Kann ich ja auch Euch mal fragen: Hatte grade ‘ne Interviewanfrage zum Thema Blogsterben und Twitter und so was: „Nun wollte ich fragen, ob du mit mir über das Thema Blog-Sterben sprechen könntest. Was ist dran, was passiert wirklich, wie stehen Blogger zu Twitter, warum funktionieren manche Blogs und andere nicht?“
Eigentlich interessiert mich eher, was ihr dazu meint, hier aber trotzdem meine Gedanken dazu:
Es gibt das sogenannte Blog-Sterben, tatsächlich ist das allerdings nur ein Wechsel der Online-Aktivitäten der Leute (und die Tagebuch-Blogger interessieren zumindest mich im Jahr 2010 überhaupt nicht mehr). Linksammlungen pflegt man nicht mehr auf einer eigenen Website, sondern auf Facebook oder sonstwo, kurze Mitteilungen macht man per Twitter, wozu also ein Blog. Es gibt allerdings auch etablierte Blogs (wie NC), die funktionieren auf ihre individuelle Art (ich hier als Netzfilter mit einer bestimmten Perspektive) und bleiben so bestehen. Tatsächlich löst sich einfach der Long Tail vom Publishing auf fixen Websites (Blogs) und splittet seine Aktivitäten auf mehrere Web-Services auf.
Twitter stellt da nochmal einen besonderen Faktor dar: Es gibt ein „Kern-Internet“, bestehend aus den Datenbanken und den Online-Ausgaben klassischer Medien, die werden von einer Schicht aus Websites/Blogs umgeben, die sich auf sie beziehen, sich gegenseitig verlinken und auch eigenen Content generieren: User Generated Content. Dann kam Twitter und Micro-Blogging und das umgibt nun wiederum das Gesamtgebilde in einer neuen Schicht, das Netz besteht 2010 also aus mehreren Schichten und jede neue Schicht ist „kommunikativer“ als die vorherige, der nächste Schritt ist die (bereits stattfindende) Adaption dieses Modells auf’s Handy.
Es gibt also dieses Blogsterben, das ist nur tatsächlich ein Wechsel des Long Tail in eine neue Kommunikations-Schicht im Netz. Etablierte Blogs bleiben bestehen und wachsen (NC hat Anfang 2010 circa doppel soviele Leser als Anfang 2009. Wahnsinn!), genauso wie Liebhaberblogs. Warum manche Blogs funktionieren und manche nicht, weiß ich nicht, ich kann aber versuchen, von mir aus zu schließen, warum NC funktioniert: Ich hatte schon immer einen Hang zu Publishing, hatte als Kind einen Ordner, in den ich komische Ausschnitte aus Zeitungen und Zeitschriften klebte (vor alles viel Space-Kram), malte mit 12 großformatig Buchstaben der Helvetica, hatte mit 20 ein handkopiertes Fanmag über Techno und habe dann Schriftsetzer bei einer Zeitung gelernt. Man könnte also sagen, ich bin sowieso so ein Medien-Fuzzi und Blogs und Nerdcore sind also eine beinahe zwingend logische Folge meines Lebens und diese sowieso schon vorhandene Medienverbundenheit hilft nicht wenig dabei, das hier zu durchzuziehen, wie ich es eben mache.
Noch ein Grund, warum NC funktioniert: Auch dann bloggen, wenn man keine Lust darauf hat, dabei eine gewisse Tonalität und eine bestimmte Ästhetik beibehalten (und hin und wieder durchbrechen) und all das mit einer gewissen Disziplin durchzuhalten, dabei hilft mir auch GTD (Getting Things Done) mit so ein paar individuellen Einrichtungen wie nach Prioritäten sortierter Feedreader und sowas. Man könnte also durchaus sagen, dass ich das hier ganz gut professionalisiert habe, was den Ablauf angeht.
Auch ein Grund, warum NC für mich funktioniert und der vielen nicht schmeckt: Verzicht auf Persönliches (und genau das auch ab und zu brechen). Früher habe ich öfter persönliche Geschichten gebracht, weil das eben alle machen. Habe ich mir abgewöhnt, denn ich merke auch an meinem eigenen Leseverhalten: Nichts ist langweiliger als die tausendste persönliche Geschichte auf einem Blog, man kann es nach einer gewissen Zeit einfach nicht mehr hören/lesen und nichts ist schlimmer, als der Gedanke: „Was soll ich bloggen?“ Links zu seltsamen Storys, weirden Videos oder obskuren Songs kann ich immer bloggen, dazu brauche ich weder Stimmung noch Lust, das Netz ist voll davon, weil die Welt eben dieser irre Ort ist, der er ist, voller irrer Ideen, die darauf warten, hier auf NC zu landen. Und diesen Wahnsinn gebe ich nur zu gerne weiter und sage liebend gerne: Schau mal hier, wie over the top awesome, geh da hin und guck dir das an. Und diese Liebe zu irren Ideen ist wohl der größte Grund, warum NC für mich funktioniert.
Irgendwie sowas werde ich in dem Interview morgen wohl erzählen, nachzulesen in der Prinz irgendwann.
Ich habe seit bestimmt 2 Jahren nicht mehr über Blogs gebloggt, worauf ich mächtig stolz bin. Also darf ich mal wieder.





Nutzt Du eine bestimmte Software für GTD?
@Ole: Die Systemapp „Notizblock“. Im Ernst, alles andere ist mir zu aufwändig.
Ach totaler Schwachsinn.
Das Neueste, hier Twitter, wird eben “gehypet”,
und der gute alte Blog schlecht gemacht, um seine eigene Bequemlichkeit zu entschuldigen, doch mal wieder mehr zu Schreiben als “mein Kühlschrank ist leer ! Ich folge Dir auch wieder, wenn du Ihn voll machst.”
Ich glaube zudem, das Beziehungs-SMS-Problem, soll heißen Auseinandersetzung per mobile phone entläd sich gerade auf unserer Lieblingssite beginnend mit T in grellem Türkis.
So ließt es jeder (oder auch nicht) und man kann getrost die Glotze am Nachmittag auslassen, denn dort läuft das selbe.
Ne, ich find bloggen geil. REALY !
Ist doch wie immer mit neuen Möglichkeiten: Wer das, was er machen mag, mit neuen Mitteln besser machen kann und es mal ausprobiert, wird’s eben tun. Und das ersetzt dann frühere Mittel bzw. Formen oder nicht. Meine Blogpostings sind (meist) viel zu lang für Twitter, meine Tweets zu zahlreich für mein Blog(publikum).
Briefe schreibe ich seit Jahren nicht mehr (obwohl ich manchmal Lust dazu hätte), weil eMail ein tauglicher Ersatz ist. Skype und Jabber hingegen haben für mich nichtmal das Festnetztelefon erübrigt.
Wieviele Leute tatsächlich welche Mittel nutzen oder nicht (mehr) nutzen und warum, weiß ich aber einfach nicht. Gibt’s dazu halbwegs zuverlässige Zahlen?
Ich stimme mit dir überein, René. Bin ja grade umgezogen mit meinem Blog und mich noch ein wenig am Einrichten, aber das trägt auch der Entwicklung bei Merely Thinking Rechnung: Es wird immer mehr gelesen (ob das auch bei mir am weitestgehenden Verzicht auf Befindlichkeitsterror liegt, weiß ich noch nicht, aber eine interessante Theorie), und ich denke einfach, die Beharrlichkeit machts.
Ich blogge seit fast fünf Jahren, mittlerweile hab ich den Dreh raus, das zahlt sich aus. Für mich ist Bloggen mehr als Hobby, eher sowas wie Leidenschaft. Für diejenigen, für die es “nur” Zeitvertreib ist (das meine ich gar nicht schlecht), gibt es sicher eher mal etwas Neues, das sie ganz vom Bloggen abbringt und dann halt eher zu FB oder Twitter. Ergo sterben Blogs. Allerdings, und das solltest du vielleicht auch erzählen, denn ich denke, es geht dir genau so, entdeckt man immer wieder neue, lesenswerte Blogs. Es ist ja nicht so, dass nur Blogs wegsterben.
Was schon auffällt ist, dass viele Blogs in den Blogrolls von z.B. Spreeblick tot sind. Ob die Blogger nun auf andere Services ausgewichen sind, kann man da teilweise leider nicht nachvollziehen. Ich bin grade die ersten 20 Links dort durchgegangen, davon sind 7 Seiten nicht mehr aktiv, teilweise gar nicht erreichbar.
Und das beobachte ich auch oft bei anderen Blogrolls. Dennoch würde ich nicht vom Sterben sprechen.
Ja genau daran liegt es.
Ein Blog muß leben.
Und das kann allein der Creator wecken.
Die Leser kommen dann schon.
…
In meinen Augen wird es immer Blogs geben – Sowieso, wenn man den ständig wachsenden Traffic und Longtail sieht. Es sterben die Blog, die kein Durchhaltevermögen haben… ist ja auch einfacher zu twittern ;-).
Manchmal braucht man auch einfach eine Pause, um sich neu zu besinnen und dann mit neuem Schwung zu einer anderen Zeit weiter zu machen. Mir kommt es aber auch nicht so vor, als würden viele Blogs sterben.
Blogs, was war das nochmal? Und was haben Tweets damit zu tun?
Blogsterben? Finde ich erstmal eine komische These. Natürlich machen Blogs zu oder werden inaktiv, weil der Mensch dahinter keine Lust, keine Zeit oder sonstwas hat, aber es ist ja nicht so, dass dafür keine neuen Blogs entstehen würden. Der Vorteil und gleichzeitig auch der Nachteil von Blogs ist halt, dass jede_r sich in Windeseile einen zulegen kann und mit einer gewissen Motivation anfängt zu schreiben, über das was gerade aus dem subjektiven Empfinden heraus interessant ist. Aber dieses Interesse vergeht vielleicht auch oder weicht einem anderen, für Rollenspiele blog ich aber nicht auf meinem alten Tech-Blog weiter…
Naja, ich würde sagen es gibt wie bei jedem Medium eine Verschiebung, eine Änderung des Angebots aber kein wirklich großflächiges Blogsterben. Dafür ist das Medium sehr viel zu etabliert. Und wer länger durchhält wird dann auch die Früchte ernten. Ich hätte auch nicht gedacht, dass ich irgendwann mal 500 Besucher_innen pro Tag erreiche mit meinem Blog, der größtenteils aus YouTube Videos und Gepöbel besteht. ;)
Gruß.
keine ahnung was jetzt schon wieder für ein theme generiert wird, wo eigentlich keins ist.
warum nerdcore funzt? weil ein sehr guter filter. würde garnicht auf die idee kommen nach einem video zu suchen wo sich einer die augen tattowieren lässt. mega freak!
…in der prinz? lol ^^
naja, ich denke schon das es bei den blogs einen ziemlichen hype gab und das jetzt am abflauen ist. ich hab’ mittlerweile auch nicht mehr die energie oder zeit meinen weiter zu treiben.
man könnte also sagen das ich es als zeitvertreib gemacht habe. als hobby.
und wie das halt manchmal so ist, gibt man manche hobbys auf und fängt dafür ein neues an.
was mir aber echt auf den senkel geht ist das twitter jetzt zu einer riesigen-fuckin’-link-dump wird. wenn die leute jetzt nur noch prominente retweeten, und irgendwelche *10 ways to your twitter succes* bringen dann : ne danke!
Dass Dein Blog erfolgreich ist, ist nicht von der Hand zu weisen. Aber ob es daran liegt, dass Du es quasi unpersönlich hälst, finde ich doch fraglich. Du bietest Deinen Lesern einen famosen Filter, das macht Deinen Erfolg aus, aber bestimmt nicht der Verzicht aufs Persönliche.
Dass Blogs sterben glaube ich auch nicht. Einige haben besseres zu tun und vielen fehlt vermutlich die nötige Leidenschaft zum Durchhalten. Doch gute Blogs wird’s immer geben.
Hier ein paar Gedanken dazu:
http://oelindieflammen.wordpress.com/2010/01/07/leben-und-sterben-im-blog/
Im Prinzip wurde hier schon mehrfach geschrieben, was ich ebenfalls denke. Twittern ist eine manchmal nützliche Erweiterung und manchem Ex-Blogger bietet es eine wunderbare Rechtfertigung um endlich der eigenen Schreibfaulheit nachzugeben. Immerhin: Wenn die klassischen Tag1: Ich-ha- jetzt- auch -ein- Blog- und- Tag2: Ja-,- ich- habe -lange -nicht- mehr- aktualisiert,- aber- ich- hab -soviel- zu tun-Blogs aussterben, ist das ja was positives.
Schlechte Blogs sind schon Totgeburten, gute Blogs überleben eher, sau gute Blogs leben ewig!
Von wem kommt den die Umfrage? Hört sich so an wie die Propaganda gegen das Internet, eben der „Qualitätsjournalismus“-Scheiß. Ich will Zahlen sehen, bevor ich Beklagen gegen Aufkäufe oder Astroturfing höre. Persönlich tippe ich darauf, dass die „Mein Leben“-Blogs im Koma liegen, und zunehmend kritischere, politische Blogs auftauchen.
Mein Zeug hab ich trotzdem noch lieber auf meinen eigenen Server, statt auf Facebook, wie die CIA oder der Iran kräftig DataMining betreiben.
Tolles Posting über NC Backstage.
Allerdings denke ich auch, dass der Erfolg nicht mit dem Weglassen des Privaten zu erklären ist. Eher: Trotz weglassen des Privaten.
Viel Erfolg für NC in 2010
Ich habe das Posting jetzt erst gesehen und möchte nur noch auf einen Punkt hier antworten:
Das Weglassen von Persönlichem mag eine Frage der persönliche Einstellung sein. Du schließt von deinem Verhalten auf den Erfolg. Aber, wie @mac richtig sagt: Vielleicht ist NC eher TROTZ Weglassens des Privaten erfolgreich.
Ich mag deinen Blog und finde einige Sachen auch super awesome, aber für mich ist es eher umgekehrt: nichts ist langweiliger als der tausendste oder zehntausendste Link zu irgendeinem Web-Kram. Alles wird für mich langweilig, wenn es zu viel vom Gleichen ist, daher fand ich die persönlichen Sachen (nicht wirklich die Geschichten, sondern die Meinungs-Artikel) manchmal sehr erfrischend anders.
Aber ich weiß: Du hast nur beschrieben, warum NC für dich so gut funktioniert. Und wenn du der Meinung bist, dass das für dich nicht funktionieren würde, ist das ok. Es ist ja deine Wohnung hier. ;)