
Vor ein paar Tagen hatte die neue Doku „Copyright Criminals“ (Filmwebsite) auf PBS Premiere, der Film erscheint mir nicht ganz so super, wie „RIP: A Remix Manifesto“ (den gibt’s hier), aber immer noch sehr sehenswert, nicht zuletzt, weil die Masher Eclectic Method mitwirken.
Und natürlich ist der Film jetzt auf Youtube aufgetaucht, bis er wegen (Achtung!) Copyright Crime gelöscht wird. Hier der erste Teil, weitere Infos und alle weiteren Teile nach dem Klick.
(Youtube Direktcopyright, via Beautiful Decay)
COPYRIGHT CRIMINALS examines the creative and commercial value of musical sampling, including the related debates over artistic expression, copyright law and money. The film showcases many of hip-hop music’s founding figures like Public Enemy, De La Soul and Digital Underground, as well as emerging artists such as audiovisual remixers Eclectic Method. It also provides first-person interviews with artists who have been sampled, such as Clyde Stubblefield — James Brown’s drummer and the world’s most sampled musician — and commentary by another highly sampled musician, funk legend George Clinton.
Computers, mobile phones and other interactive technologies are changing our relationships with media, blurring the line between producer and consumer and radically changing what it means to be creative. As artists find more inventive ways to insert old influences into new material, COPYRIGHT CRIMINALS poses the question: Can you own a sound?
Part 2
Part 3
Part 4
Part 5
Part 6





es ist erbaermlich, dass künstler sich dafuer rechtfertigen muessen, dass sie schon vorhandene kunst benutzen um komplett neues zu erschaffen. der umgang und die arbeit mit schon vorhandenen ist im eigentlichen sinne ein kreativer prozess. und irgendwo ist das wohl das grundprinzip von kunst : kreativität.
wer beschwert sich denn, wenn die knockin on heavens door version von guns n roses irgendwo laeuft? keiner. aber wehe man nimmt einen winzigen teil eines liedes und verändert ihn, teilweise bis zur unkenntlichkeit …
just my 2 cents
Der grundsätzliche Unterschied ist Geld. GnR geben fuer das Songwriting davon ab. Beim Sampeln geht das natuerlich haeufig schon logistisch nicht moeglich: 3 Samples = 300% Abgabe? Aber: Haeufig wurden alte Songs gesampelt, deren Schreiber schon damals wenig dafuer bekommen haben. Verstaendlich, dass die (bzw. Ihre Anwaelte) jetzt gern was abbekommen moechten. Das dabei haeufig vergessen wird, was die Turntabelists, Remixer und Produzenten aus dem Ausgangsmaterial zaubern. Und das dabei dann noch die Originale wiederentdeckt werden (talking all that jazz – stetsasonic) wird auch nicht beruecksichtigt. Just my 2 Pennies worth..
Wirklich geile Doku. Die Gesprächspartner, der Hang zum Hip-Hop, die Connection zum Funk, Soul, und Blues, kurz: “die ganze Scheisse” – is’ genau mein Ding.
Man hätte es noch objektiver machen können, indem man mehr “Gegner” des Sampling und Mashing zu Worte hätte kommen lassen. Aber als Befürworter eines neuen Urheberrechts macht mir eine Doku bei der ich andauernd sagen kann “jup, seh’ ich auch so” mehr Spaß.
In diesem Sinne danke für den Tip, I liked it very much!
@alohastone: Wie gesagt, RIP finde ich besser, behandelt eher meine Musik und ist auch etwas stylisher gemacht… aber jede Doku über die Thematik ist eine gute Doku, denke ich (ja, auch welche vom Gegenstandpunkt, wenn es da mal welche geben würde).
man darf aber auch nicht vergessen, dass sich einige populaere electronic acts mit einer minimalen eigenleistung eine goldene nase verdient haben. lieblingsbeispiel:
http://www.whosampled.com/sample/view/14/Daft%20Punk-Harder,%20Better,%20Faster,%20Stronger_Edwin%20Birdsong-Cola%20Bottle%20Baby/
hierbei beschraenkt sich die kreativleistung von DP auf den gedoppelten beat (10 min arbeit) und den vocoder. armselig.
in studiosessions fliesst viel arbeit und teure technik (in laptopproduktionen halt mehr arbeit, weniger teure technik). sampling kann schlimmstenfalls bedeuten, das zu rippen und sein eigenes geschaeftsmodell auf die verwurstung anderer leute arbeit zu basieren.
oder, bestenfalls, durch kreativen einsatz etwas neues, nie gehoertes zu schaffen. meine plattensammlung waere ohne squarepusher aermer, und seine track bestehen zu 75% aus gesampleten breaks.
auf jeden fall ist das phenomen jetzt alt genug, um eine bessere und realistischere allgemeine rechtliche loesung zu erfahren als momentan.
coole doku. das ganze wird noch vieeeeel streit bereithalten.
aber leider muss ich sagen…
dj’s sind für mich keine musiker.
sie spielen kein instrument. und deswegen….naja….
@schranz fubert: „hierbei beschraenkt sich die kreativleistung von DP auf den gedoppelten beat (10 min arbeit) und den vocoder. armselig.“
@mickey: „dj’s sind für mich keine musiker.“
Zu diesem Themenkomplex muss ich mal ein Posting machen.
Tatsächlich erscheint mir menschlich Kreativität mit einem gegebenen Instrument (nehmen wir mal die E-Gitarre) als endlich. Das heisst, das mit diesem Instrument nur eine begrenzte Anzahl an harmonischen Melodien-Abfolgen publiziert werden kann.
Mit den elektronischen Möglichkeiten des Samplings und der Filter wir das exponentiell vervielfacht, obwohl die Samples nach unserem derzeitigen Recht immer noch geschützt sind. Leider.
Mit anderen Worten: Die Begrenzung der Kreativitäät durch Juristen durch das Urheberrecht des 19. Jahrhunderts (!) verursacht bei mir Pickel.
Anders gesagt: Musiker, die mit Samples jonglieren, sind genauso musikalisch, wie Musiker, die mit Noten jonglieren.
Und nochmal anders gesagt: Die Menge der möglichen Melodien ist endlich. Das ist eine mathematische Wahrheit. Die Möglichkeit, diese Menge mit anderen Instrumenten oder Samples zu erweitern, ist zwar nicht unendlich, aber dennoch um ein Vielfaches weiter gefasst.
Ich weiß ja, was Du meinst, aber für mich ist ein Act wie Girl Talk um einiges kreativer als die White Stripes. Das ist sowas wie das neue Sampling-Verständniss gegen Oldschool-70s-Gitarren-Dings. Da fällt meine Wahl nicht schwer, auch wenn beides (natürlich, ich finde die Whites auch sehr cool) seine Berechtigung hat.
Aber… wenn dann nochmal ein Jura-Fuzzi daherkommt und erzählen will, irgendwelche Musik sein illegal, dann geht mir die Hutschnur, weil…
Es gibt keine illegale Musik. Es gibt nur: Musik. Let’s dance.
(Und jetzt rate mal, als wievielen Samples Bowie diese Nummer zusammengesetzt hat.)
@Rene
ich bin kein jurist, sondern musiker : D als klassisch ausgebildeter orchestermusiker und sowohl fan als auch DJ/produzent von generischer (selbst aufgenommener, oder synthetisierter) und samplingbasierter songs/tracks/tunes kenne und erlebe ich das thema aus der praktischen perspektive als musiker, halt.
genau so, wie eine grafik, die du mit einem bestimmten aufwand erstellst, einem wert hat, hat auch musik, die ich spiele, oder aufnehme, einen wert. ergo muss ich annehmen, das auch fuer die person, die die musik aufgenommen hat, die ich samplen will, einem wert hat.
was ich mir wuenschen wuerde, ist, dass das recht fuer sampling praktischer geregelt waere. beispiel: in einem song verwende ich ein vocal von nina simone, einen break und der rest ist von mir. einnahmen dritteln, fertig. statt dessen muss jeder mist einzeln verhandelt werden.
fuer den fall, das kein gewinn zustande kommt (bei techno, drumandbass, dubstep etc. nicht unwahrscheinlich, da kaum mehr als 500 vinyle selbst von den “hits” verkauft werden), bekommt keiner geld, und es werden nur die kosten gedeckt.
die alternative waere schliesslich, saengerin und drummer einladen, 2 tage aufnehmen, und in meinen track einbauen. das waere wesentlich mehr arbeit und vom resultat an der intention (zitat/huldigung/sound/metaebene etc.) vorbei.
auch ich hoffe, dass es bald eine geschaeftsidee gibt, die dem hoerer eine große library an songs/tracks/tunes kostenlos zur verfuegung stellt und die sich anders als “per sold unit” finanziert. werbung oder sponsoring waeren moeglich.
ich bin nur fuer eine konstruktive loesung. nicht fuer plakative claims wie “alle kreativen leistungen ab sofort kostenlos”. denn erzaehl das mal den musikern, tontechnikern, producern, VJs, DJs, taenzern, schauspielern, bildenden kuenstlern, .. und grafikdesignern.
ps. ich finde auch, dass in einen kuenstlerischen prozess keine jura-fuzzis involviert sein sollten. deshalb waere es ja cooler, wenn es eine einfache regelung gaebe.
@René: mh, da muss ich jetzt erstmal drüber nachdenken ;-)
Wieso alle ansgt davor haben, dass jemand STATT ihnen Geld verdient ist mir nicht ganz begreiflich.
geile doku, werde den artikel gleich mal bei mir verlinken. vor allem schön, dass da genau, die künstler vorkommen, die ich damals schon dafür gefeiert habe!
Ich finde man sollte seine eigenen Ideen schon bezahlt bekommen, doch das sind sie ja nicht mehr wenn sie in als Sample in einem Song erscheinen. Dann müsst irgendwie auch jeder der ne Akkordfolge spielt an den Urheber zahlen auch wenn die in nem ganz anderen Kontext auftaucht und rhytmisch, oder Songstrukturell andere Schwerpunkte hat (Hierzu : http://www.youtube.com/watch?v=qHBVnMf2t7w ). Ich find das ganz cool wie das, auch wenns jetzt nicht mein Lieblingssong auf der Welt ist, zwischen dem Mindener Rapper, Curse, und Marius Müller-Westernhagen gelaufen ist. Curse will “Freiheit” (auch nicht mein Lieblingssong) sampeln und ruft bei Westernhagens Management an. Der ruft wiederum Curse an und sagt: “Coole Idee, wenn du Probleme hast und Parts nicht so recht passen wollen, komme ich wohl vorbei und nehm die nochmal passend auf.” Wie cool! Erstens zollt der Samplende Respekt an den Urheber, aber der zollt auf der gleichen höhe Respekt zurück. Finde ich ein cooles Bespiel wie man lässig damit umgehen kann. Obwohl in Zukunft auf Westernhagen-Samples verzichten. Hoffe das ergibt Sinn.