(Youtube Direktnixon, via MeFi)
Schöner Kurzfilm/Doku von Adam Curtis (The Power of Nightmares): A Film about how all of us have become Richard Nixon.
(Youtube Direktnixon, via MeFi)
Schöner Kurzfilm/Doku von Adam Curtis (The Power of Nightmares): A Film about how all of us have become Richard Nixon.
(Youtube Direktschäuble, via Jens)
Das Bemerkenswerte an der Antwort von Angela Merkel auf die Frage eines Journalisten der niederländischen Tageszeitung „De Telegraaf“, wie denn ein Herr Schäuble nach seiner Rolle in der CDU-Spendenaffäre tatsächlich und ausgerechnet Finanzminister werden könne, ist ja nicht die Tatsache, dass da einer Vertrauen in Finanzfragen genießt, das Normalsterbliche, hätten sie mal 100.00 Euro vergessen zu erwähnen, auf weitaus mehr als nur zehn Jahre verspielt hätten. Es ist ja schließlich nichts neues, dass sich die „politische Klasse“ nicht nur in Schweinepestfragen einen goldenen Vorteil in den Arsch schiebt. Das Bemerkenswerte ist das, was sie damit über die Alltäglichkeit dessen sagt.
Frau Merkel sagt damit: Der genießt mein Vertrauen nicht trotz seiner Verwicklung in die Spendenaffäre, sondern deshalb, weil er weiß, wie man sowas beinahe unbeschadet übersteht. Weil er weiß, wo der Hase langläuft, weil er weiß, wie man das politische Tagesgeschäft führt. Dabei hat er sich einmal erwischen lassen und auch das konnte ihm nix anhaben. Und das macht ihn in diesem politischen Tagesgeschäft zu einem hervorragenden Spieler und wer wäre besser geeignet, die Schachereien auf den Finanzmärkten zu überwachen, als so einer.
Und Frau Merkel sagt damit auch: Jeder hier im Raum weiß das, weshalb kein deutscher Journalist auf so eine offensichtliche Frage überhaupt kommt, die halten alle schön die Klappe und es braucht einen aufsässigen niederländischen Journalisten um so eine unverschämte Frage zu stellen, die ich praktisch nicht beantworte. Was erlaube!
„Weil diese Person mein Vertrauen hat.“ Yeah, meins nicht. Aber ich hab’ die auch nicht gewählt.
spOnline schreibt über den Yeaahh-Flashmob und hat da wahrscheinlich einen Praktikanten seine reaktionäre Ader ausleben lassen, oder so ähnlich. Jedenfalls bezeichnet Ole Reißmann den gestrigen, grandiosen Webmeme-Flashmob als „Flashmob-Terror“, bringt völlig unreflektiert die Beispiele Braunschweig (wo nach dem versuchten Flashmob-Verbot zurückgerudert werden musste) und ausgerechnet das britische Exter, wo ein Großaufgebot der Polizei inklusive Hubschrauber einen harmlosen Flashmob verhinderte. Die 15 (!) Jungs und Mädels wollten grillen.
Hätte der Flashmob-Terror von den Sicherheitsbehörden im Vorfeld verhindert werden müssen? In Braunschweig wäre so etwas nicht passiert, dort reagierte das Ordnungsamt mit harschen Schreiben auf einen Flashmob-Aufruf im Internet – und es ging nur um ein Picknick, nicht um das Nerven der Bundeskanzlerin. In Großbritannien stürmte die Polizei in Kampfmontur und mit einem Hubschrauber die Feier von einem Dutzend Freunden, die sich im Internet verabredet hatten.
Weiter fragt der Herr Reißmann nach politischen Botschaften:
Angela Merkel wird lustvoll zugejubelt, das ist an Harmlosigkeit nicht zu überbieten, auch wenn es konzentrierte Zuhörer gehörig nervt. Und wie steht es mit einer politischen Botschaft?
Ich erkläre das grade mal: Ja, bei Flashmobs geht es oberflächlich um Spaß und nichts weiter. Tatsächlich aber haben Flashmobs immer eine immanente politische Botschaft, es geht um die Rückeroberung des öffentlichen Raums, um gemeinschaftliche Statements. Diese soziokulturelle Dimension des Flashmobs ist dem Herrn ganz offensichtlich verborgen geblieben. Hätte er mal lieber jemanden gefragt, der sich damit auskennt: sein Kollege Mario Sixtus, schrieb auf (Achtung!) spOnline im Jahr 2003 über den Medientheoretiker Howard Rheingold:
Die nächste Revolution nach PC und Internet ist, laut Rheingold, mitnichten technologisch, sondern sozial: “Smart Mobs bestehen aus Menschen, die zusammen handeln können, selbst wenn sie sich nicht kennen.” Die Szenen, Clans und Communities, die sich ständig im Internet bilden, dort mutieren, sich spalten oder auch einfach nur wachsen, würden in Zukunft immer häufiger eine Entsprechung in der realen Welt finden.
Dass Menschen für gemeinsame Ziele und Ideen zusammen arbeiten, ist beileibe nichts Neues. Neu hingegen sei, mit welcher Geschwindigkeit und Flexibilität sich Gruppen Gleichgesinnter, mit Hilfe von Netzwerk- und mobiler Technologie, bilden könnten und mit welcher Effizienz sie handelten.
Und genau das ist eine weitere politische Botschaft und politische Dimension des Flashmobs für Herrn Reißmann: Wir fressen die Wahlkampfbotschaften nicht mehr einfach so, sondern wir spucken den Bullshit der Merkel ironisiert in Form eines „Yeaahh“s zurück. Einfach, verkürzt und auf den Punkt entblößen wir den Bullshit als das, was es ist: im besten Fall einfach nur hohle Phrasen, im schlimmsten aber einfach nur Lügen. Und ja, wir organisieren das kurzfristig im Netz. Als ob das irgendein 2009 bemerkenswertes Merkmal wäre. spOnline schreibt was über „Flashmob-Terror“ …und alle so: „Yeaahh!“
Hier eine weitere politische Botschaft für Herrn Reißmann: Expect us.
[update] Björn hat mich in den Kommentaren auf einen Zeit-Artikel aus den 90ern über den Herrn Kameramann hingewiesen und der ist alles andere als vorteilhaft, um es mal so auszudrücken. Ich habe das Video deshalb entfernt (aber verlinkt) und den Link zu seiner Seite rausgenommen (aber die URL lesbar gemacht).
Wiebold bezeichnet sich als “Nachrichtenjäger”, andere nennen ihn “Mann ohne Mitleid”, “Wegelagerer” und manchmal auch “Arschloch”. Rund 450 Einsätze im Jahr, ein Mann, der das Grauen liefert: Ob Tuchfühlung mit dem Gladbecker Geiselgangster Degowski oder die letzten Bilder eines unbekannten Juweliers in Essen-Überruhr, bei Wiebold ist es zu haben.
Der Nachrichtenjäger (Danke Björn!)
In diesem Video prügelt ein Polizist auf einen Kameramann ein und zerstört dessen Kamera und gibt zu, die Pressefreiheit einzuschränken. Disziplinarverfahren ist bereits eingeleitet. Christian schreibt mir: „Unglaublich wie das Recht der Pressefreiheit mit Füßen getreten wird, gut dass es mal auf Video gebannt wurde.“ Polizeigewalt gegen Kameramänner, Zensur… hier fügt sich ein sehr, sehr düsteres Bild unserer „Autoritäten“ zusammen. Ein sehr düsteres.
Am gestrigen Abend ist in Geldern eine ältere Frau aus noch unklaren Gründen in einen See gestürzt und drohte zu ertrinken. Einsatzkräfte der Feuerwehr zogen die Frau aus dem Wasser und spannten Sichtschutzdecken um den Rettungsort.
Zunächst durfte der Kameramann ganz normal seiner Arbeit nachgehen, doch als die Verletzte, von Decken geschützt, zum RTW getragen wurde, verbot einer der Polizisten plötzlich das Filmen. Nachdem der Kameramann versuchte dem Polizisten klar zu machen, dass hier geltendes Recht gebrochen wird, rastete dieser vollkommen aus. Nachdem zunächst die Kamera zu Boden geschlagen und hierbei erheblichen Schaden nahm, richtete sich dann auch die körperliche Gewalt gegen den Kameramann der hart zu Boden geschlagen wurde. Er war dem Polizisten hilflos ausgeliefert, denn kein anderer eilte dem Kameramann zur Hilfe um den ausser Kontrolle geratenen Polizisten zurückzuhalten. [...]
Dazu teilt die Kreispolizeibehörde Kleve mit:
Die Pressefreiheit ist ein hohes grundgesetzlich garantiertes Gut. Einschränkungen der Pressefreiheit sind nicht zu tolerieren. Auf Initiative der Kreispolizeibehörde Kleve werden in Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft Kleve die kriminalpolizeilichen Ermittlungen zu einem möglichen strafrechtlich relevanten Verhalten des Polizeibeamten beim Polizeipräsidenten Krefeld geführt.
Gleichzeitig wurde zur Prüfung des Verhaltens ein Disziplinarverfahren gegen den Beamten eingeleitet.
Zwischenfall zwischen Polizeibeamtem und Medienvertreter: http://wieboldtv.de/pageID_8112326.html
(Dailyshow Direkttimes, via BoingBoing)
Dieses Video der Daily Show, in dem sie die New York Times besuchen, ist unfassbar lustig und wenn Jason Jones einen Redakteur fragt, was an veralteten Nachrichten so toll sein soll, wird so dermaßen klar, dass die Tage der Papierzeitungen sowas von gezählt sind. Dieses Video ist sowas wie die elaborierte Version des Simpson-Clips, in dem Nelson Muntz einem Print-Journalist „Haa-ha, your medium is dying“ entgegenschleudert.

Etwas untergegangen ist in der Netzberichterstattung der Printjournalismus. Das sind zumeist ältere Menschen, die statt eigener Denkapparate einfach nur dpa-Meldungen weiterplappern. Im Grunde wollen sie auf totem Holz möglichst viel Bullshit teuer verbreiten und ungestraft Schleichwerbung platzieren.
Sie reden aber lieber von Qualitätsjournalismus und strengeren Urheberrechten. Insofern heucheln sie schon wie die Großen und haben bei den Auflagen und Werbeeinnahmen Einbrüche von drölf Prozent und damit die Arschkarte im Medienparlament erobert. In Deutschland waren es sogar Drölf plus Eins Prozent. Pardon, liebe Stuttgarter Nachrichten, aber so etwas nennt man gezielte Desinformation.
Ernsthafte Replik auf Aphex3k:
Sie beweisen mit diesen 7 Sätzen ein hohes Maß Borniertheit und dass sie keine Ahnung in Bezug auf das Thema haben. Recherche scheint auch keine stattgefunden zu haben, stattdessen werden nachgeplapperte und aufgeschnappte Halbwahrheiten zu einem unhaltbaren Ganzen zusammengewürfelt.
Zitat: “Im Grunde wollen sie im Internet möglichst viel Zeug kostenlos herunterladen und ungestraft Killerspiele spielen.”
Genau wegen Falschaussagen wie diesen erhalten Die Piraten immer mehr Zulauf. Wenn, dann geht es darum bestehende veraltete Kostenstrukturen aufzubrechen und an das 21. Jahrtausend anzugleichen. Konzepte wie GEZ oder GEMA sollen überholt werden. Das geschützte Inhalte kostenfrei angeboten werden sollen stand nie zur Debatte.
Piraten mit Entertaste (Danke Roland)
Ich habe selten ein so dummes und furchtbar unkompetentes Interview gelesen, wie das von Stefan Schultz mit Twitter-Erfinder Evan Williams. Aber sehr schön, dass dieser dem Journalisten ein paar Perlen vor den Latz knallt, bei denen ich sehr gerne Schultzes Gesicht gesehen hätte. Eigentlich sollte man meinen, ein solcher Artikel wäre einer großen Website im Jahr 2009 mittlerweile eher peinlich, aber scheinbar leben die deutschen Dinosaurier-Medien immer noch im Jahr überdendaumengepeiltso 2002, 2003, halten sich nachwievor für Gatekeeper. Man sollte Journalisten ihren Printchauvinismus einfach mal in den Hals stopfen. Ganz schlimm.
SPIEGEL ONLINE: … oder sie twittern einfach Dinge, die keine vernünftige Zeitung je drucken würde. Das meiste, was auf Twitter kursiert, ist belangloses Geschnatter von zweifelhaftem Erkenntniswert.
Williams: Es ist mir ein Rätsel, warum von jedem neuen Medium verlangt wird, dass es uns plötzlich in Wesen verwandelt, die nur noch Weisheiten absondern. Auch auf Facebook, am Telefon oder beim Smalltalk im Café werden nur selten gehaltvolle Gedanken ausgetauscht, das stört komischerweise keinen mehr.
SPIEGEL ONLINE: Wenn ich schon am Telefon und im Café Belangloses rede, warum sollte ich es dann auch noch auf Twitter tun?
Williams: Weil ich die Möglichkeit habe, viele Menschen gleichzeitig mit meinen Gedanken zu erreichen. Außerdem: Wer sagt denn, dass belangloses Geschnatter wertlos ist?
Im Gegensatz zu Markus und Jens bin ich überhaupt nicht der Meinung, dass Andrian Kreye in der Süddeutschen irgendwie daneben liegt mit seinen Ausführungen zu Apples DRM-Kick. Ganz im Gegenteil, er hat mit vielem völlig Recht.
Selbstverständlich ist DRM kein Kopierschutz, sondern Kopierkontrolle – geschenkt. Das spielt in einer unkontrollierbaren Umgebung wie dem Internet sowieso keinerlei Rolle. DRM und Kopierschutz sind schon lange tot, und das erkennen jetzt eben auch die Konzerne.
Kreye schreibt:
Ohne Kopierschutz lassen sich die Urheberrechte an digitalen Dateien mit Musik, Filmen oder Spielen nicht mehr kontrollieren. Ohne Urheberrechte aber funktioniert das traditionelle Geschäftsmodell der Kulturindustrie nur noch in einem äußerst begrenzten Rahmen.
Das ist nichts neues: Die Urheberrechte an digitalen Dateien lassen sich seit zehn Jahren nicht kontrollieren, richtig, und genau deshalb funktioniert das traditionelle Geschäftsmodell der Kulturindustrie nicht mehr, ebenfalls richtig. Das sind keine neuen Erkenntnisse, deshalb liegt Kreye damit aber nicht falsch.
Zwar schreibt er danach ein bisschen verwirrten Blödsinn mit Ölpreisen und will so ein bisschen an das grüne Gewissen von Filesharern apellieren, was gut gemeint, aber Blödsinn ist. Digitale Güter mit physischen Gütern zu vergleichen ist der große Fehler vieler Pro-Copyright-Argumentieren, dabei stellt genau der Faktor „Digitales Gut“ das Geschäftsmodell der Rechteverwerter auf den Kopf. Weil es digital ist, weil es prädestiniert zur Kopie ist, so wie es eben kein physisches Produkt der Welt je sein kann.
Deshalb hat Kreye aber auch mit diesem Satz hier so ein bisschen Recht:
im Geschäftsmodell der digitalen Industrie war das Bezahlen für kulturelle Inhalte nie vorgesehen.
Dass die Bezahlung nie vorgesehen war, ist natürlich Blödsinn. Schon immer gab es Theorien und tolle Pläne, wie Musik- oder Filmshops im Netz funktionieren können und was Kreye völlig außen vor lässt: Amazon macht ein Riesengeschäft mit dem Verkauf von (nicht nur, aber vor allem) Kulturgütern wie CDs, DVDs und Büchern. Aber das Bezahlen war ja nie vorgesehen, gell? Bullshit.
Wo Bezahlung tatsächlich zwar vorgesehen war, aber durch Technologie zum Leidwesen der Künstler und Labels obsolet gemacht wurde, ist der Bereich der bereits angesprochenen digitalen Güter. Hier gab es immer tolle Pläne von seiten der Industrie, die allesamt in den Sand gesetzt wurden, bis dann schließlich Apple endlich mal ein funktionierendes Modell umsetzte. Das schmälerte den Markt der (bislang unbezahlten) P2P-Downloads allerdings überhaupt nicht, aber immerhin gab es einen funktionierenden Shop für digitale Güter – von einer Computerfirma. Womit wir beim nächsten Punkt wären, mit dem Kreye Recht hat.
Es gibt einen Essay von Apple-Chef Steve Jobs mit dem Titel “Gedanken über Musik”, der sich wie eine ausführliche Begründung liest, warum die Plattenindustrie ihren Anspruch auf Kopierschutz aufzugeben hat. Das macht deutlich, dass es Apple natürlich nicht um die Musik geht, sondern darum, Computer und Musikspieler zu verkaufen.
Selbstverständlich verdient Apple einen ganzen Haufen mehr Geld mit dem Absatz der iPods, als mit dem Verkauf von Musik über den iTunes-Store. Der Hardware-Absatz subventioniert den Software-Absatz, sozusagen. Diese Situation dürfte sich zwar mittlerweile ein bisschen ausgeglichen haben, im Prinzip ist der iTunes-Store aber quasi ein Tool, um den Absatz von iPods zu sichern.
Auch mit den anderen Aussagen in seinem Text, dass die Computerbranche von LSD schmeissende Hippies erfunden wurde, dass das Geschäftsmodell der Kulturindustrie nicht mehr funktioniert, dass digitale Inhalte vor allem kostenlose Inhalte sind, mit all dem hat Kreye Recht. Und zwischen seinen Zeilen klingt immer durch, dass er das alles ja irgendwie doof findet, vielleicht reagieren deshalb ein paar Blogs da draußen so pikiert. Warum? Er hat schließlich Recht: Für Kulturschaffende ist es selbstverständlich doof, dass man jetzt einfach so im Netz auf „Benjamin Button“ klickt und sich den Film zwei Stunden später auf der Couch anschauen kann.
Doof, ja. Genauso doof, und hier kommt wieder dieses alte aber nach wie vor treffende Argument, genauso doof wie es damals für die Kutscher war, als die Leute auf einmal mit dem Auto fuhren und sie genötigt wurden, Taxifahrer zu werden. Genauso doof, als die Druckmaschine erfunden wurde und den Mönchen die Schreibarbeit abnahm.
Technology is a bitch, baby und sie nimmt keine Rücksicht auf Verluste. Und genau diesen Satz hat Kreye bei der SZ aufgeschrieben, nur länger.
Was man da auf der Website von BR-Online lesen muss, ist völlig unfassbar, dreckigster Desinformationsjournalismus und das Aller-, Aller-, Allerletzte. Weil das Karlsruher Verfassungsgericht die Vorratsdatenspeicherung ausgesetzt hat, werden Frauen vergewaltigt, die Leute betrogen und (wörtlich) „mit Todesfolge“ verprügelt. Sowas erwartet man ja nichtmal von dem Gossenblatt mit den großen Buchstaben, ich habe auf einer Website der ARD mit allem anderen gerechnet, als mit einem solchen Schund. Und dann steht da noch: „Nur aufgrund der Klage einer Bürgerinitiative mussten die Karlsruher Richter entscheiden“. Nur! Nur weil ich und zehntausende andere diese Klage unterschrieben haben, nur weil ein paar Menschen noch einen Funken Menschenverstand haben und für das Recht auf meine Daten einstehen, nur deshalb kann Wilhelm Schmidbauer, Polizeipräsident München, nicht mehr ermitteln.
Und Beate Merk, CSU, Justizministerin Bayern, entblödet sich nicht, auf einer Website der ARD (ich wiederhole mich da gerne), folgendes verfassungsfeindliches Statement abzugeben:
Opferschutz ist das Allererste. Und dafür müssen wir uns einsetzen. Und wenn gesagt wird, man soll bestimmte Vorratsdaten nicht nutzen dürfen, dann muss man sich fragen lassen, wo man in der Abwägung Schwerpunkte setzt. Darauf, den Menschen Schutz zu bieten und ihnen zu helfen oder aber, ob es um Befindlichkeiten, die Freiheitsrechte auch der Straftäter geht.
Freiheitsrechte sind Befindlichkeiten? Das zieht mir die Schuhe aus, da rollen sich mir alle Fuß- und Fingernägel nach oben, wenn ich sowas lesen muss. Ich weiß ja, dass die CSU jenseits von Gut und Böse ist, dass sie die Verfassung allerdings für eine Befindlichkeit halten, dass sie Freiheitsrechte mit einem „Ach, naja“ abtun, das hätte ich dann doch nicht gedacht. Das alles steht auf einer Website des ersten deutschen Fernsehens, wo ich jetzt erstmal den Kontakt-Link anklicken und denen mal mitteilen werde, warum ich demnächst meine Mitgliedschaft bei der GEZ kündige. Solcher Schund wird nicht nochmal mit meiner Kohle finanziert.
Ja, ich reg’ mich grade tierisch auf.
(via Fefe)
[update] Ralf von Netzpolitik.org (Danke Elton!) hat recherchiert, was im Beitrag falsch ist:
Der Bericht enthält eine Reihe von falschen Informationen:
1) Vergewaltigung ist auch nach der Eilentscheidung des BVerfG noch ein Straftatbestand, der eine Nutzung von Vorratsdaten erlaubt. In dem im Beitrag genannten Fall ist der Zusammenhang offenbar ohnehin nur “wenn das Handy nicht geklaut worden wäre, hätte man den Täter nicht fassen können”. Und? Wenn man bei einer Straftat keine Telekommunikation nutzt, greift diese natürlich nicht.
2) Die U-Bahn-Schläger aus München im Dezember 2007 sind nicht wegen der Vorratsdatenspeicherung gefasst worden. Diese trat nämlich erst im Januar 2008 in Kraft.
3) Die Verfassungsklage gegen die Vorratsdatenspeicherung ist nicht “nur” “von einer Bürgerinitiative” eingereicht worden, sondern von mehr als 34.000 Bundesbürgern. Sie ist damit die größte Verfassungsbeschwerde der BRD.
Marcus Rohwetter hat für die Zeit einen Artikel zum Rechtsstreit zwischen Viacom/MTV und Google/Youtube verfasst, der nur so vor Lächerlichkeiten strotzt, dass ich da echt was zu sagen muss. Ich bin ja viel gewohnt, aber gleich der allererste Satz ist schon eine bodenlose Frechheit und zeigt, dass der Autor das Konzept „online“ wahrscheinlich nur aus der Eingabemaske seines CMS’ kennt, während er wahrscheinlich AOL für das Internet selbst hält.
YouTube ist eine digitale Halde für Videoschrott.
Das ist eine einzige Ohrfeige für alle, die schonmal etwas bei Youtube hochgeladen haben, das mehr zeigt, als (wie er schreibt) „einen dicken Briten namens »Expanda« [...], der nach dem Genuss von vier Litern Cola seine pralle Wampe streichelt“. Das ist ein Journalist, der aus seinem Offline-Elfenbeinturm auf den Pöbel spuckt, der die brillanten Videos von Lasse Gjertsen nicht kennt oder nicht weiß, wo zum Geier Matt steckt. Und wenn ich sowas nicht kenne, schreibe ich natürlich darüber. So funktioniert es also, wenn sich klassische Medien sich zu Online-Themen äußern, super. Weiter schreibt er über Musikvideos:
Hochgeladen wurden sie indes von Mitgliedern der YouTube-Gemeinschaft. Damit sind sie zugänglich für jedermann, jederzeit, kostenlos. Ein Horror für professionelle Künstler.
Marcus Rohwetter ist also der Meinung, wenn etwas nicht jederzeit kostenlos zugänglich für jedermann wäre, dann wäre das der paradiesische Zustand für einen Künstler. Nun gibt es ja tatsächlich ein paar Künstler, die das so sehen. Das ist ihr gutes Recht. Noch. Es gibt allerdings auch andere Künstler, die stellen ihre Videos selbst bei Youtube hoch, es gibt ganze Labels, die das machen, auch Majors. Rohwetter ist das egal, Youtube ist schließlich „eine digitale Halde für Videoschrott“ und Urheberrechtsverletzungen, da ist kein Platz für albernes Rumdifferenzieren. Und dann schreibt er schlichtweg falsche Sachen in sein Pamphlet:
Denn kaum war das Urteil gefallen, beklagten sie die drohende Preisgabe ihrer Daten an Viacom – obwohl der Konzern gar keine einzelnen Namen verlangt hatte.
Das ist natürlich tricky formuliert, denn natürlich hat der Konzern keine Namen verlangt. Der Richter hat die Herausgabe von IPs und damit natürlich im Endeffekt Personenbezogene Daten verlangt. Es werden ja sogar die IPs von Blogs weitergegeben, wenn ich hier ein Youtube-Video poste, dann landet mein Blog bei Viacom und in meinem Impressum steht mein Name. Aber so genau muss man das natürlich nicht nehmen, nicht wahr? Rohwetter?
Immerhin gibt er am Ende zu, was sein Artikelchen tatsächlich ist, denn „Es mag ja anachronistisch klingen, die Verbreitung von Bildern, Tönen und Texten im digitalen Zeitalter noch kontrollieren zu wollen“. Das „Aber“ erspart er einem leider nicht und schließlich kehrt er zurück zu seiner gestreichelten Wampe, vielleicht hat er ja auch einen Wampen-Fetisch, wer weiß.
Irgendwo in der Mitte schrieb er übrigens auch einen korrekten Satz, der quasi die Kernaussage des Artikels ist: „Das Duell steht somit auch für den Kampf der alten gegen die neue Medienwelt und für die Frage, welches Geschäftsmodell im Internet funktioniert“. So ist es. Und wenn Artikel wie dieser für die alte Medienwelt stehen, dann bin ich froh, dass sie durch teh Internets mächtig ins Wanken gerät und von mir aus kann Viacom Youtube ruhig plattmachen, dafür starten dann zehn neue Youtubes, wie bei der Hydra und das nächste Videodings ist nur einen Klick weit weg. Aber erklär’ das mal einem wie Rohwetter.
(via)

It is already possible for an assassin to send someone an e-mail with an innocent-looking attachment to it. When the receiver downloads the attachment, the electrical current and molecular structure of the central processing unit is altered, causing it to blast a apart like a large hand grenade.
Qualitätsjournalismus.
(via)

We had two bags of grass, seventy-five pellets of mescaline, five sheets of high-powered blotter acid, a saltshaker half-full of cocaine and a whole multicolored collection of uppers, downers, laughers, screamers . . . Also, a quart of tequila, a quart of rum, a case of beer, a pint of raw ether and two dozen amyls. Not that we needed all that for the trip, but once you get into a serious drug collection, the tendency is to push it as far as you can. The only thing that really worried me was the ether. There is nothing in the world more helpless and irresponsible and depraved than a man in the depths of an ether binge and I knew we’d get into that rotten stuff pretty soon . . .
Die Leute sagen ja immer, die Jugend würde nicht mehr lesen. Pardon: die Jugend liest nicht mehr genug Gedrucktes. Oh, nochmal sorry: die Jugend liest nicht mehr genug Gedrucktes, außer Harry Potter und Terry Pratchett und Tintenherz und weiß der Geier. Sprich: die Jugend liest nicht mehr genügend Zeitung. Und das sehen Journalisten natürlich nicht gern, zumindest die Journalisten, die medienfixiert schreiben, sprich: Printjournalisten. Und weil alle viel mehr schreiben und lesen als früher, nur eben nicht so, wie das die ehemaligen Gatekeeper gerne hätten, gründen sie einen Verein zur Rettung der Tageszeitung. Don Dahlmann schreibt dazu:
Mag ja sein, dass die 15 bis 30jährigen keine Zeitung mehr lesen, vor allem keine Tageszeitungen. Man könnte sich ja auch mal Gedanken darüber machen, warum die Leute keine Zeitung mehr lesen. Weil sie “WoW” spielen? Sicher – mag sein. Möglicherweise liegt es aber auch daran, dass die Printausgaben mancher Zeitung besonders außerhalb der viereinhalb Großstädte in Deutschland einfach schnarchlangweilig sind und nur noch aus zusammengetackerten dpa Meldungen, Werbung und einem zusammengedampften Lokalteil bestehen. Welcher Jugendliche interessiert sich schon für eine Tageszeitung, mal abgesehen vom Sportteil? Und war das jemals anders?
[...]
Die Gründung einer “Nationale Initiative Printmedien” macht das Elend der deutschen Printmedien und auch der deutschen Politik im Umgang mit dem Internet nur allzu deutlich. Man spürt, dass sich etwas ändert, man merkt, dass etwas passiert, was man nicht versteht, also gründet man einen Verein.
Ich lese seit drei Jahren keine gedruckte Zeitung mehr. Wozu auch? Ich kann jegliche Themen in meinem Feedreader plus Bookmarks von allen, aber auch wirklich allen Seiten beleuchten. Und dann bringt mir ein Haufen totes Holz am nächsten Morgen die staubtrockene Fakten dazu, zusammenkopiert aus einer DPA-Meldung. Wozu sollte ich das kaufen, geschweige denn lesen? Und was interessiert mich der Hasenzüchterverein in Groß-Bieberau? Und was kümmert es den Hasenzüchter, wenn etwas über seinen Hasenzüchterverein in Groß-Bieberau in der Zeitung steht? Der weiß das alles doch schon längst aus dem Vereinsheftchen!
Mit anderen Worten: nicht die Jugend hat ein Problem, sondern die gedruckte Tageszeitung. Und während sich die Süddeutsche wegen des super Vereins wahrscheinlich selbst auf die Schulter klopft, kommt ausgerechnet bei spOnline ein sehr schöner Artikel zum Thema, dessen Kernaussage für mich folgende ist:
Das wahre Problem, und das wissen vermutlich auch die Initiatoren der “Initiative Printpresse”, liegt ganz woanders: Anzeigen auf Papier sind im Augenblick noch deutlich teurer als Anzeigen auf Webseiten. Der Wandel von analog zu digital bringt keine primär gesellschaftliche, sondern eine primär wirtschaftliche Schwierigkeit mit sich: Guter Journalismus ist teuer, und Online-Journalismus rechnet sich zu den derzeitigen Marktpreisen nur in einigen wenigen Fällen. Das ist ein Problem – aber man löst es gewiss nicht, indem man die weglaufende Zielgruppe fortwährend der Dummheit bezichtigt.
Ich habe früher schon gerne und viel gelesen, heute hat sich das nochmal verdoppelt, vielleicht sogar verdreifacht. Dank des Netzes formuliere ich Texte bewusster als zuvor, auch wenn ich dabei Kraftausdrücke benutze. Die setze ich nähmlich auch sehr bewusst ein. Jetzt zum Beispiel: Tageszeitungen sind sowas von gefickt, doh!
Ich schau mir dann doch mal das Video an zu der Podiumsdiskussion mit Fonsi und Knüwer und Jörges und einer unheimlich spröden Dame, die mir gleich unsympatisch war, bevor mir zum Glück der Stream abgebrochen ist und ich endlich nach Hause fahren konnte. Eigentlich wollte ich ja gar nix zu schreiben, aber was solls, ich hab heute erst sechs Postings, da is noch Luft nach oben. Freudscher Vertipper: Lust nach oben.
Jörges wollte ja partout nicht über Blogs reden, hab ich bei Twitter mitbekommen. Stimmt. Ich rede auch immer weniger drüber und blogge einfach. Und wenn ich auf einer Podiumsdiskussion über Copyright oder sowas sitzen würde, dann würde ich auch nicht über DRM reden. Oder sowas. Pfeife. Aber es ging ja schließlich um „Journalismus im www“ und Regeln und Anarchie und sowas. Journalisten, die über Anarchie reden. Yeah. Das ist so wie Fonsi, wenn er das Wort „Punk“ in den Mund nimmt.
Wie ich schon vorhin twitterte: „Ich hätte das nachher gerne als MP3 zum einschlafen, okee?“
Mehr:
Felix, Don Dahlmann