Die Musikvideo-Community auf videos.antville.org hat die 100 besten Videos der Dekade gewählt und einen ziemlich guten Job gemacht. Ich hätte zwar das ein oder andere Video anders platziert und hier und da ganz andere genommen, aber alles in allem kann man dem nur beipflichten. Oben nochmal das Video zu Carpark Norths „Human“ mit ausrastenden Kids, völlig zu Recht in der Liste.
Ich liebe die Leons. Auf ihrem erstem Album machten sie noch charmanten, spröden Southern Rock, aber schon auf dem zweiten Album, auf dem auch „The Bucket“ enthalten war, merkte man: Die wollen was. Die wollen wohin, die bleiben nicht stehen. „The Bucket“ vereint ihren Willen zum Pop, den man vor allem auf dem neuen (tollen) Album hört, mit der ehemaligen Spröde. Die Bärte hatten sie zu Bucket-Zeiten schon zu zwei Dritteln abrasiert. Gut so.
The Knife haben ja zusammen mit Hot Chip (zu denen wir auch noch kommen werden) so ein bisschen einen neuen Elektronik-Sound erfunden, den man eigentlich als Electro-Pop bezeichnen müsste, wäre der Begriff nicht so sehr von Kraftwerk oder Depeche Mode geprägt. Aber genau das ist das hier: Klassischer Electro-Sound gepaart mit den Strukturen eines Popsongs. Ob The Knife in der Top100-Liste auftauchen wird, weiß ich noch nicht. Einigermaßen prägend waren sie dennoch.
Ich habe von Hip Hop, beziehungsweise genauer: Ich habe von Rap keine Ahnung. Aber ich weiß, wann mich ein Track in den Arsch tritt. Und dieser hier tat und tut genau das: Er tritt Arsch. Kicks ass. Eigentlich ist „99 Problems“ ganz oldschooliger Rock’n'Roll, so wie ihn im Rap die Beasties immer mal wieder machen, aber die haben ja auch ihre Wurzeln im Punk. Ein wunderbar einfacher Track, den man schon fast Song nennen könnte. Ganz klar auf die Zwölf mit harten Beats und einer noch klareren Botschaft: But a Bitch ain’t one. Hit me!
Was die Strokes für Garagenrock, das waren die Yeah Yeah Yeahs für Art Rock. Ein ehemaliger Kollege wollte die Band nicht hören, weil sie zu hip aussah, zu arty farty und sie sind es selbstverständlich auch, arty farty meine ich. Aber man kann durchaus arty farty sein, solange man brillant ist und die YYYs sind das beste Stück Kunstfurz, dass das neue Jahrtausend an Musik gesehen hat. Da können Franz Ferdinand lange auf der Kunstschule gewesen sein, einen Song wie „Maps“ müssen sie erstmal schreiben und überhaupt: Der hier taucht garantiert in der Top 10 auf.
Die Strokes sind quasi die Ur-The-Band neuer Schule und ihr Album „Is this it?“ platzte 2001 in die Musikszene wie nichts anderes. Langeweile mit Attitüde, die Strokes sind schuld an modernen Frisuren jenseits von Vokuhila, haben den Garagenrock im neuen Jahrtausend erfunden und das hier ist meines Erachtens der stärkste Song des Debuts. „I guess I want to misbehave, I guess I want to be your slave, You ain’t got nothin’ I want but, I want it all, I just can’t figure out“. Die Strokes haben übrigens grade das in Arbeit befindliche vierte Album verkündet. Find’ ich gut.
Der Track, der das ganze Electro-Punk-Dings losgetreten hat. Ohne Fisherspooner, die insgesamt sicher overhyped waren, hätte es Hot Chip und CSS sicher auch gegeben, vielleicht hätte es aber einen Funken länger gedauert. „Emerge“ dürfte übrigens aus den Clubs eher im Junkie-XL-Remix bekannt sein.
2001 hatte ich so dermaßen keine Lust mehr auf House und Techno und war schon lange dabei, die Genres Indie und Rock für mich (neu) zu entdecken, da hauten die Basement Jaxx diesen Track raus. Wahrscheinlich der beste, den sie jemals gemacht haben, brachte „Where’s your head at“ die Perspektive auf neue elektronische Musik, die rockt und verpackte dies in einen fast schon klassischen House-Track. Wunderbares Teil mit einem fantastischen WTF-Video.
Die Ordinary Boys kennt hierzulande kein Schwein, dabei hatten sie eigentlich alles, um zu den ganz großen werden zu können. Sie hatten ein fantastisches Debut-Album voller potentieller Hits, sie hatten Paul Weller im Rücken, der von ihnen als beste Band seit The Jam schwärmte und dann kam ein maues zweites Album und Sänger Samuel Preston drehte durch, nahm am englischen Big Brother teil, woraufhin Paul Weller alles zurücknahm („What happened to them, man? I thought he was a credible character, serious about what he was doing. Then he’s behaving like a silly pop star, a total about-face“), das dritte Album war chartpopkompatible Kacke und die Band löste sich schließlich auf. Übrig blieben neben ein bisschen Celebrity-Staub ein wunderbares Debut voller Hits, einer besser als der andere. Hier der vielleicht beste davon mit einem fantastischen Text: „The List goes on“.
Media press has become an utter mess, The opinions of failed pop stars, They constantly try to divert the public eye, Led by large cash deposits and such
Well I’ve heard it all done before, A hundred years ago or more, Originality is so passe. Forgotten genres get rehatched, Create the craze, create the cash. Would you buy anything?The list goes on…
Das hier ist ein kleines bisschen masochistisch, aber eigentlich auch gar nicht: Phantom Planet brachten 2002 ein gutes Album mit dem fantastischen Song „California“ heraus, der zurecht in die Charts einstieg. Dann kam die Gruselserie „OC California“ und machte den Song nur noch heimlich hörbar, wobei man sich ständig bemühte, die Gesichter der Vorzeigeteenies aus Orange County zu verdrängen, die bis heute untrennbar mit diesem Lied verbunden sind. Dafür kann aber dieser großartige Song nix, weshalb er selbstverständlich auch auf der finalen Liste auftauchen wird.
Die Mathrock-Nachfolger von McLusky haben mir 2007 nicht weniger als das Leben gerettet, ihr fantastisches Album „Curses“ hat noch mindestens zwei Songs, die hier in der Vorauswahl landen. Und Colin is a pussy. A very pretty pussy!
Die Battles haben vielleicht eins der merkwürdigsten Alben der 00ers abgeliefert. Damals schrieb ich: „Ein Album, das nicht Harmonien und klassische Songstrukturen bietet, sondern Strukturen neu aufbaut und dabei mit Klang experimentiert, ohne auf albernen Noise zu setzen. Bei den Battles ergeben sogar gequietschte Textzeilen und Zirkusplingplang einen Sinn, Gesang wird eher als Instrument eingesetzt, wenn überhaupt, denn „Mirrored“ ist über weite Strecken instrumental.“
Und Atlas ist der zentrale Songs des Albums, bringt den Sound der Battles wunderbar auf den Punkt und ist vor allem eines: totally kick-ass!
Ich weiß noch genau, wie das damals war, nach dem Ende des The-Band-Hypes, als man nach den Strokes und Interpols und Vines überall das Ende dieser neuen Bands herbeischrie. Auf einmal war da England und ihre New New Wave frischer Bands… eine der ersten war Maximo Park. Die enttäuschten mich danach live und ihre Songs haben auch nur eine sehr geringe Halbwertszeit, aber ich weiß eben auch noch, wie ich mir damals „Apply Some Pressure“ als Single gekauft hatte (weil es das Album noch nicht gab und die anderen Möglichkeiten nichts ausspuckten) und ich diesen Song ein ganzes Wochenende auf Dauerrotation gehört habe. Für mich vielleicht der Song des neuen Britpop der 00ers und garantiert in den Top100, wahrscheinlich in den Top20.
Die Vorauswahl-Liste war ja bislang (bis auf Interpol) eher sehr pop-lastig. Schluß damit, ab nächste Woche mehr Musik mit Schweiß und Rawk: Hier der erste von vielen QOTSA-Songs, die mindestens in der Vorauswahl landen. Josh Homme und seine Jungs auf dem Höhepunkt, danach kam ihr Meisterwerk mit „Songs for the Deaf“ und danach leider nur noch gehobenes Mittelmaß mit Ausreißern nach oben.
2003 hatten die Cardigans ihren Zenit schon deutlich überschritten, da kamen sie nochmal mit diesem fast perfekten Pop-Song um die Ecke. „You’re The Storm“ schrammt knapp am Kitsch vorbei, aber eben nur fast. In einer besseren Welt verstünde man unter Charts-Pop Songs wie diesen. I like the sweet life and the silence, but it’s the storm that I believe in.
So ziemlich der einzige Song, der vom 2007er Album „In Our Bedroom after the War“ tatsächlich hängengeblieben ist. Eine kleine, wunderbare Perle die so klingt, wie sich Heimkommen anfühlt.
Der erste Song, den ich von Wilco gehört habe. Danach kaufte ich mir fast alle Alben und bin seitdem ein Riesenfan der experimentellen Country-Pop-Band aus Chicago, playing kiss covers, beautiful & stoned. Wilco wird sicher auf der finalen Liste auftauchen, ob mit diesem Song weiß ich noch nicht. Und nein, ich habe keinen blassen Schimmer, warum alle Songs der Vorauswahl bislang aus dem Jahr 2002 stammen.
Trotz fantastischem Video von Michel Gondry ein ziemlicher Wackelkandidat für die finale Liste, mal sehen, ob es „Star Guitar“ schafft. Die bessere Single „Hey Boys, Hey Girls“, die einen Wendepunkt im Sound der Chemical Brothers darstellte, war von 1999.
Von Interpol werden garantiert noch weitere Songs in der Vorauswahl landen, „Roland“ ist für mich aber so ein bisschen die Blaupause für einen Interpol-Song, was durchweg positiv gemeint ist. Und alleine die Zeile „Roland is a butcher, he has 16 knives“ ist jede Platzierung wert.
Okay, wir machen das jetzt so mit dieser Liste mit drölftausend Vorschlägen für die besten Songs der 00ers: Ich poste bis Jahresende mehr oder weniger regelmäßig jeden Tag das Video eines Songs, der unbedingt auf die Liste der finalen Einhundert gehört. Aus diesen Postings siebe ich dann am Jahresende die Top 100.
Den Anfang macht heute „The Seed“ von The Roots, fantastischer Song (nicht Track!) von einer Hip Hop-Kapelle, die in diesem Song aber gar keinen Hip Hop spielen, sondern 60s-Funk wunderbar ins neue Jahrtausend transportierten. Grandios und garantiert einer der besten Songs des Jahrzehnts.
Über das hier mache ich mir schon seit einem Jahr Gedanken, kein Scheiß! Jetzt, da sich die 00ers, die 2000er, die 00er – die 00ers klingt am besten! – dem Ende zuneigen, da überlege ich, was die besten Songs des Jahrzehnts waren. Und da fallen mir so tierisch viele ein, von den Strokes über Interpol und dem Tokyo Police Club bis hin zu Joanna Newsom. The Vines, Okkervil River, Franz Ferdinand, The National, Hot Chip, die obigen Gorillaz… meine Güte, was war das für ein fantastisches Jahrzehnt in Musik.
Diese waren wohl die zehn Jahre meines Lebens, in der ich wohl die meiste Musik gehört habe. In den Neunzigern war ich bis gegen Ende zu sehr im Techno-Underground verhaftet, um da vom guten Pop oder Indie irgendwas außer Grunge mitzubekommen, mein Mind hat sich erst später geöffnet, quasi, and the Rest followed. Ich habe zwar schon eine relativ feste Vorstellung davon, welche Songs in diese Liste der 100 besten Songs der 00ers reingehören, aber…
Deshalb brauche ich Eure Hilfe, denn mir ist vollkommen klar, dass ich, obwohl ich unzählige Platten gekauft und gehört habe, ich doch genauso unzählige Perlen verpasst haben muss. Deshalb bitte ich um Eure Lieblingssongs aus diesem Jahrzehnt in den Kommentaren. Es geht natürlich um Pop, aber auch um Indie, Metal, Hip-Hop (Jawohl! Jay-Zs „99 Problems“ würde beispielsweise auch ohne Euch in meiner Liste auftauchen) und Electronica.
Eminems „Stan“ muss in so einer Liste neben „No One Knows“ von QOTSA stehen, Kylie Minogue neben Future of the Left. Es geht um Pop, aber nicht um Charts, die beste Musik der 00ers eben. Eure Songs des Jahrzehnts in die Kommentare, bitte!
Rippel: ich mag den großteil der dj´s die da vorkommen ^^ vor allem a-trak und crookers machen geniale remixes. aber das nur meine bescheidene meinung. ach ja weiß jemand aus welche song diese letzten 5 sekunden des videos kommen?
Benne: HAHA :D Lese gerade den Post hier und trage genau diese T-Shirt ganz zufällig :D
Anmerkungsmann: das ist ja nicht mehr alt, sondern schon antik ;) und erleichtert jedem hedonisten, der kein bock auf politik hat, seine einstellung zu erklären.
unwohltaeter: Hm… Fünf Tassen. Ich glaube mein Highscore, was Kaffee angeht, ist 7 Tassen. An dem Tag war ich fertig… :D