Ich habe meinem Vater einen Laptop geschenkt. Hätte ich besser nicht gemacht. Neulich der erst Anruf: „Wo geht der nochmal an?“ („Da oben, an dem Gnubbel mit dem Punkt“). Fünf Minuten später der nächste Anruf: „Ich geh mit dem Pfeil auf die Dinger, aber es passiert nix!“ („Du musst klicken, Papa!“ – „Was?“ – „Klick-en!“ – „Was?“ – „Seufz… ich komm vorbei.“)
Man muss wissen, meine Eltern sind 67 und 69 Jahre alt und kennen Computer nur aus dem Fernsehen. Das Internet halten sie für eine Mischung aus Datenklau, Kinderporno und Raubkopie. Bei meinen Eltern haben die klassischen Medien also ganze Arbeit geleistet: sie haben keine Ahnung. Das ist aber gar nicht so schlimm, dachte ich, lässt sich bestimmt noch alles gradebiegen. Dachte ich. Mein Vater wollte erstmal wissen, wo er Aktienkurse herbekommt. Ich habe ihm also einen Bookmark zu einer Börsen-Übersichtsseite in der Symbolleiste abgelegt, da muss er einfach nur draufklicken. Was mir allerdings eben nicht bewusst war: wie erklärt man einem Mann, der das letzte mal 1987 mit einem Computer gearbeitet hat und dort nur Kommandozeilen von kopierten Blättern abgetippt hat, wie erklärt man dem das Prinzip Klick? Den Unterschied zwischen Links- und Rechtsklick? Doppelklick? Drag’n'Drop? Cut’n'Paste?
Ich weiß noch, meine Oma, die hatte keinen Fernseher. Die hat, wenn sie bei uns war (tatsächlich stand sie mal mit 83 Jahren urplötzlich vor der Tür, war von Darmstadt nach Wolfskehlen gelatscht. Mit 83! 16 oder 17 Kilometer!) immer nur kopfschüttelnd in Richtung Fernseher genickt und gefragt, wie man sich diesen Blödsinn anschauen könnte, genauso wie meine Eltern heute Richtung Internet und Computer nicken, und sich fragen, wie man diesen Blödsinn (Kinderporno! Raubkopien! Gangster überall!) nur antun kann. Meine Oma hatte übrigens Probleme mit der GEZ, die nicht glauben mochte, dass sie keinen Fernseher besaß, sondern jeden Tag auf einem alten Röhrenradio (dass immer noch im Haus meiner Eltern steht und… funktioniert!) Hörspielen lauschte. Will man Medienevolution verstehen, dann muss man sich nur seine Verwandten anschauen, das Kopfschütteln für die nachfolgende Generation. Das ist Medienevolution. Die maximal verständliche Medientechnik für meine Mutter ist die programmierbare Videoaufnahme, mein Vater versucht sich grade am Klick und ich bemühe mich darum, ein bisschen mehr MySQL und PHP zu verstehen (<– nicht wirklich, dient nur illustrativen Zwecken). Ich bin jetzt schon sehr gespannt, wann ich das erste mal Kopfschüttelnd in irgendeine Medienrichtung nicken werde, die ich nicht mehr verstehe, und vor allem, welche das sein wird.
Ich tippe mal auf hirnimplantierte Erinnerungen á la Total Recall, aber ich kann mich auch täuschen. Außerdem muss ich jetzt aufhören, das Telefon klingelt. Es ist mein Vater.







Ich habe meiner Oma, immerhin 78 Jahre alt, beigebracht, wie man Solitär spielt, DVDs schaut und Schreibprogramme nutzt – und ins Internet geht. Sie ist imstande, Google zu benutzen und sich meine Comicseite anzusehen.
An Emails wage ich mich noch nicht ran. Denn jeden Schritt, den sie vollzieht, muss sie sich erst einmal aufschreiben, dann mehrmals tätigen, um ihn sich zu merken. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass sie verstanden hat, was sie dort tut.
Sie vergisst immer wieder den Unterschied zwischen dem Ins-Internet-Einwählprogramm und dem Browser, und dass sie mit der rechten Maustaste superviele Funktionen nutzen kann, habe ich ihr auch schon unzählige Male erzählt.
Das Problem in ihrem Fall ist nicht Dummheit oder Starrsinn oder Technikphobie, sondenr fehlende Intuition. Ich versuche häufig zu dokumentieren, was sie gerade macht, um ihr ein Gefühl dafür zu vermitteln, doch das klappt nicht.
Will sagen: Meine Oma ist bereit, sich mit der ihr so fremden Technik anzulegen – und hat dennoch – obwohl sie schon mehr kann als mein Vater jemals konnte – enorme Schwierigkeiten. Dementsprechend kann ich sehr gut nachvollziehen, wenn irgendwer anderes, der nicht diesen immensen Willen besitzt, sich mit dem Neuen zu beschäftigen, sich lieber kopfschüttelnd abwendet und den Stimmen lauscht, die sagen, was an der neuen Technik schlecht ist. Schließlich gibt es so einen Grund, sich nicht eingesetehen zu müssen, dass man nicht mehr Schritt halten kann.
Eigentlich braucht man also “nur” den Willen, mit dem neuen Schritt halten zu wollen. Dass das nicht oder nur sehr begrenzt funktioniert (schon ich sehe mich dazu nicht mehr imstande), spielt kaum eine Rolle.
Ich fürchte es werden die Fahrkartenautomaten werden – für was dann auch immer.
scheisse , die fahrkartenautomaten sind mir jetzt schon ein rätsel.
kenn ich, hab mal ner omi geholfen die ihrer tochter in den usa emails schreiben wollte und bilder gucken und so. die hat immer beim klicken gleich die ganze maus kräftig auf den tisch gehauen. hab ich ihr nicht abgewöhnen können… oh mann… meine eigene oma hat sich letztens das ganze handbuch zu ihrem handy durchgelesen (welches ich besitze) und hat mir jetzt funktionen gezeigt die ich selber nich kannte…. das ist viel schlimmer. :D
Ich hab mal versucht meinem Vater einen Fahrkartenautomaten zu erklären… ging nicht. Komischer Weise war das mit der Digicam dann ganz einfach… und dem dazu gehörgen Drucker… oder was es mit den Speicherkarten auf sich hat…
@mickey: *lach* das wollte ich jetzt auch schreiben O_o
Ich denke mal das Menschen wie du, René (und ich und vmtl. auch ein Großteil deiner Leser) nie irgendwo kopfschütteln werden. Wir sind dafür viel zu nerdig-neugierig. Solange aus dem Gerät keine Musik von Aggroberlin oder Musikantenstadl rauskommt gucken wir uns das alles mehr oder minder staunend an :)
Meiner Oma muss ich ja mal ganzschönen Respekt zeugen.
Die ließ sich nämlich nur diese ganzen Grundtechniken erklären und baut darauf selbstständig auf.
Und sowas von einer Frau über 60 – häufig sind nichteinmal Leute in meinem Alter in der Lage dazu, die einfachsten Dinge logisch zu verknüpfen.
Hui! Bei so einer Story bin ich ja richtig froh, daß ich aus einer technikaffinen Familie komme. Tolle Sachen wie den C64 oder AtariST und tolle Spiele wie weiland Elite (auf dem ST schon mit gefüllten Polygonen) hätte ich ohne meinen Dad vermutlich nie kennengelernt ;)
Bei meinem Vater (61) ist sogar ICQ drauf, schickt in jedem Satz mindestens einen Smiley mit…
meinem vater habe ich schon vor ein paar jahren den rechner “aufgezwungen”. dafür darf ich alle 4 wochen antanzen, wenn wieder was (“ich hab nix gemacht!”) kaputt ist und nicht mehr geht. ich wollte doch das vpn schon längst eingerichtet haben…
surfen, bilder von der digicam holen und drucken, emailen, tetris und solitär zocken beherrscht mein vater (mittlerweile 69) eigentlich ganz souverän. muttern hat sich schon beschwert, dass er abends ständig am rechner sitzt und spielt statt mit ihr zeit zu verbringen. auch hat er dieses jahr seine alpenüberquerung komplett im rechner und via email geplant. lustige notiz am rande: empörter anruf meines vaters “die bilder von google earth sind ja garnicht live!”…
aber wenns um dateien kopieren, bilder-cd brennen oder ähnliche “abstrakte” grund-aufgaben geht, dann heissts immer “das musst du mir auch mal zeigen”. hab ich. schon mehrmals.
nein, bin eigentlich ganz zufrieden mit meinem vater. macht er klasse. und wenn ich zu besuch komme kann ich wenigstens wow zocken ;) das wird von meinem eltern auch mit dem “verständnislosen kopfnicken” bedacht und nur toleriert, weil ich darüber kontakt zu meinem bruder in münchen halte.
technik die ich nicht verstehe… hm, vielleicht twitter? ;)
Ja, kenn’ ich auch. Allerdings von beiden Seiten. Mein Vater ist ein totaler Technik-Idiot, nicht böse gemeint, aber man kann ihm in Sachen Technik nichts beibringen. Absolut unmöglich. Meine Mutter dagegen kann mittlerweile mit meinem alten Laptop umgehen. Schreibt damit. Geht ins Internet und weiss sogar, wie der ein Drucker zu handeln ist.
Meine Mutter (63) arbeitete bis vor kurzem noch unter Windows 95 (“weil ich weiß wies geht”). Irgendwann gabs dann mal zwangsweise einen neuen PC mit XP, weil Internet Explorer 3 (oder so) nix mehr darstellen mochte und 128MB Arbeitsspeicher mit einem Pentium 1 doch etwas zu langsam für XP war. Highlight der Win95-Phase war der Anruf, als “der Bildschirm schwarz” war. Des Rätsels Lösung nach etwa einer halben Stunde Telefonkonferenz (inklusive einer die- Maus-ist-verschwunden-Panikattacke) war dann ein auf Vollbild maximiertes DOS-Fenster…
Wow, da bin ich froh, dass mein Vater sich das ganze Computerding mit 60 jahren selbstbeigebracht hat (was vor 20 jahren war!) und jetzt mit seinen 80 immernoch tiptop im Netz und am Mac unterwegs ist. Er nimmt sich seine Sendungen selbst auf, importiert musik, bearbeitet videos und vor allem Fotos und macht den ganzen scheiss auch noch nichtmal so schlecht. Für einen 80 jährigen.
Er ist übrigens der Grund warum ich an einem Mac sitze, so viele aufgenommene Filme als Kind gesehen habe und warum Photoshop mein täglich Brot ist!
Allerdings tut sich meine Mutter mit ihrem Mac schwer. Sie hört zumindest internetradio und tauscht sich mit anderen menschen im internet über Krankengymnastik aus. Sie ist 65.
Das Internet IST eine Mischung aus Datenklau, Kinderporno und Raubkopie! :D
Man muss nicht einmal in die nächste Generation gehen, um das Verständnis von PCs geschweige denn Internet zu hinterfragen. Aber nichts desto trotz, meine Mutter gerät regelmässig in Panik, wenn ich ihr via Telefon nur das Öffnen eines Videos oder Tracks in ihrer e-mail erklären muss. Bookmarks zu setzen gehört mitlerweile zum Standartprozedere.
Mein Vater hingegen ist besonders fit in Aktiengeschichten, kennt jedes relevante Portal, Kursseiten und tradet mit 66 Jahren online wie ein Großer.
Nur dafür weigert er sich e-mails zu lesen, denn da kommen ja immer diese bösen Viren her, lol.
Dennoch habe ich vor kurzem für einen Freund, der beruflich nichts mit PCs und Internet zu tun hat (Handwerker), quasi ein Ideal Standart User, einen T-Online Anschluß installiert und da muss ich einfach sagen, dass dies schon zu einer größeren Aktion ausartet, wenn man nicht weiß, dass man die IP des Modems an T-Online senden muss.
Auch Copy/Paste oder RSS-Reader waren für ihn böhmische Dörfer. Auch das Ausdrucken einer Online-Flug-Buchung kann da schon zu Problemen führen.
Denn allein die Anzeige “sie verlassen nun den verschlüsselten Bereich, Daten können auch von Dritten gelesen werden…” führt zu panischen Anrufen.
Aber wie schon oft in den Comments erwähnt, da unterliegen viele Menschen einfach der diffusen Gerüchteküche der Zeitungen und des TVs
Das Internet IST [...] porn [...]. Das erstmal dazu ;)
Was Medienevolution angeht, da hatte ich mal eine sehr interessante aber kurze Diskussion (zwischen Tür und Angel) mit einem Kollegen, der der Meinung war, dass die Idee eines “Holodecks” wie bei ST längst überholt ist, und sich die derzeitigen “virtuellen Welten” wie WoW, Second Life u.a. zu eine Art neurologische Simulation mittels Hirn-Computer-Schnittstelle entwickeln werden. Also Buchse in der Schläfe, kabel rein und ab in die Private Suite zur dreibrüstigen Hure von Erotikon VI !
Keine Ahnung, wie offen ich einer SOLCHEN Technologie gegenüber stehen würde… aber “Porn” war schon immer ein gutes Argument… und bedingt durch die rasende technologische Entwicklung, die wir im Gegensatz zu vorherigen Generationen bereits im Jugendalter erfahren konnten, haben wir glaube ich mal so ganz pauschal durchgängig einfach weniger Berührungsängste mit nachfolgenden Technologien.
Mit “wir” meine ich all jene, die sich einigermaßen sicher und aufgeklärt online bewegen können… Es gibt natürlich auch eine Menge Menschen <30, die ihr Wissen aus der ComputerBLÖD ziehen und zBsp. Norten AV für ein adäquates Antiverenprogramm halten.
Nichtsdestotrotz glaube ich, dass von unser Generation nicht so viele auf der Strecke bleiben wenn die Zeit der Rigger und Decker kommt, holographische Touchscreens gang und gäbe sind und wir uns quer um die Welt beam…. ähm… OK. Beim Beamen hörts auf. Da halt ichs dann wie good ol’ McCoy und würde niemals auf die Idee kommen, “meine Knochen in Weltraum umherbeamen zu lassen.” Das ist meine persönliche Grenze!
@maniacator:
siehe auch “eXistenz” von David Cronenberg. Da sitzen die “Bioports” allerdings im Rücken.
@Bonk:
Ist bekannt, genialer Film!
Wäre auch bestimmt nicht verkehrt, wenn es statt klinischer Glasfaserkabel und Buchsen solche Bioports gäbe, dann wäre die Hemmschwelle höher… so’n pulsierendes, warmes braunes Ding aufm Schoß zu haben und sich ne Nabelschnur wo reinzupropfen…*buärks*
Dann schon lieber nen feines Plastikkabelchen ;)
Meine Ma (73) hat sich vor drei Monaten in den Kopf gesetzt, dass sie ein Apple-Laptop will. Und sie war der festen Überzeugung, dass die Dinger so genial sind, dass alles von selbst funktioniert. Mhhh… Ich habe ihr alles erklärt, ihr kleine Notizzettelchen geschrieben, Bookmarks eingerichtet… und zwei Tage später kam eine SMS “Entweder das Ding ist doof oder ich. Ich tippe auf mich…”
Jetzt kauen wir die verschiedenen Programme und Möglichkeiten immer wieder durch und sie feiert Erfolge – Trippelschrittchen, aber ich finde das klasse sich in dem Alter mit sowas noch zu beschäftigen. Und sie fängt auch automatisch an mich als Technik-Nerd besser zu verstehen. Wobei mein Dad sich dem Laptop nicht auf 10 Schritte nähern darf. Das ist jetzt ihr Spielzeug ;)
Sie begeistert sich für alles, was sofort einen Mehrwert für sie hat: E-Mails sind eben wichtig damit sie uns alle bombardieren kann, das konnte sie sofort. Fotoprogramm um die Enkelkinder-Bilder zu sortieren. Auch ihre Lieblingsseiten surft sie entspannt ab und wirkt total sicher.
Aber sobald ich ihr einen Link schicke, der sich nicht sofort von selbst erschließt, herrscht Ratlosigkeit. Und ich hätte nie geglaubt wie schwierig es ist, dann sowas am Telefon zu erklären. “Nee Mama, dann nimmst du die Maus und fährst über diese Schrift, den Link in der E-Mail – bis die zur Hand wird und dann musst du klicken…” “Wie Hand? Link? Ich klicke doch. Jetzt ist die E-Mail weg. Habe ich ihn kaputt gemacht?”
“Ich bin jetzt schon sehr gespannt, wann ich das erste mal Kopfschüttelnd in irgendeine Medienrichtung nicken werde, die ich nicht mehr verstehe, und vor allem, welche das sein wird.”
Jamba-Abos.
“Ich bin jetzt schon sehr gespannt, wann ich das erste mal Kopfschüttelnd in irgendeine Medienrichtung nicken werde, die ich nicht mehr verstehe, und vor allem, welche das sein wird.”
Chatten, in welcher Form auch immer. *kopfschüttel*
Ein Stück “altes” Nerdcore, “alter” Rene. Simply great… :)
Man muss das ganze doch mal so sehen: Den ersten Internettrend den sicher nicht mir ich mit Kopfschütteln betrachte sind die sogenannten Social-Networks. Ich habe letztens noch gelesen (oder hab ichs gehört?) wie ein jüngerer Bursche äußerte, E-Mails seien was für ältere Menschen. Heutzutage verschickt man Instant Messages oder – noch besser – Nachrichten per StudiVZ. Wenn ich das weiterspinne, dann werde ich die Medien die meine Kinder in 10-15 Jahren konsumieren maximal verstehen, aber sicher nicht nutzen.
Mein Großvater ist eigentlich ein richtig alter Herr: Bücher über Bücher. Eine eigene Bibliothek ist für ihn eine Art Statussymbol, es zeugt von Bildung Jetzt stellte sich aber das Problem für ihn ein, dass er auf seiner alten elektronischen Schreibmaschine leider keine Archivierung mehr vornehmen konnte. Immerhin war die Sammlung inzwischen zu groß und zu verschieden. Auch wenn er einfach vieles neues nicht versteht, er steht dem ganzen aufgeschlossen gegenüber – auch wenn er es nicht kann. Mehr oder minder. Bei PCs halt. Bei Musik gar nicht.
Im Gegensatz dazu habe ich zum Beispiel bei meiner Mutter bemerkt, dass sie den Einstieg ins Internet verpasst hat. Office kennt sie sich bis heute teilweise besser aus als ich, das sind einfach Jahre Buchhaltung und Büroarbeit. Internet – naja, war nie gebraucht.
Wo der Generationsunterschied bei meinem Großvater zu meiner Mutter ist – nämlich die Benützung eines PCs an sich – ist demnach genauso offensichtlich wie der Unschied zwischen Muttern und mir: Die Benützung des Internets. Was aber beide auszeichnet ist der Willen zumindestens schrittweise sich an das neue Medium zu gewöhnen. Wenn ich meinem Großvater beim Schreiben in Word zusehe wird mir eher schlecht, auf die fehlerhafte Benützung von Formatierungen, Tabulaoren und Absätzen bezogen. Oder wenn meine utter etwas im Internet sucht. Was beide verbindet ist die unwirsche Reaktion, wenn man Helfen will. Einerseits, weil ich zumeist etwas zu schnell erkläre; andererseits weil man sich (deutlicher) Schwächen bewusst gemacht wird. Und wer sieht schon seiner Schwächen gern ins Auge, insbesondere wenn es um solche Technologien geht. Wie würden wir heute ohne Interent auskommen. Ohne Email? Ohne Amazon? Ohne Instant Messenger und Skype?
Ich könnte es nicht, weder beruflich noch privat. Derzeit bin ich in die Organisation für eine Art kleiner Konferenz für analytische Chemie involviert. Wie hat man das früher gemacht ohne Internet?
Aber ich schweife ab. Ich würde gerne meinen Großvater dazu überreden sich ein Internet zuzulegen. Nachdem er in Franken und ich in der Südsteiermark lebe, wäre so ein Austausch von Digitalfotos, Dokumenten oder ähnlichem ganz einfach. Aber ich werde ihn nicht dazu drängen, ich bin froh, dass er es geschafft hat sich ein Notebook zuzulegen (dass ich ihm über das Internet bestellt habe).
Verdammt, viel zu viel geschrieben: Moral von der Geschichte – selber überlegen. Ich muss zurück ins Labor
Also mit dem guten alten 486er, DOS und Win 95 konnte meine Mutter noch umgehen… aber heutzutage frage ich mich manschmal, wie sie das ueberhaupt geschafft hat. Vornehmlich, wenn dann so Fragen kommen wie “Hilf mir mal, ich bekomm die Datei nicht rueberkopiert!” oder so. Zugegebenermassen kennt sie sich aber doch recht gut aus; dafuer ist sie aber auch nicht allzu alt.
Mein Vater hat sich dagegen erst vor kurzem meines alten iMacs angenommen, aber ich glaube nicht, dass er ihn haeufig benutzt [die Internet-Software liess sich ausserdem nicht vernuenftig installieren]. Und das, obwohl er Programmierer ist. Aber an der Arbeit heimlich surfen kann er.
Einer meiner Grossvaeter hat sich auch noch selbst den Umgang mit dem PC beigebracht [und es teilweise von meiner Ma erklaert bekommen, soweit ich weiss]. Die anderen Grosseltern finden das aber eher komisch und suspekt, dieses “ganze moderne Computer-Zeugs”.
Also ich glaube das früher oder später jeder so darstehen wird. Das gehört nun einmal zum Älter werden, das es einem mit zunehmenden Alter schwerer fällt, Neues anzunehmen ( Ich denke da an den Spruch: “Die Jugend von heute…”). Umso schöner ist es doch wenn sich auch älterer Menschen ab und zu was neues lernen möchten. Natürlich kann man nicht erwarten das sie sofort alles verstehen, es ist einfach so wie wenn man das erste mal Auto fährt. Alles ist neu, und man kann noch nicht richtig umgehen damit. Aber ich find es schön
Also ich bin da ja ziemlich zuversichtlich. Natürlich wird neues kommen, aber dennoch war bei jedem schwer zu überbrückbaren Sprung das Problem der Qualität des Mediums. Vom Radio zum Fernsehen, vom Fernsehen zum Computer und schließlich zum Internet – sind für mich schon Qualitätssprünge. Die Frage ist nun, was als nächste Qualität kommen kann. Denn kann es wirklich digitaler werden? Wird das nächste Internet (sofern die Pläne dafür in naher Zukunft gelingen) wirklich so anders zu bedienen sein? Am Protokoll sehen wir ja letztendlich nichts. Es ändern sich die Interfaces, klar – aber daran ist man ja (anders als vorherige Generationen) als reger Nutzer von digitaler Technik notgedrungen gewohnt. Von daher denke ich nicht, dass mich ein Schock wie beispielsweise meine Großeltern treffen wird. Aber das dachten sie sicher auch…
;-)
Was ich besonders niedlich fand, war, wie meine Mutter die Maus nutzt (obwohl jahrzehntelang mit technischen Geräten geschult, damit das nicht noch mehr nach Vorurteil klingt): Finger auf dem Gerät in bester “Palmolive”-Haltung, bis der Zeiger an der richtigen Position ist – dann kurz Finger hochheben und den Klick aus der Luft mit dem freien Zeigefinger ausführen.
Geht auch, irgendwie.
(Meinem Vater versuche ich gar nichts mehr beizubringen – der kennt als alter ITler noch pizzatellergroße Disketten und lernt nix mehr dazu, sagt auch noch Worte wie “Schlepptop”, und alles über DOS 5.x oder unter brutalen *nix-Systemen ist Hexenwerk.)
Neulich noch einer Bekannten (>=70Jahre) zu OpenOffice geraten (hauptsächlich wegen dem simplen PDF-Export) – zieht sie sich dann, wenn der ISP bei ihr DSL schaltet, schreibt sie mir per mail. Obwohl doch eher technikaffin bezweifle ich, daß ich es schaffen werde, an der Entwicklung dran zu bleiben – schon heute driftet es so weit auseinander, daß man m.E. unmöglich den Überblick behalten kann.
Mein Papa will sein iPhone nicht gegen mein SE P1i tauschen.
Als ich 12 oder 13 war hat er mir via compuserve Wolfenstein von ‘nem Server aus Osaka runtergeladen. wtf are you talking about? ;)
…meiner Oma bekomme ich deswegen aber trotzdem nicht das TELEFON erklärt.
I feel you pain…..
Und genau sowas meinte ich immer. Das ist wahnsinnig gut.
Merci beaucoup!
;)
@Saint: Ich weiß. Kann sich bei dem hier um ein Revival handeln, kann aber auch ein letztes sterbendes Zucken sein. Woher soll ich das wissen, ich blogge hier einfach nur, was mir in den Kopf kommt… ;)
Mein Großvater macht sich bei jedem Firefox Update ins Hemd.
Die Angst etwas “kaputt zu machen” hält ihn stetig davon ab seinen PC anzuschalten.
Und zum Post an sich: schön mal wieder etwas über René zu lesen! Wer war das noch gleich? ;-)
Mein Vater ist von Natur aus einer, der sich gerne Dinge selbst beibringt, egal, ob das nun die neue digitale Spiegelreflex, die Solaranlage oder Bonus-Zertifikate sind.
Er kann E-Mails abrufen und schreiben, Links zu seinen Favoriten hinzufügen, Aktienkurse abfragen, Word benutzen, Bilder und Dateien sortieren und mit ein bisschen Hilfe sogar Videos am PC anschauen.
Aber wenn er anruft, kann ich mir zu 90% sicher sein, dass ich ihm wieder etwas erklären muss.
Damit habe ich (solang es nicht alle fünf Minuten und nicht öfters als alle zwei Tage ist) allerdings keine Probleme. Meine Eltern mussten mir im Leben ja auch viel erklären und meine Enkel oder vielleicht sogar schon Kinder werden es auch müssen – so wie mein Vater seiner Mutter erklärt hat, wie der Fernseher funktioniert.
Meine Mutter kann immerhin den PC ausschalten und hat – seit dem die Kinder aus dem Haus sind – den Fernseher inspiziert und geht jetzt damit genauso gut um, wie ihre Kinder. (Allerdings kucke ich kein Fernsehen mehr, aber von der Theorie her ist sie auf meinem Level :D)
Meine Oma hat vor 3 Jahren einen neuen Röhrenfernseher bekommen.
Der alte (und damit erste) war knapp 25 Jahre alt.
Allerdings versuche ich immer geduldig zu sein, wenn ich etwas erkläre.
Mein Vater hatte früher die Angewohnheit, sich aus Ungeduld (symbolisch) hinzuknien und seinen Kopf auf den Boden zu “schlagen”.
Erhöht den Druck auf den Lehrling ja auch gar nicht haha D:
Hey Rene – selten so gelacht. Besser als mit diesen drei Stichworten kann man das Internetz nicht beschreiben.
Vorsicht!!!
Das Thema “Wenn die Eltern mal Rechnerprobleme haben” ist ein inet3, direkt neben inet4 “Wenn die Freundin mal Rechnerprobleme hat man Stunden telefoniert und sich dann schliesslich streitet weil die einfach nichts kapiert”
Douglas Adams hat das mal so beschrieben:
Ich habe mal ein paar Regeln aufgeschrieben, die unsere Reaktion auf technische Neuerungen beschreiben:
1. Alles, was es schon gibt, wen du auf die Welt kommst, ist normal und üblich und gehört zum selbstverständlichen Funktionieren der Welt dazu.
2. Alles, was zwischen deinem 15. und 5. Lebensjahr erfunden wird, ist neu, aufregend und revolutionär und kann dir vielleicht zu einer beruflichen Laufbahn verhelfen.
3. Alles, was nach deinem 35. Lebensjahr erfunden wird, richtet sich gegen die natürliche Ordnung der Dinge.
Mein Vater hat es, was Computer angeht, eigentlich ziemlich drauf. Aber hey, er ist 44. Ich scheine wohl doch jünger zu sein als die meisten Nerdcore-leser die sich hier zu Wort melden ;)
Meine Oma allerdings.. hat einen Fernseher. Schaute dort immer Hobbythek und so (Sie wohnt nicht mehr hier, ich weiß also nicht was sie mittlerweile schaut), ich weiß aber dass sie sich wehement gegen einen Sat-Anschluß wehrte (sie wohnte bei uns im Haus, wir kauften eine neue Sat-Anlage und wollten die alte dann bei Ihr anschließen).
Sie kennt sich natürlich nicht mit Computern aus, aber fürchtet sich wohl auch nicht davor dass ich so viel Zeit damit verbringe. (Ich sah sie schon lange nicht mehr, vielleicht hat die ÖR-Gehirnwäsche ihre Meinung mittlerweile geändert).
Jedenfalls, René, ich will mehr Storys von deinem Vater hören. Also, von deinem Vater mit dem Computer.
Wenn es ihm schwerfällt sich daran zu gewöhnen, wäre ein Mac vielleicht eher was für ihn. *duck*