Die Blogger von der Hirngerechten Gestaltung haben Prodigys Smack my Bitch up-Video nachgedreht und Nerdcore kommt am Anfang auch kurz drin vor, yay! Fred schreibt mir: „Wir haben ein kleines Video gedreht, Inhalt: Eine wilde Nacht im Leben eines Nerds. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Bloggern unbeabsichtigt. Ähnlichkeiten mit dem vielleicht besten Musikvideo aller Zeiten (Smack my bitch up, The Prodigy) beabsichtigt.“
Es gibt tatsächlich ein Blog namens March MODOK Madness, das seit zwei Jahren im März jede Menge MODOK-Content, meistens Illustrationen, raushaut und wer nicht weiß, wer oder was ein MODOK ist: Mental Organism Designed Only for Killing ist ein Superfiesling aus dem Marvel Universum. MODOK! MODOK! MODOK!
Ich liebe MODOK, jedesmal, wenn ich ihn sehe… ich meine, einen Superfiesling mit viel zu großem Kopf der auf einem furzenden Stuhl durch die Gegend fliegt, muss man einfach gern haben!
Die New York Times hat ein Interview mit Chatroulette-Erfinder Andrey Ternovskiy, aber darum geht’s hier nur am Rande. Eigentlich geht’s mir nämlich um die beste Headline, die man in dem Zusammenhang bringen kann, und die lautet „NYT interviews penis circus director“ und kommt von der wunderbaren Website TPUTH, sowas wie ein manuell geführtes Rivva: Zehn Links, nur nichtssagende, aber superunterhaltsame und superzutreffende Headlines und noch ein paar Spielereien, mehr nicht.
Sowas hätte ich ja ganz gerne für Deutschland, mit sarkastischen Headlines zu Startup-Bullshit und Tagesgeschehen und das wäre auch wegen der Headline-Only-Struktur sehr unaufwändig zu machen, so ein Dings. Mal sehen, vielleicht komm’ ich ja mal zu irgendwas.
Dieser Satz erklärt, worum es im obigen Video geht und wer es gemacht hat. Dieser Satz erzählt kurz die Hintergründe, während dieser Nebensatz eine kleine persönliche Einschätzung dazugibt. Dieser Satz baut eine Brücke zu wahlweise Hip Hop oder Religion und disst entweder das eine oder das andere auf unglaublich polemische Weise. Garniert werden diese drei Sätze durch den obligatorischen Snip:
This sentence contains a provocative statement that attracts the readers’ attention, but really only has very little to do with the topic of the blog post. This sentence claims to follow logically from the first sentence, though the connection is actually rather tenuous. This sentence claims that very few people are willing to admit the obvious inference of the last two sentences, with an implication that the reader is not one of those very few people. This sentence expresses the unwillingness of the writer to be silenced despite going against the popular wisdom. This sentence is a sort of drum roll, preparing the reader for the shocking truth to be contained in the next sentence.
This sentence contains the thesis of the blog post, a trite and obvious statement cast as a dazzling and controversial insight.
This sentence claims that there are many people who do not agree with the thesis of the blog post as expressed in the previous sentence. This sentence speculates as to the mental and ethical character of the people mentioned in the previous sentence.
Sleep Talkin’ Man ist ein Blog über einen im Schlaf sprechenden Herrn. Ich weiß nicht, ob das alles echt oder Fake ist, aber I want to believe: „My mild-mannered English husband Adam lives quite a colorfull existence in his dreams. Having benefited from hours of delight at his dead-of-night musings, I thought it only fair to share with the world.“
Hier ein paar meiner Favorites:
“I don’t want to die! I love sex. And furry animals.”
“Now fuck off and let me bask in the glory of being me.”
“Being in the same room with you makes me want to suck the pus out of a rancid nasty rectum.”
Kann ich ja auch Euch mal fragen: Hatte grade ‘ne Interviewanfrage zum Thema Blogsterben und Twitter und so was: „Nun wollte ich fragen, ob du mit mir über das Thema Blog-Sterben sprechen könntest. Was ist dran, was passiert wirklich, wie stehen Blogger zu Twitter, warum funktionieren manche Blogs und andere nicht?“
Eigentlich interessiert mich eher, was ihr dazu meint, hier aber trotzdem meine Gedanken dazu:
Es gibt das sogenannte Blog-Sterben, tatsächlich ist das allerdings nur ein Wechsel der Online-Aktivitäten der Leute (und die Tagebuch-Blogger interessieren zumindest mich im Jahr 2010 überhaupt nicht mehr). Linksammlungen pflegt man nicht mehr auf einer eigenen Website, sondern auf Facebook oder sonstwo, kurze Mitteilungen macht man per Twitter, wozu also ein Blog. Es gibt allerdings auch etablierte Blogs (wie NC), die funktionieren auf ihre individuelle Art (ich hier als Netzfilter mit einer bestimmten Perspektive) und bleiben so bestehen. Tatsächlich löst sich einfach der Long Tail vom Publishing auf fixen Websites (Blogs) und splittet seine Aktivitäten auf mehrere Web-Services auf.
Twitter stellt da nochmal einen besonderen Faktor dar: Es gibt ein „Kern-Internet“, bestehend aus den Datenbanken und den Online-Ausgaben klassischer Medien, die werden von einer Schicht aus Websites/Blogs umgeben, die sich auf sie beziehen, sich gegenseitig verlinken und auch eigenen Content generieren: User Generated Content. Dann kam Twitter und Micro-Blogging und das umgibt nun wiederum das Gesamtgebilde in einer neuen Schicht, das Netz besteht 2010 also aus mehreren Schichten und jede neue Schicht ist „kommunikativer“ als die vorherige, der nächste Schritt ist die (bereits stattfindende) Adaption dieses Modells auf’s Handy.
Es gibt also dieses Blogsterben, das ist nur tatsächlich ein Wechsel des Long Tail in eine neue Kommunikations-Schicht im Netz. Etablierte Blogs bleiben bestehen und wachsen (NC hat Anfang 2010 circa doppel soviele Leser als Anfang 2009. Wahnsinn!), genauso wie Liebhaberblogs. Warum manche Blogs funktionieren und manche nicht, weiß ich nicht, ich kann aber versuchen, von mir aus zu schließen, warum NC funktioniert: Ich hatte schon immer einen Hang zu Publishing, hatte als Kind einen Ordner, in den ich komische Ausschnitte aus Zeitungen und Zeitschriften klebte (vor alles viel Space-Kram), malte mit 12 großformatig Buchstaben der Helvetica, hatte mit 20 ein handkopiertes Fanmag über Techno und habe dann Schriftsetzer bei einer Zeitung gelernt. Man könnte also sagen, ich bin sowieso so ein Medien-Fuzzi und Blogs und Nerdcore sind also eine beinahe zwingend logische Folge meines Lebens und diese sowieso schon vorhandene Medienverbundenheit hilft nicht wenig dabei, das hier zu durchzuziehen, wie ich es eben mache.
Noch ein Grund, warum NC funktioniert: Auch dann bloggen, wenn man keine Lust darauf hat, dabei eine gewisse Tonalität und eine bestimmte Ästhetik beibehalten (und hin und wieder durchbrechen) und all das mit einer gewissen Disziplin durchzuhalten, dabei hilft mir auch GTD (Getting Things Done) mit so ein paar individuellen Einrichtungen wie nach Prioritäten sortierter Feedreader und sowas. Man könnte also durchaus sagen, dass ich das hier ganz gut professionalisiert habe, was den Ablauf angeht.
Auch ein Grund, warum NC für mich funktioniert und der vielen nicht schmeckt: Verzicht auf Persönliches (und genau das auch ab und zu brechen). Früher habe ich öfter persönliche Geschichten gebracht, weil das eben alle machen. Habe ich mir abgewöhnt, denn ich merke auch an meinem eigenen Leseverhalten: Nichts ist langweiliger als die tausendste persönliche Geschichte auf einem Blog, man kann es nach einer gewissen Zeit einfach nicht mehr hören/lesen und nichts ist schlimmer, als der Gedanke: „Was soll ich bloggen?“ Links zu seltsamen Storys, weirden Videos oder obskuren Songs kann ich immer bloggen, dazu brauche ich weder Stimmung noch Lust, das Netz ist voll davon, weil die Welt eben dieser irre Ort ist, der er ist, voller irrer Ideen, die darauf warten, hier auf NC zu landen. Und diesen Wahnsinn gebe ich nur zu gerne weiter und sage liebend gerne: Schau mal hier, wie over the top awesome, geh da hin und guck dir das an. Und diese Liebe zu irren Ideen ist wohl der größte Grund, warum NC für mich funktioniert.
Irgendwie sowas werde ich in dem Interview morgen wohl erzählen, nachzulesen in der Prinz irgendwann.
Ich habe seit bestimmt 2 Jahren nicht mehr über Blogs gebloggt, worauf ich mächtig stolz bin. Also darf ich mal wieder.
Nerdcore wurde im Leser-Poll der De:Bug zum besten Blog 2009 gewählt. Mir fehlen da ein bisschen die Worte, vor allem weil: die De:Bug ist ja quasi der Nachfolger der Frontpage und die hat meine musikalische und gestalterische Sozialisation entscheidend mitgeprägt und da jetzt auf Platz 1… wow! Deshalb ganz einfach nur: Danke! I ♥ you, too.
Growing up Heroes ist ein Tumblelog in der Schule von Awkward Family Photos oder My Parents were awesome, nur eben mit Kids aus den 60er bis 80er Jahren, die sich als Superhelden verkleiden. Von mir gibt’s nur ein Kinderfoto als nackter Drummer, hatte ich auch mal gebloggt, müsst Ihr aber selber suchen.
A pretty emotive and reflective look on how heroes affected many of us when we were growing up (1960-1990).
Ende der Neunziger, als ich grade meine Typografen-Lehre beendet hatte und im Grafik-Atelier einer Zeitung arbeitete (fuck, ich habe damals tatsächlich noch Layouts geklebt! So richtig mit dem Ausschneiden einzelner Zeilen und auf Papier kleben und sowas) und das mit mir und dem Internet langsam losging, da gab es für Designer vor allem drei Anlaufstellen: Kaliber10000, wo heutzutage nicht mehr wirklich viel geht, Pixelsurgeon (war Inspiration für NC) wurde vor zwei Jahren (oder so) eingestellt und Computerlove. Und als Computerlove vor drei Monaten ankündigte, die Seite zu relaunchen und für 360 Stunden nur experimentellen Wahnsinn zeigte, sich nach den 360 Stunden dann nix tat und aus den 15 Tagen erst ein Monat wurden und dann zwei, da machte ich mir langsam Sorgen. Zum Glück machte ich mir die umsonst, die Sorgen, denn CPLUV is back, yeah!
Und das gleich mit einem extrem schönen Item, dem Buch „We feel fine: An Almanac of Human Emotion“ von Sep Kamvar und Jonathan Harris. Die scannen mit einer Software die englische Blogosphäre nach der Wortfolge „I feel“ und „I am feeling“, ermitteln Statistiken über die Online-Gefühlswelt und visualisieren die Daten in schicken Grafiken. Snip von Amazon:
In this dazzling exploration of contemporary human feelings, digital whiz kids Sep Kamvar and Jonathan Harris use their computer programs to peer into the inner lives of millions, constructing a vast and deep portrait of our collective emotional landscape. Armed with custom software that scours the English-speaking world’s new Internet blog posts every minute, hunting down the phrases “I feel” and “I am feeling,” the authors have collected over 12 million feelings since 2005, amassing an ever-growing database of human emotion that adds more than 10,000 new feelings a day.
Drawing from this massive real-world stockpile of found sentiment, We Feel Fine: An Almanac of Human Emotion presents the best of the best — the euphoria, the despair, the passion, the dreams, and the desires that make us human. At turns touching and thought-provoking, humorous and heartbreaking, We Feel Fine combines the words and pictures of total strangers to explore every corner of the human experience. Packed with personal photos, scientific observations, statistical infographics, and countless candid vignettes from ordinary people, We Feel Fine is a visual, fiercely intelligent, endlessly engrossing crash course in the secrets of human emotion. Are men or women happier? Does rainy weather affect how we feel? Is beauty the bridge between happiness and negativity? How do our emotions change as we age? What causes depression? What’s sexy? What’s normal? What’s human?
We Feel Fine finally provides a way to answer these questions that is both quantitative and anecdotal, putting individual stories into a larger context and showing the stories behind the statistics — or as the authors like to say, “bringing life to statistics and statistics to life.” With lush, colorful spreads devoted to 50 feelings, 13 cities, 10 topics, 6 holidays,5 age groups, 4 weather conditions, and 2 genders, We Feel Fine explores our emotions from every angle, providing insights into and examples of each.
Equal parts pop culture and psychology, computer science and conceptual art, sociology and storytelling, We Feel Fine is no ordinary book — with thousands of authors from all over the world sharing their uncensored emotions, it is a radical experiment in mass authorship, merging the online and offline worlds to create an indispensable handbook for anyone interested in what it’s like to be human.
Ich habe dieses Stöckchen jetzt schon ein paar Mal an den Kopf bekommen, fühle mich aber jetzt erst so halb angeschickert von der Stöckchen-Muse geküsst und beantworte mal die paar Fragen, auch wenn ich die schonmal vor mehr als drei Jahren beantwortet habe. Und ich bin selbst gespannt, was sich seit damals geändert hat.
1) Seit wann bloggst du?
Seit März 2005.
2) Warum bloggst du?
Ich kann gar nicht anders. Ich stoße jeden Tag auf so viele tolle, verstörende, interessante oder einfach nur schöne Dinge – auf die will ich irgendwie verweisen. Außerdem stehe ich auf die Aufmerksamkeit, die man mit so ‘nem Ding erreichen kann. Letztenendes ist es aber ganz einfach Lust an Publikation (übrigens: nicht so sehr die Lust am Schreiben, mir geht es eher um Publizieren an sich.)
Ich hatte als Kind einen Ordner, in den ich Zeitungs- und Magazin-Artikel rein klebte, die mir auffielen. Damals wie heute hier: Raumfahrt, immer wieder Space und Wissenschaft. Dann Schülerzeitung, dann ein Techno-Fanmag, handkopiert… und dann eben Nerdcore. Ich wollte schon immer den Kram, der mir so über den Weg läuft, mit anderen Teilen und ein Blog ist das Tool der Wahl hierzu.
3) Warum glaubst du lesen deine Leser dein Blog?
Ich könnte ja schreiben, dass ich keine Ahnung hätte und könnte fragen: Warum lest Ihr Nerdcore?
Aber ich habe eine Ahnung: Weil hier seit fast fünf Jahren täglich bis zu 15 Postings erscheinen, weil in denen die größten WTFs stattfinden, weil die Postings dabei immer relativ abwechslungsreich sind und stilistisch eine gewisse Schnittmenge aufweisen: Meinen Geschmack, und der trifft, bei allen Schwankungen, anscheinend ganz gut den von ein paar Leuten da draußen.
Deshalb. Oder?
4) Banner, Layer Ads, Linkkauf, paid posts. Was hälst du von Werbung in Blogs?
Werbung in Blogs finde ich völlig beknackt und jeder, der Werbung schaltet, hat ‘nen kleinen Penis.
Und jetzt im Ernst: Werbung in Blogs interessiert mich nicht, mich interessiert ihr Inhalt. (Und dabei interessiert es mich auch sehr wenig, wie das geschrieben ist, sondern welchen Inhalt das Geschriebene transportiert. Ein Blog, das schlampig geschrieben ist und super Content verlinkt, ist mir tausendmal lieber, als ein Blog, das höchst wohlfeil formuliert ist, dafür aber für mich nur Langeweile bereit hält. Bei beidem spielt Werbung keine Rolle, wobei das jetzt auch gelogen ist: Layer Ads sind für mich ein absolutes Ausschußkriterium.)
5) Welcher deiner Blogeinträge bekam zu Unrecht zu wenig Aufmerksamkeit?
Eigentlich müsste man ja schreiben, dass jedes Posting die Aufmerksamkeit bekommt, die es verdient. Tatsächlich aber gibt es so ein paar Sachen, die hätten einmal quer durch die Blogosphäre gepeitscht werden müssen, die aber aufmerksamkeitstechnisch so vor sich hin dümpelten. Das David Lynch-Mashup-Album zum Beispiel… Oder dieses unfassbar gute Musikvideo hier zu Cut Chemists „1st Big Break“, das erste Musikvideo, das mit einer 360°-Kamera aufgenommen wurde, inklusive Robotern und Feuerspuckern…
Wobei mir vollkommen klar ist, dass viele meiner Postings nicht wirklich zu einer Diskussion oder einem Comment einladen… außer „whoa“, „awesome“ oder „wtf?!“ kann man da oft nichts zu sagen, dennoch erstaunt es mich oft, welche Dinge „durchstarten“, und welche nicht. Aber wenn ich dieses Geheimnis wüsste, hätte ich längst ‘ne Finka auf einer Südsee-Insel und würde mich von 11 nackten Asiatinnen mit ‘nem Fächer bewedeln lassen.
6) Auf was sollte man deiner Meinung nach bei der Gründung eines Blogs vor allem achten?
Tatsächlich: Auf den Namen des Blogs. Es gibt nichts abtörnerendes, als ein Blog, das eigentlich toll ist, bei dem einen allerdings der Name einen davon abhält, es zu verlinken. Klingt oberflächlich, ist es auch, aber mich hält etwas davon ab, ein Blog namens „Kackediespritzt.de“ auch nur irgendwie zu erwähnen. Ansonsten eigentlich nix, außer: Sich selbst treu bleiben, dabei aber auch immer Experimente wagen. So ungefähr.
7) Dein aktuelles Lieblings-Blog?
Nach wie vor Boing Boing. Das Blog, das meinem Begriff von Blogging am nächsten kommt: Jede Menge Output, Filterfunktion, dennoch auch eigene Inhalte, breites Themenspektrum, meinungsstark aber nicht meinungsdominant, dabei immer darauf bedacht, gewisse Grenzen nicht zu überschreiten und wenn man es dann doch mal tut, schiebt man ein Posting über Regenbogeneinhörner hinterher.
8) Wie viele Feeds hast du im Moment abonniert und welchen Feedreader benutzt du?
Aktuell 483 in NetNewsWire. Ich habe vor ein paar Tagen erst meinen Feedreader entmistet und bin unter meine magische 500er-Grenze gerutscht, wenn also jemand Tipps an guten Blogs hat, ab in die Comments damit.
9) Mac oder PC?
Keine Diskussion: Mac.
10) Von wem würdest du gerne die Fragen aus diesem Stöckchen beantwortet haben?
Von allen.
Wer schon jemals irgendwas für Kunden gemacht hat, wird dieses Tumblelog lieben: Clients from hell. Hier ein paar meiner Favs, gleich zu Beginn mal ein richtiger Knaller:
$1,000 is very expensive, you know. We only want a simple website with our current contents, and contact form as well. And don’t forget about CMS features. We want to add or edit content on our own. And the picture gallery, we want something that stunning and animated. The header should be animated as well. And our logo seems too old, can you design new logo for our company? But the best price we can offer is $300, and we think that’s more than enough.
Oder:
After I sent a client a mockup with lorem ipsum as filler text: „It’s good but there is a weird language on the page. It will either need to be translated or removed.“
Oder:
We think there’s too much space, can you put all the services we do inside the logo. And if you can – make it 3D too, so it moves when you tilt the paper.
Letzte Woche war ein junger Herr von Cicero Online da und hat ein relativ langes Interview mit mir geführt. Das ist jetzt online. Es geht um Nerds und dass ich gar kein klassischer Nerd bin, um Politik im Digitalen Zeitalter, um Copyright und Neuroscience. Das Bild habe ich einfach mal aus den Tagesthemen-Remixen geklaut und nicht vorher nachgefragt und hoffe, das geht in Ordnung.
Herr Walter, sind sie ein Nerd?
Sicher kein klassischer Nerd. Das wären die Eierköppe, die sich schon in der Schule nur für Computer und Naturwissenschaften interessiert haben. Meine Festplatte ist dagegen seit letztem Jahr am Arsch, und ich weiß immer noch nicht wie ich die repariere. Andererseits hatte ich früher einen C64, und hab’ viel programmiert, auch in Assembler, also Maschinensprache. Ich würde den Begriff aber grundsätzlich weiter fassen und sagen, dass Nerdism gleichzusetzen ist mit der tiefen Faszination für ganz bestimmte Themen.
Wenn man sich Ihre Seite anschaut, wäre das alles was mit Monstern, Robotern, Comics und Raumschiffen zu tun hat?
Na ja, das ist immer dieses Klischee. Ich hab schon oft gehört meine Seite sei das Zombie- und Star Wars-Blog, aber so monothematisch bin ich gar nicht. Typisch „Nerdcore“ ist genauso auch das Posting über 20er Jahre Illustrationen, die die menschliche Anatomie als Maschine darstellen, oder das über ein Buch aus dem Jahr 1937, in dem es um Studenten geht, die Nachts auf den Universitätsgebäuden in Cambridge herumklettern. Einfach Zeug was man sonst nirgendwo findet. Ich hab so ein paar Grundsätze auf Nerdcore: Keinen Konzernkram, wenn er nicht völlig, völlig geil ist, und ich will keine Menschen beleidigen, und mich nicht über das Unglück anderer lustig machen. Und dann aber doch wieder einmal im Quartal, da bringe ich dann vielleicht mal ein Video das lustig ist, weil jemand auf die Fresse fliegt. Das ist dann der Stilbruch.
Ihr Blog ist, könnte man sagen, Teil der Underground Kultur, einer Szene die völlig losgelöst von Leitmedien oder aktuellen Marktentwicklungen existiert. Trotzdem gibt es erstaunlicherweise in dieser Szene auch international eine Art Konsens, etwa darüber dass so unterschiedliche Figuren wie Robert Crumb, Aldous Huxley, George Romero oder die Beastie Boys Helden sind. Wie entsteht eigentlich so ein Konsens?
Ganz einfach: Im Underground zählt einzig und allein die ästhetische Qualität. Und das ganz unabhängig von der Frage, ob diese Qualität auch im Pop anerkannt wird, oder nicht. Da gibt es dann zwar die Puristen, die bei Pop aufschreien, aber das tangiert die Ästhetik ja nicht. Auf diese Qualität einigen sich dann bestimmte Leute, wobei ich mir nicht so sicher bin, was diese Leute verbindet. Wahrscheinlich einfach eine gewisse Geschmackssicherheit.
Statt dass Jako endlich die Reißleine zieht, die Anwälte zurückpfeifft und dem Blogger eine Jahresdauerkarte fürs Stadion schenkt, versuchen sie jetzt lieber, seine Meinung zu kaufen. Das ist doch auch mal was: Wir verklagen Dich, dann verklagen wir Dich nochmal, wenn Du dann aber was schönes über uns schreibst, ziehen wir wenigstens eine der Klagen zurück. Es geht also immer noch ein Stückchen tiefer bei Klogriffen.
Businesskasper doing it wrong! Epic Fail!
Am Mittwoch versuchte die Firma dann, den Schaden einzudämmen. Sanguinettes Kollege Giuseppe D’Antuono kündigte gegenüber der SZ an, dass Baade in Kürze eine Erklärung veröffentlichen wolle. Der Fußballtrainer sagte jedoch, die Anwälte hätten ihn zu einer für Jako günstigen Meinungsäußerung überreden und ihm im Gegenzug die zweite Forderung über 5100 Euro erlassen wollen. Er aber wolle sich erst dann positiv im Internet äußern, wenn alle Forderungen fallengelassen würden.
Man befinde sich in Verhandlungen mit Baade, richtet die zuständige Marketing-Frau aus – eine Presseabteilung existiert nicht: „Wir geben derzeit keine weiteren Informationen heraus.“ Und: „Vielen Dank für ihr Interesse.“
Frank Baade dagegen verrät: Die zweite Forderung über 5 100 Euro hat Jako schon fallen lassen. Auch die erste könne man vergessen, wenn Baade einen Blog-Artikel veröffentliche, in dem er dem Unternehmen ein freundliches Verhalten bescheinige. „Aber das stimmt einfach nicht“, sagt Baade: „Die sind nur eingeknickt, weil es eine Öffentlichkeit gibt.“ Nun wartet er ab.
Wenn ein junges Blog nach regenbogenfarbenen Zombies benannt sind, die Einhörner statt Hirne essen, und wenn dieses Blog dann noch Schönheiten wie obiges Strobo-Sexy-Morlock-GIF postet, dann muss ich das ja wohl mal verlinken. Geht ja gar nicht anders.
Ich lese grade Scott Rosenbergs (Mitgründer von Salon.com) „Say everything – How Blogging began, what it’s becoming and why it matters“ und ich kann jetzt schon sagen, dass es ein superinteressanter Rückblick auf circa 15 Jahre Blogging ist. Es geht selbstverständlich vor allem um die amerikanische Blogosphäre, aber wer Nerdcore ‘ne Weile liest, weiß, dass das hier ein ziemlich „amerikanisches“ Blog ist, wenn man das so sagen kann (und damit meine ich nicht mein Denglisch und ja, ich finde das super so, sonst würde ich’s nicht so machen).
Das Buch steigt ziemlich packend ein mit den Reaktionen der Blogs auf 9/11, vor allem anhand der Reaktionen von James Marino, der in New York die Flugzeuge in die Twin Towers krachen sah, das sofort ins Netz tippte und einer der ersten war, die diese Nachricht verbreiteten. Es folgen Kapitel über die ursprünglichen Blogs als kommentierte Linklisten, über politische Blogs, Kommerzialisierung (uuh!), Boing Boing und bietet am Ende einen recht zuversichtlichen Ausblick auf die Zukunft.
Ein ziemliches Must-Read für alle, die an Blogging an sich interessiert sind, Snip von Amazon:
How much of our lives should we reveal on the Web? Is anonymity a boon or a curse? Which voices can we trust? What does authenticity look like on a stage where millions are fighting for attention, yet most only write for a handful? And what happens to our culture now that everyone can say everything?
Before blogs, it was easy to believe that the Web would grow up to be a clickable TV–slick, passive, mass-market. Instead, blogging brought the Web’s native character into focus–convivial, expressive, democratic. Far from being pajama-clad loners, bloggers have become the curators of our collective experience, testing out their ideas in front of a crowd and linking people in ways that broadcasts can’t match. Blogs have created a new kind of public sphere–one in which we can think out loud together. And now that we have begun, Rosenberg writes, it is impossible to imagine us stopping.
Schöner Artikel von Christian Stöcker auf spOnline über den Protest gegen Netzsperren. Und mit dem Begriff Generation C64 kann ich sehr, sehr gut leben.
Die Überraschung unter den politischen Spitzenkräften Berlins in den vergangenen Wochen war kaum zu übersehen. Etwas Unerhörtes war passiert. Eine neue politisch-gesellschaftliche Frontlinie ist sichtbar geworden, eine, die das Klima in diesem Land auf Jahre hinaus prägen könnte. Die Generation C64, die erste, die mit Computern aufgewachsen ist, hat die Nase voll von Herablassung und Gängelung, will sich nicht länger an den Rand der gesellschaftlichen Debatte drängen lassen. Sie wehrt sich, mit ihren Mitteln.
Und, tut mir leid, aber das Ende des Artikels muss ich spoilern, denn das ist zu gut:
Dass die Unterzeichner der Petition gegen das Filtergesetz es wagen, Vernunft und Bürgerrechte sogar unter dem Risiko, als Päderastenfreunde gebrandmarkt zu werden, zu verteidigen, ist eine Entwicklung, die es eigentlich zu feiern gälte. Hier setzen sich Menschen für sinnvolle Gesetze und demokratische Grundprinzipien ein, teils schamloser öffentlicher Diffamierung zum Trotz. Das passt besser zum 60. Geburtstag des Grundgesetzes als jede Sonntagsrede.
Und es ist für Deutschlands politische Klasse ein Vorgeschmack auf das, was noch kommt: Die digitalen Einheimischen haben begonnen sich einzumischen.
Bevor mir das Terroristen-Video noch mehr Leute schicken: Ich hatte das heute schon auf Spreeblick gebloggt, zusammen mit ein paar Anmerkungen, denn ich finde das Video alles andere, als gelungen.
Das Video verbreitet leider einige Un- oder Halbwahrheiten, das es zwischen aktueller Realität und möglichem Zukunftsszenario nicht differenziert. So werden im Rahmen der Vorratsdatenspeicherung (bisher) nur Verbindungsdaten, jedoch keine E-Mail-Inhalte gespeichert, wie es das Video suggeriert. Auch der Zugriff auf sämtliche deutschen Rechnerinhalte ist (noch) keine Realität. Diese Kritik soll den fortschreitenden Kontrollwahn allerorts nicht verharmlosen, doch die Frage muss erlaubt sein:
Kann ein solcher Clip die Diskussion befruchten? Oder macht er sich nicht genau die gleiche Polemik zu Eigen, die man von anderen Seiten so sehr ablehnt?
Für eine Satire ist das Video zu harmlos und vor allem im Zusammenhang mit der Website nicht als solche erkennbar, die falschen Informationen, die im Video gestreut werden (E-Mail-Subjects werden nicht gespeichert, besuchte Websites ebenfalls nicht) sind nicht überspitzt, eher im Gegenteil: Die Falschinformation ist eher subtil, auch wenn der Aufmacher mit „Du bist Terrorist“ sehr polemisch ist, die hiernach folgenden Details vermischen kleinteilig Fiktion und Realität.
Und wenn man in die Comments auf Netzpolitik schaut, dann steht da ja auch überall „Genau, so ist’s, so und nicht anders“. Nein, ist es nicht. Deshalb spielt das Video den Leuten in die Hände, die unsere Kritik an den Vorhaben der Bundesregierung als „Panikmache“ von „Paranoiden“ bezeichnen.
Ich denke, wenn wir in unserer Kritik an den Zensur-Vorhaben ernst genommen werden wollen, sollten wir nicht denselben Fehler begehen, wie die Bundesregierung: Wie sollten keine undifferenzierten Unwahrheiten erzählen.
Oder aber ich liege vollkommen falsch und man kann solche „Schlachten“ nur schmutzig führen.
„We love you so“ (via Stylespion) ist ein Blog mit einem tollen Namen, das die im Oktober anlaufende Kinderbuch-Verfilmung „Where the wild things are“ von Spike Jonze abfeiert. Snip von der About-Seite:
In October 2009 Spike Jonze’s feature film rendition of Maurice Sendak’s classic story Where The Wild Things Are will hit movie theaters worldwide. The film represents years of work from hundreds of different artists, writers, photographers, musicians, actors, and creators of all degrees. This place has been established to help shed some light on many of the small influences that have converged to make this massive project a reality.
Simply put, this a place to learn about things we think are great and to share with you the things those things helped make. Wild Things indeed… And also probably a lot of other randoms things that catch our eye along the way.
Außerdem gibt es im Oktover wunderbare Wild Things-Kubrick-Toys und weil’s so schön war, hier nochmal der Trailer, der vor ein paar Wochen so ziemlich jeden von den Socken gehauen hat:
Whitney Sorrow (die auf Etsy schöne selbstgebundene Skizzenbücher verkauft), schreibt/kopiert den in Public Domain befindlichen und in Tagebuchform geschriebenen Text von Bram Stokers „Dracula“ in ein Blog und das genau an dem Datum, an dem auch Jonathan Harker Einträge schrieb. Dracula in Echtzeit in einem Blog. Yay!
My Friend.—Welcome to the Carpathians. I am anxiously expecting you. Sleep well to-night. At three tomorrow the diligence will start for Bukovina; a place on it is kept for you. At the Borgo Pass my carriage will await you and will bring you to me. I trust that your journey from London has been a happy one, and that you will enjoy your stay in my beautiful land.
Your friend,
DRACULA
Hier also mein Beitrag zu Kais Aktion „Ein Herz für Blogs“, in der man deutschsprachige Lieblings-Blogs aufzählen und dabei auch über den Tellerrand schauen soll. Mit meinen üblichen Verdächtigen fange ich also gar nicht erst an und verzichte ausnahmsweise mal auf Inzest. Here we go.
xFuckerx
Hotzen haut auf seinem Blog jede Menge gute Design- und Fotografie-Links raus.
Clockworker
Wurde grade eben ein Jahr alt, ist das einzige reine Steampunk-Blog aus Deutschland, das ich kenne und bloggt über „Dieselpunk, Retro-Futurismus, Historisches“. Nur lesbar mit Monokel.
Polkarobot
Markus hat ähnliche Themen wie ich, nur mit einem etwas anderen Fokus.
I ♥ Pluto
I love Pluto ist noch recht jung, grade mal 8 Monate alt und bloggt über alles mögliche mit einem leichten Fokus auf Filme.
The Junction
Isabelle Pohl, Jana Hergesell und Norman Röhlig schreiben über Kunst und zeitgenössische Kultur. Manchmal ein bisschen gestelzt, aber dennoch mit sehr schönen Themen.
Diskursdisko
Designblog mit Interviews, noch nichtmal ein halbes Jahr alt.
Minds Delight
Marco macht auf Minds Delight sowas wie ich, nur anders.
Pimpettes
Ina, Gina und Tanja Pimpette sind eigentlich eine Band, nur spielt keine ein Instrument, also bloggen sie. Über Sex, Mode und Sex.
Doktorsblog
Wenn der Herr Doktor nicht grade mal Kopfnüsse verteilt, geht’s vor allem um Cyberpunk, Transhumanismus und SciFi.
Superlevel
Fabus neues Gameblog, leichter Fokus auf Browser- und Flashgames und für meinen Geschmack ein wenig zu verspielt, aber hey: It’s Fabu!
Hirnwichse
Malte ist Comic-Verkäufer und Japan-Freak und genau so liest sich sein Blog.
Berlinpiraten, Just und Rebel-Art
Meine deutschen Streetart-Blogs. Da gibt es sicherlich noch mehr, ich habe sie nur noch nicht gefunden.
Und hier ein paar Blogs, von denen man auf den ersten Blick nicht denken würde, dass ich sie lesen würde.
Mockingbird
Finja lese ich jetzt schon seit einigen Jahren und neben privaten Befindlichkeiten (die mich in Blogs immer weniger interessieren), schreibt sie häufig über Politik in Afrika, wo sie jetzt schon zweimal war, um Praktika während ihres Studiums zu machen. Außerdem hat sie’s noch ein bisschen mit Makro-Ökonomie.
Brainblogger
Patrick Breitenbach schrieb früher den Werbeblogger und schreibt sich derzeit auf Brainblogger frei, lässt dort einfach Gedanken schweifen und das ist mal albern, mal sehr tiefgehend philosophisch und auch mal angriffslustig. Leider viel zu selten.
IP Notiz
Ein Blog von Juristen über geistiges Eigentum im digitalen Zeitalter. Manchmal etwas zu trocken aber vielleicht auch deshalb dem Thema sehr angemessen.
Weissgarnix
Thomas Strobl schreibt auf Weissgarnix über Ökonomie, Gesellschaft und Philosophie.
Das Nuf
Ältere Blogsemester kennen selbstverständlich das Nuf. Die Dame schreibt hier, wenn sie mal Zeit hat, vor allem über Babykotze. Und das äußerst unterhaltsam.
Screwtapes
Mike ist depressiv und auf Medikamenten und schreibt darüber seit fünf Jahren. Selten zwar, aber dafür sehr offen.
Kai von Stylespion will am Dienstag eine herzige Blogaktion durchziehen und weil ich die gut finde und mitmachen werde, hier schonmal der Hinweis drauf. Snip von Stylespion:
Am kommenden Dienstag, den 21.04, veröffentlichen alle, die darauf Lust haben, einen Beitrag mit dem Titel “Ein ♥ für Blogs” in dem sie ihre lesenswerten deutschsprachige Blogs vorstellen – das darf dann auch mal über den eigenen Blogtellerrand hinausgehen.
Im Idealfalle entdecken wir alle neue Perlen und sorgen dafür, dass man sich untereinander ein wenig vernetzt (ja, so wie früher!).
Damit die kleine Aktion nicht zu klein ausfällt, wäre es toll, wenn ihr sie bereits jetzt ankündigt, damit möglichst viele zumindest davon hören. Hierzu dürft ihr gerne die Grafik oben nutzen, oder ihr erstellt eure eigenen Banner, wie auch immer
Also nochmal zusammengefasst:
- Schnell auf die Aktion in euren Blogs hinweisen
- Am kommenden Dienstag einen Beitrag mit euren liebsten deutschsprachigen Blogs veröffentlichen
- Freuen
Torsten vom noch sehr frischen aber tollen Blog Feingut hat mit mir ein Mailinterview gemacht. Und weil ich Thorsten mag, habe ich ihm sehr ausführlich auf seine Fragen geantwortet. Hier der Teil, in dem es darum geht, wie ich meine Postingfrequenz schaffe:
Torsten: Augenscheinlich ist Nerdcore im Verhältnis zu den vielen deutschen „Hobby-Blogs“ eine unwahrscheinliche „Contentmaschine“, was manchen vielleicht „erschrecken“ mag. Wie schaffst du das? Woher nimmst du die Zeit dafür? Konkreter: Wie lässt du dir bei dieser Vielzahl an Blogs wirklich keine interessanten Inhalte durch die Lappen gehen?
René: Diese Frage stellt man mir oft, die Antwort ist relativ einfach: Ich leben vom bloggen und mache das Hauptberuflich, mache aber „nebenher“ noch Designjobs. Das heisst: Ich habe schlichtweg die Zeit, um 700 Feeds zu lesen und zu filtern. Tatsächlich habe ich ja einen höheren Output als das, was „nur“ bei NC landet. Ich schreibe am Tag so drei Postings bei Spreeblick und nochmal drei bei den Filmfreunden, mal mehr, mal weniger. An richtig guten Tagen komme ich durchaus mal auf 30 Postings. Und dafür habe ich im Laufe der Zeit Techniken entwickelt, ohne die sowas nicht geht.
1.) Emails-Checken und beantworten: Morgens und Abends, dazwischen nur, wenn es sein muss. Das gleiche gilt für Kommentare.
2.) Ich habe meinen Feedreader organisiert von Wichtig zu Unwichtig. Außerdem habe ich einen Feedordner für die Aggregatoren wie Digg oder Reddit und die Müllschreiber, die aber ab und zu mal eine Perle ausgraben. In diesem Ordner scanne ich lediglich die Headlines und so schaffe ich 200 unread in unter zwei Minuten, oder so. Außerdem habe ich einen Ordner namens „Lesen“, da sind nur die Blogs drin, die ich tatsächlich lese im Sinne von Lesen, und zwar aus persönlichen Gründen: Freunde und Bekannte.
3.) Wenn ich etwas interessantes finde, dann gibt es drei Möglichkeiten: Es ist sowas von WTF, dass mir sofort der Text einfällt oder dass ich einfach zwei Absätze voller „ZOMG!“s schreibe und haue es sofort raus. Das dauert seltenst über fünf Minuten. Oder es ist interessant, aber mir fällt nichts dazu ein, will es aber trotzdem auf der Seite haben, in diesem Fall sind das die Posts mit solchen Texten: „Ich liebe dieses Schaukelpferd aus Knochen von Heinz Mustermann, Link“. Oder ich packe es einfach in meine Delicious-Links, das ist ein Klick und drei, vier Tags. Jede Art zu posten geht sehr schnell. Und dann gibt es natürlich noch den Fall, dass ich mich länger mit einem Thema auseinandersetze. Das dauert, manchmal sogar Wochen.
Rainer Meyer aka Don Alphonso baut grade sehr große Scheiße, vergleicht Zocker wiederholt mit Nazis, prügelt auf eine Sache ein, die ihm fremd ist, von der er keine Ahnung hat und malt das ganze mit seiner bürgerlichen Fassade an, die über allem steht.
Ich habe heute in der FAZ einen mässig kritischen Beitrag über diese waffenlobbyistisch argumentierenden Gamer geschrieben, die, egal was passiert, immer auflaufen und betonen, dass alles und jeder, Schule, Eltern, Freunde, Gott, die CSU und die UNO an irgendso einem Stück Scheisse schuld sind, das Menschen umbringt, aber gar nie nicht die verfickte Droge, auf die sie stehen: Ihre Gewaltspiele. Ich habe das freundlicher gesagt, als ich es meine, denn in meinen Augen sind diese explizit Suchtkranken argumentativ auf dem gleichen Niveau wie die Altnazis bei uns in den Käffern. Es ist immer was anderes, oder was anderes ist noch schlimmer, oder noch dieses und jenes und – na, man kennt das. Kostenlose PR-Truppen für einen widerlichen Wirtschaftszweig.
Jedenfalls habe ich heute zum ersten Mal begriffen, warum man bei Medien wie der FAZ die Kommentare nicht auflassen kann, wenn man so etwas bei einem klassischen Medium schreibt. Ich war da früher hochgradig anderer Meinung, aber heute hatte ich das Vergnügen mit einem Link von einem Quakeforum, und die ganze feige Bande dann als Trolle im Blog. Ich habe an die 50 Kommentare gelöscht, und es war so ziemlich alles dabei, was man sich so vorstellen kann, von der Beleidigung bishin zu Äusserungen, bei denen man gleich den Staatsanwalt anrufen könnte. Nun sind diese Art Gamer eine ganz besondere Gruppe Mensch, die, ähnlich wie die Gefolgschaft von Neoconaziseiten und extremistische Islamisten, keine Haftung in der Realität mehr haben.
Nochmal: Fonsi vergleicht hier zockende Kids mit Nazis, Neocons und extremistischen Islamisten. Schlampiger kann man nicht arbeiten und der Herr schimpft sich Journalist, ein wenig Recherche hätte gutgetan. Deshalb empfehle ich Fonsi diesen vierteiligen Vortrag von Erziehungswissenschaftler Dr. Freerk Huisken, der von dem Killerspiel-Unsinn im Zusammenhang mit Amokläufen nicht viel übrig lässt. Es ärgert mich allerdings noch ein bisschen mehr, als nur die offensichtliche Inkompetenz, mit der Fonsi hier einem heiklen Thema mit der ihm eigenen Flatulenz-Formulierungen begegnet.
Donna Bella redet hier über Kinder! Vergleicht sie, nochmal, mit Nazis, Neocons und extremistischen Islamisten. Das ist nicht nur schlampig, das ist schon ein bisschen eklig. Ach was ein bisschen: Fonsi, das ist eine verfickte Scheiße, die Du da grade baust und da geht mir jeglicher Respekt flöten. Kommentiermassen von Kindern, das kennt man von den Themen Tokio Hotel oder [younameit] zu genüge, da ist auch von “Ey Alda!” bis zu Todesdrohungen alles dabei. Ganz typische Trolle eben, löscht man und gut is’. An solchen Reaktionen von Teenagern ist nichts, aber auch gar nichts besonderes. Fonsi äußert hier eine bemerkenswerte Unsouveränität.
Selbstverständlich, und das weiß auch jeder Zocker, gibt es beim Thema Ego-Shooter und Amokläufe eine Korrelation. Wenn man obigen Vortrag hört, bleibt davon, wie gesagt, nicht viel übrig. Das weiß Fonsi vermutlich, verschweigt es aber, weil er ja dann nicht auf Teenagern rumprügeln kann und genau hier überschreitet er eine Grenze, sucht sich seinen Gegner nicht auf Augenhöhe, sondern kotzt seinen Unsinn auf Kids und wenn die in ihrer eigenen Sprache antworten, reagiert er pikiert, der Fonsi, bezeichnet Fanboys als „PR-Truppen“. Ekelhaft, das ist selbst für seine Verhältnisse so ziemlich das allerletzte. Fetz’ Dich lieber mit deinen Businesskasper-Heinis, da kommt nicht so großer Bullshit heraus, wie hier.
[update]Pantoffelpunk schreibt: „Hier beantwortet der Psychiater Lothar Adler mit dem Spezialgebiet Amokforschung Kurz und knapp die Frage nach dem Verbot der sogenannten Killerspiele mit “Barer Unsinn!” und erläutert das auch.“
Shane MacGowan was among those in the audience mesmerised by Ian Curtis. “I saw Ian Curtis sing with Joy Division,” he told Jon Wilde in 1994. “It was like a horror film. You were scared to go for a piss in case you missed something.”
Martha Cooper, die die Fotos für den Graffiti-Klassiker „Subway Art“ schoß, hat ein Blog. Darin schreibt sie vor allem über ihre Ausstellungen und Veröffentlichungen, das Bild oben stammt aus ihrem Post über die Ausstellung zu ihrem Buch „Going Postal“. Aus dem ersten Eintrag vom 12. Februar:
Greetings to all the 12ozers out there. I admit that when I first heard about this thing called blogging, my reaction was, “Who would ever want to spend time writing or reading all that stuff?!?” Well times change. I’m writing and we’ll see if anyone’s reading. I’m anticipating that 2009 will be an interesting year for me with a lot of travels, events and other stuff surrounding the new 25th anniversary edition of Subway Art so I’ll use this space as a sort of diary—starting with yesterday.
Blogger.com, Googles Blogger-Plattform, hat anscheinend seine Vorgehensweise gegen „problematische“ Inhalte geändert. So stieß ich vor einer Woche auf die Story eines amerikanischen Musik-Bloggers, dessen alte Artikel auf mysteriöse Art und Weise verschwanden. Die Links zu einzelnen Songs, meistens mit Labels abgesprochen und wahrscheinlich unter die amerikanische Fair Use-Klausel fallend, waren absurderweise bereits längst tot. Jetzt wurde, ohne Vorwarnung wie sonst üblich, gleich ein ganzes Blog geschlossen: Undead Film Critic, das hier in den Vias auch bereits auftauchte. Das Blog postete alte Horrorfilm-Plakate und vintage Pinups und war bereits von Google mit einer Jugendschutzdingswarnung versehen.
Das ist genau der Grund, warum ich Drittanbietern immer und immer zutiefst misstraue. Wenn man ein Blog betreibt, das mit Urheberrecht und Jugendschutz etwas laxer umgeht, als vom fucking Legal Department gefordert, dann sollte man sowas selbst hosten. Dann hat man immer noch die Entscheidungsgewalt, etwas zu löschen oder eben nicht. Denn normalerweise sind alte Horrorfilmplakate und Pinups völlig unproblematisch, auch wenn sie strenggenommen unter das Copyright oder den Nippelschutz fallen. Google sieht das anders und schickt nun nicht mehr Warnungen, sondern löscht (und ignoriert jegliche Nachfragen). Fuckers!
Vintage Robots sind die neuen Katzenbilder und eigentlich geht es bei diesem Posting gar nicht darum, sondern um dieses tolle, neue Bildblog (pun intended), dass alles, außer Katzen zeigt.
Parka Blogs ist ein fantastisches Blog voller Reviews von Grafik- und Comic-Büchern, inklusive jeder Menge Fotos der Bücher. Hier das Review zu James Jeans Buch seiner Coverillus für Fables:
Each cover is printed, in high resolution, on semi-gloss high quality paper. The book itself if hardcover with a dust jacket. The art on the hard cover is slightly embossed with a sticker pasted at the centre.
There are 75 single issues and 11 wraparounds, a wonderful look at his creative style over the years.
Also included are the sketches James Jean did for his covers. The covers are sometimes accompanied by his thoughts or some quote from the comic.
ivory tusk: gibt es noch kein Wordpress-Plugin, dass einen Blogeintrag langsam in die Tiefen des Browserfensters gleiten lässt???
René: @no*dice: Ah! YOU are that guy at 3:25! You’re a dick.
someone: @bloc: du fragst dich ernsthaft woher diese borniertheit gegenüber drogen kommt? noch vor nem jahr hab ich im spiegel gelesen, wie extrem gefährlich extasy sei und dass diese droge das ganze gehirn zerfressen würde. die medien streuen...
Pat: @starbug haeh was hat laurent garnier hiermit zu tun? ausser das er ein dj ist und in diesem vid zufaellig ein drummer vorkommt? der hat von live drumming doch kein plan.
schranz fubert: yeah! lese grade wieder h2g2 und die dirk gently romane. dabei ist mir aufgefallen, “die letzten ihrer art” (last chance to see) – den gegenstand dieses vortrags – habe ich gar nicht auf englisch. muss ich...
Sebastian: Der Schnitt ist so seltsam weil den Ben Folds selbst gemacht hat…könnt ja mal auf Youtube weitersuchen, da gibts Videos vom Konzert auf denen er erstmal die Capture-Software starten muss :)
dot tilde dot: mich haben eben nur meine beiden ohren davon abgehalten, im kreis zu grinsen. ganz ganz wunderbar. .~.
bloc: habs mir eben angeschaut und stelle fest: is gut. sehr viel neues hab ich jetzt nicht erfahren, war ja auch nicht gerade ausführlich ( eben populärwissenschaftlich), aber alles in allem stellt die doku, wie ich meine, lsd realistischer(...
Adam: Diese Chatroulette-Subkultur die sich neuerdings etabliert gefällt mir eigentlich gar nicht. Aber Improv-Konzerte sind immer eine gute Sache :)