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Black

Und dann irgendwann die banale, aber nicht unwichtige Erkenntnis: Ich habe gar keine schwarzen Klamotten. Nur blaue Jeans, nur bedruckte Shirts und eine schwarze Jacke, die aber zu Berlin-Style ist, um sie zur Bestattung zu tragen.

Also muss ich raus, obwohl ich nicht will, unter normale, ahnungslose Menschen, die momentan nur schwer zu ertragen sind, in die Straßenbahn zu den Kids mit ihren plärrenden Handys, die man ihnen am liebsten ins Maul stopfen würde. Aber es hilft ja nix, ich habe ja keine schwarzen Klamotten. Und weil man keinen Nerv auf die Sucherei hat, geht man zur erstbesten (und hübschen, soviel normales Leben muss sein) Verkäuferin und sagt ihr gradeheraus, worum es geht und was man braucht, woraufhin man schnell, freundlich und zuvorkommend bedient wird. Schön.

Vielleicht noch eine DVD vom Grabbeltisch mitnehmen und auf einmal irrt man eine oder zwei Stunden durch die Gänge, weil man eigentlich gar nicht sucht, sondern nur läuft. Einen Fuß vor den anderen, einfach weiter. Der Verkäufer schaute mich schon scheel an, hätte ich auch gemacht, ich wirke derzeit wahrscheinlich sehr strange auf die Leute da draußen. Was okay ist, es ist mir egal.

Schließlich findet man den einzigen Film, den mir mein Vater jemals empfohlen hat. Er war kein Typ für Filme – das mit den Filmen, das habe ich von meiner Mutter. Er hatte ja nicht mal Rocky gesehen. Und das als Ex-Boxer, unfassbar, mein Dad. Nichtmal Rocky.

„’Gesprengte Ketten’, super Film, super Action“ hatte er damals zu mir gemeint, das ist mehr als 20 Jahre her und es wäre gelogen, würde ich behaupten, dass ich mich daran noch ganz genau erinnern kann. Den Film habe ich mir aber damals angesehen. „Gesprengte Ketten“. Die DVD läuft grade. Und ich besitze schwarze Klamotten.

9 Kommentare

  1. Als meine Oma starb, die mir sehr wichtig war, hatte ich eigentlich auch keine schwarzen und besonders normale klamotten nur meine skaterSlackerWear. Die ihr nicht so richtig gefallen haben. Sie hat zwar nie den Spruch gebracht: “Mensch jetzt zieh dir doch mal was anständiges an.”
    aber ich weiß ordentlich&gepflegte kleidung war ihr sehr wichtig.
    Und so habe ich mich entschlossen für ihre beerdigung doch sowas zu kaufen und auch anzuziehen. nicht für die statisten die da auch noch waren sondern nur für sie.

    1# - tempStyles - 04. Februar 2009 @ 23:36 Uhr Reply to this comment
  2. Seit dem Morgen an dem mich die Nachricht wie ein Stein an der Stirn traf, hat dieser Blog plötzlich eine Ernsthaftigkeit entwickelt die ich persönlich nehme, ich denke ich werde (mögliche) kommende (normale/witzige/NERDige) Einträge mit einer gewissen Trockenheit lesen…weil ich mich davor fürchte je in deine Situation zu geraten, da ich nurnoch einen Elternteil habe den ich als solchen auch anerkenne und liebe und ich fürchte danach nie wieder ein normales Leben führen zu können. An sowas wie “das Leben geht weiter” glaube ich leider nicht, für mich wäre es gelaufen. Umso größer ist mein Mitgefühl und der Wunsch dass du durchhälst.

    mfG, A.J.K

    2# - Jua kali - 04. Februar 2009 @ 23:39 Uhr Reply to this comment
  3. filme verbinden. das letzt mal, dass ich meinen vater lebend gesehen habe, war, als wir gemeinsam den film miami vice geguckt haben. wir waren uns einig darin, dass es ein solides machwerk und sehr unterhaltsam ist.

    3# - Herschel Rubinstein - 04. Februar 2009 @ 23:48 Uhr Reply to this comment
  4. Ich habe in den letzten fünf Jahren öfters auf Beerdigungen als es Jahre an der Anzahl sind.
    Ich war natürlich bei den ersten Malen in schwarz gekleidet, aber später eher dunkle, normale Sachen. Natürlich, die Gesellschaft will es so und verlangt es.
    Ich finde wer seine Trauer durch Kleider zum Ausdruck bringen möchte… weiß nicht… es gehört halt zum guten Ton. Ich glaube dem Toten wäre es egal, hauptsache man ist da.

    4# - reeft - 04. Februar 2009 @ 23:51 Uhr Reply to this comment
  5. In manchen Ländern trägt man bunte Kleidung, bei uns trägt man schwarz. Beides vollkommen unerheblich, denn die Wichtigkeit liegt in den Erinnerungen an den Verstorbenen begründet.

    “Gesprengte Ketten” habe ich auch durch meinen Vater kennengelernt. Ich finde, es handelt sich dabei um den besten Kriegsfilm seiner Zeit.

    5# - Herr Schmidt - 05. Februar 2009 @ 00:34 Uhr Reply to this comment
  6. hejo rene,

    eigentlich wollte ich nicht schreiben, da ich eventuell gefuehllos klingen koennte, obwohl ich es nicht bin.

    nur ein paar gedanken: sei nicht traurig, sei froh.

    klingt zwar hart, aber du hattest einen vater, hattest eine gute zeit mit ihm, sowas ist ganz und gar nicht selbstverständlich. Meiner hat mich sitzenlassen da war ich 6, davor war er auch nicht wirklich gut zu mir, keine Erinnerung ausser Gewalt.

    Du hattest einen der zu dir gehalten hat, der immer fuer Dich da war, gerne mit dir zusammen war, dir gern das eine oder andere geschenkt hat oder einfach nur Vorbild war.

    Sei verdammt nochmal froh darüber das Du ihn hattest und er für Dich da war.

    6# - sagichnicht - 05. Februar 2009 @ 00:45 Uhr Reply to this comment
  7. “Das Scheißding ist dunkelblau,” sagte ich, als ich den Anzug, den ich für die Beerdigung meines Vaters gekauft hatte, auspackte.

    7# - Alberto Green - 05. Februar 2009 @ 09:46 Uhr Reply to this comment
  8. Das schwarz kommt von innen.

    8# - Radium - 05. Februar 2009 @ 11:52 Uhr Reply to this comment
  9. wirklich n sehr guter Film! Nix Spezialeffekte, sondern einfach ne verdammt gute Story und handwerklich perfekte Schauspieler.

    9# - nelder - 05. Februar 2009 @ 18:09 Uhr Reply to this comment

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