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Interview mit mir auf Cicero Online

Letzte Woche war ein junger Herr von Cicero Online da und hat ein relativ langes Interview mit mir geführt. Das ist jetzt online. Es geht um Nerds und dass ich gar kein klassischer Nerd bin, um Politik im Digitalen Zeitalter, um Copyright und Neuroscience. Das Bild habe ich einfach mal aus den Tagesthemen-Remixen geklaut und nicht vorher nachgefragt und hoffe, das geht in Ordnung.

cicero

Herr Walter, sind sie ein Nerd?
Sicher kein klassischer Nerd. Das wären die Eierköppe, die sich schon in der Schule nur für Computer und Naturwissenschaften interessiert haben. Meine Festplatte ist dagegen seit letztem Jahr am Arsch, und ich weiß immer noch nicht wie ich die repariere. Andererseits hatte ich früher einen C64, und hab’ viel programmiert, auch in Assembler, also Maschinensprache. Ich würde den Begriff aber grundsätzlich weiter fassen und sagen, dass Nerdism gleichzusetzen ist mit der tiefen Faszination für ganz bestimmte Themen.

Wenn man sich Ihre Seite anschaut, wäre das alles was mit Monstern, Robotern, Comics und Raumschiffen zu tun hat?
Na ja, das ist immer dieses Klischee. Ich hab schon oft gehört meine Seite sei das Zombie- und Star Wars-Blog, aber so monothematisch bin ich gar nicht. Typisch „Nerdcore“ ist genauso auch das Posting über 20er Jahre Illustrationen, die die menschliche Anatomie als Maschine darstellen, oder das über ein Buch aus dem Jahr 1937, in dem es um Studenten geht, die Nachts auf den Universitätsgebäuden in Cambridge herumklettern. Einfach Zeug was man sonst nirgendwo findet. Ich hab so ein paar Grundsätze auf Nerdcore: Keinen Konzernkram, wenn er nicht völlig, völlig geil ist, und ich will keine Menschen beleidigen, und mich nicht über das Unglück anderer lustig machen. Und dann aber doch wieder einmal im Quartal, da bringe ich dann vielleicht mal ein Video das lustig ist, weil jemand auf die Fresse fliegt. Das ist dann der Stilbruch.

Ihr Blog ist, könnte man sagen, Teil der Underground Kultur, einer Szene die völlig losgelöst von Leitmedien oder aktuellen Marktentwicklungen existiert. Trotzdem gibt es erstaunlicherweise in dieser Szene auch international eine Art Konsens, etwa darüber dass so unterschiedliche Figuren wie Robert Crumb, Aldous Huxley, George Romero oder die Beastie Boys Helden sind. Wie entsteht eigentlich so ein Konsens?
Ganz einfach: Im Underground zählt einzig und allein die ästhetische Qualität. Und das ganz unabhängig von der Frage, ob diese Qualität auch im Pop anerkannt wird, oder nicht. Da gibt es dann zwar die Puristen, die bei Pop aufschreien, aber das tangiert die Ästhetik ja nicht. Auf diese Qualität einigen sich dann bestimmte Leute, wobei ich mir nicht so sicher bin, was diese Leute verbindet. Wahrscheinlich einfach eine gewisse Geschmackssicherheit.

„Dieser ganze abgefahrene Freakscheiß“ – Interview mit René Walter

1 Trackback

  1. reydt.net

25 Kommentare

  1. René == Sarrazin

    Achne, das war Lettre nicht Cicero.

    1# - Public - 29. Oktober 2009 @ 18:11 Uhr Reply to this comment
  2. Du wirst auch in der aktuellen Spex zitiert.

    2# - narf - 29. Oktober 2009 @ 18:21 Uhr Reply to this comment
  3. Gutes Interview. Aber dass sich Obama nicht auch in gewisser Weise durch den Parteiaapperat gearbeitet hat, ist eine falsche Annahme. Ich finde es – bei aller Sympathe für den Mann – gefährlich, zu sehr mit dem doch recht undemokratischen amerikanischen System zu liebäugeln. Auch weil dort nur derjenige Präsident werden kann, der ordentlich Asche hat.

    3# - bongokarl - 29. Oktober 2009 @ 18:21 Uhr Reply to this comment
  4. Ziemlich gutes Interview, muss man schon sagen… du wirkst wie immer sehr souverän :)

    4# - Marco - 29. Oktober 2009 @ 18:34 Uhr Reply to this comment
  5. Omg, wir werden Borg!

    5# - SD - 29. Oktober 2009 @ 19:04 Uhr Reply to this comment
  6. jup, aber du kommst auch ein wenig bekloppt rüber (im guten sinne ^^)

    6# - Moe - 29. Oktober 2009 @ 19:04 Uhr Reply to this comment
  7. Also wenn ich den letzten Absatz (auf Cicero) so lese, dann hast du eindeutig zuviel Ghost in the Shell geguckt.

    7# - tokmitstock - 29. Oktober 2009 @ 19:44 Uhr Reply to this comment
  8. War gut was du gesagt hast. Könnte von mir kommen …

    Aber der typische Cicero-Leser wird dich, wenn er dann zum letzten Absatz gelangt ist, direkt als verrückten Spinner abstempeln. :D

    8# - Alican - 29. Oktober 2009 @ 20:08 Uhr Reply to this comment
  9. ich stelle mir gerade rené vor wie er genau wie in dem photo oben mit der bildunterschrift in einer ard talkrunde sitzt und sich mit von der leyen streitet.

    oder wie er auf einem schwarzen ford mustang durch eine “mad max – welt” fährt und kampfschreie grölt während er mit einem rostigen revolver auf einen öltanker schießt.

    fuck yeah, und wehe du nimmst mich nicht mit!

    9# - mickey - 29. Oktober 2009 @ 20:38 Uhr Reply to this comment
  10. Ein Hinweis klugscheißerischer Art zum letzten Absatz:

    Vor 500 Jahren hat man nicht geglaubt, die Erde sei eine Scheibe. Es war Konsens, dass die Erde annähernd kugelförmig war. Vielmehr wurde das heliozentrische Weltbild Kopernikus’ als “ketzerisch” erklärt. Das Originalzitat Galileis lautet auch “Eppur si muove!” und das heißt in der Übersetzung nicht “drehen” im Sinne von Rotation, sondern von Revolution (Drehung um die Sonne). Das war in deinen Ausführungen etwas “mixed up”.

    Wollte ich mal gesagt haben. :-D

    Ansonsten tolles Interview!

    10# - Addliss - 29. Oktober 2009 @ 21:04 Uhr Reply to this comment
  11. hehe, von der Cicero weiß ich nur dass sie diesen arroganten Chefredakteur haben der ungefähr so unaustehlich ist wie Vonundzu.
    und dass das Magazin 8€ kostet, weshalb es niemand kauft außer alte Männer die sich gebildet fühlen wollen. so meine Kurzanalyse, das Interview geht trotzdem! ;)

    11# - monk - 29. Oktober 2009 @ 21:08 Uhr Reply to this comment
  12. @SD:
    Irrtum, wir sind Borg…weiß nur noch keiner ;-)

    12# - Not So Silent Bob - 29. Oktober 2009 @ 21:12 Uhr Reply to this comment
  13. Wer Assembler kann ist ein Nerd. Ende der Diskussion. Das ist wie Lakmuspapier und lässt keinen Raum für Interpretation.
    :)

    13# - Public - 29. Oktober 2009 @ 21:12 Uhr Reply to this comment
  14. “Wahrscheinlich einfach eine gewisse Geschmackssicherheit”, da schwingt so eine wunderbar abgrenzend wirkende Arroganz mit :) Obwohl der Satz natürlich den Nagel genau auf den Kopf trifft

    14# - admiralawesome - 29. Oktober 2009 @ 21:31 Uhr Reply to this comment
  15. in diesem interview hat man dem nerdkern sozusagen erstmals stammzellen entnommen.

    15# - robert - 29. Oktober 2009 @ 22:03 Uhr Reply to this comment
  16. ich fands gut, auch wenn es sich etwas durcheinander liest. aber mit dem interview bist du jetzt aspirant fürs nächste promi kochen. erst in den öffentlich rechtlichen nachrichten aufgetaucht und nun noch beim cicero.

    aber schreib mal ein tutorial wie man 600 webseiten im auge behält bei nur 2-4h Pensum an Tag. Irgendwas mach ich falsch :/

    16# - honki - 29. Oktober 2009 @ 22:32 Uhr Reply to this comment
  17. Auf deine Aussage: “Für einen freien Download von Büchern, Musik und Filmen im Netz wäre ich gerne bereit einen Hunni im Monat zahlen. ”
    Da muss ich dir echt mal Recht geben ich würd sowas auch machen und bestimmt viele andere das sind bei nur 100.000 Nutzern monatlich 80.000.000 oder 80 Mill. Euro, damit glaube ich würde man einiges bezahlen können und man könnte dann nicht mehr kriminalisiert werden denn man hat ja vollen Zugang zu allem. Und selbst wenn mann alles runterlädt was es gibt so geht es doch einzig darum was man konsumieren kann.
    Doch dies scheitert leider an dem Copyright und der noch nicht abgeschlossenen Globalisierung denn wir sind erst dann Globalisiert wenn es nur noch das Land “ERDE” gibt.

    17# - Nemesiscain - 30. Oktober 2009 @ 00:59 Uhr Reply to this comment
  18. @Addliss: >Vor 500 Jahren hat man nicht geglaubt, die Erde sei eine Scheibe. Es war Konsens, dass die Erde annähernd kugelförmig war.

    Jein. Tatsache ist aber, dass damals ein ganzes Weltbild gekippt ist und das Bild von „Oben Himmel, unten Hölle, in der Mitte Erde“ für 99% der Menschen tatsächlich weltbildliche Realität war, und das ganz konkret. Diese Realität existiert heute nicht mehr. Ob das nun ein paar Jahrhunderte mehr oder weniger dauerte, ist für das Bild doch erstmal wurscht.

    Was ich sagen will, ist, dass die Vernetzung des Menschen einen ähnlichen Umsturz bedeuten könnte, diesmal in der Selbstwahrnehmung.

    18# - René - 30. Oktober 2009 @ 02:23 Uhr Reply to this comment
  19. ‘Ganz einfach: Im Underground zählt einzig und allein die ästhetische Qualität. Und das ganz unabhängig von der Frage, ob diese Qualität auch im Pop anerkannt wird, oder nicht. Da gibt es dann zwar die Puristen, die bei Pop aufschreien, aber das tangiert die Ästhetik ja nicht. Auf diese Qualität einigen sich dann bestimmte Leute, wobei ich mir nicht so sicher bin, was diese Leute verbindet. Wahrscheinlich einfach eine gewisse Geschmackssicherheit.’

    WORD!

    eine, wie ich finde, super erklärung des worts ‘underground’ bzw der heutigen, vielleicht auch jugendlichen subkultur. Also die kultur jener, die sich nich zwangsläufig an den trends der zeit orientieren. Im grunde schafft der ‘underground’ ja die grundlage für spätere trends.
    Allein das thema internet, was vor ein, zwei jahren so gut wie gar kein thema in den medien war. Jetzt gibt es mittlerweile in so sendungen wie ‘taff’ kurze beiträge über internet-memes. Natürlich keine neuen sachen die dort gezeigt werden, aber ich denke die richtung die ich andeuten will ist jedem klar.

    19# - steven - 30. Oktober 2009 @ 09:03 Uhr Reply to this comment
  20. Himmel – Hölle – Erde. Ich bin auch heute sehr erstaunt dass dieses Weltbild wieder und immernoch populär ist. Wenn man sich viele Menschen heute ansieht dann scheint es die Zeit der Aufklärung nie gegeben zu haben.

    20# - Public - 30. Oktober 2009 @ 11:24 Uhr Reply to this comment
  21. Du alter Understatement’ler! :)

    21# - MC Winkel - 30. Oktober 2009 @ 12:24 Uhr Reply to this comment
  22. @René: Ich weiß, dass es dir um den revolutionären Gedanken geht. Quasi um den Umbruch eines Zeitalters. Das wollte ich auch nicht in Frage stellen. Deshalb meine Einleitung (Anmerkung klugscheißerischer Art) inkl. “mixed up”. War ja nur eine Anmerkung. :)

    22# - Addliss - 30. Oktober 2009 @ 13:10 Uhr Reply to this comment
  23. Schönes Interview. Genau diese Einstellung von dir ist es, warum ich hier regelmäßig vorbeiklicke. Mach blos weiter so :)

    23# - Matze - 30. Oktober 2009 @ 21:37 Uhr Reply to this comment
  24. @Monk: Die Wikipedia umschreibt gewohnt diplomatisch, dass Cicero ein Blatt ist, mit dem man nichts zu tun haben will:

    “Soweit sich im breiten Spektrum der veröffentlichten Autoren eine politische Linie erkennen lassen kann, ist Cicero in seiner Gesamtheit als wertkonservativ und wirtschaftsliberal einzuordnen. Häufig zu Wort kommen „Ökoskeptiker“, die bestimmte Anliegen des Umweltschutzes für falsch oder übertrieben halten, und „Islamkritiker“.”

    Aber hee, andere Piraten gehen mit der “Jungen Freiheit” ins Bett, dagegen fällt Cicero kaum noch ins Gewicht. Hauptsache liquid dingenskirchen, wer braucht schon Haltung? Achso, es geht um die Inhalte? Na denn …

    24# - jo - 01. November 2009 @ 04:21 Uhr Reply to this comment
  25. Hm, ich halte mich jetzt nicht für sonderlich wertekonservativ und wirtschaftsliberal, bilde mir aber auch nicht ein, dass jede bürgerliche Position rechts von mir dem Faschismus Tür und Tor öffnet. Im Zweifelsfall setze ich mich auch lieber mit gut geschriebenen Andersmeinungen auseinander, als Mist zu lesen, nur weil er mir politisch näher steht (ein Grund, warum ich die taz meide).

    Ob es viel mit “Haltung zeigen” zu tun hat, man wenn Leute mit anderen Position pauschal teert und federt bezweifel ich. Für jemanden, der in einer pluralistischen Gesellschaft lebt, finde ich das auch eine merkwürdige Einstellung.

    25# - Bomster - 01. November 2009 @ 09:59 Uhr Reply to this comment

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