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20. Jahrestag des Tian’anmen-Massakers


(Youtube Direktmassaker, via MeFi)

Ich höre grade der HR2 Der Tag-Podcast zum 20. Jahrestag des Massakers auf dem Platz des Himmlischen Friedens in China. Ich hatte das damals nur am Rande mitbekommen, mit 15 war ich alles andere als politisch interessiert. Was sich schlagartig ein paar Monate später änderte, als die Mauer fiel, quasi der Gegenpol zum Tian’anmen-Massaker, und mir bewieß, dass Geschichte auch ohne Blut geschrieben werden kann.

Das Bild ging um die Welt: Ein Mann – weißes Hemd, dunkle Hose – vor der Panzerkolonne auf dem Platz des Himmlischen Friedens. 2600 Menschen wurden im Juni 1989 in Peking vom Militär getötet. Das blutige Ende der Demokratiebewegung in China. Und, im Nachhinein gesehen, wohl der Beginn einer Ära, in der es dem Staat zumindest vorläufig gelingt, mit seinem Volk eine Art gesellschaftliches Stillhalteabkommen herzustellen. Der TAG über den kapitalisierten Kommunismus der Volksrepublik.

Großmacht süß-sauer: China 20 Jahre danach

Mehr: Hier die Story um die Veröffentlichung der Memoiren von Zhao Ziyang, dem früheren Generalsekretär der Kommunistischen Partei, der während der Studentenproteste vermitteln wollte und hierfür nach dem Massaker gestürzt wurde: Revealed: the inside story of the Tiananmen massacre

As the tanks rolled into central Beijing on 3 June Mr Zhao writes: “While sitting in the courtyard with my family, I heard intense gunfire. A tragedy to shock the world had not been averted, and was happening after all.”

The current Chinese leadership says the crackdown was a “disturbance” by “hooligans” and says crushing the revolt was essential to ensure a stable foundation for the country’s economic growth. Mr Zhao takes the opposite view. “I had said at the time that most people were only asking us to correct our flaws, not attempting to overthrow our political system,” he wrote.

PBS Frontline über den Tank Man:

After all others had been silenced, his lonely act of defiance against the Chinese regime amazed the world. What became of him? And 20 years later, has China succeeded in erasing this event from its history?

Das neue Blog der NYT Lens: Behind the Scenes: Tank Man of Tiananmen

“It all started with a man in a white shirt who walked into the street and raised his right hand no higher than a New Yorker hailing a taxi,” James Barron wrote the following day in The New York Times. The picture appeared on the front page of this newspaper as well as in countless other publications around the world.

To this day, the identity and fate of the man in the picture remains unclear. A riveting documentary, “The Tank Man,” by PBS Frontline [siehe oben] in 2006 explored his fate.

Nochmal PBS Frontline über den Erfolg der Zensur in China: Junge Menschen kennen das Bild des Tank Man schlicht nicht: Atempting to erase history

Producer Antony Thomas showed the iconic ‘Tank Man’ photo to a group of undergraduates at Beijing University – in 1989 the university had been the nerve center of the student movement that inspired the nationwide uprising. None of the students knew what the photo was.

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16 Kommentare

  1. Danke dafür.

    1# - Saint - 03. Juni 2009 @ 23:29 Uhr Reply to this comment
  2. Ich hab gestern abend bzw. heute morgen, also am 3.6.2009 um 0.00 , ne verdammt gut doku darüber auf Arte gesehen. Schon heftig. hoffe die Menschen währen ich irgendwann mal gegen “die Partei” . Medien sind schon ein mächtiges Intstrument.

    ich glaub man kann die sich das auch irgendwo noch mal ansehen habs auf die kürze aber nicht gefunden.

    2# - Michel - 03. Juni 2009 @ 23:40 Uhr Reply to this comment
  3. Gut das Thema zu thematisieren, aber “Großmacht süß-sauer” ist nun wirklich ein absolut bescheuerter, klischeebeladener, ungekonnt ironischer, pietetätloser ‘BIG FAIL’-Name.

    3# - bongokarl - 03. Juni 2009 @ 23:59 Uhr Reply to this comment
  4. Grad kam auf ARD (glaub ich) auch eine Doku. Die aber bis auf einiges an qualitativ hochwertigem Bildmaterial kaum “Neues” brachte. Ich hab das damals garnicht mitbekommen, war da aber auch noch um einiges jünger.

    Als ich das erste mal davon erfuhr war ich wirklich geschockt, und irgendwie bildete sich die Vorstellung das das bestimmt laaange her sein müsste. Wenn man dann aber auf das Datum schaut, schockt das um so mehr.
    Und der Rest der Welt “sah mal wieder zu”, wie so oft in der Geschichte. (Nagut, das meiste hat der Rest der Welt auch erst später erfahren, China hat ja damals wie heute gut dicht gemacht). Erschreckend finde ich das China deswegen aus globalen Gesichtspunkten so gut wie keine Konsequenzen davon zu tragen hat(te). Im Gegenteil, China wird als respektabler Handelspartner hier und da gesehen, usw. Das ist wirklich eine Schande.

    Und zuletzt sieht man daran sehr “schön” in was für Kostümen der Faschismus auftreten kann. Und was ganz schlimm ist, das an so vielen Orten auf der Welt eine “ähnliche” Entwicklung stattfindet. Die Rechte werden immer mehr beschnitten, die Repressalien werden immer schärfer, Der Verdachtsmoment wird immer schwammiger, Das Feindbild immer großzügiger bemessen, etc… Angst wird immer mehr zum verdeckten Druckmittel um die Stimme der Vernunft im Keim zu ersticken.

    Ich benutze inzwischen für alle “großen” Staaten und Länder nur noch das Wort “Regime” – und es fällt oft durch den jeweiligen Kontext garnichtmal so sehr auf. Und wer das Pech hat als “Regimekritisch” abgestempelt zu werden, dem kann in Zukunft Angst und Bange werden. Zum Glück hat (aktuell) das wenigstens bei der KiPo-Geschichte nicht funktioniert.

    Gute Nacht!

    *PBS hat eine Menge interessanter Dokus auch zu vielen anderen Themen die empfehlenswert sind!

    Und weil’s zu meiner momentanen Stimmung passt:

    Naqoyqatsi:
    http://video.google.com/videoplay?docid=-3148674515022831957&ei=tsgmSranNdSI-AbgvPCwCQ&q=Naqoyqatsi

    Powaqqatsi ( Life in Transformation):
    http://rutube.ru/tracks/113749.html?v=7302b6fe663f5491e1173040d275f5cb

    Koyaanisqatsi (Life out of Balance):
    http://video.google.com/videoplay?docid=5539613947839465921

    ***sorry für den viel zu langen Kommentar =/

    4# - Creamneuron - 04. Juni 2009 @ 01:14 Uhr Reply to this comment
  5. Jahaha. IHR denkt, dass es so war. War aber ganz anders, wie meine Freunde von der “Jungen Welt” zu berichten wissen: http://seeblogade.se.funpic.de/?p=272

    Unfassbar.

    5# - Joscha - 04. Juni 2009 @ 01:18 Uhr Reply to this comment
  6. Tja, ihr denkt so sei es gewesen. War’s aber gar nicht, wie die “Junge Welt” ganz genau weiß -> http://tinyurl.com/ps9qe6

    6# - Joscha - 04. Juni 2009 @ 01:19 Uhr Reply to this comment
  7. 7# - Creamneuron - 04. Juni 2009 @ 01:19 Uhr Reply to this comment
  8. Bei einer Schweizer Nachrichtensendung befragte auch letztens eine Journalistin mehrere Menschen auf dem Tian’anmen-Platz- was denn auf diesem Bild (Student/Panzerkolonne) zu sehen sei. Mehrere Menschen (darunter auch sehr viele junge Personen) antworteten mit “Militär-Parade”, andere wussten es nicht. Einer, der augenscheinlich wusste, um was es geht, lief mit den Worten “Das ist politisch, gehen wir” einfach davon.
    Hat mich irgendwie an 1984 erinnert. Wer die Gegenwart beherrscht, beherrscht auch die Vergangenheit!

    8# - Bunce - 04. Juni 2009 @ 08:58 Uhr Reply to this comment
  9. Bevor hier alle in den großen Betroffenheits-Chor einstimmen, mal eine alternative Sichtweise (Aufständische töten Soldaten, benutzen Giftgas, Soldaten sind angewiesen, sich zurückzuhalten):
    http://www.jungewelt.de/2009/06-04/017.php
    Ich will damit natürlich nicht sagen, die chinesische KP sei ein Hort der Menschlichkeit, aber wenn alle Leitmedien der westlichen Welt inklusive die sich kritisch dünkende Blogosphäre ein holzschnittartiges Bild “friedlicher Widerstand gegen brutales Regime” zeichnet, halte ich es für notwendig, ein wenig Realitätsbezug ins Spiel zu bringen.

    9# - Oi - 04. Juni 2009 @ 09:34 Uhr Reply to this comment
  10. YOU SHALL NOT PAAAAAAAASS!

    10# - evilnerd - 04. Juni 2009 @ 11:12 Uhr Reply to this comment
  11. Sorry, aber ich halte diese neuen Fakten, die ein ach so anderes Licht auf dsa Tiananmen-Massaker werfen für sehr bedneklich und fraglich. Es gibt mehr als genug Videomaterial (naja, auf jedenfall einiges, genug kann es nie sein) in dem man genau sehen kann was da passierte. Und das ein mob aufgebrachter und panischer Studenten dann in bestimmten Situationen wo sich die Möglichkeit ergibt einzelne Soldaten lynchen (was sicherlich nicht schön ist) ist aber dennoch sehr verständlich und sollte ihnen nicht insofern zu Last gelegt werden, als das jetzt die Schuldigen die aufrührerischen Studenten sein sollen.

    Damals hatte die chinesische Regierung die Oberhand, was dann in “Pressesperren” und anderen Informationsunterdrückungen endete, genau wie heute die chinesische Regierung immer noch die Oberhand hat. Ich will damit nicht sagen das neue Faktenlagen unbedingt gefälscht sein müssen, aber man sollte auf jedenfall alle “neuen” Informationen hinterfragen und sie kritisch betrachten. Für ein derartiges Regime wäre es sicherlich eine Kleinigkeit heutzutage “neue” Informationen zu streuen um ein komplett anderes Bild zu erzeugen – und es wäre nicht nur eine Kleinigkeit, sondern es fällt auch in genau die Arbeitsweise eines derartigen Regimes!

    Niemand behauptet das die Studenten “unschuldig” an den fortgeschrittenen Ausschreitungen waren, aber die Frage muss doch sein, wie entsteht so eine Situation, und wie lange ist es einer Gegenbewegung möglich im friedlichen Rahmen zu bleiben? Das ist im Prinzip auch kein so anderes Thema wie das leidige Terrorthema, wo man sich fragen muss ab wieviel Leid, Elend und Fremdeinfluss eine Bevölkerungsgruppe das Recht hat (oder zumindest für sich behauptet es zu haben) sich auch gewaltsam zur Wehr zu setzen.

    Aber mal ehrlich, ich bin ja dafür alles zu hinterfragen, aber China ist seit langem bis heute ein führendes Beispiel für Menschenrechtsverletzung und Unterdrückung.

    11# - Creamneuron - 04. Juni 2009 @ 12:11 Uhr Reply to this comment
  12. Das Lynchen der Soldaten wurde im Podcast auch thematisiert, die fanden statt, nachdem ein Panzer Amok gefahren ist und einen Fahrradfahrer plattwalzte. Da haben die Leute diesen Panzer gestürmt und die Soldaten auf den Platz gezerrt, wurden aber am Lynchen von anderen gehindert.

    12# - René - 04. Juni 2009 @ 12:23 Uhr Reply to this comment
  13. http://de.wikipedia.org/wiki/Tiananmen-Akte
    http://www.sinomania.com/CHINANEWS/The_Tiananmen_Papers.html
    http://publish.uwo.ca/~achan/Fabricated%20Secrets%202.pdf

    Hioer nur mal 3 Links zum Thema Tiananmen-Papers.
    Ich wär da ganz vorsichtig diese als Argument zu benutzen, wenn es um ein historisches Ereignis wie dieses geht. Die Bezeichnung “Tiananmen-Massaker” kommt nicht von ungefähr.

    ****
    Ich glaube zum Thema Lynchen gibt es bestimmt sogar mehr oder weniger wissenschaftliche Studien, die sowas untersuchen . EInerseits eine lange aufgestaute Wut gegen Unterdrücker, und andererseits das Phänomen, das eine Menschenmasse eine Art Massenbewustsein eintwickelt.
    Wenn ein Mob lynched ist das sicherlich nicht schön und zu verurteilen, aber man darf dabei nie ausser Acht lassen das jeder einzelne dieser Masse dies nie getan hätte (sehr wahrscheinlich). Massenpsychologie und Hysterie spielt hier bestimmt eine übergeordnete Rolle. Das soll die Studenten nicht von jeglicher Schuld freisprechen, aber in meinen Augen waren die Studenten die “RE-aktionäre”.

    13# - Creamneuron - 04. Juni 2009 @ 12:25 Uhr Reply to this comment
  14. Schlimm nur das sich seit damals nix an der Situation in China geändert hat. Menschen sind gestorben und bewegt wurde dadurch lezendlich ja trotzdem nicht viel. Das dort die Protestanten etwas weit gegangen sind sehe ich vllt ein, aber das die Politiker 20 Jahre danach nix an der Situation geändert haben stufe ich als viel schlimmer ein.

    14# - x - 04. Juni 2009 @ 13:46 Uhr Reply to this comment
  15. Auf dem Platz des Himmlischen Friedens geschah vor 20 Jahren ein schreckliches Blutbad. Was bei vielen Menschen noch Heute entsetzen und fassungslosigkeit auslöst.
    Das selbst Heute nicht frei darüber gesprochen werden darf, zeigt das China noch weit entfernt von
    einer Demokratie ist und ich frage mich, ob das jemals geschehen wird.

    15# - Ludwig - 05. Juni 2009 @ 13:09 Uhr Reply to this comment
  16. Ihr redet immer nur von dem Tiananmen-Massakers!Wisst ihr wie viele Menschen auch heute noch in China einfach beseitigt werden!
    mir tun die menschen leid die in china leben müssen!
    Die Soldaten müssen die Befehle eines kranken Regiemes ausführen und anstatt genug Courage zu besitzen und sie zu verweigern, töten sie Landsleute!
    wo bitte nehmt ihr euch das Recht raus die Studenten so zu verurteilen!Ich würde euch gerne sehen wenn ihr nicht eure Meinung äußern oder frei leben könnt, alles würde euch vorgeschrieben ob es nun sinnlos und stupide ist oder nicht!Fragt euch selbst ob ihr friedlich demonstriert oder gleich zu einem wütenden Mopp werden würdet!
    Und noch etwas wie könnt ihr so eine Tatsache diskutieren wollt ihr nicht noch anfangen das 3 Reich und die Endlösung auseinander zu nehmen und anzweifeln was Tatsache ist???

    16# - honey - 07. Juni 2009 @ 21:07 Uhr Reply to this comment

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