(Youtube Direktamanda, via Hypebot)
Amanda Palmer hat Fans per Twitter und Blog zu einem spontanen Gig am Strand von Los Angeles eingeladen und weil das Wetter so toll war, haben sie gleich ein spontanes Low Budget-Musikvideo zu einem Cat Stevens-Song gedreht. Und nachdem ich mir das angesehen habe, frage ich mich, ob das nicht die Zukunft des Musikbiz war, die ich da grade gesehen habe. Vielleicht ist die Zeit teurer Produktionen und Musikvideos ganz einfach genauso vorbei, wie die Zeit der Prunkbauten der Aristokraten und der Gigantomanie im kommunistischen Russland.
Es gibt eine Theorie in der Evolutionslehre, laut der Spezies, die vom Aussterben bedroht sind, zum Riesenwuchs neigen. Die größten Dinosaurier, die jemals die Erde bevölkerten, waren auch die letzten Saurierarten. Und vielleicht sind die zu den Four Big zusammengewachsenen Majorlabel nichts weiter als gigantische Saurier, vom Aussterben bedroht, während die Säugetiere bereits jetzt zwischen deren Zehen herumwuseln und mit Twitter und billigen Flashmobvideos autonom Geld verdienen. Vielleicht liege ich aber auch völlig daneben, aber in meinem romantischen Kopf fühlt sich das ganz gut an.
this was a spontaneous video made on july 1, 2009 in hermosa beach (los angeles, CA)…. amanda had gathered a bunch of folks by announcing a “ninja beach gig” on her blog & twitter. lots of people came, amanda played ukulele for a while, there was a big gorup shotoshoot….then amanda decided it was a fine day for a music video. here’s what we did.
Vorher auf Nerdcore:
Amanda Palmers Song für ihr Label: „Please drop me“
Wie Amanda Palmer 19.000$ per Twitter verdiente





Nein, ist sie nicht. Zum einen wirst du Amanda Palmers Video sicher nicht zur besten Sendezeit auf MTV & Co. wieder finden, zum anderen werden für die wirklichen Cash Cows der Industrie nach wie vor opulente Videos gedreht, wenn dafür im Gegenzug die Einnahmen stimmen – und das wird sich so schnell auch nicht ändern.
@Jeriko: Ich rede ja auch nicht von „schnell ändern“, sondern sehe das tatsächlich langfristig ;)
Ich bin mir sicher, dass ein Chris Cunningham auch ohne viel Geld was Schönes hinkriegt. Trotzdem hoffe ich, dass es auch in Zukuft viel Geld für kreative, hochwertige Produktionen geben wird. Möchte ich jedenfalls sehen.
Am besten fände ich eine SFX-Klassengesellschaft. Ich, der ich Geld für meine Filme bezahle, bekomme Hochglanz. Ihr, die ihr alles umsonst wollt, bekommt dann halt die sweded Version.
Ich werde diesen Vorschlag an oberster Stelle einbringen. Danke.
ja ich denke das ist romatizismus.
zum einen ist der bösen industrie, ganz scheiss egal was sie für videos dreht.
gibt es ein relevantes (lukratives) interesse an billig videos (die man auch nicht ewig sehen will, dazu gleich), dreht sie eben solche. oder dreht videos die low budget aussehen, oder castet videokünstler aus dem off usw.
diese angebliche authentizitäts romantik, gabs ja auch schon mal in den 90´er sehr stark(eigentlich gibst die immer sie ist bloß nicht immer dominant). und der neohippieismus (als wenn hip nicht schon das gegenteil von authentisch wäre) der sich gerade wieder breit macht, versucht das auch zu bedienen oder verkörpert solche wünsche. (hab ich auch nichts gegen, ich mag diese ganzen aktuellen amerikanischen kids on the railroadtrack bildstrecken)
aber es ist eben nicht Die alternative. die hütten gibts nicht ohne die palsäste und umgekehrt. U2 und die O2 arena nicht ohne das juz.
mit den prachtbauten der sowjetunion, ist das auch so eine sache. viele bauten wurden ja als symbolisierung der kraft der arbeiterklasse (des volkes) gebaut, bspw. die moskower ubahn. (der kreml ist ja viel älter)
was nicht in abrede stellen soll, dass es keine kommunistische aristokratie gegeben hätte.
ich möchte bloß zu bedenken geben, dass dies keine gegensätze sind, sonder gegenstände die sich bedingen. aber gutes oder ehrliches geld gibts schon ehh gar nicht.
wer in kategorien der geldökonomie denkt (alternative wäre die bedürfnisökonomie) wird sehr lange warten müssen. ein schritt vor, zwei zurück.
Auf die Gefahr, ein paar schöne Illusionen zu verbeulen: ganz so spontan und Lo-tech ist das Video nicht. Ich höre da einen Audiotrack, der eindeutig im Studio produziert worden ist (Mikro- und Hallqualität) und dann schön und sauber und aufwändig auf das (professionell produzierte) Bild gelegt.
“this was a spontaneous video made on july 1, 2009 in hermosa beach..” – Don’t believe the hype.
@untergeekDE: Naja, nee… das Video wurde im Zuge des Twitter-Konzerts gedreht, das Audio später drübergelegt, klar…
Das über die Saurier ist Unfug. Die größten Saurier (Sauropoden) lebten im Jura (nein, nicht das Gebirge), sprich Brachiosauridae (Ultrasaurus) und Diplodocidae (Seismosaurus). Die Sauropoden der Kreidezeit waren wesentlich kleiner (Titanosaurus). Daher frage ich mich, woher Du diese These in der Evolutionstheorie hast? Und jetzt schimpft mich einen Nerd ;-)
Was an einem Low-Budget-Clip jetzt neu ist, erschließt sich mir nicht. Das ist doch der Alltag von Indie-Labels…
auf den dino/label-vergleich kamen nofx schon vor geraumer zeit, vgl. nofx – dinosaurs will die
Zur besten Sendezeit Musikvideos? Wo solls das geben?
Meiner Meinung nach ist das Musikvideo im Sinne von Fernsehunterhaltung eh schon mehr oder weniger tot und fast komplett ins Netz gewandert.
Die Zeiten von Mega-Budget Jacko Videos sind auch schon seit Jahren vorbei, auch bei den ganz großen Acts!
“Es gibt eine Theorie in der Evolutionslehre, laut der Spezies, die vom Aussterben bedroht sind, zum Riesenwuchs neigen.”
Das klingt aber ziemlich nach “X-Factor: Das Unfassbare”
Den Kausalzusmannhang umkehren, dann wird vielleicht ein Schuh draus? :)
@JERIKO: Musikvideos zur besten Sendezeit auf MTV? In den letzten zehn Jahren mal MTV geschaut?
Nein aber ernsthaft: Ich hatte beruflich längere Zeit mit Labels und Musikvideo-Produzenten zu tun. Die Budgets schmelzen dahin und die Majors versuchen immer stärker, die Clips als Content zu verkaufen und verstehen sie nicht mehr als Marketing für die Musik (weil sie halt noch immer nicht herausgefunden haben, wie man im Zeitalter des Internets als Musik-Zwischenhändler Geld verdienen kann).
Typisch Amanda Plamer halt. Wie wir sie kennen und lieben. :)
Nicht mehr, nicht weniger.
Die Dinosaurier wussten ja nun auch nicht, dass da ein Meteor auf sie zurast (bzw ein Vulkan ausbricht.. je nach Theorie)… das hatte ja mit deren Aussehen nix zu tun…
Weil es insbesondere auch viele Sauropoden nicht über das Jura hinaus geschafft haben ist diese Theorie in Zweifel zu ziehen.
Das sich T-Rex und Diplodocus gute nacht sagen ist in etwa der Stand von Jurassic Parl.
Wobei, wenn man der Theorie was abgewinnen mag, dann ist Flynneffekt vielleicht das passende Stichwort.
Da findet man auch uU den Untergang jeglicher Kultur drin begründet. =)
bzgl. einer aehnlichen twitter aktion von amanda palmer hab ich vor ner weile mal was auf nem indie music industrie blog gelesen, und quasi die meisten kommentare waren “toll, aber nicht reproduzierbar fuer die meisten artistst weil die niemand kennt (und sie nicht wie palmer vorher schon mal nen major label contract hatten)” Was ich ziemlich interessant fand weil das zeigt sich das halt meiner Meinung nach immer noch zu viele Kuenstler auf den einen grossen durchbruch warten, und dann gerne davon bis ans ende ihrer tage leben wollen. Natuerlich hilft Amanda Palmer bereits vorhandene Bekanntheit und vorhandenes Image, aber weder sie oder jemand anders hat so weit ich weiss gesagt das das fuer jeden im gleichen Massstab nachmachbar ist, sie meint lediglich das twitter die moeglichkeit bietet. Gute Musik machen und sich eine Fanbase aufbauen muss man natuerlich trotzdem, und auch mit jedem Zukunftsmodell wird es immer Leute geben die nich gut genug sind oder es nicht schaffen. Aber wie das video sagt, no more middleman.
ich wollte mir das lied gerade bei itunes kaufen.
aber wie heißt es?
Indie-Produktionen hin oder her.
Diese junge Dame trifft nicht einen einzigen Ton.
Schaurig.
also ich bin auch für eine SFX gesellschaft. alle die zahlen den hochglanz scheiß und alle die nicht zahlen halt die sfx mit playmobil und stopmotion.
ma ganz im ernst man kann nicht super mega geile filme für umsonst erwarten, allein schon weil mehrer leute über monate daran arbeiten und die brauchen ja auch nichts außer ein lob über twitter. aber das ist ein anderes thema.
wieso dass die zukunft vom musikbusiness sein soll verstehe ich auch nicht. das lied ein cover. ein video am strand auch so alt wie das meer..ah wie die erfindung der video kamera selbst. und auch nicht neu ist, dass keiner was dran verdient :-)
und das man low budget videos auch schick machen kann ist auch nicht neu. gibt leute die drehen für 1000$ einen film. ist nur überhaupt die frage ob das low budget ist. im vergleich zu hollywood ja, aber erstmal nen budget von 1000$ haben.
nur mal so
neu ist das Konzept eigentlich nicht. Schaut euch mal die beiden Seiten an:
http://www.showtogo.ch und http://www.blogotheque.net/. Dort wird dieses Konzept schon exzessiv gelebt :).
für mich ist das alles eigentlich nur eine einzige demonstration von “you get what you pay for”. die leute zahlen nicht mehr für aufwendig gemachtes entertainment von spezialisten die in das thema jahrelang eingetaucht sind, schön, dann gibts eben nicht mehr scream sondern klischee-strandvideos mit gefaktem liveappeal und ner wellenatmo von der 49$-geräusch-CD.
ist das die zukunft? vielleicht. muss sie einem gefallen? nee.
und jetzt diesen ach so hippen trend mal auf die anderen content-bereiche übertragen. schluss mit den scheissteuren aufwendigen filmproduktionen. webcam-clip mashups FTW! nahezu photorealistische shooter mit komplexer storyline die meherere jahre produktion benötigen? fuck it – moorhuhn geht genauso! und nicht vergessen: weils so proper gegen “die” pöse pöse industrie geht immer alles ganz feste toll finden!
DAS ist ein echter low-budget-film:
http://vimeo.com/5587653
cheers
julia