass man sowas aber dann mit Flyern, auf denen „Schießen auf dem Schulhof“ steht unterstützt, während man zeitgleich LAN-Partys wegen „Killerspielen“ absagt, halte ich für mindestens WTF. Seriously, people, wer hat Euch wie viele Kilo Exkrement ins Gehirn geschissen?
(Und dann noch dieses Wörtchen „Abmarsch“. Ich möchte gar nicht wissen, welcher politischen Richtung die Beteiligten angehören. Meines Erachtens ist das alles sehr powered by your local CSU, aber mich fragt ja keiner.)
Der Strobl hatte das ja schon neulich von sich gegeben, jetzt bekräftigt der nochmal seine Aussage: Er prüft „ernsthaft“ eine Blockierung von Seiten mit „Killerspielen“. Was das sein soll, weiß ich zwar nicht, er vermutlich auch nicht – aber wurscht. Hauptsache blocken. Man muss also feststellen Herr Strobl von der CDU ist ein inkompetenter Schwätzer, genau wie 389 andere Abgeordnete im deutschen Bundestag, inkompetente, unfähige Bagage ohne den geringsten Sachverstand. Und damit kommt Ihr nicht davon.
Nach der Entscheidung des Bundestags für eine Sperrung von Kinderporno-Seiten im Internet gibt es Überlegungen für eine Ausweitung der Blockade. Der Bundestagsabgeordnete und CDU-Generalsekretär in Baden-Württemberg, Thomas Strobl, brachte die Idee ins Spiel, auch Seiten mit “Killerspielen” zu blockieren. “Wir prüfen das ernsthaft”, sagte Strobl dem Kölner Stadt-Anzeiger. “Wir gehen nach Winnenden nicht zur Tagesordnung über”, betonte der CDU-Politiker. “Wenn es einen Nachweis gibt, dass sich Killerspiele negativ auf das Verhalten Jugendlicher auswirken, dann kann das Internet kein rechtsfreier Raum sein.”
In jedem Fall sollte aber meines Erachtens in der Debatte, welche Maßnahmen zur Gewaltprävention ergriffen werden, die von den Bundesministern von der Leyen und Schäuble vorgeschlagene Sperrung von kinderpornografischen Seiten im Internet mit Blick auf Killerspiele neu diskutiert werden.
Das sagt Thomas Strobl von der CDU auf Abgeordnetenwatch.de. (via Netzpolitik) Herr Strobl, Mitglied einer Vereinigung, die das Wort „demokratisch“ um Namen führt, will also nochmal über Zensur bezüglich Killerspielen im Internet reden. Als ob Art. 5 GG in irgendeiner Form zur Debatte stünde. Und mir drängen sich da ein paar Fragen auf:
Killerspiele finden normalerweise auf PCs oder Konsolen statt, nicht im Internet (mal abgesehen von ein paar Flashgames). Meint er dann damit Sperren für Seiten, die solche Spiele bewerben oder verkaufen? Landet Kotaku oder Joystiq oder ander Gamer-Seiten auf einer Sperrliste, weil sie sicher über das ein oder andere Game schreiben, das hierzulande auf dem Index steht? Was ist mit Filmen? Landen die Filmfreunde, auf denen ich Trailer zu Filmen wie „Machine Girl“ zeige und zwar in der internationalen Fassung, die nicht für deutsche Befindlichkeiten umgeschnitten wurden, auch auf einer Sperrliste? Auf Nerdcore schmeiße ich auch gerne mal mit Körperteilen um mich – landet NC dann auf einer Sperrliste?
Tja, da müssen wir wohl nochmal drüber Reden, Herr Strobl von der CDU, denn wie man es dreht und wendet: Es geht um Zensur und nichts anderes. Ich habe hier noch zwei Dinge für Sie, die Sie brennend interessieren würden. Hier zunächst der Trailer zur Zombie-Map für Call of Duty 4, Ihrer Definition nach garantiert ein Killer von einem Game und sicherlich Hell of a Fun:
Und hier noch ein Brief eines Beinahe-Amokläufers (Danke Maniacator!), den ich zwar nicht an allen Stellen unterschreiben kann, weil er sehr oft eine „Ich bin besser als Ihr“-Haltung durchscheinen lässt (die allerdings auch symptomatisch ist), der allerdings die tatsächlichen Ursachen für Amokläufe aus erster Hand schildert. Und der eine Lösung bereithält: Durchhalten, wegziehen.
Lehrer beobachteten diese Szenarien zwar, schauten aber wohlwollend weg. Sind ja nur Kinder. Die meinen das nicht ernst. Ist ja nur Spaß. Dass dabei aber jemand innerlich zugrunde geht, interessierte niemanden. Eine Lehrkraft meinte einmal zu einem der obersten Rädelsführer, er solle doch seine überschüssige Kraft an einem Baum abreagieren, andere zu ärgern wäre unfair. Und das war es dann auch schon.
Ein Highlight war, als ein hinter mir sitzender ‚Klassenkamerad’ versuchte, mich im Unterricht anzuzünden – indem er mir ein brennendes Feuerzeug in den Nacken hielt. Den Lehrer interessierte dies herzlich wenig. Ich hatte danach eine offene, nässende Wunde im Nacken, die ich versuchte vor meinen Eltern zu verstecken. Sie fanden es trotzdem heraus und fragten geschockt was passiert wäre. Ich versuchte die Sache herunterzuspielen um das folgende Szenario zu vermeiden. Mir war klar, dass eine Einmischung meiner Eltern alles nur noch schlimmer machen würde. Am nächsten Tag fingen sie den Verursacher meiner Brandwunde ab (mein Elternhaus lag auf dem allgemeinen und einzigen Schulweg) und stellten ihn zur Rede. Sie ermahnten ihn, mich zukünftig in Ruhe zu lassen.
Das war der Beginn eines noch schlimmeren Alptraumes.
Das ist schon ziemlich unfassbar. Die Innenministerkonferenz beschließt, man wolle schnellstmöglich „Killerspiele“ verbieten und überhaupt sind ja Games sowieso an allem schuld, neben Metal, Marylin Manson und diesem Internetz, gleichzeitig eröffnet die Gemeinde Olching im schönen Bayern, ganz in der Nähe von München, einen Schießstand für den lokalen Schützenverein. In einer Schule! Die Doppelmoral und Heuchelei trieft nur so aus allen Buchstaben dieser Meldung:
Ausgerechnet in der Turnhalle einer Hauptschule plant die Gemeinde Olching im Landkreis Fürstenfeldbruck einen Schießstand für den Schützenverein. «Der Beschluss wurde mit großer Mehrheit vom Gemeinderat gefasst», sagte der Zweite Bürgermeister der Gemeinde, Robert Meier (CSU), am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur dpa und bestätigte einen Bericht des Bayerischen Rundfunks.
Die Innenministerkonferenz hat ein Verbot von Killerspielen beschlossen, das Spiele verbieten soll, die ohnehin schon verboten sind. Mal wieder politische Inkompetenz galore und Wahlkampfgetöse von Leuten, die nicht wissen, über was sie da überhaupt reden. Snip von der Welt:
Die Innenministerkonferenz (IMK) in Bremerhaven hat sich für ein Herstellungs- und Verbreitungsverbot von sogenannten Killerspielen ausgesprochen. Die Innenminister der 16 Bundesländer sehen es vor dem Hintergrund eines möglichen neuen Amoklaufs als erforderlich an, das Verbot „so schnell wie möglich umzusetzen“.
In der Beschlussvorlage der IMK, die WELT ONLINE vorliegt, heißt es: „Für Spiele, bei denen ein wesentlicher Bestandteil der Spielhandlung die virtuelle Ausübung von wirklichkeitsnah dargestellten Tötungshandlungen oder anderen grausamen oder sonst unmenschlichen Gewalttätigkeiten gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen ist, ein ausdrückliches Herstellungs- und Verbreitungsverbot so schnell wie möglich umzusetzen.“
Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) sagte WELT ONLINE: „Durch Killerspiele sinkt die Hemmschwelle zur Gewalt. Amokläufer haben sich vor ihren Taten immer wieder mit solchen Spielen beschäftigt.“
Tut mir ja leid, Euch diesen sonnigen Sonntag zu versauen, aber: Wärend manche Bundesfuzzis sich offen für Verbote von Harmlosigkeiten wie Ego-Shootern und Paintball aussprechen, spricht die Bundeswehr ganz gezielt Minderjährige und sogar 11jährige Mädchen an, und zwar unter anderem auf dem „Girls Day“, eine laut Wikipedia „Gemeinschaftsinitiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, der Initiative D21, der Bundesagentur für Arbeit, des Deutschen Gewerkschaftsbundes, der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, des Zentralverbands des Deutschen Handwerks und des Bundesverbands der Deutschen Industrie.“
Und dort darf die Armee dann ihre Militärgriffel nach Kindern ausstrecken, sponsored by Bundesregierung. Zeitgleich redet Frau von der Laien davon, Kinder zu schützen, indem sie ein Instrument zur Zensur von Websites installieren will. Diese Generation Politiker ist an Heuchelei und Opportunismus nicht zu überbieten.
Auch am neunten bundesweiten Mädchen-Zukunftstag “Girls’Day”, der am 23. April 2009, stattfand, warben die deutschen Militärs gezielt Minderjährige. Die Armee beschränkte das Alter der Teilnehmerinnen bei den über 150 Bundeswehr-Veranstaltungen an diesem Tag im [extern] Vorfeld zwar auf Mädchen der Jahrgangsstufen 9 und 10, die also zwischen 14 und 16 Jahren alt sind. Nun kam durch einen Bericht der Militärzeitschrift [extern] aktuell – Zeitung für die Bundeswehr heraus, dass selbst 11-Jährige beim “Girls’Day” von der Armee umworben wurden: “Die elf Jahre alten Mädchen Katrin Janzen und Fenja Albrecht aus Hude setzten sich in die Pilotensitze eines Marinehubschraubers vom Typ ‚Sea Lynx’ und kamen aus dem Staunen nicht heraus”, heißt es in dem “aktuell”-Bericht, mit der Überschrift “Überwältigende Eindrücke”. Der Untertitel des Berichts – “Mädchen der Klassen 9 und 10 erhalten einen Einblick in mehrere Verbände und Dienststellen” – ist schlicht falsch. Beim Alter von elf Jahren sollten die beiden Mädchen in der 5. oder 6. Jahrgangsstufe sein.
Das Anwerben von Kindern durch die Bundeswehr war beim diesjährigen “Girls’Day” kein Einzefall: “Beim Heer testeten 40 Mädchen das Leben der Fallschirmjäger der Luftlandebrigade 26 in Merzig. Nach einem kurzen Hallo um 8.00 Uhr morgens ging es direkt in die Packer-Halle. Dort zeigte ein Soldat, wie ein Fallschirm für den Sprung gepackt und vorbereitet wird. Kaum fertig, durfte die 13-jährige Lena Schmitt auf den 15 Meter langen Tisch steigen und losrennen. Den Schülerinnen wurde so gezeigt, wie sich der Schirm bei einem Sprung aus dem Rucksack fädelt”, heißt des in dem Bericht der Bundeswehr-Zeitung weiter. Es ist zu befürchten, dass unter den rund 7.800 Mädchen, die an diesem Tag an Armee-Veranstaltungen teilnahmen noch weitaus mehr Kinder waren. Das Anwerben unter 18-Jähriger für den Dienst an der Waffe beschränkt sich aber nicht nur auf Veranstaltungen wie dem “Bw-Beachen” oder dem “Girls’Day”.
Es ist unfassbar: Die Regierung verbietet Gotcha. Ich habe das mal gespielt und muss tatsächlich sagen: Es hat durchaus etwas stranges, mit Paintball-Guns auf Menschen zu schießen. Einerseits. Andererseits: Es ist ein abartiger Spaß. Den unsere fucking Regierung jetzt verbietet, weil Killerspiel. Vor allem interessant daran ist die Begründung von Unionsfraktionsvorsitzenden fucking Wolfgang Bosbach: „Dabei wird das Töten simuliert“.
Ich zähle für Herrn Bosbach mal kurz ein paar beispielhafte Spiele auf, welche das Töten ebenfalls simulieren, damit auch Unionsfraktionsvorsitzende mitbekommen, was für eine völlig schwachsinnige Begründung das ist: Räuber und Gendarme, Indianer und Cowboys, Space Invaders, Schach und – Mensch ärgere Dich nicht. Ach ja, Herr fucking Bosbach, was machen wir eigentlich mit den ganzen Supersoakers und Wasserspritzpistolen, mit denen Kinder landauf, landab das Töten simulieren und dabei einen Mordsspaß haben? Und gottseidank sind diese ganzen Nerfguns hierzulande noch nicht so weit verbreitet, mit denen sich andernorts die Angestellten in ihren Großraumbüros Schaumstoffdingse an die Ömmeln ballern.
Deef hat einen sehr guten und ausführlichen offenen Brief an Journalisten und Medien zum Thema Killerspiele geschrieben. Kann ich zu einhundert Prozent so unterschreiben.
Neue Medien gelten als suspekt. Das ist nicht nur bei Videospielen oder dem Internet so, sondern galt früher auch fürs Fernsehen, Film, Micky-Maus-Hefte (die als Schmutz- und Schund verunglimpft wurden) und Büchern. Angeblich hat schon Goethes “Die Leiden des jungen Werther” reihenweise junge Männer in den Selbstmord getrieben.
Die Diskussion läuft dabei immer nach dem gleichen Muster ab: einem neuen Medium, das viele nur vom Hörensagen kennen, wird vorgeworfen, junge Menschen zu verblöden. Das Reiz-Reaktions-Muster welches dieser Argumentation zugrunde liegt, ist das von Pawlow. Sind Menschen wie Hunde, die auf ein Signal hin zu sabbern anfangen? Nein. Die psychologische Forschung hat die Annahme, menschliches Verhalten könne sich über plumpe Reiz-Reaktions-Schemata erklären lassen, schon vor Jahrzehnten widerlegt.
Wir Videospiel-Fans appelieren an Journalisten, sich mit Spielen und der Gesetzeslage, über die sie berichten, professionell auseinanderzusetzen. Kennen Sie den Unterschied zwischen ab 18 Jahren freigegebenen und indizierten Spielen? Wissen Sie ob World of Warcraft ein Egoshooter oder ein Online-Rollenspiel ist und ob Counterstrike nur Gewalt enthält oder Gewalt verherrlicht? In der Vergangenheit haben wir oft erlebt, dass Journalisten all das nicht wussten und mittels ausgesuchter Experteninterviews ihre eigenen Vorurteile gegenüber Videospielen bestätigten.
Der Deutsche Kulturrat hat sich gegen schärfere Jugenschutzgesetze ausgesprochen und eine Bildungsdebatte gefordert. Gleichzeitig hat er sein Buch „Streitfall Computerspiele: Computerspiele zwischen kultureller Bildung, Kunstfreiheit und Jugendschutz“ kostenlos im Netz veröffentlicht, in dem Essays zu allen Positionen enthalten sind.
Die 46 Autoren beschäftigen sich unter anderem damit, ob Computerspiele “Kulturgüter” oder “Schund” sind, ob die Spiele strenger kontrolliert werden müssen, oder ob qualitativ hochwertige Computerspiele von der öffentlichen Hand gefördert werden sollen. Unter den Autoren befinden sich Spielegegner und -freunde vor allem aus Wissenschaft und Politik. Der ehemalige bayerische Ministerpräsident Günter Beckstein ist mit einem Aufsatz zum Thema “Amokläufer, Nachahmer und Männlichkeitsnormen” vertreten. (Golem.de, danke Marc!)
Rainer Meyer aka Don Alphonso baut grade sehr große Scheiße, vergleicht Zocker wiederholt mit Nazis, prügelt auf eine Sache ein, die ihm fremd ist, von der er keine Ahnung hat und malt das ganze mit seiner bürgerlichen Fassade an, die über allem steht.
Ich habe heute in der FAZ einen mässig kritischen Beitrag über diese waffenlobbyistisch argumentierenden Gamer geschrieben, die, egal was passiert, immer auflaufen und betonen, dass alles und jeder, Schule, Eltern, Freunde, Gott, die CSU und die UNO an irgendso einem Stück Scheisse schuld sind, das Menschen umbringt, aber gar nie nicht die verfickte Droge, auf die sie stehen: Ihre Gewaltspiele. Ich habe das freundlicher gesagt, als ich es meine, denn in meinen Augen sind diese explizit Suchtkranken argumentativ auf dem gleichen Niveau wie die Altnazis bei uns in den Käffern. Es ist immer was anderes, oder was anderes ist noch schlimmer, oder noch dieses und jenes und – na, man kennt das. Kostenlose PR-Truppen für einen widerlichen Wirtschaftszweig.
Jedenfalls habe ich heute zum ersten Mal begriffen, warum man bei Medien wie der FAZ die Kommentare nicht auflassen kann, wenn man so etwas bei einem klassischen Medium schreibt. Ich war da früher hochgradig anderer Meinung, aber heute hatte ich das Vergnügen mit einem Link von einem Quakeforum, und die ganze feige Bande dann als Trolle im Blog. Ich habe an die 50 Kommentare gelöscht, und es war so ziemlich alles dabei, was man sich so vorstellen kann, von der Beleidigung bishin zu Äusserungen, bei denen man gleich den Staatsanwalt anrufen könnte. Nun sind diese Art Gamer eine ganz besondere Gruppe Mensch, die, ähnlich wie die Gefolgschaft von Neoconaziseiten und extremistische Islamisten, keine Haftung in der Realität mehr haben.
Nochmal: Fonsi vergleicht hier zockende Kids mit Nazis, Neocons und extremistischen Islamisten. Schlampiger kann man nicht arbeiten und der Herr schimpft sich Journalist, ein wenig Recherche hätte gutgetan. Deshalb empfehle ich Fonsi diesen vierteiligen Vortrag von Erziehungswissenschaftler Dr. Freerk Huisken, der von dem Killerspiel-Unsinn im Zusammenhang mit Amokläufen nicht viel übrig lässt. Es ärgert mich allerdings noch ein bisschen mehr, als nur die offensichtliche Inkompetenz, mit der Fonsi hier einem heiklen Thema mit der ihm eigenen Flatulenz-Formulierungen begegnet.
Donna Bella redet hier über Kinder! Vergleicht sie, nochmal, mit Nazis, Neocons und extremistischen Islamisten. Das ist nicht nur schlampig, das ist schon ein bisschen eklig. Ach was ein bisschen: Fonsi, das ist eine verfickte Scheiße, die Du da grade baust und da geht mir jeglicher Respekt flöten. Kommentiermassen von Kindern, das kennt man von den Themen Tokio Hotel oder [younameit] zu genüge, da ist auch von “Ey Alda!” bis zu Todesdrohungen alles dabei. Ganz typische Trolle eben, löscht man und gut is’. An solchen Reaktionen von Teenagern ist nichts, aber auch gar nichts besonderes. Fonsi äußert hier eine bemerkenswerte Unsouveränität.
Selbstverständlich, und das weiß auch jeder Zocker, gibt es beim Thema Ego-Shooter und Amokläufe eine Korrelation. Wenn man obigen Vortrag hört, bleibt davon, wie gesagt, nicht viel übrig. Das weiß Fonsi vermutlich, verschweigt es aber, weil er ja dann nicht auf Teenagern rumprügeln kann und genau hier überschreitet er eine Grenze, sucht sich seinen Gegner nicht auf Augenhöhe, sondern kotzt seinen Unsinn auf Kids und wenn die in ihrer eigenen Sprache antworten, reagiert er pikiert, der Fonsi, bezeichnet Fanboys als „PR-Truppen“. Ekelhaft, das ist selbst für seine Verhältnisse so ziemlich das allerletzte. Fetz’ Dich lieber mit deinen Businesskasper-Heinis, da kommt nicht so großer Bullshit heraus, wie hier.
[update]Pantoffelpunk schreibt: „Hier beantwortet der Psychiater Lothar Adler mit dem Spezialgebiet Amokforschung Kurz und knapp die Frage nach dem Verbot der sogenannten Killerspiele mit “Barer Unsinn!” und erläutert das auch.“
Zocker sind leider nicht so kulturlos, wie Beckstein und die Killerspielargumentierer immer an die Wand malen, hier haben ein paar Jungs eine Counterstrike-Map aus Van Goghs „The Starry Night“, was jetzt keine kulturelle Großtat darstellt, aber hey: alles Texturen in der Map basieren auf Van Gogh-Gemälden. (Auch ansehen: die Disneyworld-HauntedMansion-Map von denselben Leuten, via Waxy)
Apropos Killerspiel-Diskussion: Sandro hat mir neulich diesen Link zu einem Golem-Bericht über den Münchner Kongress “Computerspiele und Gewalt” geschickt, wo sich die Verbots-Geiferer wohl die Klinke in die Hand gegeben haben und deren Einladung ja schon die Marschrichtung vorgab:
Actionspiele sind unglaublich schnell und fixieren den Spieler auf Exzesse des virtuellen Tötens und Orgien der Gewalt, die einer sensiblen und humanen Persönlichkeitsentwicklung bei Kindern und Jugendlichen entgegenwirken. Abstumpfung ist nur ein Effekt von Gewalt in Computerspielen.
Nun, die Studien, die dies belegen und widerlegen kann man mittlerweile für 50 Cent am Bahnhofskiosk erstehen, neue Erkenntnisse gibt es wohl nicht. Aber, und das muss ich auch sagen, denn die letzte Diskussion um das Thema ist jetzt auch schon wieder Jahre her: Ich sehe die Problematik nicht halb so eindeutig, wie Ihr jetzt denkt.
Ich habe eine ziemlich eindeutige Haltung was Zensur in Kunst angeht und Kunst schließt für mich (noch) nicht das Spiel-Genre ein. Sicherlich gibt es Spiele, die den künstlerischen Bereich zumindest touchieren. Auch wenn mir keine Beispiele einfallen, denn sind wir mal ehrlich: ich bin eher ein… hmm… rustikaler Zocker. Aber jeder kann sehen: „Little Big Planet“ ist mehr artyfarty als „Doom“. Das würde praktisch heissen, wenn es ein sehr (meinzwegen auch: extrem) blutiges Spiel es schafft, das ganze als kunstvolle Gesamteinheit zu verkaufen, dann stösst meine nun folgende Argumentation an ihre Grenzen. Denn:
Ich denke, Games beziehungsweise deren Technik haben ein praktisches Ziel, die Simulation der Welt nämlich. Und das möglichst fotorealistisch. Davon sind wir nicht mehr allzuweit weg, ich behaupte mal: die übernächste Konsolengeneration kann das. Und dann gib mir einen herkömmlichen Egoshooter mit jeder Menge Gore und ich hab damit ein Problem. Glaube ich. Denn ich danke, dass fotorealistische Abbildung von Gewalt in Verbindung (<– die ist wichtig) mit Interaktion sehr wohl einen psychologischen Effekt haben wird. Nicht so sehr bei einem old fart wie mir, sehr wohl aber bei Kids.
There, you have it: Ich bin ein konservativer Sack. Bin ich natürlich nicht, meine Meinung ist in dieser Frage nur nicht ganz so eindeutig. Es kommt sehr wohl auf die Qualität der Abbildung an, denke ich. Horrorfilme bilden natürlich auch fotorealistisch ab, aber die Einbindung des Rezipienten ist dort noch lange nicht so intensiv, wie in einem gutgemachten, atmosphärischen Game.
Was ich sagen will ist dies: Die Killerspiel-Diskussion, die wir bislang geführt haben, wird obsolet, sobald wir diesen technischen Standard erreicht haben, der „steuerbare Filme“ erlaubt. Und wir wissen alle, dass es dann auch die entsprechenden Shooter geben wird. Sind wir nochmal ehrlich: Man hat sich ja Anfang 2008 schon bei GTA4 wie in New York gefühlt. Und, ich wiederhole mich, ich glaube nicht, dass Games keinen psychologischen Effekt auf Kinder haben und dieser Effekt verstärkt sich, desto besser die Darstellung ist. Grob gesagt hat „Mensch ärgere dich nicht“ einen geringeren Effekt als „Space Invaders“ als „Doom 1“ als „Doom 3“ als „GTA4“.
Und seit dem ich gesehen habe, wie kleine Kinder auf einen bewegten Bildschirm reagieren (nämlich mit völliger Konzentration auf nur und nur diesen Bildschirm) sehe ich das Thema noch einmal kritischer. Meine Meinung ist alles andere als festgelegt, ich denke aber, die Kritiker der Kritiker sollten hier mal weiter denken, als „You only shoot pixels“. Und ich bin der erste, der seine eigene Schizophrenie zugibt: Mein Lieblingsshooter ist bis heute „Doom 3“, mit jeder Menge Zombies und Gore. Hell, yeah!
Als ich eben bei EA-Play (Disclosure: ja, da schreibe ich auch mit) gelesen habe, dass das Killerspiel-Verbot durch ist, da ist mir eben was durchgebrannt. Na gut, dass was die Herren ohne Ahnung, dafür aber mehr Fantasie als Killerspiele bezeichnen (mit der Kettensäge Menschen auseinandersägen, das geht meines Wissens nur in Manhunt, das ich nie gezockt habe), das war schon vorher verboten, aber jetzt steht es eben neu im Gesetz. Was da allerdings auch drinsteht, ist das hier:
Alle neuen Medien, auch Internetseiten, können zudem auf den Index gesetzt werden und Sperrungsverfügungen unterliegen. Erweitert und verschärft wurden außerdem die Verbote für schwer jugendgefährdende Medien. Der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag der Länder verpflichtet Anbieter von “Telemedien” unter anderem, Jugendschutzbeauftragte zu bestellen oder sich an eine Einrichtung der freiwilligen Selbstkontrolle anzuschließen und lizenzierte Filterprogramme einzusetzen, um Kindern und Jugendlichen den Zugang zu pornografischen, aber auch allgemein “entwicklungsbeeinträchtigenden” Inhalten zu verwehren. (heise)
Mal ganz davon abgesehen, dass solche Regelungen (wenn ich das Wort „Telemedien“ schon höre… da bohrt sich mir das 70er-Jahre-Logo vom ZDF ins Gehirn, um beim Thema zu bleiben) in digitalen Zeiten völlig weltfremd sind, frage ich mich ernsthaft (also wirklich jetzt): Können die mir jetzt an den Karren fahren, wenn ich bei den Filmfreunden einen FSK18-Trailer zeige? Muss ich da, und hier dann schließlich auch, ein FSK18-Zeichen anbringen? Brauche ich einen Jugendschutzbeautragten? Und: haben die sie noch alle?
Darauf gibt es nur eine Antwort: Nein, haben sie nicht.
Und: I’ll swallow your soul! Come get some.
Zahlreiche Studien weisen darauf hin, dass Kinder mit exzessiver Mediennutzung sich aggressiver verhalten. Zudem ließ sich zeigen, dass Erregungsmuster im Gehirn bei Videospielen denen bei realer Gewalt ähneln. Allerdings werden oft unterschiedliche Kennzeichen für Erregung verwendet – Blutdruck, Puls, Atemrhythmus… Ob “gewalttätige” Computerspiele nicht einfach spannender sind als andere, wurde nicht untersucht. Und keines der im Experiment beobachteten Kinder habe anschließend oder währenddessen ein anderes geschlagen – so Kierkegard.
Konsum von Mediengewalt ist nach Erkenntnissen des Münchner Schulpsychologen Werner Hopf noch vor familiärer Armut, Eltern-Kind-Beziehungen oder einem besonderen Lebensumfeld der stärkste Risikofaktor für Gewaltkriminalität. An erster Stelle stehen hier Computer-Gewaltspiele, hat laut dem Magazin Geo Wissen eine bislang unveröffentlichte Untersuchung ergeben, bei der Hopf über zwei Jahre lang das Verhalten von 653 Schülern untersucht hat.
id Software hat heute bekanntgegeben, Doom 4 für die Xbox360, PS3 und PC entwickeln zu wollen. Noch sucht man nach passenden Gamedesignern, das Game kommt also sicherlich frühestens 2009.
id Software today announced that it has begun production on Doom 4, and is now in the process of expanding its internal team of developers to work on the shooter sequel.
“Doom is part of the id Software DNA and demands the greatest talent and brightest minds in the industry to bring the next installment of our flagship franchise to Earth,” said id Software CEO Todd Hollenshead in a release.
“It’s critical for id Software to have the best creative minds in-house to develop games that meet the standards synonymous with our titles.” (Shacknews, danke Nils!)
Und ich verwette jetzt schonmal meinen Arsch darauf, dass die Gewaltdiskussion während des Release von GTA 4 nichts gegen das war, was uns bei Doom 4 erwartet. Angesichts der Grafik von Doom 3 und den Aussichten auf die Optik bei einem Shooter nach Doom-Prinzip (fehlende Weitsicht, dadurch bessere Texturen und mehr Polygone, Bump-Mapping) auf den Next-Gen-Konsolen erwarte ich beinahe fotorealistische Zombies und Motorsägen. Und dann reden wir nochmal über Killerspiele.
Ich schätze ja mal, wenn morgen die Änderung des Jugendschutzgesetzes durchgewunken wird, dass Doom sowieso sofort auf einer entsprechenden Liste landet. Ist dieses Posting dann eigentlich illegal? Egal, ich hol’ schonmal die Motorsäge. Und einen hab ich noch:
Die Menschen sollten aufhören, sich über Kinder, die viele Games spielen, Sorgen zu machen. Im Gegenteil: Unseren Ergebnissen zufolge besitzen Kinder, die keinen Kontakt zu Videospielen haben, mehr Probleme in der Schule oder im Elternhaus. Nicht dass Games per se glücklich machen – aber da die meisten Titel gemeinsam gespielt werden, ist ein Nichtspielen heutzutage ein Zeichen von fehlender Sozialkompetenz. Genauso ist ein Zusammenhang von Games und der Gewalt an Schulen oder den Attentaten in Columbine oder in Deutschland nicht zu beweisen.
What really makes me insane is how eager politicians are to use the pop culture — not just videogames but TV, movies, even Harry Potter — as a whipping boy. It’s easy for them, even sort of fun, because the pop-cult always hollers nice and loud. Also, it allows legislators to ignore the elephants in the living room. Elephant One is the ever-deepening divide between the haves and have-nots in this country, a situation guys like Fiddy and Snoop have been indirectly rapping about for years. Elephant Two is America’s almost pathological love of guns. It was too easy for critics to claim — falsely, it turned out — that Cho Seung-Hui (the Virginia Tech killer) was a fan of Counter-Strike; I just wish to God that legislators were as eager to point out that this nutball had no problem obtaining a 9mm semiautomatic handgun. Cho used it in a rampage that resulted in the murder of 32 people. If he’d been stuck with nothing but a plastic videogame gun, he wouldn’t even have been able to kill himself.
Ich bin ja kein großer Freund von Rennspielen, was wohl damit zu tun hat, dass ich Autos emotional nix abgewinnen kann. Okay, ich habe mein Need for Speed Underground und Burnout Revenge gezockt, was ja mehr so die Arcade Racer sind, aber generell bin ich eher der Rollenspiel- und Shooter-Typ. Und seit Jahren frage ich mich, wann wir bei Games so langsam in den Bereich des Fotorealismus ankommen.
Mit Rennspielen hat das insofern zu tun, weil die grafisch immer einen kleinen Schritt voraus waren, weil sie einfach diese eingeschränkte Welt hatten (die Strecke nämlich), wo man nicht zuviel rendern musste und so mehr Wert auf’s Detail legen konnte. Und wenn ich mir diese Bilder von Gran Tourismo anschaue, dann sage ich: wir sind schon in dieser Generation im Fotorealismus angekommen. Zumindest bei Racern.
Und in 5 Jahren ist es dann beim Rest soweit. Dann geht die Diskussion um Killerspiele erst richtig los, wetten?
Das ZDF Magazin Frontal21 hat in einem 5seitigen PDF auf die Vorwürfe von Matthias Dittmayer geantwortet. Ein paar weitere Ungenauigkeiten waren Sapere Aude aufgefallen. Kurz gesagt: es werden einzelne Punkte mehr oder weniger entkräftet, was bleibt ist ein großes Bild von einer ziemlich ungenauen und, gelinde gesagt, tendeziellen Berichterstattung durch die klassischen Medien, die vor allem Lagerbildung und der Bestätigung des Weltbilds (der Zielgruppe?) dient.
Hier ein paar Auszüge aus dem PDF:
1) Wie soll man beim Spielen Zielen trainieren?
Genau das ist die Grundlage beim Training der US-Armee mit Egoshootern. Im derzeit
renommiertesten Sachbuch zum Thema „Der virtuelle Krieg“ des CT-Redakteurs Hartmut
Gieselmann (Hannover 2002) heißt es:
„Doch das Militär setzt tatsächlich Computerspiele zur Ausbildung ein, sowohl normale Spiele als
auch für das Militär angepasste Versionen. Das ‚Training und Education Command’ (TECOM) der
U.S.-Marines unterhält hierfür eigens eine Abteilung für PC-Training“ (S. 92 f).
„Die Liste der vom Militär genutzten Spiele umfasst auch die Spiele Half-Life und „eine
abgeänderte Version von Doom mit dem Namen Marine Doom“ (Gieselmann, S. 93).
[...]
2) „Doom 3“ hat keine Jugendfreigabe und darf nur an Volljährige verkauft werden
Der Vorwurf trifft die Berichterstattung nicht, da der Beitrag auf etwas anderes zielte: „Doom 3“
hätte wie das Vorgängerspiel indiziert werden müssen.
[...]
Wir halten die Vorwürfe von Herrn Dittmayer an die Adresse von Frontal21 für gänzlich unbelegt,
nicht stichhaltig oder irreführend.
Problematisch am Fernsehen ist nicht, dass es uns unterhaltsame Themen präsentiert, problematisch ist, dass es jedes Thema als Unterhaltung präsentiert. (Neil Postman)
Wie die Killerspiel-Debatte (absichtlich?) von den (klassischen!) Medien beeinflusst und für die Unterhaltung mit gewaltverherrlichenden (sic!) Unwahrheiten aufgesext wird, steht bei Jetzt in einem Interview mit Matthias Dittmayer. Das Video von ihm gibts aber auch hier und untermauert mal wieder die Tatsache, das man den Medien kein, aber auch wirklich kein Wort glauben darf.
Auf YouTube sorgt gerade ein zehnminütiger Angriff auf ARD und ZDF für Aufsehen: Killerspiele in ARD, ZDF und WDR heißt der Clip, in dem der 21-jährige Matthias Dittmayer den Sendern mit einfachen Mitteln beweist, wie irreführend und verfälschend sie zum Teil über das Thema Computerspiele berichten. Der Bremer Student der Rechtswissenschaften unterzieht dabei die Sendungen Panorama, Hart aber Fair, Kontraste und Frontal 21 einer journalistischen Prüfung, stellt Fakten richtig und bewertet Behauptungen, die getroffen werden.
Ich habe die Vorg?nge in Tessin, als zwei Jugendliche die Eltern des einen auf besonders brutale und kaltbl?tige Art get??tet haben, im Januar nur am Rande verfolgt und bin nun ?ber den Prozessauftakt wieder darauf gesto?en. Man sucht nach Antworten? Ich suche nach Antworten. Denn ich bin ein Vater.
Zwei Jungen sind vollkommen unauff?llig in ihrem Leben, wobei vor allem die Geschichte des jungen Felix D. schockiert. Die Eltern gebildet, politisch und sozial engagiert, gewaltlose Erziehung. Felix selbst ein freundlicher Junge, hilft und unterst?tzt die Eltern bei politischer Aufkl?rung oder beim Schnitzen von Marionetten. Kein Lehrer beklagt sich, keine Auff?lligkeiten. Und dann kippt der Schalter um, aber nicht im Rausch, im Affekt, nein, erdacht, geplant, vorbereitet, durchgef?hrt. Und auch danach k?hl und sachlich analysiert. So das was man bisher in den Medien wie Spiegel Online lesen kann. Die Details soll der Proze? kl?ren.
Was ist passiert? Wie kommt so viel Hass in unser Kind? fragen sich die Eltern von Felix. Und ich sitze heute morgen vor meinem Rechner und frage mich das gleiche. Wie passiert sowas? Wie kann ich es f?r meine Kinder verhindern? Welche Anzeichen haben die Eltern ?bersehen?
Hier mein Kommentar dazu:
Das sind Fragen, die ich mir auch schon gestellt habe, als ausgiebiger Splatter-, Zombie- und Ego-Shooter-Fan, und zitiere mich einfach mal selber:
Ich spiele indizierte und allgemein als gewaltverherrlichend verrufene Spiele seit dem ich zw??lf Jahre alt bin und einen C64 zum Geburtstag bekam. Damals hie?en die gewaltverpixelten Spiele noch River Raid oder Commando und standen auf dem Index, zusammen mit Claudias Sch?ferhund und Tanz der Teufel. Warum ich das tue? Weil ich mich medial mit dem Thema Gewalt auseinandersetzen will, da ich sie selbst erlebt habe. Gewalt ist ein zutiefst menschliches Ph?nomen und Agression liegt ihr zugrunde. Anthropologen h??rte ich schon sagen: Will man den Menschen in seinem Wesen verstehen, muss man das Wesen der Agression verstehen.
Ich muss allerdings auch sagen, dass Darstellung von Gewalt in den letzten 30 Jahren seit Stewart Gordon Hershells Herschell Gordon Lewis (ups, danke Uli) ersten Splatter-Experimenten eine neue Qualit?t erf?hrt. Alles geht, sehr realistisch, hautnah oder auch: haut ab.
Selbstverst?ndlich geh??rt zu einer Deklination dieser Darstellungen in das eigene Umfeld, sprich: die tats?chliche Ausf?hrung von Gewaltakten, einiges mehr als das Betrachten von Videos, Spielen oder Websites. Was aber, wenn die allgemeine Verf?gbarkeit dieser Bilder die Hemmschwelle in ihrer Gesamtheit senkt? Was dann? Die Diskussion in den Blogs ist eigentlich keine, denn die einhellige Meinung (so auch meine) ist: Spiele veranlassen nat?rlich keine Gewaltakte. Hinter diesem Satz fehlt mir alledings ein fettes aberĶ
Nun ist es ja so, dass in gewaltverherrlichenden Spielen (und: ja, ein Spiel wie River Raid war gewaltverherrlichend) immer noch Pixel auf Pixel schossen, die Transferleistung, diesen Pixeln eine menschliche Dimension zu geben war ungemein schwerer als heute.
Wenn ich mir die Darstellung der Figuren auf der PS3 anschaue, dann wei? ich, dass wir noch ungef?hr 5 bis 7 Jahre von einer fotorealistischen Darstellung von Spielen entfernt sind. Was passiert dann, wenn man im (wirklich) extrem spa?igen GTA mit einem Flammenwerfer die Viertel abbrennt? Kann ich einem zw??lfj?hrigen, der das im Zimmer seines gro?en Bruders spielt, die Vernunft zutrauen, das ins Reich jenseits der Screens zu verbannen?
Ich kenne das: man zockt sich stundenlang fest, weils fesselt und nachts tr?umt man von Robotern und Aliens und h??rt die Sounds aus dem Spiel. Ich wei? also aus eigener Erfahrung, dass Spiele nicht fertig sind, wenn man die Konsole ausschaltet.
Aber.
Wieviele Leute in inserem Alter kennen wir, die nicht mit Spielen aufgewachsen sind? Wieviele werden Deine Kinder kennen? Ich kanns Dir sagen: es werden genau Null sein. Die Tatsache, dass bei jugendlichen Gewaltt?tern Spiele zuhause rumfliegen, die auch ausgiebig gespielt wurden, ist kein Zeichen f?r ihre, sagen wir mal, Macke, sondern ist ein Zeichen ihrer Generation.
Ich habe keine L??sung parat und finde ebenfalls, dass man eine Grenze ziehen muss. Allein: diese Grenzen gibt es bereits, die werden wahrscheinlich irgendwann enger geschnallt, was am Problem wahrscheinlich wenig bis nichts ?ndert. 12j?hrige werden sich weiterhin 18er-Shooter runterladen oder beim gro?en Bruder spielen. Und einer aus f?nf Millionen davon wird durchknallen. Was er auch ohne ein Spiel getan h?tte.
Wieso reden eigentlich auf einmal allevonWaffen und davon, dass die unter Umständen doch ein Problem sein könnten? Vielleicht, weil niemand der etablierten Medien, schon mit Rücksicht auf das eigene Feuilleton, ernsthaft Theaterdramen verbieten will? Weil man sich darauf nicht so leicht einschießen kann, weil es etabliert und (manchmal) Hochkultur und NICHT neu ist?
Ich würde wirklich gerne den Herrn Beckstein sehen, wie er Killerdramen verbieten will, weil sich dort nackte Theaterschauspieler auf der Bühne Eimer voller Blut über die Köppe kippen. Das würde ich wirklich gerne sehen. Ohne Scheiß.
Das hat zwar nur bedingt was mit der PS3 zu tun, aber ich blog das lieber mal trotzdem unter der PS3-Fahne, sonst meint noch einer, dass, obwohl ich aber, na jut, auch egal, zum Thema:
Hiermit erstatte ich für mich und stellvertretend für eine große Anzahl von Betroffenen Strafanzeige wegen Beleidigung, übler Nachrede und Volksverhetzung [...]. Herr Beckstein hatte mehrmals und in verschiedenen Medien die Gleichstellung von Computerspielen mit Kinderpornografie gefordert. Des Weiteren würden Spieler durch die Spiele zu Mördern ausgebildet und seien tödliche Zeitbomben. Damit hat er mich und etliche Millionen Menschen in diesem Land mit Kinderschändern und Psychopathen gleichgestellt! [...] Effekt des Ganzen war, dass z.B. meine Mutter mich befragt hat, ob ich auch mordend durch die Nacht streife und hinter Kindern her sei. Und so appelliere ich an Ihr Pflichtgefühl und den Eid, den Sie mal geleistet haben: Helfen Sie den Betroffenen, denn das kann so nicht stehen bleiben.
Man kann übrigens dreimal raten, in welchen Medien das Thema wohl nicht auftauchen wird.
Das ist doch interessant: Wenn ein Film, der harmlos genug ist, um von Zwölfjährigen gesehen zu werden, dazu taugt, zwei Jugendlichen irgendwie als Vorlage für eine grauenhafte Gewalttat zu dienen — deutet das nicht darauf hin, dass nicht die Filme Menschen gewalttätig machen, sondern gewalttätige Menschen sich irgendwo die Vorlagen für ihre Gewalt suchen? Und sie sogar dort finden, wo andere Menschen nur mehr oder weniger harmlose Inhalte sehen?
Und was Journalisten aus einem Film ab 12 Jahren machen, der noch dazu computeranimiert ist, steht bei Stefan Niggemeier. Schon wieder.
hero: Die Fähigkeit, dass eine von mir aufgestellte Behauptung wahr wird. D.h.: Ich sage: “Ich habe gehört, man schenkt mir Previewtickets.” – und -bumm- erfüllt sich mein Gerücht und ich habe die Tickets. (Rumor, aus...
sungini: yep, sehr schön – danke für den post. Bin auch gelernte Schriftsetzerin (hab noch in der Dunkelkammer Sonderfonts per Fußklick belichtet ;o) Für alle, die kurz und knackig neben Schusterjungen & Co. noch weitere Begriffe...
Eva: Ohh! me tooo! Weiß gar nich mehr, ich glaub meins war auf deutsch. Habs geliebt als Kind. Ja war sogar ziemlich sicher auf deutsch, sonst hätt ichs wohl gar nicht gerafft. Boah von der Käfergeschichte hatte ich so Albträume. Aber wußte...
raw: altah! DANKE!! hätte mich auch in arsch gebissen wenn das in london gewesen wär!!! PUHHHH!
curv: @ kullerkuller bezogen auf den trailer: RECHT HAST DU! @ rené vielleicht ist das das problem des trailers. er zeigt keine detroiter… ;)
Bodo Banane: @Tommy: schlimmer als die prequels kanns auch nicht mehr werden. ich denke star wars fans haben da auf jedenfall geeignete machtkräfte um die verschiedenen erinnerungsbereiche im gehirn kulttauglich zu trennen. @rene. falls du dich...
eRiC: wow wow wow wow wow!!! :O Bin echt beeindruckt! Und die Titel hauen teilweise nochma ne ganze Schüppe mehr druff!! Wow!!
dookey: schade, dass die instrumente nix von der original melodie spielen. Das wäre ungleich spannender geworden, als die durchgeackerten death-metal-standards hier..