spOnline schreibt über den Yeaahh-Flashmob und hat da wahrscheinlich einen Praktikanten seine reaktionäre Ader ausleben lassen, oder so ähnlich. Jedenfalls bezeichnet Ole Reißmann den gestrigen, grandiosen Webmeme-Flashmob als „Flashmob-Terror“, bringt völlig unreflektiert die Beispiele Braunschweig (wo nach dem versuchten Flashmob-Verbot zurückgerudert werden musste) und ausgerechnet das britische Exter, wo ein Großaufgebot der Polizei inklusive Hubschrauber einen harmlosen Flashmob verhinderte. Die 15 (!) Jungs und Mädels wollten grillen.
Hätte der Flashmob-Terror von den Sicherheitsbehörden im Vorfeld verhindert werden müssen? In Braunschweig wäre so etwas nicht passiert, dort reagierte das Ordnungsamt mit harschen Schreiben auf einen Flashmob-Aufruf im Internet – und es ging nur um ein Picknick, nicht um das Nerven der Bundeskanzlerin. In Großbritannien stürmte die Polizei in Kampfmontur und mit einem Hubschrauber die Feier von einem Dutzend Freunden, die sich im Internet verabredet hatten.
Weiter fragt der Herr Reißmann nach politischen Botschaften:
Angela Merkel wird lustvoll zugejubelt, das ist an Harmlosigkeit nicht zu überbieten, auch wenn es konzentrierte Zuhörer gehörig nervt. Und wie steht es mit einer politischen Botschaft?
Ich erkläre das grade mal: Ja, bei Flashmobs geht es oberflächlich um Spaß und nichts weiter. Tatsächlich aber haben Flashmobs immer eine immanente politische Botschaft, es geht um die Rückeroberung des öffentlichen Raums, um gemeinschaftliche Statements. Diese soziokulturelle Dimension des Flashmobs ist dem Herrn ganz offensichtlich verborgen geblieben. Hätte er mal lieber jemanden gefragt, der sich damit auskennt: sein Kollege Mario Sixtus, schrieb auf (Achtung!) spOnline im Jahr 2003 über den Medientheoretiker Howard Rheingold:
Die nächste Revolution nach PC und Internet ist, laut Rheingold, mitnichten technologisch, sondern sozial: “Smart Mobs bestehen aus Menschen, die zusammen handeln können, selbst wenn sie sich nicht kennen.” Die Szenen, Clans und Communities, die sich ständig im Internet bilden, dort mutieren, sich spalten oder auch einfach nur wachsen, würden in Zukunft immer häufiger eine Entsprechung in der realen Welt finden.
Dass Menschen für gemeinsame Ziele und Ideen zusammen arbeiten, ist beileibe nichts Neues. Neu hingegen sei, mit welcher Geschwindigkeit und Flexibilität sich Gruppen Gleichgesinnter, mit Hilfe von Netzwerk- und mobiler Technologie, bilden könnten und mit welcher Effizienz sie handelten.
Und genau das ist eine weitere politische Botschaft und politische Dimension des Flashmobs für Herrn Reißmann: Wir fressen die Wahlkampfbotschaften nicht mehr einfach so, sondern wir spucken den Bullshit der Merkel ironisiert in Form eines „Yeaahh“s zurück. Einfach, verkürzt und auf den Punkt entblößen wir den Bullshit als das, was es ist: im besten Fall einfach nur hohle Phrasen, im schlimmsten aber einfach nur Lügen. Und ja, wir organisieren das kurzfristig im Netz. Als ob das irgendein 2009 bemerkenswertes Merkmal wäre. spOnline schreibt was über „Flashmob-Terror“ …und alle so: „Yeaahh!“
Hier eine weitere politische Botschaft für Herrn Reißmann: Expect us.





Nun gut. Wie jede, hat auch diese Medallie zwei Seiten.
Ich verstehe zB nicht, was daran jetzt ein “Flashmob” sein soll? Das ist nichts anderes als eine Demonstration – außerdem noch nicht mal eine gute.
Zu Beginn waren die ganze Flashmob-Bewegung ja noch witzig, einfallsreich und hat den Leuten, vor allem auch den Uneingeweihnten, Spaß gebracht. Inzwischen ist wohl jede Kleindemonstration plötzlich ein “Flashmob” und wird, unter anderem, für politische Zwecke ge- oder mißbraucht.
Schade. Unnötig. Irgendwie war’s klar.
Happy Flashmobbing.
Ich war da und es war gut …und alle so: „Yeaahh!“ :)
Da passt dann mal dieses Bild: http://twitpic.com/i84ge
:)
Einfach herrlich. Und in vier Jahren haben die Politiker bestimmt immer noch nichts begriffen.
“Yeaaahh!”
Der Autor ist 83 geboren, also gerade mal 26 Jahre alt, und versteht es trotzdem nicht. Nach seinem Geschreibe — auch über die Piratenpartei — zu urteilen, hätte ich eher auf einen >50-jährigen verknöcherten Konservativen getippt.
So kann man sich täuschen…
Sagten nicht die Beatles schon “All you need is Yeaahh!”?! ;-) Oder so ähnlich… ;-)
Ole Reißmann ist Volontär bei spOn… und Ole Reißmann ist JOURNALIST. kann man hier lesen: olereißmann.de
und alle so yeah…
Hm, komisch, wie du den Spon-Artikel wahrnimmst. Ich lese aus dem Geschreibsel eher Sympathie denn Reaktion oder Unreflektiertheit. Nee, nee, der Sponschreiber mochte den Flashmob leiden. Frag ihn doch mal.
http://olereissmann.de/2009/09/internet-manifest-und-nun/
hier hat er auch was über das internet manifest geschrieben.
mh – sehe aber jetzt auch nicht den unbedingt negativen bezug zu dem flashmob.
ist ja nichtmal besonders gut geschrieben. ein bisschen naiv das ganze – aber für spiegel schon mal ein anfang.
für’s nerdcore verlinken sind ihm wohl dann die ressourcen ausgegangen, oder wie?
phoi,
ich habe den spOn Artikel auch so wie du aufgefasst. Als ob der Verfasser zwanghaft versucht hat ähnliche Flashmobs und einen Grundtenor gegen solche Gruppenbildungen mit diesem Video zu vereinen. Inhaltlich war da nicht viel zu lesen. Und alle so: Yeaahh!
Was mich wundert sind 2 sachen:
1. er redet von verabredet zum Terror. ich habe bisher nur Aufrufe zu einem Flashmob gesehen.Nicht einen der zugesagt hätte oder Treffpunkte (ausser der Veranstaltung selber) Gab es da eine Verabredung? Gästeliste?
2. Im Artikel wird nicht hinterfragt woher die Motivation der Teilnehmer kommt. Spass ist klar. Aber zun Spass haben muss ich nicht auf eine Wahlkampfveranstaltung von Fr. Dr. Merkel.
JM2C
R
P.S. Geiles Teil btw. Ich konnte nicht mehr vor lachen in der ersten Minute.
Ich war vor Ort und der einzige Terror für mich ging von einem 14jährigen Jungen aus, der sämtliche halb verstandene Sätze von Kanzlerin Merkel mit einer Antihaltung kommentiert hat.
Ich stand ca. 2 Meter vor den Absperrungen zur eingeladenen CDU Fraktion zwischen Anti Atom Gegnern und Bildungsreform Gegnern.
Eigentlich war ich gekommen um tatsächlich der Kanzlerin zuzuhören, jedoch war es nicht im geringsten möglich zwischen allen Buh-Rufen auch nur einen vollständigen Satz der Sprecher zu verstehen.
Für mich stellt sich die Frage ob der Terror vom Yeaahh Flashmob oder von den nicht ausreden lassenden Anti Atom oder Bildungsreform Gegner ausging.
Schließlich haben sich wenigstens die Atom Gegner vom Yeaahh anstecken lassen und mit gemacht.
Ich fand den Yeaahh Block um einiges sympathischer als Gegner die des Gegner willens gekommen sind.
klar, flashmobs sollten bald per Bundeswehr im inneren zerbomt werden, damit es ja zu keiner spontanen sozialen und kritischen Zusammenkunft kommt.
klar war auch ne Menge Spass dabei! (yeaah)- aber mal ehrlich, wir haben der Merkel genau denselben organisierten Bullshit entgegengebracht, den sie uns mit ihrer selbstverherrlichenden Performance vorgelegt hat. Wenn uns eine solche Lobbyisten-Marionette regieren und über selbstverfasste Gesetze über unser Leben bestimmen will, kann man nur eines sagen: YEAAHH!!
Wie hat es dieser unschuldige Joke denn plötzlich geschafft, ein politisches Statement zu werden?
Vor dem negativen Medienecho war es das ganz sicher nicht, auch wenn das jetzt bestimmt einigen nicht mehr in den Kram passt. Ich würde lieber damit aufhören, bis es wirklich peinlich wird.
YEAH! I love it! Ich hatte auch noch einen anderren witzigen Link gefunden, wo ein Blogger ein paar Sachverhalte aus den letzten Tagen zusammengetragen hatte mit video…
http://www.media-addicted.de/crazy-schauble/668/
Ist doch echt ein Witz, dass die Flashmobs in so eine Ecke stelln. Ich komme mir langsam vor wie in einer Polizeidiktatur.. und alle so: yeah.
@Caracasa: Wie hat es dieser unschuldige Joke denn plötzlich geschafft, ein politisches Statement zu werden?
Die meisten unschuldigen Jokes sind irgendwie politisch. Ich hab mal mit ner Israelitin gefrühstückt, die mir folgendes erzählt hat:
Sie: “Wie macht man am besten Selbstmord in Israel?”
Ich: “?”
Sie: “Man fährt Bus, denn der wird garantiert weggebombt”
Ist Euch eigentlich aufgefallen, daß Nerdcore erst verlinkt war und die Verlinkung dann entfernt wurde?
Moin – ich lerne: Ironie im Internet ist gefährlich. Rene, in deinem ersten Absatz schreibst Du es doch selber: Ein Großaufgebot der Polizei stört Leute beim Grillen! Unglaublich! Ein Ordnungsamt will ein kurzes, friedliches Picknick verbieten – Wahnsinn! Wer hat denn hier nun eine “reaktionäre Ader”? Nichts anderes habe ich geschrieben.
Lies den Text doch einfach ohne Beissreflex – @ Sven: Danke, so ist es! – und atme kurz durch, bevor Du mich hier persönlich angehst.
Ja na klar, Rückeroberung des öffentlichen Raumes und selbstverständlicher Protest gegen den achso täglichen “Bullshit” den Frau Merkel angeblich produziert. Das sind natürlich echte wohlüberlegte Argumente und Werte die es gilt im kollektiven Yeeaah! zu verteidigen. Ich persönlich frage mich gerade ob ich es tatsächlich als bedenklich empfinden soll, wenn sich hunderte vielmehr zu sinnlos-spassigen Aktionen mobilisieren lassen, anstatt einem konkreten themenbezogenen Protest beizuwohnen.
Wo bitte ist hier ein politischer Protest zu finden ? Dieser Flashmob schreit doch bildlich mit seinem “Yeeahh!” nach Oberflächlichkeit. Und der Versuch hier einen politischen “Sinn” zu formen ist doch der eigentliche Bullshit. Ich persönlich fand den “Und alle so: Yeeaah!” Grafiti auch lustig, und im Netz funktioniert ein solcher platter Gag auch prima. Nur muss man einfach daran scheitern wenn man versucht die Protest- und Diskussionskultur des Netzes in das Reallife zu übertragen. Klar, Frau Merkel steht für viele Dinge die vielen eben nicht gefallen, nur sollte man vielleicht doch so etwas wie eine Argumentation haben um bessere Alternativen aufzuzeigen. So funktioniert ein politischer Willensbildungsprozess. Ich denke die Spaßgesellschaft geht hier einen Schritt zu weit. Protest mit Spaß ja bitte, aber angeblicher Protest ohne Sinn und Inhalt ?
Also “und alle so” ist langsam überdehnt. Und Flashmob mochte ich nie wirklich.
Aber den SPON-Artikel fand ich gestern beim Lesen auch sehr merkwürdig.
Der Spiegel hat wohl neuerdings Merkel/CDU-Fans die sich von sowas persönlich angegriffen fühlen.
Daher fordere ich Videoüberwachung auf Wahlveranstaltungen!
Schön finde ich ja an der Aktion dass mittels Zuspruch – “Yeaahh” – der Missmut ausgedrückt wird.
Und die Tatsache dass die Merkel hinterher erstmal ihre Berater drauf ansetzen musste um zu recherchieren woher das nun wieder kommt.
:)
@Ole Reißmann: Hi!
>ich lerne: Ironie im Internet ist gefährlich.
Die ist nicht gefährlich, sie funktioniert schlicht nicht, weshalb man ja vor zwanzig oder dreißig Jahren die Emoticons erfunden hat; die Ironie lässt sich im Artikel jedenfalls schwer rauslesen, im Gegenteil: Das mantraartig wiederholte „Yeah“ im Text transportiert genau dasselbe wie bei der Meme/beim Flashmob – Ablehnung.
@Daniel: >wenn sich hunderte vielmehr zu sinnlos-spassigen Aktionen mobilisieren lassen, anstatt einem konkreten themenbezogenen Protest beizuwohnen.
Is jetz nicht Dein Ernst, oder? http://www.nerdcore.de/wp/2009/09/13/polizeigewalt-auf-der-%e2%80%9efreiheit-statt-angst%e2%80%9c-demo-meine-bilder/
Man kann die per se politische Dimension eines Flashmobs ignorieren, na klar, deshalb ist sie aber nicht nicht da.
@Matti: >Ist Euch eigentlich aufgefallen, daß Nerdcore erst verlinkt war und die Verlinkung dann entfernt wurde?
Interessant, ich hatte nie nen Link gesehen…
Vorschlag für eine nächste/ähnliche Aktion:
sehr zahlreich Erscheinen und dem Redner/der Rednerin während der ganzen Veranstaltung demonstrativ den Rücken zukehren (und meinetwegen das “Yeah”- Rufen fortführen als i- Tüpfelchen hehe)
“yeah 2.0″
so einen Protest würde dann auch unsere liebe Angie sofort verstehen..
da geht noch viel mehr !
oh..grad noch eingefallen:
weiße/leere Plakate hochhalten.. :)
oder aber SPIEGEL ! hahaha..
so jetzt genug editiert
@Daniel : Gewöhn dich dran, Latschdemos werden nach und nach aussterben. Hast du davon nicht auch langsam genug?
@ René & Matti: Link steht jetzt drin, keine Absicht.
@ René: Ich finde es ja interessant, wie allen Flashmob-Teilnehmern von Dir mal eben politische Absichten untergeschoben werden. Das mag auf einige zutreffen. Auf viele andere aber auch nicht. Und was darf ich unter dem nebulösen “Expect us” verstehen?
Schön, dass ich das noch erleben darf. Ein Vertreter von SpOn begibt sich direkt hier in die Niederungen der Blogs und diskutiert mit, setzt im Artikel sogar Quellenlinks. Es geschehen noch Zeichen und Wunder.
@Ole Reißmann: Eben. Politische Absichten in irgendeiner Form gab’s meiner persönlichen Schätzung nach bei maximal 20% der Leute. Der Rest wollte einfach mal Teil einer Jugendbewegung sein. Das schätzt Rene leider falsch ein, auch wenn’s natürlich voll revolutionär klingt…
Nebenbei: Ironie funktioniert nicht im Internet? Was für ein Riesenquatsch wiedermal. Funktioniert doch auch in Büchern und Zeitschriften, seit mehreren Jahrhunderten, lieber Rene. In irgendwelchen Skype-Chats ist’s sicherlich einfacher, schnell mal ein Emoticon zu schicken. Zugegeben: Ironie erschließt sich nicht jedem. Ist aber gut so.
Zum Flashmob (der per Definiton keiner war): Die Gesellschaft kommt weiter durch Kommunikation. Und nicht dadurch, dass wir andere Leute nicht ausreden lassen. Und nein, so eine Kundgebung ist kein direkter Dialog mit der Bundeskanzlerin.
Abgesehen davon, werde ich die CDU natürlich trotzdem nicht wählen. Die sind mir zu alt und zu langsam.
>Ich finde es ja interessant, wie allen Flashmob-Teilnehmern von Dir mal eben politische Absichten untergeschoben werden.
In diese Gefahr begibt man sich automatisch, wenn man beschließt Teil eines Flashmobs zu sein, der im Rahmen einer politischen Veranstaltung auffallen will.
Vielleicht ist das manchen nicht bewusst, aber wer zwischen Bäumen läuft ist zu Weilen halt im Wald.
>Und was darf ich unter dem nebulösen “Expect us” verstehen?
http://de.wikipedia.org/wiki/Anonymous_%28Anti-Scientology-Bewegung%29
@Ole Reißmann: @Sandstrahler: Klar ist da keiner oder nur die wenigsten hingegangen in dem Bewusstsein, da ein politisches Statement abzugeben. Ich sage aber, dass die Aktion als solche eine politische Dimension hat: inhaltsleerer Wahlkampf begegnet man mit ironisch gebrochenen inhaltsleeren Protest. Ob das einzelnen bewusst ist oder nicht, ist doch dabei vollkommen latte.
Im Grunde war der Yeah-Flashmob doch eine politische Aktion. Jeder, der dort war aus einem reinen Spaß-Grund hat sich wohl in was reinziehen lassen, dass er nicht will. Spätestens mit den Piratenpartei-Bannerschwenkern sollte einem doch klar sein, dass die Sache nicht unpolitisch gedacht war.
@Ole Reißmann: Ausgelutschte Anspielung auf die dämlichen Anonymous-Sprüche von 4chan.
das war subversiver Situationismus! sowas gibt es auch schon länger; lest mal nach:
Situationistische Internationale
Kommunikationsguerilla
Youth International Party
ich bin zumindest mit einer klarer politischen Absicht hingegangen und hatte trotzdem meinen spass. klar, da waren auch einige nur zum “fun” da- aber was solls? es sind leider nicht alle politisiert/ fühlen irgendeine verantwortung der gesellschaft gegenüber. deshalb stören mich solche kommentare von rene nicht im geringsten(!)
ich finde es irgendwo schade, das aus einem normalen “flashmob”
so eine politische aktion gemacht wird. warum sollte jemand bei
so etwas denn flaggen der “piratenpartei” dabei haben?
das nimmt dem ganzen seine spaßige, ironische natur
und verwandelt es ungewollt in eine dumpf bloede sache.
Ich bin auch mit einer politischen Absicht hingegangen, nämlich um nach Möglichkeit die Veranstaltung zu stören und den “richtigen” Claqueren und Jubelpersern im Parteibuch-Innenbereich den Abend zu vermiesen. Das hat geklappt, Mission erfolgreich. Man kann auch politisch Aussagen treffen ohne eine konkrete Aussage zu treffen. Eine Piratenpartei-Aktion war es bestimmt nicht, aber eine Anti-CDU und Anti-Merkel Aktion mit Sicherheit und insofern eine bunte Gruppe mit einer einheitlichen und klaren Aussage. Es gab mit den Anti-Atom-Leuten auch eine gewisse Solidargemeinschaft, als in die Anti-Atom-Rufe miteingestimmt wurde. Die Gegner der Schwarz-Grünen Schulpolitik sind etwas untergegangen, aber das war bestimmt nicht unsere Schuld.
Der Spaß-Aspekt ist sicher nicht von der Hand zu weisen, aber wenn Fernseh- und Printjournalisten sich hinterher die Kids mit den Neonsonnenbrillen zum Interview greifen ist es nicht verwunderlich, wenn ein Eindruck einer ausschließlichen Spaßaktion entsteht. Vielmehr ist es doch so, dass die “Ernsthaften” keinen großen Wert darauf legen später in den Fernsehnachrichten oder der Mopo zitiert zu werden und solchen Situationen dann eher aus dem Weg gehen.
>Die Gesellschaft kommt weiter durch Kommunikation. Und nicht dadurch, dass wir andere Leute nicht ausreden lassen. Und nein, so eine Kundgebung ist kein direkter Dialog mit der Bundeskanzlerin.
Das setzt aber voraus, dass jemand da ist, der dir zuhört und bereit ist aus dem was du sagts, etwas zu lernen.
Demokratie basiert ja nicht auf dem Gedanken, dass die Mehrheit immer Recht und die beste Entscheidung getroffen hat, sondern dass eine Mehrheitsentscheidung besser durchsetzbar ist.
Meinungsbildung im Dialog funktioniert in kleinem Kreis auf gleicher Augenhöhe am besten, aber wenn es darum geht Anliegen in den “Steuerungsapparat” einer Demokratie zu bringen muss man den Beweis antreten, dass man eine Mehrheit mobilisieren kann, bevor einem überhaupt jemand zuhört.
Und eine charmantere Machtdemonstration als dem Politischen gegenüber “Yeaahh!” zuzurufen kann man sich ja kaum vorstellen =)
@Sandstrahler
Welche Partei ist den schneller?
Ich würde es eher an Inhalten fest machen als am Alter der Partei. Die SPD ist übrigens viel älter als die CDU.
@manto: Ich musste dabei auch an das “Handbuch der Kommunikationsguerilla” (2001) denken, da wird die Strategie in epischer Breite beschrieben. Und die Beispiele im Buch waren auch schon ein paar Jahre alt.
Zum Spon-Kommentator fällt mir eigentlich nix mehr ein, mich würde aber mal interessieren, was er eigentlich möchte. Den Flashmob einerseits als “Terror” bezeichnen, ihm aber gleichzeitig vorwerfen, dass er an Harmlosigkeit nicht zu überbieten sei, ist entweder schizophren oder dämlich…
@manto: Ich musste dabei auch an das “Handbuch der Kommunikationsguerilla” (2001) denken, da wird die Strategie in epischer Breite beschrieben. Und die Beispiele im Buch waren auch schon ein paar Jahre alt.
Zum Spon-Kommentator fällt mir eigentlich nix mehr ein, mich würde aber mal interessieren, was er eigentlich möchte. Den Flashmob einerseits als “Terror” bezeichnen, ihm aber gleichzeitig vorwerfen, dass er an Harmlosigkeit nicht zu überbieten sei, ist entweder schizophren oder dämlich…
wenn dieser flashmob nicht politisch war, dann weiss ich ja auch nicht.
war nur einer dieser flashmobgänger cdu-anhänger? kann ich mir beim besten willen nicht vorstellen.
auch wenn man seinen spass haben wollte, war doch der hintergrund auch eine cdu-abneigung.
wäre ein “ja, suuuuuuuuuuuuuuuuper!” nach jedem satz für manche offensichtlicher gewesen?
@36# – archeophyt
was hast du anderes von spon erwartet?
Da wird auf dem kleinen Gänsemarkt in Hamburg eine eher unwichtige Rede der Kanzlerin durch schlichte Lautstärke gestört – und alle fühlen plötzlich stolz den Geist des Umbruchs in der Brust. Niedlich. Meine Oma sagte übrigens immer: Wer schreit, hat Unrecht.
@Ivor Bigbotty:
“Und eine charmantere Machtdemonstration als dem Politischen gegenüber “Yeaahh!” zuzurufen kann man sich ja kaum vorstellen =)”
– Na, du bist aber leicht zufrieden zu stellen…
Hätte mich wirklich interessiert, wieviele “Yeaahh” rufer die oben dargelegte meinung (”..wir spucken den bullshit [...] zurück.”) und die hier beurkundete politische dimension wirklich geteilt und so erlebt haben. Als schelm könnte man NC hier vorwerfen, einen guten witz einfach gehijacked zu haben. Was an dem spon artikel reaktionär sein soll, ist durch den pulverrauch, der in richtung merkel abgeschossen wird, auch nur schemenhaft zu erkennen. Daß der spon autor schließlich das erkennt, was hier umgedeutet werden soll, nämlich daß es sich um eine einfache spaßaktion gehandelt hat, und dem autor ebendies vorzuwerfen, ist schon arg. Frei nach dem motto “wer nicht für mich ist, ist gegen mich”. Kann man beim thema CDU nicht einfach mal die kirche im dorf lassen, und vernünftig, überlegt und mit etwas weniger geifer argumentieren, damit auch was dabei rüberkommt? Das fänd ich schön, yeaahh, danke.
mein beileid an herrn reissmann. auch die kommentare unter dem artikel selber zeugen von ignoranz und mangeldem textverständnis. vllt mal eine werbung für ironiedetektoren schalten?
und merkel so: “I see what you did thar”
http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-46831-5.html
hm… also hätte es sich nicht um eine wahlkampfveranstaltung gehandelt, hätte ich “kontraproduktiv” geschrien.
wo ist denn der unterschied zwischen einem flashmob und politikern, die sich in tv oder bundestag gegenseitig ins wort fallen und keinerlei konsens suchen.
aber wie gesagt, es ist wahlkampf und daher erntet man von mir approval, nicht das irgendwer selbiges nötig hätte :)
ps: das frau merkel die “yeah”rufer einfach ignoriert hat spricht natürlich auch für sich. obama ist da lustiger, wenn er als lügner beschrieen wird.
@Sandstrahler:
Ich bin zum Teil wirklich leicht zufrieden zu stellen, aber sehr viel schwerer zu provozieren, also bitte mehr anstrengen, sonst zündet das bei mir nicht.
Vielleicht noch ein paar Tips von der Oma holen.
@Ivor Bigbotty: Schnell zufrieden, schwer zu provozieren – wenn doch nur alle Bürger so einfach wären!
Gedenken wir noch kurz dem einsamen Ratzepunk in Hamburg, der sich gerade schwarz ärgert, dass der einzig wirklich geistreiche Moment in seinem Leben anonym auf einem Wahlplakat verhallt. Wieviele wohl gerade auf dem Kiez an der Theke stehen und behaupten, sie wären “Der Kritzler” gewesen? Und was für eine surreale Erfahrung es für den Künstler sein muss, zum Zeitpunkt der Kundgebung am Gänsemarkt vorbei zu gehen… : D
@sandstrahler
Biete doch mal charmanteren politischen Protest an :-P
Achso, wg.Omi: Meinte Sie doch wohl eher Diskutanten oder irre ich mich?
Aber dein Kiezthekenbild finde ich witzig, geb ich ja glatt zu.
@Ole Reißmann. Sorry aber der Ironiesensor bei SPON ist leider schon vor Jahren durchgebrannt. Aber hierzu empfehle ich mal das Studium des zum Artikel gehörigen Forums bei SPON. Auch hier wird deutlich wie deutlich ihre (mMn. nachinterpretierte) Ironie so aufgenommen wird…
@salbei honcho: Das ist doch dieser Grinch…
Für den Autor gilt:
Wes Brot ich es, des Lied ich sing
und für Merkel gilt:
Sie zieht ihr Ding durch, ganz gleich was das Volk macht. Einfach ignorieren, nicht reagieren und weitermachen, was man vorhatte.
Passt doch zum bisherigen Politikstil.
Hab noch mal ein neues Audio dazu geremixt und auf YT gestellt:
http://www.youtube.com/watch?v=9a2tWblfFi8
Diesmal mit Masse :D
Gruß,
xtraa
SPIEGELBILD liest man nicht.
auch nicht online…
that´s that.
für alle, die die Rede von Fr. Dr. Merkel hören wollten, es aber zu laut war, hier nochmal kurz zusammengefasst:
WACHSTUM bringt ARBEIT!!
YEAH
ARBEIT bringt WOHLSTAND!!
YEAH
WÄHLT CDU!!!1!!!
YEAH
also, ich hab da mal nen Song gestrickt. Der Name ist Programm (…und Alle so:”Yeaahh” – ja, wie hättet Ihr den denn genannt???) und auf meinem Blog ist entweder der Link dahin oder man ist faul und geht direkt auf:
http://www.myspace.com/itsmeborna
Sollte das jemand scheiße finden: Kommentare erwünscht. Sollte das sogar jemand gut finden: auch gut und sollte das jemand irgendwie streamen / verwenden / klauen wollen: bitte vorher anfragen, bin auch nur ein Mensch.
Ansonsten:
YEAAHH!
Euer Ironiedetektor ist echt total ausgefallen.
ob eine aktion nun flashmob genannt wird oder eben anders is ja mal egal und ob flashmobs politisch sind,sein sollen oder wollen is entscheiden die menschen die daran teilnehmen…in zürich HB gabs nen hübschen “seifenblasenflashmob” is der politisch?
Und Frau Merkels hohle Phrasen? Sind die politisch…jedes yeeah hat ungefähr so viel inhalt wie ihre aussagen…und alles so “BLAH” hätte es ähnlich gut getroffen…
Politikern den Spiegel (nein nicht die Zeitung ) vorzuhalten is ne deutliche politische aussage wie ich finde.
Protest is wichtig ,Themen bezogen darfs auch sein,aber glaubt Herr Reissman wirklich das sich Frau Merkel mit dem “Volk” argumentativ ausseinandersetzen will?
Eigentlich find ich das Ganze auch ziemlich … naja .. langweilig und unhöflich. Aber was soll man schon sagen, “Ich kann das besser” schreien ohne es tatsächlich besser machen zu müssen war halt schon immer einfach.
Ach ja, @Slogan: So funktioniert das nunmal. Wir wählen nicht bestimmte Personen damit die dann wieder auf jeden, entschuldigt das Wort, Deppen hören. Da könnten wir uns auch gleich alle auf nen Platz stellen, schreien und vielleicht abstimmen. Ach Moment das gabs ja schonmal. Hat wohl nicht funktioniert.
Ich geh lieber nen Mc Hammer Flashmob gucken … der ist vom Inhalt ähnlich sinnvoll aber wenigstens lustig.
Ganz ehrlich, als ich von diesem “Flashmob” gehört habe, dachte ich bzw. wir uns schon das Flashmobs bald einen politschen Ruf bekommen. Das war so hart an der Grenze. Ich persönlich finde schon das diese Grenze überschritten wurde. Auch wenn mir die Politik in vielen Punkten nicht passt, würde ich diese dennoch nicht auf den Arm nehmen (und dafür würde ich in der Gruppe kämpfen!!!) … weil einfach nur die Chance bestehen könnte. Das dass was ich gerne mache (Blödsinn unter und mit vielen Leuten) was illegales werden könnte. Für mich sind Flashmobs einfach nur Spaß und finde ehr das es ein Alttagsbruch ist … wie für die Mobber ABER vorallem für die Nicht-beteiligten.
Ich finde auch nicht das Flashmobs aussagen sollen, dass wir den öffentlichen Raum “zurückerobern” wollen. Wozu? Er ist öffentlich und gerade deswegen können wir sone Aktionen auch starten!!!
Macht nicht so eine ernste Sache daraus!!! lasst uns die Möglichkeit auch als ältere/erwachsene Personen “zu spielen”
hast recht.
“….entblößen wir den Bullshit als das, was es ist: im besten Fall einfach nur hohle Phrasen,”…..
Wäre es nicht sinnvoller gewesen, über den Bullshit zu reden, der das alles hier ausgelöst hat?
Diese Floskel ” und alle so….” ist eine der dümmsten Phrasen überhaupt, wird nach meiner Erfahrung vor allem von Leuten benutzt, die nicht sonderlich intelligent sind, alles nachplappern und prinzipiell alles dreimal sagen müssen, um es einmal gesagt zu haben.
>Diese Floskel ” und alle so….” ist eine der dümmsten Phrasen überhaupt, wird nach meiner Erfahrung vor allem von Leuten benutzt, die nicht sonderlich intelligent sind, alles nachplappern und prinzipiell alles dreimal sagen müssen, um es einmal gesagt zu haben.
Die Floskel ist also dumm, wird von dummen Leuten benutzt, die dann auch noch so dumm sind, alles nachzuplappern? Und sagen alles dreimal? Danke.
@fragezeichen:
Deshalb ist Dir der Autor von “und alle so…” ein paar Jahre voraus :) Das Ding ist bekannt, es gab in Hamburg bereits vor zehn Jahren einen Fischmob Song in dem der Text die gane Zeit im Stil “und ich so… und dann er so…” erzählt wird. Und er wird benutzt, weil er hohl ist und populär.