General Robots

Drei gute Texte zu Winnenden

Hier und hier gibt es zwei sehr gute Texte, die sich mit der Berichterstattung der Medien über den Amoklauf von Winnenden auseinandersetzen. Der beste und wichtigste Beitrag kommt allerdings von Björn, der sich dem Thema psychologisch nähert und weil ich aus dem Text keinen Absatz kopieren konnte, weil Absätze dieses Textes außerhalb ihres Kontextes nicht funktionieren, hier der komplette Artikel nach Absprache im Vollzitat. Danke Björn! Unbedingt lesen, kompletto.

unfassbar?

als nun wegen tim k. wieder alle ganz entsetzt waren über die schlimmen zustände an den schulen und weil da so viel gemobbt wird und so viel gewalt herrscht, da hat es natürlich keinen interessiert, dass das statistisch blödsinn ist,weil die zahlen für derlei dinge rückläufig sind.
die erwachsenen haben in den vergangenen tagen im fernsehen und in der zeitung mal wieder gern so getan, als hätten sie in ihrer schulzeit so etwas nicht erlebt.

ich bin wohl auch ein erwachsener. nur: zu meiner schulzeit gab es mobbing. dauernd. täglich. war ganz normal, damals in den 90ern. wir „intelektuellen“ aus der Theater-AG haben uns offen über die loser mit den viererzeugnissen lustig gemacht. insofern die muckis hatten, haben wir verkopften entsprechend beim sport gelitten. in der grundschule war ich eher schüchtern. einige meiner klassenkameraden, die bescheid wussten über die strengen regeln meiner mutter bezüglich heimkehruhrzeiten, machten sich einen spaß daraus, mich nach gemeinsam verbrachten nachmittagen nicht gehen zu lassen. in der unterstufe auf dem gymnasium hatten wir dann einen klassendepp, den wir aus spaß zum klassensprecher gewählt haben, um ihn dann bei der amtsausübung zu verhöhnen. nach der schule haben wir ihm sein fahrrad kaputt gemacht, den ranzen weggenommen und so fort. den klassendepp der mittelstufe haben wir nie auf unsere partys eingeladen und das dadurch demonstriert, dass an den haustüren der jeweiligen feierlocation “wir müssen draussen bleiben”-schilder mit seinem photo hingen. andererseits haben wir ihn überredet, dass er für uns partys gibt. und dann haben wir die stereoanlage seines vaters unter wasser gestzt. weil es ging.

und auf die fresse gab’s auch. nicht täglich, aber regelmäßig. ich zum beispiel wurde von der griechengang aus dem nachbarort gepiesakt, weil ich für deren geschmack eine zu große fresse hatte. ich habe mich aufgrund massiver unsportlichkeit selten geprügelt, es dabei aber einmal doch geschafft, einem mitschüler so eine zu zimmern, dass er grenzwertig lange keine luft mehr bekam.
aber das ging härter: es gab eine skinheadgang bei uns, die skater blutig geschlagen haben, wenn man sich traf. einem haben sie das gebiss entfernt durch auflegen des kopfes auf den bordstein und folgendes nachtreten. die söhne von einem unserer lehrer haben katzen aus der nachbarschaft angezündet. springmesser hatten wir mit 14, 15 fast alle. wurfsterne und schlagringe waren etwas weniger verbreitet, aber da.
apropos lehrer. natürlich gab es engagierte lehrer. und graue mäuse. aber auch opfer. meine klassenlehrerin in der dritten klasse musste uns mehrmals mit heulkrampf verlassen, weil wir sie fertig gemacht haben. die siebtklässer damals hatten die gleichen ziele wie wir, nur andere mittel. sie haben sabotageakte an ihrem auto vollführt. doch ein nicht ganz kleiner teil unserer lehrer waren arschlöcher, zyniker und sadisten. du wurden von sogenannten pädagogen schüler an den ohren gezogen, in den hintern getreten, öffentlich verhöhnt, in mülleimer an der klassentür gesetzt, von der schule gemobbt.
ich berichte hier passend zu tims amoklauf anekdoten aus einer jugend im wohlhabenden stuttgarter umland…

das ist nicht cool oder witzig. das ist ganz große scheiße. scheiße namens schule. und ich wäre der letzte, der sich beschweren dürfte. ich hatte immer top-noten, durfte mich in den verrücktesten ags verwirklichen, galt allermeist als vorzeigeschüler (streber) mit sozialem engagement und hatte überdurchschnittlich oft die engagierten lehrer unserer schule im unterricht. dennoch habe ich als langwierigstes erbe der schulzeit neben dem tollen abizeugnis einen alptraum mitgenommen. vor prüfungssituationen träume ich noch jahre nach dem letzten schultag, dass ich bei einer englischklassenarbeit versage. und wenn das schon mir so geht…
da auch viele schulgeschichten meiner eltern und deren geschwister von mobbing und keilerei berichten, habe ich so eine idee:
schule ist psychoterror für fast alle. nicht nur rütli in neukölln. auch gymnasium in der schwäbsichen kleinstadt. sicher ein anderer terror, aber terror. schule als terror in einer lebensphase in der sich alles vom kopf auf die füße stellt und umgekehrt, in der pubertären zeit der verunsicherungen und des sich selbst suchens ist potentierter psychoterror. schule, so wie sie ist, geht eigentlich gar nicht.
aber solange die erwachsenen so tun, als hätten sie keine ahnung, was in der schule abgeht, wenn sie also verdrängen, wie es bei ihnen war und deshalb ignorieren, was ihre kinder durchmachen, solange wird sich da nichts ändern. und solange fördern erwachsene die kluft zwischen sich und den kids. wir brauchen andere schulen. aber solange es keine anderen erwachsenen gibt, werden wir sie noch nicht mal denken können.

das unverstandensein, dass aus der ignoranz der elterngeneration herrührt, ist zu einem gewissen grad vielleicht sogar notwendig für die pubertät. aber in der geballten form des “ich wusste doch gar nicht, wie schlimm das ist” ist sie nährboden für gefährliche jugendliche parallelwelten. und auch die parallelwelten der kids wurden wie gerade frisch entdeckte planeten in den medien präsentiert in den vergangenen tagen. da gibt es ja jede menge amokläuferfans, wo doch die tat so unfassbar ist.
ist sie das?
die tat selbst kann ich auch nicht nachvollziehen. die phantasie und die ihr verwandte verehrung des täters aber schon (zumindest solange ich an den täter und nicht an seine opfer denke). von den erwachsenen offensichtlich unverstanden (siehe u.a. oben) seinen platz finden in einer gesellschaft, deren regeln man noch nicht versteht, die hart sind und oft ungerecht erscheinen oder sind, das kann schon überfordern und einem ein ohnmachtsgefühl bereiten.
ich reagiere auf überforderung und ohnmachtsgefühle bis heute mit gewaltphantasien. liegt wohl an meiner jähzornigen ader. am dienstag beispielsweise qualmten so ein paar dumpfbacken die s-bahn voll, pöbelten und rotzen rum. für vernunftargumente gegen ihr handeln waren sie zu viele, zu aufgekratzt und zu besoffen. sowas kotzt mich an. so jemand will ich in diesem moment heimzahlen, dass er mich mit seinem verhalten quält. dann malte ich mir aus, wie ich ihnen mit den stiefeln ins gesicht springe. mit all seinen folgen. ich kann oft nicht anders in solchen momenten.
solche momente gibt es jede menge inder pubertät. jugendliche werden ständig überfordert, gereizt, in ihren bedürfnissen ignoriert usw. weil keine zeit für sie ist, weil sie in ihrer adoleszenten explosivität nicht in normen passen, weil sie sich selbst und sich gegenseitig in die quere kommen, … und in der überforderung neigt man dann zur pauschalisierung. ich gegen die gesellschaft. und weil ich mich nicht traue, feier ich den vermeindlich mutigen, in den sich dank seiner selbsttötung auch alles hineinprojizieren kann. der wehrt sich ja nicht gegen die vereinnahmung durch andere gefühlte außenseiter.
ich habe allerdings ausreichend erziehung, vernunftbegabung, verantwortung gegenüber frau und kind, also irgendwie reife, dass ich meine phantasien und den sie begründenden ärger aushalte und nicht in handlung umwandle. ich bin aber auch keine 17 mehr. und mit 17 kam ich nicht an schusswaffen. wobei ich für mich glaube, dass ich auch damals schon zusätzlich zu harmoniesüchtig war, als das ich je hätte so durchticken könnn. unterm strich war und bin ich wohl “gefestigt” genug, um nicht amokzulaufen.
und so geht es der ganz großen mehrheit. aber ist die ganz große mehrheit auch gedanklich wirklich so weit weg von tim k., wie es den anschein haben kann zur zeit? seid ihr alle da draußen so friedliche menschen? hattet ihr in eurer jugend nie identitätskrisen und das diffuse gefühl, ihr steht irgendwie gegen die eltern, lehrer, masse, gesellschaft, welt?
ehrlich: ich hoffe ihr kennt diese emotionen. denn wer ausgrenzung, überforderung und ohnmacht plus konstruktive gegenstrategien kennt, kann hoffentlich denen ein vorbild sein, die noch nach gegenstrategien suchen.

In diesem Zusammenhang nochmal der Hinweis auf diesen vierteiligen Vortrag von Erziehungswissenschaftler Dr. Freerk Huisken: Wie das System Schule Verlierer und Gewalt produziert. Noch mehr zum Thema: HR2 Der Tag Podcast „Außer Kontrolle – völlig normal? Der Amokläufer in uns.“

Ein Ende mit Schrecken. Das ist das Ziel des Amokläufers: möglichst viele Menschen mitnehmen in den Tod. Aber was sind die Motive für die Schreckenstat? Darüber wird jetzt wieder gerätselt. Dabei ist das unwillkürliche oder geplante Ausrasten vielleicht nur die in uns allen angelegte andere Seite der alltäglichen Selbstkontrolle. Und das im Stillen bis zur Unerträglichkeit gesteigerte Bedürfnis, wahrgenommen zu werden. Und wenn es durch das Zielfernrohr der Scharfschützen ist.

8 Trackbacks

  1. dataloo » Medien Amok aus Winnenden
  2. no comment auf Blogilicious.de
  3. Schule ist Psychoterror at cdoppelpunkt
  4. Julie Paradise — Mädchenkoma
  5. Deutschland muß endlich abrüsten « Die Memoiren des Josh [...]
  6. Bongoblog » Blog Archive » Meinungen zu Winnenden
  7. delicious Bookmarks von 11.03.2009 bis 15.03.2009 | Hardly ever o [...]
  8. :::Media-Digest » Blog Archive » Texte zu Winnenden

4 Tweetbacks

  1. martinriemer (Martin Riemer): Lese "Drei gute Texte zu Winnenden" @ #nerdcoreblog http://tinyurl.com/dlhn7p
  2. treborx (Gerhard Engmann): RT @martinriemer: Lese "Drei gute Texte zu Winnenden" @ #nerdcoreblog http://tinyurl.com/dlhn7p #eum
  3. anachorete (anachorete): dankt @martinriemer für den hinweis @ http://tinyurl.com/dlhn7p #3gutetextezuwinnenden
  4. guldan (Robert): Lesenswert zum Thema Winnenden: http://tinyurl.com/dlhn7p

49 Kommentare

  1. psychologisch naehert? bitte?

    mal ganz ehrlich, wo seid ihr alle aufgewachsen, wenn ihr bjoerns artikel zustimmen koennt?
    gewaltfantasien? solltet ihr vielleicht mal professionelle hilfe aufsuchen. obwohl wir haben ja gerade erst gesehen, dass diese offenbar auch unfaehig ist.

    sorry, aber bjoerns post kann ich ueberhaupt nicht nachvollziehen.. traurige, arme gesellschaft.

    1# - micha - 14. März 2009 @ 15:13 Uhr Reply to this comment
  2. @micha: Unsinn, Gewaltfantasien sind in einem gewissen Rahmen völlig normal, erzählt Dir auch jeder Psychologe.

    2# - René - 14. März 2009 @ 15:15 Uhr Reply to this comment
  3. Naja, wenn man sowas selber nicht erlebt hat, ist das auch vielleicht schwer nachzuvollziehen. Ich zumindest kann deinen Kommentar nicht nachvollziehen, da ich sowas (Mobbing etc.) selbst erleben musste. Von daher kann ich bestimmten Passagen aus dem Text zustimmen.

    3# - micha2 - 14. März 2009 @ 15:19 Uhr Reply to this comment
  4. Ich habs selbst zwar auch nicht ganz so hart erlebt wie björn und auch meine Gewaltphantasien beschränken sich auf ein minimum. Trotzdem möchte ich ihm Recht geben in seinen Beobachtungen. Und selbst ohne tatsächliche gewaltakte ist die Schule manchmal schon eine ziemliche seelische vergewaltigung. Aber das gehört eben auch zum Erwachsenwerden dazu. Darum ist es so wichtig das das Umfeld oder die Eltern eine form von Halt bieten, das jugendliche sich irgendwo angenommen fühlen.
    Und das ist etwas was unsere Gesellschaft immer mehr verhindert. jugendliche werden mit ihren sorgen und nöten nicht ernst genug genommen. Und das ist das eigentliche problem.

    4# - Wombel - 14. März 2009 @ 15:28 Uhr Reply to this comment
  5. zwei gute texte, die aspekte der sache gut auf den punkt bringen. und ein viel zu langer und erbärmlicher text, der auch noch herausgehoben wird.

    5# - Alex - 14. März 2009 @ 15:31 Uhr Reply to this comment
  6. hmm, es scheint tatsächlich viele Menschen zu geben die in einem so harmonischen Umfeld aufgewachsen sind, die soviel Freude in und an der Schule hatten dass Sie nie Gewaltphantasien entwickelt haben.

    Ich für meinen Teil kann dem Text von Björn zu 100% zustimmen. So eine beschissene Zeit wie in der Schule hatte ich zum Glück nie wieder.

    6# - nico - 14. März 2009 @ 15:43 Uhr Reply to this comment
  7. So extrem kenn ich das auch nicht, aber bevor jmd Björns Text vorschnell als Schwachsinn oder erbärmlich bezeichnet: wenn er hier von Gewaltphantasie redet, meint er nicht, dass er schwer bewaffnet seine Mitschüler niedermetzelt, sondern dass man dem einen oder anderen nur zu gerne mal so richtig eine reinhauen möchte. Kann mir keiner erzählen, dass er sowas noch nie erlebt haben will.

    7# - Simon - 14. März 2009 @ 15:43 Uhr Reply to this comment
  8. Ich bin lange genug zur Schule gegangen um Bkörn recht geben zu können. Das Problem liegt hierbei meiner Meinung nach in ersterlinie daran das 1/3 der Lehrer unfähig sind und die anderen 2/3 zu großen teilen masslos übervordert sind (zu viele Schüler Pro Klasse, häufig der zwang Dinge zu unterrichten die sie selbst nie gelernt haben)
    Ich habe das ganze in einem Spreblick Blogpost Kommentar bereits Detaliertet ausgeführt.
    http://www.spreeblick.com/2009/03/12/amok-koma/ (Kommentare 4 und 8)

    Es hat schon seine gründe warum selbst jemand mit Schulabschluss und Ausbildungsplatz an die Schule zurückkert um dortso eine grausame Tat zu begehen… einfach mal Amok laufen kann man überall – und da man in Counter Strike meines wissen in der Regel keine Schul-Maps spielt würde ich das als grund der Wahl des Ortes einfach mal Pauschal ausschliessen. Und wenn man die Wahl des Ortes bereits nicht auf ein Spiel zurückführen kann sollte man sich wirklich überlegen ob es nicht wichtigere Dinge zu besprechen gibt als das Virtuelle Töten von Terroristen.

    8# - Micha - 14. März 2009 @ 15:46 Uhr Reply to this comment
  9. Ich kann Bjoerns Argumente und Gewaltfantasien nachvollziehen. Hatte u. habe sie zwar nicht so krass wie er, aber im Grunde war das bei mir genauso.

    Den interessantesten Satz finde ich:
    “ich bin aber auch keine 17 mehr. und mit 17 kam ich nicht an schusswaffen.”
    Genau.

    Und jetzt mal auf heute bezogen: Counter-Strike dazu (gab’s damals noch nicht) und Games wie GTA usw. Mir kann keiner erzählen, dass, wenn jemand schon gefährdet ist (starkes Mobbing, keine Freunde, schlechtes Verhältnis zu den Eltern, dadurch viele & starke Gewaltfantasien) so ein Game in nicht darin bestärkt das zu tun, was er vielleicht schon in seinem Kopf hat. Ich sag nur “taktisches Training” bei CS, Umgang mit Waffen, Verrohung, weil man laufend “Menschen” abballert, krasse Szenen mit viel Blut sieht…
    Früher, als ich noch aktiv CS gespielt hab (im Clan mit allem was dazu gehört), war ich ca. 19 Jahre alt. Da dache ich auch immer “Ja, ja…lass die ganzen Politiker und Pädagogen mal labern. Als ob CS mich zu sowas anspitzen könnte…”. Heute denke ich: Ok, ich war halt so gefestigt, dass das nicht in Frage kam. Bei manchen Kandidaten (gestern wie heute) frag ich mich aber, ob solche Games nicht zu einem größeren Anteil daran “Schuld” sind als wir, als Gamer und Freunde dieser Games, wahrhaben wollen.

    Fragt euch mal selber ob ihr im Freundeskreis nicht jemanden hattet, der viel zu viel gezockt hat und der (aus eurer heutigen Sicht) nicht ziemlich labil war.

    Türlich ist es übertrieben (und viel zu einfach) zu sagen “die Games sind schuld”. Aber seid mal ehrlich: Würdet ihr es gerne sehen, wenn euer Sohn mit 14 krasse Ego-Shooter zockt?

    Peace

    9# - Jubai - 14. März 2009 @ 16:05 Uhr Reply to this comment
  10. Ich kenne diese Emotionen sehr gut!
    “Gewaltphantasien”, meist als imaginärer Selbstschutz. Oder auch gegenüber Menschen die einfach unglaublich unmöglich sind (Thema Katzenanzünden…)

    Ich kenne das, und denke da steh ich bei weitem nicht alleine.
    Auch das was der Artikel zum Thema Schule aussagt sehe ich genauso. Ich würde heute nicht wieder zur Schule gehen wollen! Auf keinen Fall. Damals wars schon “hart”, und das ist 15-20 Jahre her bei mir. Ich hab einstecken müssen, und hab auch ausgeteilt. Logisch, da bildet sich eine Kette: von oben einstecken, nach unten weitergeben. Damals, auf einer Dorfschule, wars nicht so krass, aber auch damals schon wars in den Städten um einiges härter.

    Wenn ich mir jetzt überlege wie sich die Welt und die Gesellschaft in den letzten Jahren verändert hat, und dann überlege wie es in der Hinsicht wohl heute in den Schulen aussieht, wird mir ganz anders. Unsere Kinder gehen bis auf die älteste nicht ohne Grund auf eine Walddorfschule, auch wenn ich der Anthroposophie grundsätzlich nicht unbedingt sehr zusage. Unsere älteste geht auf die Realschule in einem mittelgrossen Dorf (30.000 oder so). Hab bis jetzt keine sehr üblen Sachen mitbekommen, aber dsa muss ja nichts heissen. Und Mädchen leben in der Schulzeit ja eh in einer ganz anderen Welt.

    Ich hoffe das es bald mal einen Umschwung gibt, und die Diskussion weggeht von “Killerspielen” oder “Waffengesetzen”, hin zu der Situation der unsere Jugend heute in den Schulen und auch in der Freizeit ausgesetzt sind. Denn dort liegt das grosse Problem. Für “weiche” Jugendliche ist ja garkein Platz mehr vorhanden, die werden sofort eingestampft. Solange sich da nichts grundlegend ändert werden wir in Zukunft immer öfter solche Sachen erleben.

    10# - creamneuron - 14. März 2009 @ 16:06 Uhr Reply to this comment
  11. 1. Computerspiele sind nicht schuld
    2. Computerspiele können jemanden der extrem labil ist sicher darin bestärken seinem unmut mit waffengewalt luft zu machen und ihm anreize geben wie er diese umsetzt. Genauso kann dies aber auch ein Buch in dem Morde geschildert werden oder auch ein Film.
    Das Problem ist aber trotzdem nicht das Computerspiel, das Buch oder der Film sondern das “wir” es haben soweit kommen lassen, das dieser jemand solch eine tat als einzigen ausweg sieht.
    Wie ich oben geschrieben habe, es ist wichtig die Jugendlichen in ihrer Gesamtheit anzunehmen. Auf sie einzugehen und ihre Sorgen, Gedanken und nöte ernst zunehmen. Und sie damit nicht alleine lassen.

    11# - Wombel - 14. März 2009 @ 16:35 Uhr Reply to this comment
  12. ich kann björns text ebenfalls sehr gut nachvollziehen.
    schule ist beschissen. da gibt es immer arschlöcher und leute die meinen das man sich in einer gruppe von mehreren leute am besten alles erlauben kann.
    kann nicht nachvollziehen wie man diesen text leugnen kann.. diese leute sind meiner meinung nach nicht zur schule gegangen, oder gehörten zu denen die ausgeteilt haben und nicht einstecken mussten.

    12# - cc23 - 14. März 2009 @ 16:39 Uhr Reply to this comment
  13. So ein Text sollte weiter veröffentlicht werden und gehört, auch wenn es halt wieder ein Journalisten-Medium ist, in den Stern oder die Fokus.
    Das wird dann wenigstens von allen und zum Großteil “Erwachsenen” gelesen.
    Mit meinen nun 26 Jahren finde ich Björns Text mehr als treffend, da in mir viele alte Erinnerungen an die 16 Jahren Schule hochkommen, die unterschiedlicher nicht hätten sein können, im Grundprinzip mit Björns Erzählungen Konform, wenn auch etwas harmonievoller waren. Und so ergeht es sicher auch dem Rest. Der Text ist halt für Alle, nicht für jeden.

    13# - Kaji - 14. März 2009 @ 17:27 Uhr Reply to this comment
  14. Toll. Schaue gerade Pro 7 News, Tim K. hat also Far Cry 2 gespielt – Für Pro 7 der Grund für all das.

    14# - qshi - 14. März 2009 @ 18:02 Uhr Reply to this comment
  15. krasser text. meine schulzeit war das genaue gegenteil. klar hatte man mal streß und hat sich auf dem schulhof geprügelt, aber das war dann einen tag später meist vergessen (ging ja eh meist um macho scheiß :D) auch zu meinen skaterzeiten gabs nie streß mit irgendwelchen leuten. kleinstadt hat also doch vorteile ;)

    15# - Goretronic - 14. März 2009 @ 18:31 Uhr Reply to this comment
  16. Wir waren Kleinstadt und hatten Prügel und Mobbing und Bordsteinkantenbeisser, fast alles ganz ohne mich, aber deswegen nicht weniger existent im bildungsbürgerlichen Gymnasium humanistischer Prägung.

    Inwiefern hier aber die Einstellung “bei uns gab es das alles so nicht, also verschwindet bitte zum Psychologen und aus unserem Blickfeld” irgendwie problemlösend wirken oder zu mehr Verstehen und Verständnis führen soll, entgeht mir – gerade im Angesicht der wortgewählten Aggression der selbsternannt Agressionslosen – vollkommen.

    Wer Computer-Spielen oder Schützenvereinen die Schuld gibt, macht es sich zu einfach. Wer sie frei von jedem Kontext stellt, auch. Ignoranz gegenüber unbekanntem oder unverstandenem hilft da nicht weiter, niemandem und auf keiner Seite.

    16# - Jens - 14. März 2009 @ 18:45 Uhr Reply to this comment
  17. sehr guter text. im kindergarten ging es mir auch noch gut, aber in der schulzeit hatte ich ab und an auch die a-karte gezogen. als kleinste und dünnste wurde ich nie in eine sportmannschaft gewählt. mein fahrrad wurde regelmäßig in die pfützen geschmissen… ich war schüchtern und eben unsicher. die mädchen ärgerten mich, flüsterten im unterricht etc….ich hasste es immer das fünfte rad am wagen zu sein. und das war zwischen 1982 und 1991. mobbing ist das schlimmste was es in unserer gesellschaft gibt.

    17# - silka - 14. März 2009 @ 18:47 Uhr Reply to this comment
  18. na ja, meine Gewaltphantasien halten sich auch sehr in grenzen…. Vielleicht liegt es auch daran, das wir uns in der Schule ab einem bestimmten Punkt einfach gegenseitig was in die Schnauze gehauen haben. Da gab es dann auch mal ne Kirschnase. Und obwohl ich häufiger unterlegen war, weiß ich noch, das es mir hinterher deutlich besser ging und ich meine “Ehre” für mich allein wieder hergestellt sah. Einfach nur, weil ich den Mut gehabt habe mich zu wehren! Das klingt vielleicht HeileHeile-Altklug, aber jeder der es schon mal so erfahren hat wird dem zustimmen müssen! Als einzig entwürdigend empfand ich die anschliessenden Diskussionen und das “sich mal zivilisiert in den Kreis setzen und die Probleme im Gespräch lösen” nach so manchen handfesten Konflikten. Da mussten wir den dämlichen Lehrern, und wenns ganz schlimm kam Lehrerinnen, nochmal extra erklären was sie sowieso nicht checken… Obwohl alles für den Moment längst geklärt war…. Wenn man aber als jugendlicher die Möglichkeit hat sich in andere Welten zu flüchten und dort seine Wut rauszulassen wird man sie unter umständen auch nutzen und nie lernen etwas AUSZUHALTEN! Einfach etwas AUSHALTEN und sich n Fell zuzulegen das man doch so dringend brauchen wird im Leben – schön wie es ist. Der arme Kerl von Winnenden hat diese Chance verpasst und das ist sehr traurig!

    18# - mtz - 14. März 2009 @ 19:29 Uhr Reply to this comment
  19. Gewaltphantasien sind normal. Besonders für (junge) Männer, denn sie sind grundsätzlich aggressiver. Frauen laufen fast nie Amok – wie kommts? Liegt’s am Hormonhaushalt?

    Ich hatte auch arschige Lehrer. Sadisten, die mich – den kleinen Dicken – das Seil haben hochkrüppeln lassen. Oder die Mathelehrerin, die nicht richtig deutsch konnte und daher auch nicht so recht erklären konnte, was sie da eigentlich gerade an der Tafel rechnet, aber offensichtlich gut genug um meine 5- in der Zensurenkonferenz durchzudrücken. Alter, hat mich dieses Pack aufgeregt!

    Wichtig für mich war damals, meine Aggressionen zu kanalisieren.
    Ich habe dann Comics gemalt, neben dem Kuli kam nur der Rotstift zum Einsatz. Seeehr blutig, das ganze. Mitschüler und Lehrerschaft mussten in meinen Geschichten dran glauben, es hat jedoch keiner als persönlichen Angriff gedeutet. Eigentlich seltsam oder?

    Erreicht habe ich jedenfalls zweierlei: Ich konnte meine Phantasien artikulieren *und* hatte meine Mitschüler auf meiner Seite. Mobbing hatte ich (dadurch?) nie erfahren. Leider litten meine Noten etwas, da ich der Nachfrage nach neuen Splatter-Comics nachzukommen versuchte. Meine Comics waren mir auch wichtiger als Latein.

    — hier ein kleines Überbleibsel aus der Zeit: http://www.newgrounds.com/portal/view/195607/ – habe Jahre später die alten Blätter gefunden und (anonymisierte) Animationen draus gemacht… Oder der hier aus meiner studi-zeit: http://finefin.com/animationen/pick_up_eraser.swf auch lecker, hm? Passt zum Thema Selbstzerstörung! —

    cheers,
    finefin

    19# - finefin - 14. März 2009 @ 20:13 Uhr Reply to this comment
  20. Es ist echt der Hammer.
    Wer sich das gesamte Info-Programm von Bild und Co. gibt, der ist für mich weitaus gefährdeter als alles bisher da gewesene.
    Jeder Furz aus dem Leben des Tim K. wird gedruckt, gebloggt, getwittert und gegottwasweißicht. Er hatte Shooter auf seinem Rechner installiert, er hatte Pornobilder… Tausende sollen das gewesen sein. Am meisten stand er auf Bondage. Seinen vollen Namen haben wir ja schon erwähnt, im Internet war er unter dem Pseudonym xxx unterwegs. Suchen sie mal bei Google und sie finden den ganzen kranken scheiß den er gepostet hat. Die Frage nach dem Schuldigen ist leicht beantwortet: Die Computerspiele waren es… und vielleicht ein bisschen der Schützenverein. Aber genug der vielen Worte, schauen sie sich doch noch ein paar Videos über unsere Goldene Milchkuh Tim K. an. Wir haben sogar eine 3D-Fahrt durch die Schule vorbereitet.

    Und wer davon nicht genug kriegt, kann sich hier jetzt exklusiv schonmal den nächsten Streich der Bildzeitung anschauen. Der Hammer!

    Tim K. – The Game! Das Ultimative Flashgame zum Amoklauf. Erschießen Sie auf dem Streifzug durch eine Schule in Winnenden so viele Schüler und Lehrer wie möglich. Im zweiten Level folgt eine atemberaubende Verfolgungsjagt mit der Polizei bei der Sie aus dem Fenster weitere unschuldige erschießen können und zu guter Letzt der Show-Down. Versuchen Sie möglichst viele Treffer von der Polizei zu kassieren um sich im letzten Augenblick selbst zu richten.
    Wenn Sie alles über Tim K. wissen wollen, kommen Sie an unserem neuen Flashgame nicht vorbei!

    http://bayimg.com/eAOPIAaBE

    Tut mir leid wenn irgendjemand das als unpassend empfindet, aber dieser ganze Medienrummel um den Amoklauf von Winnenden ist das schlimmste was ich seit Jahren mitbekommen habe… So eine Gier nach Informationen… Wen interessiert es, dass der Kerl Pornobilder auf seinem Rechner hatte? Oder besser… wen hat es zu interessieren? Bei allem Verständnis für die Suche nach einem Motiv (welches den Opfern und deren Angehörigen auch nicht mehr helfen kann) irgendwann ist der Bogen auch mal überspannt…. merkt nur keiner!

    Ich verbleibe mit einem verständnisvollen Kopfschütteln.

    20# - christopher - 14. März 2009 @ 21:50 Uhr Reply to this comment
  21. btw. warum ist alles klein geschrieben? hat das eine philosophischen sinn?

    21# - Leon - 14. März 2009 @ 23:17 Uhr Reply to this comment
  22. bei uns gabs allerhöchstens, wenn man pech oder ne zu große klappe hatte, was auf die zwölf vom schulrowdy… aber sonst? nö kann ich nicht unterschreiben. sorry…

    22# - jens - 14. März 2009 @ 23:24 Uhr Reply to this comment
  23. nichts auf der welt ist einfacher als andere für sein verpfuschtes leben verantwortlich zu machen.

    23# - Alex - 15. März 2009 @ 00:03 Uhr Reply to this comment
  24. schön, dass der text bei so vielen gut ankommt. danke.

    einige ergänzungen klarstellungen etc. meinerseits:

    ich hab das nicht nur und auch gar nicht so oft als hart erlebt. aber eben erlebt. manches manchmal, anderes immer wieder. und immer im sogenannten gutbürgerlichen umfeld der schwäbsichen kleinstadt.
    mir ging es auch verdammt gut in der schule (und wollte das auch in dem text anklingen lassen), aus mir ist durchaus “was geworden” und ich kam auch nie aus dem ghetto. aber es war eben dennoch nie so, dass ich heute erstaunt sein könnte über gewalt, mobbing, unverstandensein in der jugend. dieses erstaunen verstört mich und stört mich.
    genau wie jens es in kommentar 16 kurz fasst.

    @alex (23): wen außer anderen kann ich denn bei einem 17jährigen für sein leben verantwortlich machen? was mich angeht: ich habe kein verpfuschtes leben, im gegenteil. und dennoch ist mir einiges an dem unglück in winnenden verständlich. wohingegen mir die weitverbreitete fassungslosigkeit zu großen teilen befremdlich ist. und ich bin verantwortlich für das leben meines babys. bis es 17 und älter ist. und ich will ihm nicht irgendwann aufgrudn von ignoranz und/oder verdrängung sagen müssen: sowas gab es früher nicht. denn sowas gab es auch früher schon.

    24# - Björn Grau - 15. März 2009 @ 01:09 Uhr Reply to this comment
  25. Ich kann die Gewaltphantasien zwar nicht nachvollziehen und hatte selber auch nie mit Gewalt dieser Art und Ausmasses zu tun, aber darum geht es meines Erachtens in dem Text auch gar nicht primaer.
    Der Autor zeigt auf, dass die Taeter in Szenarien wie dem in Winningen gar nicht so ausserordentlich anders sind, wie viele es gerne haetten. Allein die Bezeichnung “Amoklauf”, welche etwas spontanes und voellig irrationales impliziert, fuer einen geplanten Massenmord (Schiesstraining, Waffe besorgen und weitere Vorbereitung) zu verwenden ist der erste Schritt der Abgrenzung.
    Man moechte nicht einsehen, dass solche Verbrecher recht durchschnittliche Jugendliche sind, doch wie die beiden anderen Artikel zeigen, ist es erst die Gesellschaft, mit Fokus auf ihre medialen Auswuechse, die einem solchen Taeter eine Platform fuer sein Verbrechen stellt und dieses dadurch provoziert.

    25# - Marcus - 15. März 2009 @ 01:13 Uhr Reply to this comment
  26. @Wombel (11): Ich stimme mit dir weitgehend überein, finde aber eben nicht, dass ein Computerspiel sich in dieser Hinsicht “genauso” auswirkt, wie ein Buch oder Film. Der große Unterschied ist für mich hier, dass man sich in film und Buch zwar in die Rolle des “Killers” hineinversetzen kann, während man sich im Spiel bereits in dieser Rolle befindet und als solcher aktiv handelt, also selbst den (Maus) Abzug zieht.

    26# - ElBlindo - 15. März 2009 @ 01:30 Uhr Reply to this comment
  27. Nein, kann ich so nicht unterschreiben. Sicher gab’s mal ne Prügelei bei uns, aber Mobbing hab ich keins erlebt. Ich will damit nicht sagen, dass es das überhaupt nicht gibt, nirgends. Das kommt vor, es mag auch oft vorkommen, aber bitte verbiete uns “behütet” Aufgewachsenen nicht eine eigene Meinung und eigene Erfahrungen zu haben. Ich bin in einer Landeshauptstadt aufgewachsen und war auf einem Gymnasium. Gewaltgeschichten hat man eigentlich nur von Real- und Hauptschulen gehört.

    Also nochmal im Kurzen: Ja es gibt Gewalt und ja es gibt Kinder, die fast ohne sie aufwachsen. Deshalb gibt es auch Erwachsene, die sich an sowas nicht erinnern.
    Was Politiker aber schreien und versuchen zu begründen, sollte man nicht zu ernst nehmen. Mal lieber ne Studie lesen, oder zwei.

    27# - Reiswaffel - 15. März 2009 @ 02:54 Uhr Reply to this comment
  28. Ich habe einen ähnlichen Artikel geschrieben und kann das alles sehr gut nachvollziehen. Leider findet diese Position aber überhaupt keine Resonanz in den Medien.

    28# - Jacob Fricke - 15. März 2009 @ 03:45 Uhr Reply to this comment
  29. “ich war ja vorhin in “X” aufnahmeprüfung machen :D lief gut :D als ich dann runter ging um das haus wieder zu verlassen und um ne ecke ging steht nen mädel vor mir und schreit aufeinma los guckt nochma hin O_O OH MEIN GOTT ICH DACHTE DU HAST NE WAFFE =_= verrückte welt naja is ja nur 15 km von da geschehen^^”

    so eben per instantmes bekommen
    passend dazu heute in der bildzeitung die reporter gezählt die aus Y berichten;
    17 reporter allein der fucking blöd zeitung

    und ich wurde nicht direkt gemobbt es war eher im laufe der jahre “gang”-formung der “outlaws” wie metaller, punks, skater, potheads, zocker, popkulturjunkies… “nerds”… halt alles was nicht dem “mainstream” der recht(en)soffenen provinz kirmes koma säufer bauern entsprach und sich “zusammenrotten” musste!
    und hass hatten wir alle damals
    für die beleidigungen
    für die schläge
    fürs anschwärzen von irgendwelchen sachen bei autoritäten
    fürs mal wieder rennen dürfen weil ma 15 gestalten nicht ins verkümmerte weltbild passt…
    aber wir hatten und haben uns zum glück immer noch
    auch wenn wir inzwischen vom winde verweht sind (ein hoch auf das internet)
    hätten aber einige personen in bestimmten zeiten 300schuß muni und ne knarre gehabt?!
    kp
    ein paar sind in die drogen geflüchtet
    jmd anderes in die kunst
    in die musik
    evtl sogar sowas wie “arbeit”
    aber über das kann ma inzwischen reden weil ma erwachsen ist und diese pubertäts kacke vorbei ist!
    traurig das tim scheinbar niemanden hatte

    29# - tacho - 15. März 2009 @ 04:19 Uhr Reply to this comment
  30. Ich bin Vater eines kleinen Sohnes und auch ich habe ähnliche Erfahrungen wie Björn in meiner Schulzeit machen dürfen (okay, die Bordsteinbeisserei gabs bei uns und zu meiner zeit noch nicht, aber Messer, Knarren alles wohl, trotz Polizeistaat). Aber den ganzen Rest unterschreib ich. Für mich ist jedoch eines ziemlich klar: Neben der ganzen Misere, die durchs überforderte Lehrer/Schulsystem etc. sicherlich verstärkt ist, gibt es für mich ganz einfach einen Hauptschuldigen: und das sind die Eltern in unserer (westlichen) Gesellschaft. Durch Selbstverwirklichungswahn, die Überhöhung des Individuums über die Gemeinschaft, erlaubte Faulheit, geduldete Dummheit, Ehrgeizlosigkeit in Dingen, die nicht bezahlt werden, sich selbst näher stehend als allen anderen (inkl. Ehepartner, siehe Scheidungsrate), Gestöhne, wie “anstrengend” Kinder sind, der klassische Wunsch von heute, erst ICH, dann MEINE Karriere, dann MEIN Wohlstand und DANN erst Kinder, aber auch durch Karrieregeilheit (durch gnadenlose Konkurrenz), Wohlstandsaffinität, Materialismus, Konsumgeilheit angestachelte Personen, die schlicht und ergreifend keine Zeit und Kraft mehr haben, an ihre eigene Kindheit/Schulzeit zurückzudenken und mit all ihrer Kraft, ihrer Intelligenz und ihrer Liebe/Strenge es den Kindern zu ermöglichen, ein Vorbild in Ihnen zu sehen.
    Ich bestreite nicht, dass es viele Eltern gibt, die nicht so sind. Aber vielvielviel zu viele, die eben so sind. Ich sehe das hier jeden Tag um mich rum, wo die Kids vor dem Fernseher geparkt werden, weil Mama und Papa jetzt echt keinen Nerv haben oder zugeballert sind, und das jeden Tag, statt mit ihnen zu spielen oder sie anzuleiten. Und deren Kids dann später am Computer versumpfen (nix gegen die Spiele, sondern nur was gegens Versumpfen!). Es wird kein soziales Verhalten in realistischen Bezügen trainiert (stattdessen falsch verstandene Gutmenschelei: “du, wenn der Kevin aber jetzt mal mit deinem Truck spielen will, dann sei bitte nicht so egoistisch und lass ihn auch mal!” etc.), soziale Kompetenz wird sich der Junge bitteschön also selbst erarbeiten müssen (ja – Junge, denn bisher hab ich noch nix von einem weiblichen Amokläufer gehört – abermals Stichwort Sozialkompetenz). Da landet das Kind dann also im Sozio-Dschungel und lernt das eben per Gesetz der Strasse. Für die schwächeren führt das zu Konfliktunfähigkeit, zu unwahrscheinlicher Frustration und zu mentaler Spirale, und manchmal: knackt es. Und erst dann passiert, was Björn von Tim unterscheidet: er gibt seinen Gewaltphantasien realen Raum.

    30# - Lars - 15. März 2009 @ 04:56 Uhr Reply to this comment
  31. Diesen Text kann ich nicht im geringsten nachvollziehen. Wenn das tatsächlich die Normalität ist, meine war es nicht.

    Da muss ich wohl im Paradies aufgewachsen sein. Gymnasium in einer Kleinstadt. Cliquen mit dazugehöriger Ausgrenzung, natürlich, kindisches Teenagermobbing, klar. Es gab auch Leute, die angeblich die wildesten Parties feierten und es mit dem Alkohol übertrieben, und es gab Leute, die angeblich Drogen (”Joints! Schlimm!”) nahmen.

    Aber mit diesen Leuten hatte ich einfach nichts zu tun und sie ließen mich weitgehend in Ruhe. Obwohl ich sehr uncoole Hobbies hatte – Astronomie, Chor, Computer (die damals /nicht/ etwas waren, womit sich coole Jungs freiwillig beschäftigen). Als singender Nerd fühlte ich mich als Außenseiter, aber deshalb Mordphantasien? Come on.

    (Danke für den Link, Rene.)

    31# - Hanno Zulla - 15. März 2009 @ 10:36 Uhr Reply to this comment
  32. Die Analyse von Björn mag in manchen Teilen tatsächlich die Wirklichkeit in unserern Schulen treffen und beschreibt, dass Erwachsenenwerden in unserer Gesellschaft nicht immer einfach ist. Aber eine Erklärung für einen Amoklauf, wie den, den wir erlebt haben, ist das nicht. Für mich bleibt es unfassbar.

    32# - Johannes Moskaliuk - 15. März 2009 @ 17:43 Uhr Reply to this comment
  33. Zur aktuellen Diskussion zum Thema AMOKLAUF und damit einher gehendem Ruf nach einem Verbot der PC-killer-games(Egoshootern)
    muss ich jetzt auch mal meine Meinung sagen:
    Ich bin wirklich sehr verwundert, dass immer nach so einem Drama,was es zweifelsohne ist, immer sämtliche Medien o.ä. auf ein Verbot der “Gewalt-spiele” drängen.
    Mir fehlt da seltsamerweise ebensolche Diskussion, was denn eigentlich mit den ganzen Gewalt-FILMEN (a la Hollywood) ist, denn meiner Meinung nach wäre es viel wichtiger darüber nach zu denken, da , vor allem bei amerikanischen Filmen, bei solchen die Gewalt in einem viel grösseren Ausmass heroisiert wird , als es jemals in einem PC-game der Fall ist.
    Vor allem werden bei solchen Movies
    nicht nur Gewalt gezeigt(in jedem nur erdenklichen Detail, in Zeitlupe, etc..), sondern es werden auch Emotionen transportiert. Der Held der zwar die “Guten” rettet, aber eben deshalb darf er(!) alles umballern was in seinem Heldenweg steht, und da kümmert es niemanden, ob das verheiratete Bullen sind oder Familienväter, etc..
    Hauptsache er “killt” alle die ihm im Weg stehen, damit er die Gunst und Anerkennung, der Geretteten und somit auch der Zuseher bekommt und am Ende als HELD dasteht.
    Und Anerkennung suchen meist Leute, die zu soetwas fähig sind, wie einem Amoklauf mit bekannten Folgen.
    Wer identifiziert sich nicht insgeheim mit dem Helden und möchte gerne ebenso bewundert werden?
    Dieses Identifizieren halte ich für eine weit grössere Gefahr als diverse PC-games! Aber da kräht komischerweise kein Hahn danach??
    Da wird wahrscheinlich zu viel Geld und Lobby dahinter stehen! Aber mittlerweile ist das in der Spieleindustrie auch der Fall. Zumindest finanziell…
    Und wer denkt eine Altersbeschränkung wäre eine Lösung, der sollte mal Pausengesprächen in der Schule lauschen…
    Egoshootergames sehe ich auch eher als Geschicklichkeitsgames mit Tötungshintergrund, aber Identifizierung findet da kaum statt, im Gegensatz zu div. US-killer-movies.

    Wir brauchen nicht alles, was von Amerika kommt…

    33# - Anonymous - 15. März 2009 @ 18:23 Uhr Reply to this comment
  34. Ich würde sogar noch weiter gehen. Der Junge, der vor kurzem seine kleine Nachbarin vergewaltigt hat, hat das bestimmt nur getan, weil seine Mutter nicht immer nett zu ihm war. Das kennen warscheinlich auch alle aus der Pubertät, dass man mit seinen Eltern Stress hat. Wem wären also die Vergewaltigungs Phantasien, die man von seiner Mutter auf andere projeziert fremd? Ich denke die hat ja jeder mal, nur die meisten haben sich da besser im Griff….

    Ich hoffe die Ironie kommt raus und morgen steht nicht die Polizei vor meiner Tür…
    Was René da als psychologisch beschreibt ist für mich wenn überhaupt nur pseudopsychologisch. Meiner Meinung nach muss man nicht alles immer mit Sinn füllen können und einen Grund für etwas finden. Vielleicht war Tim K. einfach psychisch krank und hat die Menschen desshalb umgebracht. Das ganze auf das Mobbing in der Schule zu schieben bringt es genauso wenig wie die Schuld einzig und allein bei Computerspielen zu suchen.

    Die beiden Links am Anfang finde ich aber sehr gut!

    34# - Stephan - 15. März 2009 @ 19:30 Uhr Reply to this comment
  35. Lieber Stephan,

    Du verharmlost Mobbing in einer Weise, die eher dafür spricht, dass Du dich weder mit dem Thema beschäftigtt, noch selbst e rlebt hast. Wir sprechen nicht davon, dass andere Kinder nicht so nett sind, sondern von systematischen Erniedrigungen die oft über Jahre stattfinden. Und natürlich war der Täter psychisch krank. Mobbing macht psychisch krank.

    Um noch kurz auf deinen Vergleich einzugehen. In der Tat haben sehr viele Menschen Vergewaltigungsphantasien und nicht nur eine kleine kranke Minderheit. Das ist in der Psychologie längst bekannt. Allerdings sind es eben Fantasien. Das der junge diese in die Tat umgesetzt hat sicherlich etwas mit seinen vorherigen Erlebnissen zu tun. Oder glaubst Du ernsthaft an ein Vergewaltiger-Gen?

    35# - Jacob Fricke - 15. März 2009 @ 19:54 Uhr Reply to this comment
  36. Lieber Jacob,

    nein ich glaube nicht an ein Vergewaltiger-Gen. Mir ist auch klar, dass es igendwelche Auslöser gegeben hat für den Amoklauf. Und das Thema Mobbing an der Schule sollte man auch nicht unter den Tisch kehren. Ich wundere mich immer nur, dass sofort die gesamte Bloggerwelt aufschreit, wenn Computerspiele für Gewalttaten verantworlich gemacht werden, wenn aber jemand irgend einen anderen Grund als quasi Alleingrund nennt, dann sofort alle einstimmen. Das ist auch eine sehr einseitige Betachtungsweise. Was ich mit meinem Beitrag zeigen wollte, ist dass man nicht irgend etwas rauspicken sollte und als Grund beschuldigen sollte, zu einer Tat, über die man im Grunde genommen nichts weiß, ausser was die Medien verbreiten.

    Hanno kann von mir aus gerne über Mobbing schreiben und auf die Missstände aufmerksam machen. Aber im gleichen Eintrag dadurch den Amokläufer zu glorifizieren. das macht er meiner Meinung nach damit: “die tat selbst kann ich auch nicht nachvollziehen. die phantasie und die ihr verwandte verehrung des täters aber schon (zumindest solange ich an den täter und nicht an seine opfer denke).” Auch wenn er da extrem einschränkt, ist es meiner Meinung nach sehr grenzwertig von einer Verehrung für den Täter zu sprechen. Das war es, was ich mit meinem Beitrag anzeigen wollte. Wenn das falsch rüber gekommen ist, dann tut es mir leid.

    36# - Stephan - 15. März 2009 @ 20:20 Uhr Reply to this comment
  37. @Stephan: Der Text kommt von Björn, Hanno hatte einen anderen (ebenfalls oben verlinkten) geschrieben.

    Zum Thema: Hör Dir bitte den verlinkten Vortrag an. Bei Amokläufen von Schülern (oder hier: Ex-Schülern) geht es immer um Anerkennung, die von der Gemeinschaft zuvor verweigert wurde – Mobbing. Der Täter holt sich da seine Aufmerksamkeit im Selbstmord, quasi. Auch Verehrung des Täters findet statt, das ist Fakt.

    Genau deshalb ist Björns Text der treffendste, wie ich finde. Der Aufschrei wegen der Killergame-Problematik (über die man reden kann, ich bin da nicht so festgelegt, wie die meisten wohl denken mögen) geschieht ja deshalb, weil der übermäßige Konsum von KG ein Symptom ist, eine der Ursachen allerdings ist Mobbing. Das ist ein qualitativer Unterschied. Wie gesagt: Hör bitte den Vortrag, der ist sehr, sehr gut.

    37# - René - 15. März 2009 @ 20:29 Uhr Reply to this comment
  38. stephan: zum zitat mit der verehrung des amokläufers: ich schreibe nicht, das ICH ihn verehre, sondern dass ich die verehrung nachvollziehen kann. die verehrung gibt es bei einigen kids, wie bspw. youtube-videos zeigen. und nur weil ich sie nachvollziehen kann, heißt es nicht, dass ich sie gut heiße. das hätte ich wohl klarer machen müssen. kurzum: ich wollte nicht glorifizieren.

    ansonsten hab ich bei mir mal versucht, zusammenfassend auf insgesamt über 100 reaktionen auf den verschiedenen blogs zu reagieren:
    http://www.graubrotblog.de/2009/03/14/unfassbar/#comment-434

    38# - Björn Grau - 15. März 2009 @ 22:32 Uhr Reply to this comment
  39. Fand den Vortrag recht interessant. Um ihn wirklich gut zu finden, war da für meinen Geschmack aber eine ganze Portion zu viel geschwurbelter Marxismus drin. Von wegen die bürgerliche Gesellschaft, die bürgerliche Erziehung, das bürgerliche Strafrecht etc. Meiner Meinung legt der Vortrag deshalb auch zu viel Gewicht auf den Notendruck in der Schule und zu wenig auf den sozialen Druck, der gerade von anderen Schülern ausgeübt wird.

    39# - Smeik - 16. März 2009 @ 00:49 Uhr Reply to this comment
  40. Naja, den Text kann man viele Wahrheiten entnehmen. Das ist richtig. Aber ganz so krass, mit Waffen und Gebiss raustreten… Mindestens in letzterem hat sicher die Polizei das mitbekommen und es wurde dagegen vorgegangen. Auch deine Gedanken im Zug jemanden mit Stiefeln ins Gesicht zu springen. Hallo? Die Schulzeit war schrecklich. Immer lernen, der ständige Leistungsdruck. Dann das anerkannt sein, gut aussehen, schicke Kleidung. Das Schulsystem gehört schon lange überarbeitet. Eltern bringt euren Kindern mal bei, daß man andere nicht hänselt und schlägt. Lehrer achtet mal darauf, daß ihr solche Werte auch vermittelt und nicht wegschaut, wenn jemand gemobbt wird.

    Zu den Ereignissen. Super Presse. Drückt das Thema aus wie eine Zitrone. Killerspiele waren schuld? Wo er mit der Maus klickt und eine Mission erfüllt… Hat dann jemand der auf der Autobahn als Geisterfahrer unterwegs ist zuviel GTA gespielt. Soweit ich weiß, sind die meisten Spiele, wie die genannten ab 16. Paintball ist aber erst ab 18. Der junge Mann war jedoch 17. Seltsame Sache.

    Wenn man darüber Fachsimpeln will, warum das ganze passiert ist, sollte man erstmal ein wenig darüber nachdenken. Vielleicht kamen alle immer zu ihm, weil seine Eltern einen Partykeller hatten. Es hat Fun gemacht, dort zu sein. Poker zu spielen. Musik zu hören. Die Mädchen wollten gerne mit. Da dort vielleicht auch der ein oder andere Schwarm war. Aber vielleicht hat das den Gastgeber verletzt. Vielleicht hatte er Interesse an einem der Mädchen und fühlte sich ausgenutzt. Vielleicht war er noch etwas sensibler und kam damit nicht klar. Der Leistungsdruck, ein 1er Schüler, die Firma seiner Eltern übernehmen. Nur Arbeiten und Lernen, aber keinen Ausgleich finden. Nur Spiele. Aber keinen wirklichen Ansprechspartner. Man ist genervt von allem. Dann liegt da die Waffe. Niemand versteht einen. Auf dem Schießstand war es auch so leicht.

    Mein Beileid geht an die Familien und Freunde der Opfer. An die Familie des Täters jedoch auch. Denn auch sie haben sicher nun viel zu tragen. Haben ihren Sohn verloren, der 15 unschuldige mit sich in den Tod nahm. Die Waffe lag frei und die Eltern werden sich genug schuld geben. Ganz von den rechtlichen Konsequenzen die auf sie zukommen. Soviele unschuldige Menschen sind an diesem Tag gestorben und alle haben nichts besseres zu tun, als ihr eigenes Leben zu beschreiben, wie es ihnen ging. Gesetze zu ändern. Schuldzuweisungen. Ein paar Tage könnten die Medien wenigstens die Achtung haben und nicht berichten. Die Polizei kann ermitteln. Aber laßt doch erstmal Ruhe reinkommen…. 16 Menschen.

    40# - ? - 16. März 2009 @ 04:30 Uhr Reply to this comment
  41. Texte hin oder her, nur Tim weiß, warum er es wirklich getan hat. Alles andere sind Mutmaßungen.
    Ich, als ex-Aussenseiter von ner Schule, kann zu einem gewissen Grad nachvollziehen, wie scheisse es ist, jeden Tag von Mitschülern nicht ernst genommen zu werden. Ich hab jeden Tag wortwörtlich gekotzt, wenn ich hin musste. Irgendwann sind wir in ne Kleinstadt umgezogen und dann hatte ich quasi meinen Neuanfang.

    41# - Marcel - 16. März 2009 @ 08:45 Uhr Reply to this comment
  42. [...]unterscheidet ihn von ihm? Welche Erfahrungen machen aus einem kauzigen Typen einen witzigen Stranger (meiner Meinung nach später mal erfolgreicher Animationsfilmer oder so) oder einen tötenden Stranger (de facto jetzt tot)? Und kann man[...]

    42# - meistermochi - 16. März 2009 @ 14:04 Uhr Reply to this comment
  43. Toller Text. Gut auch mal sowas zu lesen und nicht immer nur das ganze Gelaber von Politikern und Psychologen, die keine Ahnung haben , weil sie so etwas nie durchmachen mussten…
    Ich habe nur gute Erfahrungen in der Schule gemacht und finde es daher interessant mal zu hören, wie schreklich es doch sein kann…Da hat man sofort den Drang was zu verändern. Aber wo soll man da anfangen?

    43# - Sabrina - 16. März 2009 @ 14:11 Uhr Reply to this comment
  44. schulen abschaffen?

    44# - meistermochi - 16. März 2009 @ 14:32 Uhr Reply to this comment
  45. Wie gut, daß ich keinen Fernseher habe.
    Aber ohnehin sind es die Computerspiele. Mal wieder.

    Übrigens ist, wie ich gelesen habe, der Täter PSYCHISCH KRANK! Depression! Und er hat auch noch Horror- und Zombiefilme geguckt!

    Nun spiele ich zwar gar nicht am Computer. Doch psychisch krank (auch Depression) bin auch ich. Und ich höre u.a. Metal. Und Filme können mir gar nicht brutal genug sein. Ich liebe “Cannibal Holocaust”.

    Aber irgendwie fehlt mir das Bedürfnis, Amok zu laufen. Muß ich jetzt zum Arzt deswegen?

    45# - Ulf, der Freak, auch Catweazle genennt - 16. März 2009 @ 16:52 Uhr Reply to this comment
  46. @Ulf: nein, keine Sorge. Da Du keine Computerspiele spielst, bist Du auch in keinster Weise gefaehrdet. Das ist doch lange bewiesen, dass dieser Zusammenhang rein monokausal ist.

    Ich fand es auch interessant, wie ich von anderen angesehen wurde, als ich mit langem schwarzem Mantel vor ein paar Tagen einkaufen ging. Da war direkt dieser kritische Blick in einigen Augen, ich wusste nicht ob ich ueber diese Mentalitaet lachen oder weinen sollte.

    46# - Marcus - 16. März 2009 @ 17:06 Uhr Reply to this comment
  47. Ein Kunde hebt hervor, daß der Amokläufer aus reichem Hause stammt: “Die können sich solche Hobbys leisten. Und die haben dann Knarren im Dutzend im Haus.” Die durchweg Ärmeren, auf die geschossen wurde, hätten hingegen nicht zurückschießen können. Klassenkampf in Winnenden?

    http://www.classless.org/2009/03/15/okonomischer-gottesdienst-aktuellpolitische-stunde/

    47# - classless - 17. März 2009 @ 12:22 Uhr Reply to this comment
  48. bescheuert!

    -

    und falls doch: wir sind das negativ zu den USA.

    48# - meistermochi - 17. März 2009 @ 13:09 Uhr Reply to this comment
  49. “Und was ist eine Studie noch wert, die die Beschäftigung mit Computerspielen überhaupt noch in die Wertung nimmt? 16 seiner 16 männlichen Klassenkameraden, schätzte Johannes Struzek bei “Hart aber fair”, spielen “Counterstrike”.
    Es geht bei der Entkräftung gar nicht so sehr um eine Verteidigung der sogenannten neuen Medien. Die obsession aber, mit der imm wieder Computerspiele als Ursache in die Debatte gebracht werden (und neuerdings verstärkt das Internet), ist nicht nur die Folge von Unkenntnis und Kulturpessimismus, der glaubt, man müsse nur lange genug graben, bohren, fragen oder hinhören, um am Ende einen Grund, ein Motiv, einen Ursprung zu finden.
    Zu welch grotesken Folgen dieser Aufklärungsfanatismus führt, erkennt man nirgends besser, als an der Panne der Ermittler, die nicht warten konnten, der Öffentlichkeit Beweise mit der Chiffre “Internet” vorzulegen. Dass sich der Hinweis, der Mörder habe seine Tat in einem Internetforum angekündigt, mittlerweile als Falschmeldung herausgestellt hat, ist gar nicht der Skandal: Viel schlimmer ist dabei der verzweifelte Wunsch, dieser Ankündigung überhaupt irgendeine Aussagekraft abzugewinnen. “Das Motiv hängt mit dem Internet zusammen”, orakelte ein Polizeisprecher vor der Präsentation der falschen Beweise, als wäre der Mörder von seiner eigenen Absichtserklärung angestiftet worden, und zwar vor allem deshalb, weil er sich dazu einen virtuellen Darkroom ausgesucht hate. Man muss sich die dürftige Logik dieser Beweisführung vor Augen halten, weil sie zum Prinzip eines Medienwirkungsgequatsches geworden ist, dessen Popularität erstaunlicherweise kaum unter der Alltärglichkeit der Technik leidet, die sie so hartnäckig verteufelt. Längst müsste man sich allenfalls Sorgen um einen Siebzehnjährigen machen, der keine Spuren “im Internet” hinterlässt. Und trotzdem schämen sich weder Polizisten noch Journalisten, den trauernden Angehörigen den nichtssagenden Befund der Zeitgenossenschaft des Mörders als Antwort auf all ihre Fragen zu präsentieren. “Das Internet ist schuld”: Von allen Antworten, mit denen die hilflosen Deuter der Tat einen Sinn verleihen wollen, ist dies die erbärmlichste. (Harald Stund, Frankfurter Allgemeine Zeitung,15.03.2009, S. 25)

    49# - Sascha - 23. März 2009 @ 07:16 Uhr Reply to this comment

Sag was!