Der Guardian erweist den Mashups der 00ers in seinem Jahrzehnt-Review die Ehre, die ihnen gebürt und wählt mit Freelancer Hellraisers „A Stroke of Genius“ ein Mashup zum wichtigsten Song des Jahrzehnts. Die Betonung liegt hier meines Erachtens auf „wichtig“ und vom „besten Song“ steht ja nix da.
Und tatsächlich, Mashups mögen vielen als Spielerei, als simple und banale Ergüsse von Leuten mit zuviel Zeit erscheinen, als viel zu un-originell im Wortsinn, um musikalisch überhaupt eine Rolle zu spielen – dennoch waren Mashups in den 00ers viel zu wichtig, um als reine Spielereien abgewertet zu werden. Dazu waren sie schlicht zu präsent, es dürfte kaum jemanden geben, der sich für Musik interessiert und nicht vom Grey Album oder von Girl Talk gehört hat.
Deshalb kann ich diese Wahl nur unterschreiben: Mashups defined the decade und bin gespannt, was Mashups und Remixing im nächsten Jahrzehnt so auf die Beine stellen werden.
When you’re sifting through the ashes of a decade in pop, it’s very tempting to search for the Important Statement, the song that best sums up The Way We Live Now. (Here’s a drinking game for anyone reading end-of-the-00s round-ups: take a shot every time a record is tenuously related to 9/11.) But the most important records are often the ones that don’t know they’re important. They flare like Roman candles and burn out quickly and, in that brief window of incandescence, they vividly illuminate a moment in time. So the song that seems to tell me most about the decade just ending is not something off Kid A or Yankee Hotel Foxtrot but the Freelancer Hellraiser’s A Stroke of Genius.
In the autumn of 2001 (wait, don’t take that shot), a British producer called Roy Kerr, aka the Freelance Hellraiser, spliced together the music from the Strokes’ Hard to Explain with the vocal from Christina Aguilera’s Genie in a Bottle and named it A Stroke of Genius – even the title seemed magically serendipitous. In the 1980s and 90s, art-minded mashups by the likes of John Oswald and the Evolution Control Committee tended to highlight the smash-and-grab nature of combining well-known songs, producing satire and subversion from the mismatch. They brokered shotgun marriages; Kerr, however, was more of a benign matchmaker, showing two disparate artists how much they really had in common.
When Christina met the Strokes: the song that defines the decade (via Mutantpop)





Jetzt nur mal ne Frage:
War das denn das erste Mashup-Dingens der Dekade, oder warum wählt man ausgerechnet so ein unfassbar mieses Beispiel als Repräsentant einer (durchaus positiven) popkulturellen Spielart?
@El_Skeletto: Naja, das hier ist mit Sicherheit kein mieses Beispiel, die zwei Songs greifen schon sehr gut ineinander und sind typisch für frühe Mashups… Ich hätte auch eher Pink vs The Vines genommen, aber das gibt sich nix wirklich und hat eher Symbolkraft.
Logo sind die Mashups von Dangermouse oder den Kleptones diesen Spielereien haushoch überlegen, da wird’s ja tatsächlich Kunst. Aber grade die Würdigung der banaleren Mashups finde ich großartig, weil sie das alles ausgelöst haben. Wie gesagt: Es ist die Rede vom wichtigsten, nicht dem besten Song. Big Difference.
Die Begründung stellt mich zufrieden. ;)
Ich hätte das vielleicht nicht ganz so harsch formulieren sollen, hatte aber tatsächlich die wirklich unglaublich guten Danger-Mouse Geschichten im Hinterkopf/Ohr, als ich das geschrieben habe.
Mir gefällt ja immer noch Jaydiohead fast am besten, insbesondere das hier:
http://www.youtube.com/watch?v=Ty_xbwoY-kU
Jaydiohead ist sehr nett, immerhin ist es Radiohead, leider aber auch Hip Hop ;)
Viel viel geiler finde ich da dass Lynch-Mashup-Album, das ich jetzt schon ein paar mal verlinkt hatte… oder die Girl Talk-Sachen, oder die Kleptones… aber alleine das Twin Peaks-Jackson 5-Ding vom Lynch-Album… ich meine, whoa! Das ist unfassbar groß und zeigt die Richtung an, in die sich Mashups als popkulturverarbeitendes Genre entwickeln können…
Oder nimm die Carl Sagan-Autotuned-Sachen, die ich neulich verlinkt hatte… kein klassisches Mashup, sondern eher Remix, wobei beides für mich Hand in Hand geht…
Das sind alles Sachen, die Grenzen sprengen und genau das ist das daran, das mich interessiert… das wird alles noch ziemlich großartig.
Sagt mal, wurde da footage vom 80er Klassiker “WarGames” verwendet? (Die Szene von der Computer Tic Tac Toe spielt…)
das erste mash-up was mir untergekommen ist war “girls on top – i wanna dance with numbers”
kraftwerk und whitney housten. eines meiner lieblibgslieder. aber vielleicht bin ich auch nicht underground genug, und das war das erste was richtig bekannt war.
auf wikipedia les ich grad unter “bastard pop” von mark gunderson mit einem public enemy/herb alpert mashup von 1995.
Auch DJ Koze hatte 2000 schon Blumfeld mit Steve Bug gemasht. Das ist tatsächlich das erste was ich so kannte, aber damals noch nicht als bastard pop oder sowas wahrnahm, das kam bei mir erst mit girls on top
@Felix: Da wüsste ich nix von.
@bodo banane: Das sind alles die Wurzeln, na klar. Das lässt sich noch weiter verfolgen zu den Megamix-12″ der 80er, aber eine eigen Kunstform wird das erst Anfang der 00ers imho, als man aus den Versatzstücken eigene Song zu basteln begann.
@Felix: War Games habe ich jetzt nicht gesehen, und ich kenne den Film ziemlich gut…
so um 1:36 rum rattert ein Tic Tac Toe durch alle möglichen Kombinationen. Wenn mich nicht alles täuscht, war es doch das Tic Tac Toe Spiel, das der AI am Ende sagt, dass ein Nuklearkrieg sinnlos ist. Aber vielleicht isses auch nur ein random Tic Tac Toe Spiel und ich seh mal wieder Gespenster… Is ewig her, dass ich den Film gesehen habe…
EDIT: hab das mal recherchiert :) das Bild bei 1:36 passt nicht 100%ig zu der Szene aus WarGames, siehe hier http://www.spocki.at/wp-content/uploads/2009/07/tictactoe.jpg Ist aber täuschend ähnlich…
Hm. Also ich wüsste nicht wann sonst in der Geschichte der Menschheit mal ein rasant ablaufendes Tic Tac Toe gezeigt worden wäre mit zwei Weltkarten links und rechts. Schon gar nicht Weltkarten die aus Outlines bestehen, links blau und rechts rot.
Das MUSS War Games sein!
WOPR
Ganz mein Gedanke, Mü. Wenn man aber die Bilder vergleicht dann passen die roten Zähldingsen unter dem Tic Tac Toe nicht zusammen. Hat jemand WarGames zur Hand um das mal zu verifizieren? Ich traue GoogleImages prinzipiell nicht…
Ich frage mich, ob man den Song auch so geil finden würde, wenn man das Origninal (in diesem voll das von den Strokes) nicht kennen würde. Ich finde das Original total geil, und auch diese Mash-up version. Was machts aus? Der Gesagt(also der originale von Casablancas)? Die Gitarren/Bass/Schlagzeug? Oder einfach dass man es kennt?
was mich aber am meisten erstaunt:
es gibt da draußen scheinbar nur die EINE VERSION mit dem haker bei 1:24. sie stammt von einem einzigen privaten dilletantischen mitschnitt einer radiosendung. das fehlerhafte file wurde dann per napster geseeded.
freelance hellraiser hat “seine” “originalversion” scheinbar nicht rausgegeben.
für mich waren die zwei definierenden Bastard Pop Stücke eigentlich immer erstens eben das Herp Albert vs Public Enemy und dann die Slim Shady goes Honky Tonk Nummer mit dem unglaublich geil verstimmten Klavier.
Und dann gabs da mal auf FM4 im Rahmen eines Jahres-End-Rundowns (also eine 200x on 45 Auflage), wobei ich nimmer weiss welcher, einen 40-Minuten Bastard Pop-Mix wo gegen Ende ca 4 bis 5 Stücke ineinander liefen. das war schöööön.
Dangermouse fand ich gar nicht soooo toll.