
Wired hat ein superspannendes Interview mit Guillermo del Toro, in dem er seine Vision über die Zukunft des Geschichtenerzählens ausbreitet: Interaktive, vernetzte Storys in einer neuen Mischform aus Games und Film. Ich denke ja ebenfalls, dass Games und Film schon bald zu etwas Neuem verschmelzen werden, das beides nicht verdrängt, aber ergänzt. Die lineare Narration aus Büchern und Filmen werden nie ganz verschwinden, aber diese neue Erzählform wird schon bald sehr dominant werden. Warum auch nicht?
Die Form der Weitergabe von Geschichten veränderte sich schon immer mit Technologie, die Remix-Kultur der alten, mündlich weitergegebenen Sagen, Legenden und Märchen ging durch den Buchdruck in eine starrere, festgeschriebene und lineare Form über und auch die Technologie der Vernetzung wird eine neue Form des Remix der Geschichten zur Folge haben: Tausende Varianten derselben Geschichte durch individuelle Entscheidungen. Man denke nur an die fast schon filmreife Umsetzung von GTA4. Da geht noch einiges.
Das da oben ist übrigens ein Bild aus seinem Haus und wenn ich mal groß bin, sieht meins genauso aus.
del Toro: In the next 10 years, we’re going to see all the forms of entertainment—film, television, video, games, and print—melding into a single-platform “story engine.” The Model T of this new platform is the PS3. The moment you connect creative output with a public story engine, a narrative can continue over a period of months or years. It’s going to rewrite the rules of fiction.
Wired: It sounds like you’re talking about an entirely new form of storytelling.
del Toro: Think about the way oral tradition became written word—how what we know about Achilles was written many, many years after it made its way around the world with different names and different types of heroes. That can happen when you allow content to keep propagating itself through different kinds of platforms and engines—when you permit it to be retold with a promiscuous form of mythology. You see it when people create their own avatars in games and transfigure their game worlds.
Wired: How is that interactivity going to change Hollywood—and the way directors like you make movies?
del Toro: [Legendary B-movie producer] Samuel Arkoff once told me there are only 10 great stories. That’s where the engine and promiscuity come in. Hollywood thinks art is like Latin in the Middle Ages—only a few should know it, only a few should speak it. I don’t think so.
Q&A: Hobbit Director Guillermo del Toro on the Future of Film (via io9)





Dieses Märchen von den bald so mächtigen interaktiven Filmen oder Games, die wie Filme sind, höre ich mir jetzt schon seit ca. 20 Jahren an :D (erinnert sich jemand an “Phantasmagoria”?).
Ich bezweifle ehrlich gesagt, dass das was wird oder dass es jemals über ein Nischenprodukt hinauskommt.
klasse interview, hatte ich schon im heft gelesen, da stand auch ne übersicht der kommenden zig projekte von del toro. u.a. lovecraft-verfimung. yeah!
Auf dem Bild das Monster da, das sieht aus wie bei Hellboy 1 diese Tier ach wie hieß das Nochmal “Auferstandener Schakal” oder so ?
Ich weiß nicht… ich bin da nicht so überzeugt von. Obwohl ich es gern wäre, aber mal ehrlich: Wer WILL denn überhaupt “interaktive” Geschichten, die irgendwie alle miteinander verbunden sind und superdynamisch und aus allem möglichen zusammengesetzt usw.? Der Großteil der Rezipienten guckt eben RTL, auch wenn wir ach so aufgekkärten netzaffinen User das nicht wahr haben wollen. Und sie tun es nicht ,weil sie jemand zwingt, sondern weil sie keinen Bock auf eine aktive Unterhaltungskultur haben. Die meisten Menschen wollen abends nach der Arbeit von irgendwas berieselt werden. Vor 600 jahren waren es Barden und Schausteller, Opa und Oma, vor 50-100 Jahren warens Bücher, heut sinds Fernseher/Heimkino da muss man nichtmal mehr aktiv lesen, ist doch super!
Naja und vielleicht kommt demnächst Holofernsehen oder wir stöpseln uns direkt irgendwo ein und werfen den “Traum-auf-Abruf”-Chip ein- dann brauch man nicht mal mehr die Augen aufhalten. Ich denke wenn überhaupt wirds dahin gehen.
Aber so wirklich Geschichten mitentwerfen durch aktive Teilnahme- das, denke ich, wird tatsächlich ein Nischenprodukt bleiben. Dazu bräuchten wir mehr Zeit für uns, um überhaupt das Bedürfnis danach zu entwickeln. Nur derzeit gibts halt noch genug Menschen die halt lange arbeiten (müssen) und abends eben keinen Bock mehr haben, irgendwie noch groß aktiv zu werden, egal womit. Und ganau das, dieses “Abends nach der Arbeit” ändert sich eben nicht. Jedenfalls nicht so schnell und so bald wie uns das ein gewisser Herr Lobo nebst Jünger weißmachen will. Der Weg “Mehr Technik -> weniger Arbeit -> mehr Zeit -> mehr Kultur” muss erstmal erkannt und akzeptiert werden bevor wir ihn gehen können.
Dazu hat sich ja Jeremy Rifkin in “Das Ende der Arbeit” glaub ich auch schon Gedanken gemacht (was ich unbedingt dringend mal lesen muss!).
Ich glaube, der Mann ist genau der Richtige für die Hobbit Verfilmung.