Ich stelle hier einfach mal ein paar Forderungen, weil ich kann: ich bin es leid, sowas von leid, wenn Politiker mit einem süffisanten Grinsen damit prahlen, dass sie keinen Browser bedienen können und dass sie von diesem Interdings keine Ahnung hätten und dass ihre E-Mails von den Mitarbeitern gecheckt würden. Fuck, get real! Was ist das denn für eine Botschaft bezüglich Datenschutz, wenn Mitarbeiter die E-Mails checken? Und die können keinen Browser bedienen? Ein Browser lässt sich ungefähr so einfach bedienen, wie eine Tageszeitung. Eigentlich braucht man sogar nur die Adresszeile, wenn mach schon zu faul ist, um die Vor- und Zurückbuttons zu finden.
Ich bin es leid, dass ich mir von Leuten, die Ämter bekleiden und die Verantwortung tragen für das Wohl und die Zukunft von uns allen, kichernde Entschuldigungen anhören muss, weil sie keine Ahnung von Technologien haben, die mittlerweile verfickte 15 Jahre alt sind. Von neuen Medien kann man 2008 nicht mehr reden, sondern nur noch von Medien. Politiker finden es also cool und überhaupt nicht peinlich, dass sie nicht mit Medien umgehen können. Das sollte man mal deren Beratern stecken. Neuestes Beispiel: McCain lernt 2008, wie man einen Computer bedient.
He said, ruefully, that he had not mastered how to use the Internet and relied on his wife and aides like Mark Salter, a senior adviser, and Brooke Buchanan, his press secretary, to get him online to read newspapers (though he prefers reading those the old-fashioned way) and political Web sites and blogs.
“They go on for me,” he said. “I am learning to get online myself, and I will have that down fairly soon, getting on myself. I don’t expect to be a great communicator, I don’t expect to set up my own blog, but I am becoming computer literate to the point where I can get the information that I need.” (New York Times, via)
Jetzt gibt es ja dieses Argument, das gehörte nicht zu ihrem Job. Nein, verdammt. Der Computer und das Web gehört heute zu jedem Job, vom Heizungsinstallateur, der sich eine kleine Website zusammenbastelt, bis zum Webdesigner und erst recht, erst recht zu Leuten, die Gesetze erlassen, die uns alle betreffen. Die sollten so informiert sein, dass es kracht und zwar nicht nur aus den Kreisen der Lobbyistenschleimer. Und dazu muss man lesen. Und zwar off- und online.
Auch wenn Obama bei mir (nicht unbedingt unten durch, aber) gelitten hat, weil er sich für die Todesstrafe ausgesprochen hatte, im Netz macht er anscheinend sehr viel richtig. Sicherlich lädt nicht er seine Reden bei Youtube hoch oder verwaltet seinen Facebook-Account, aber er weiß, was Net Neutrality bedeutet und da darf man schon annehmen, dass er weiß, wie man einen verdammten Browser bedient.
Und warum nochmal sind es vor allem Politiker aus konservativen Kreisen, die mit technischer Bildungsferne glänzen? Als ob Wertebewahrung irgendetwas mit Technologie zu tun hätte, beim Einsatz von Überwachungstechnologie sind sie ja auch nicht grade technologiefeindlich.
Wir schreiben das Jahr 2008 und ein Jahr vor der Bundestagswahl kann ich Politiker, die nicht online agieren, nicht ernst nehmen. Willkommen im 21. Jahrhundert.





Ich kann da aus eigener Erfahrung nur ergänzen, dass unsere Gesellschaft nicht nur in Kreisen von Politikern von Technik- und Wissenschaftsignoranz durchzogen ist, sondern ganz generell. Wenn ich Leute beeindrucken will/muss, dann erzähle ich einfach, dass ich Diplom-Physiker bin (was auch noch stimmt). Größere Augen sehe ich selten. Mit Ausnahme von anderen Wissenschaftlern, ITlern und Nerds kann sich keiner vorstellen, warum sich ein Mensch das antut.
Dass ich mir im Leben kein BWL-Studium angetan hätte (und es dehalb wahrscheinlich auch nicht geschafft hätte), sondern dass es Menschen gibt, denen Technik und Wissenschaft einfach Spaß machen, ist nicht nur außerhalb des Vorstellungsvermögens. Nein, es ist obendrein noch cool, sich über die Nerds lustig zu machen. Unbeliebtestes Schulfach? Sag Mathe, und du hast die grinsenden Nicker auf deiner Seite.
Und wenn ich das mal bei dieser Gelegenheit erwähnen darf: Auch die Atomkraftdebatte ist von vergleichbarer Ahnungslosigkeit geprägt wie die um “neue Technologien”. Nüchtere Chancen-Risiken-Analysen werden zugunsten von dumpfer Befindlichkeit dominiert. (Und das soll kein Plädoyer pro Atomkraft sein, sondern pro sachliche Beurteilung.) Und das Thema ist immerhin seit 50 Jahren auf der Agenda…
Das einfachste im Leben (nicht nur in der Politik) ist es eben, die Finger in die Ohren zu stecken und vor sich hin zu brabbeln und alles was um einen her passiert einfach zu ignorieren. Und wenn irgendjemand sagt dass es im Internetz eh nur böse Terroristen und Kinderpornos gibt stimmt das auch *Finger in die Ohren steck* *brabbelbrabbelbrabbel*
Manchmal wünsche ich mir ich könnte das auch, aber ist ja dein Blog, und nicht meine persönliche Weinwiese ;-)
Du sprichst mir aus der Seele!
Selbst unter meinen Kommilitonen (ich studiere Elektrotechnik) sind nicht gerade wenige dabei, die zwar einen Laptop besitzen, diesen jedoch nur fürs StudiVZ und ICQ nutzen, anstatt sich damit im Internet über das alltägliche und das drumherum zu informieren und die Möglichkeiten des Internets ausnutzen. Technikfremdheit (und damit leider auch oft Weltfremdheit) kommt eben nicht nur unter Politikern vor.
was nur schade ist, dass das hier die Leute lesen, die das schon wissen oder kurz davor waren es heraus zu finden. Einfach die flaschen Leute.
Leute die mit Unwissenheit kokettieren sind die Schlimmsten.
In die Zeitung oder auf Poster sollte man diesen “rant” drucken!
Danke!
Wir werden uns noch gedulden müssen bis die “oben” sind, die mit dem Internet aufgewachsen sind…
..Wir werden uns noch gedulden müssen bis die “oben” sind, die mit dem Internet aufgewachsen sind…..
Bis das soweit ist, haben unsere Damen und Herren Volksvertreter das Internet mit sinnfreien und lobbyfreundlichen Gesetzen schon zu Tode zensiert.
Mccain muss später doch nur den roten Knopf drücken…der brauch kein Internets
beide daumen hoch, rené! du sprichst vielen aus der seele. diese unwissenheit von entscheidern macht sogar richtig angst…
@Marcel: wenn die Leute, die mit dem Internet aufgewachsen sind, dann doch nichts anderes hinkriegen als sich auf YouTube gegenseitig mit Beschimpfungen zu überbieten, kannst du diese Hoffnung leider auch gleich wieder in den Wind schreiben.
Lernt, in Stein zu meißeln. Es leben die alten Medien!
Ich für meinen Teil bin es Leid mich darüber aufzuregen, dass schafft nur Magenschmerzen und Kopfzerbrechen. Ändern kann man es ja doch nicht?
Oder hat zufällig jemand Millionen für eine Aufklärungskampagne rumliegen?
Dieses Land ist leider so verdammt arm geworden… So arm das nicht mal Gymnasiasten 12 Klasse (Kiel) den neuen schönen Einbürgerungstest
bestehen.
I…eine Gesellschaft voller Schafe :-)
Besten Gruß,
Patrick
Von Max Goldt gibt es zu diesem Thema in abgewandelter (Videorekorder programmieren) Form auch einen treffenden Text. Da wollen die Politiker halt immer mit der Masse etwas “anmenscheln”, á la “seht her ich bin genau so doof wie ihr”. Will man denn solche Leute in führenden Positionen?!?
bin da deiner meinung , rené. aber ganz so einfach ist es bei den leuten der “alten generation” einfach nicht. schau dir mccain an. der typ wahr jahre in einem vietnamesischen gefängniss. ist über jahre gefolter worden. er kann jetzt nicht mal seine arme mehr über den kopf heben – wegen eben solchen sachen.
…der hatt einfach andere werte und auch prioritäten. gerade eben weil er das internetz nicht so genau kennt , interessiert er sich auch nicht so dafür. er hatt vorher ohne gelebt. also kann er das auch jetzt. ihm fehl ja nichts.
…sogar mein dad – 52 jahre alt. arbeitet in der werbewelt. hatt schon mehrer agenturen geführt. blablablba…..selbst seine kentnisse sind beschränkt. dabei sollte man meinen das so jemand sich mit dem thema auskennt. er speichert alle seine dokumente auf den desktop. der ist überfüllt mit hunderten von dateien. ich hatte ihm extra ordner angelegt – aber das macht er nicht. sagt es ist ihm zu kompliziert…..
was kann man machen.
Kennen wahrscheinlich schon die meisten, aber trotzdem nochmal…
ARD Kinderreporter interviewen Politiker über Internet:
http://www.youtube.com/watch?v=C0Q41F6m1_E
Ach was. Lass ’se nur. Lange dauerts nicht mehr, dann wird das Spielchen rumgedreht:
Blöder Quantencomputer fragt:
“Verdammt, diese altbackenen konservativen Öko-Politiker; die haben aber auch ne lahme Boot-Partition. Wie bedien’ ich die? Und wo ist der “x” Knopf?”
Bei diesen deinen Beiträgen wundere ich mich immer wieder, warum die Oberthemen Politik (und auch Religion, wo wir beim Thema sind) in der Navi fehlen und stattdessen als halb redundant unter “Und so” gefiled sind.
Volle Zustimmung auch an Miko & Sebastian.
Hier bei meiner Praktikumsstelle schauen die Kollegen mich fragend an, wenn ich erzähle, daß Access, Java. PHP etc. zu den Schwerpunkten meiner Ausbildung zählen. Diese Begriffe sagen ihnen gar nichts. Sind viele 50+, was eventuell ne Erklrärung sein könnte.
Ach ja und total OT: Wall-E ist n klasse Film (Hach ja, Eve) und es gibt nen sehr guten Telesync davon. Sogar mit dt. Subtitles.
Ich meine “leben” können wir alle ohne Netz. Oder?
Man merkts doch immer wieder wenn man mal rauskommt. Urlaub: Und nach 2 Wochen fragt man sich warum mans so “gebraucht” hat..
Aber so isses nunmal mit die ollen Leute. Und Politiker wären ja nicht eben solche, wenn sie nicht versuchen würden etwaige Schwächen (kennt sich nicht mit Internet aus) in Stärken (lacht darüber) umzumünzen. Klar ist das peinlich!! Aber wenn ich an der Stelle wäre?!? Würd ich mich entschuldigen und kuschen? Näää!!
PS: Erinnert mich auch wieder an Computerunterricht mit meiner Mum:
Fass mal die Maus richtig an. Nee nicht nur hinten, die ganze Hand drauf! So jetzt drück mal mit dem Zeigefinger die linke Taste. Jau gut! Und jetzt wieder loslassen! Nein nur die Taste nicht die ganze Maus! …
Das mit der Maus hab ich als Kind des Computers ja noch nie so recht verstanden. Das ist doch nix anderes als zwei Regler (X- und Y-Koordinate) und zwei Knöpfe. Auch nix anderes als ein Radio. Was gibt es da denn zu verstehen?
Im alten Griechenland wars noch so, dass die geistige Elite das Schicksal eines Staates lenken soll… heute sitzt die geistige Elite vor Rechnern und bloggt, wissen, dass in Sci-Fi-Filmen schon gezeigt wurde, was alles falsch gemacht werden kann und haben draus gelernt und haben Ideen oder zumindest Ansätze von Ideen, wie man mal was verändern kann… Na ja…
Ein Hoch auf die Piratenpartei ;)
Urgs, ein wahrer Beitrag. Ich habe prinzipiell kein Problem damit, wenn jemand völlig planlos vor einem Computer sitzt und nicht weiß, was er mit dem Internet anfangen soll. Allerdings habe ich ein riesengroßes Problem damit, wenn so eine Person nun sehr spezielle Dinge, die das Internet betreffen, entscheiden soll – und genau so sieht es leider bei sehr vielen Politikern aus…
Sehr richtig. Ich frage mich ohnehin wie man heutzutage noch _ohne_ Internet auskommen kann?! Ich meine in der Wirtschaft ist das längst undenkbar, und selbst meine Mutter, die mit ach und krach ihre Mittlere Reife geschafft hat, ist mittlerweile in der Lage, im Netz die nächsten Konzerte ihrer Lieblingsband rauszusuchen oder mir E-Mails zu schicken (wenn auch noch ohne Interpunktion, aber wir arbeiten dran…).
Grade in Sachen Politik, wo es wirklich darum geht nah an den Dingen dran zu sein und aktuell zu bleiben, ist es mir völlig Schleierhaft wie man eine solche Einstellung zum Internet haben kann…
@22: In der Wirtschaft ist es auch nicht wirklich besser. Die meisten Nutzer können die Standardfunktionen der gängigen Microsoft-Programme bedienen und kaufen sich einen Computer, wenn man heimlich den Stecker rauszieht. Das ist jedenfalls meine Erfahrung. Inzwischen arbeite ich in einer Verwaltung, da glauben einige noch, dass kleine Zauberelfen im Computer wohnen…
“Any sufficiently advanced technology is indistinguishable from magic” (Arthur C. Clarke)
Was die Kokettiererei angeht, kann ich mich nicht an so viele deutsche Politiker erinnern, die das in den letzten Jahren gemacht haben. Eigentlich sogar an keinen einzigen. Das Problem liegt mir hier eher darin, dass die meisten sich gar nicht eingestehen, keine Ahnung zu haben oder sich einfach nicht für Tech-Themen interessieren und deshalb idiotischste Entscheidungen treffen. Bestes Beispiel ist für mich der Wiefelspütz.
Ich denke es ist eine Frage des “wollens”. Wenn ich will, dann lerne ich auch Internet. Doch “wollen” Politiker? Nein, denn Sie haben ja persönlich nichts davon. Soll doch ihr Referent diese Drecksarbeit machen und die sich schön beim Empfang der Fa XY die Häppchen reinschieben. Bringt denen ja wenigstens einen direkten meßbaren Vorteil: kein Essen selbst bezahlen.
Und ja, “wollen” hilft. Meine Ma hat mit 70 Jahren Skype entdeckt und macht jetzt mit der ganzen Verwandtschaft Videochat, nachdem Sie schon seit ein paar Jahren eMail, Internet macht. Find ich voll cool. Und mein Pa hat, nachdem er vorher nichts mit PCs zu tun haben wollte, seitdem er von mir ne DigiCam bekommen hat auch den PC entdeckt (mit 72). Bilder runterladen, nachbearbeiten, zum Rossmann hochladen, und wenn die eMail kommt die fertigen Bilder abholen.
Und wenn ich mit meinen 39 Lenzen seh wie “gut” sich unsere Azubis mit den neuen Medien auskennen, da ist auch noch viel Nachholbedarf. Wie schon geschrieben, ausser StudiVZ kennen die nix :(
@24: Mir ist dieses Politiker-Bashing à la “Die lassen es sich auf unsere Kosten gut gehen und machen nix” ein bisschen billig. Ich kenne ein paar Bundestagsabgeordnete und man kann sicher jedem von denen was vorwerfen, aber so einen Job würden nicht viele von denen, die hier und anderswo motzen, durchstehen und das teilweise über viele Jahre.
In Deutschland hat sich in den letzten Jahren eine Art von Politikerverachtung breitgemacht, die ich mehr als bedenklich finde. Sicher würde ich mir auch mehr als einen Wechsel an der Spitze oder sonstwo wünschen, aber mir ist das derzeitige System allemal lieber, als alles andere, was je in Deutschland ausprobiert wurde.
Und wer wirklich was ändern will, sollte vielleicht nicht nur lamentieren, sondern auch aktiv werden.
@25 Zugegeben, was verallgemeinert. Aber meine bisherigen Erfahrungen mit Politikern haben leider das Bild ergeben. So hatten wir u.a. in der Ausbildung einen Termin mit “unserem” Bundestagsabgeordneten im Bundestag in Bonn (Ausbildung im öffentl. Dienst) und als wir da waren, hatte er keine Zeit mehr. Und wir waren mit einem ganzen Bus voll Azubis da. Bei späteren Einladungen von dem Herrn ließ er sich auch immer kurzfristig entschuldigen. Solche Eindrücken setzen sich halt feste. Bin aber immer noch gerne lernfähig. Vielleicht strengen sich die “kleinen” Politiker wirklich noch mehr an….
oder guckst du hier bei georg schramm:
http://www.youtube.com/watch?v=ovzLWmISkRA