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Blogs und das Urheberrecht

Kurz bevor wir von der Re:publica aufbrachen, schwatzte ich nochmal zwei Minuten mit Markus Beckedahl, während der er sich wunderte, warum er und ich so ziemlich die einzigen zwei Blogger sind, die immer und immer wieder auf den immer deutlicher werdenden Gegensatz zwischen Urheberrecht und Internet hinweisen. Seit dem er das gesagt hat, wundere ich mich auch.

Natürlich kann man sich dem Gegensatz von Urheberrecht und Internet verweigern und sagen: „Das Gesetz ist nunmal so und das Web ist kein rechtsfreier Raum.“ Damit verweigert man dann aber eben auch die Realität, denn das Internet ist aufgrund seiner system-immanenten Internationalität durchaus sowas wie ein rechtsfreier Raum. Was hierzulande unter das Urheberrecht fällt, wird in den USA unter Fair Use gehandelt und den Russen ist beides herzlich egal. Aber das ist lediglich der juristische Aspekt der Geschichte und der interessiert mich davon noch am allerwenigsten.

Was mich wirklich interessiert: wenn ein Remix eines Kulturguts mit nur einem Klick erstellt werden kann, wenn digitale Güter, Musik, Filme mit 0 Kosten millionenfach als Kopie verbreitet werden können, wenn die Kopie dem Original exakt entspricht und das Original so praktisch obsolet wird, ist es dann nicht ganz einfach so, dass die technischen Gegebenheiten die Rechtssprechung mal eben links überholt hat?

Natürlich kann man immer noch sagen, dass das Urheberrecht nunmal gegeben sei und überhaupt wäre das doch alles ganz und gar unfair. Ich schätze mal, so ähnliche Dinge haben die Mönche damals ebenfalls gesagt, als der Ur-Pirat Gutenberg die beweglichen Lettern erfand und sich erdreistete, 1457 die Gutenberg-Bibel zu drucken. Ganz einfach, weil er es konnte. Das muss furchtbar gewesen sein für die Mönche, die von heute auf morgen arbeitslos waren. Ist eben schon scheiße, der technologische Fortschritt.

Vielleicht ist der technologische Fortschritt der Neuzeit, und wahrscheinlich sind die Dinosaurier und Rechteverwerter deshalb eher ratlos, auch user generated Fortschritt. Die Technologie P2P wurde von Freaks für Freaks entwickelt. Der Nutzer muss heute nicht mehr die Angebote nutzen, die ihm die Industrie vorwirft. Und er tut es auch nicht. Von DRM bis proprietären Musik-Shops sind alle Anstrengungen gescheitert und die Herren stehen vor einem Riesenhaufen Technologie, den sie nicht verstehen und der ihr Geschäftsmodell ruiniert. Na klar will man den dann verbieten, alleine: das funktioniert nicht.

Die Möglichkeit der digitalen Kopie on a click kombiniert mit der weltweiten Kommunikation in der Geschwindigkeit, die die Backbones hergeben, haben ein genauso, wenn nicht viel tiefgreifenderes revolutionäres Potential wie der Buchdruck seinerzeit. Das Urheberrecht steht dem in seiner jetzigen Form entgegen. Und das geht jeden einzelnen von uns an.

Und genau deshalb verstehe ich nicht, warum Markus und ich die einzigen sind, die da immer wieder drauf hinweisen.

Mir ist vollkommen klar, dass es viele, viele Blogs gibt, die sich mit dem Thema beschäftigen. Johnny, Herr Shhh und IP-Notiz bringen da auch immer wieder etwas zu, von BoingBoing und ArsTechnica ganz zu schweigen. Dennoch ist das Thema in der deutschen Blogosphäre meiner Meinung nach enorm unterrepräsentiert. Warum?

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36 Kommentare

  1. ach ja ich hab auch erst heute ne copyright verletzungs e-mail gekriegt.

    Ich glaub das gehört heute schon fast dazu wenn man nen blog hat.

    1# - Sean - 16. April 2008 @ 12:01 Uhr Reply to this comment
  2. Der Fokus ist falsch. Du blickst auf den Nutzer, nicht auf den Erzeuger. Egal, ob Musiker, Fotograf, Schriftsteller – die alle wollen (oder müssen) auch davon leben. Wenn alle nur noch kopieren (ganz schlimm: Mit der Raubkopie selber auf seiner Seite an Werbung verdienen und nix abgeben), geht der Erzeuger leer aus und stellt das Produzieren irgendwann ein. Wann das übrig bleibt… naja. Das Urheberrecht beschneidet nicht die Nutzer – es schützt die Produzenten.

    Ich habe dazu natürlich auch sämtliche Diskussionen verfolgt, kenne die pro-und-contra-Argumente. Aber am Ende heißts dann immer die Werbung solls finanzieren. Das ist keine Lösung. Der Kölsche sagt: “Was nix kos’, iss nix”. Und da steckt ein wahrer Kern dahinter: Wenn keiner mehr für Kunst (als weitgefasster Sammelbegriff für die oben genannten Produktgruppen) zahlt, nimmt der gefühlte Wert auch irgendwann ab. Und das halte ich für einen gesellschaftlich bedenklichen Trend.

    2# - Karrierebibel - 16. April 2008 @ 12:08 Uhr Reply to this comment
  3. Lasst uns eine Revolution starten. Ich bin dabei.

    3# - Martin - 16. April 2008 @ 12:19 Uhr Reply to this comment
  4. 23!!111

    4# - Martin - 16. April 2008 @ 12:20 Uhr Reply to this comment
  5. @Karrierebibel: Danke für den Hinweis mit dem Nutzerfokus, hab da mal nen Absatz ergänzt.

    Ich sehe das übrigens nicht als „falsch“, den Nutzer in den Fokus zu rücken und natürlich hat das alles Auswirkungen, keine Frage. Aber: Music didn’t start with the Phonograph and it won’t end with P2P-Networks (Zitat aus Steal this Film II)

    >Was nix kos’, iss nix

    Naja. Die New York Times hat ihre Archive für lau geöffnet. Die NYT is nix? Hmmm… halte ich für etwas gewagt, die These ;-)

    Es werden sich garantiert neue Modelle von Lizensierung bis, ja, auch: Werbung einfinden, der die Technologie monetarisieren kann. Vielleicht wird ja auch die von Warner gestartete Music-Tax-Initiative ein Erfolg… die Labels erkennen ja anscheinend grade, dass es keinen Zweck hat, die Technologie zu bekämpfen. Gut so!

    Oder es kommt alles anders, die ISPs filtern das Web, die Netz-Neutralität fällt und wir sehen alle geküsst aus. Auch ein Grund, warum ich nicht verstehe, dass da in Deutschland so wenig drüber geschrieben wird.

    5# - René - 16. April 2008 @ 12:46 Uhr Reply to this comment
  6. Sehe es wie Karrierebibel. Ich muss auch auf mein Urheberrecht achten (später mehr als jetzt). Ein bisschen “Rücksicht” oder ein Perspektivwechsel wäre manchmal also ganz gut. :-)

    Edit: Und wenn die NYT ihr Archiv öffnet, hat sie ja damit schon Geld verdient. Aber jemand der sein erstes Album veröffentlich (vielleicht auf eigene Kosten), der freut sich nicht, wenn alle seine Musik kennen aber er nichts damit verdienen kann. Dann macht er nämlich bald keine Musik mehr (bzw. veröffentlicht nichts mehr).

    Bei alten Sachen, die verkauft wurden und vielleicht sonst vergessen werden, finde ich eine Öffnung gut.

    6# - Gerhard Köpke - 16. April 2008 @ 12:49 Uhr Reply to this comment
  7. Weil die Leute sich darüber keine Gedanken mehr machen. Und warum? Weil die Rechtsprechung bereits völlig unwichtig geworden ist, man lebt bereits die Zukunft, warum auf die rechtliche Vergangenheit schauen?

    Bei ner Abmahnung ist dann plötzlich wieder Ruhe im Karton.

    7# - Smou - 16. April 2008 @ 12:58 Uhr Reply to this comment
  8. Das Problem ist nicht (allein) das Urheberrecht. Das ist weltweit eigentlich überall gleich. Dass sehr deutsche Problem ist dass hiesige Abmahnrecht. Mit dem haben einige Firmen und Rechtsanwälte ein neues Geschäftsfeld entdeckt. Es ist einfacher Verletzungen des Urheberrechts mehrerer hundert User abzumahnen, anstatt CD/Fotos etc. zu verkaufen. Und lukrativer ist es auch. Da baut sich wenig Druck auf, das Vertriebsmodell zu verändern. Und darum geht es ja im Endeffekt – neue Vertriebswege für Netz zu entwickeln. Aber so eine Entwicklung kostet eben auch Geld.
    Ich sehe es auch so nicht so wie Karrierebibel. Ich glaube nicht, dass die Kunst den Bach runtergeht, nur weil es eine “Alles-Umsonst” Kultur gibt. Im Gegenteil. Für Kunst, gute Musik, Bücher und Fotos wird es immer einen Markt geben, der auf Grund der Fülle der produzierten Materialen auch nicht kleiner wird. Schwierig wird es nur für die mittelbekannten Künstler, die sich nicht mehr darauf verlassen können, allein von der Kunst zu leben. Dass man dies aber überhaupt konnte, ist ein Novum des 20 Jhrd. gewesen. Sicher ist – neue Ideen zum Schutz geistigen Eigentums müssen her, genauso wie eine Abschaffung des herrschenden Abmahngesetzes.

    8# - DonDahlmann - 16. April 2008 @ 13:13 Uhr Reply to this comment
  9. @ Smou: Die Abmahnung ändert aber nix an der Technologie.

    @ DonDahlmann: Da hast Du sicher Recht, auch die jetzt erfolgte Deckelung der Abmahnung greift garantiert nur in Einzelfällen und nur bei einzelnen Songs, ganze Alben seien ja schon kommerzielle Vorteilnahme… wie illusorisch ist das denn?

    Lukrativ für einige, sicher, aber eben auch kein Ausweg. Ich könnte mir gut vorstellen, dass wenn Warner diesen Music-Tax-Weg weitergeht, dass sich andere anschließen und letztenendes auch die deutschen Majors ein Einsehen haben werden. Hoffnung stirbt zuletzt, ich weiß ;-)

    9# - René - 16. April 2008 @ 13:29 Uhr Reply to this comment
  10. Der Vergleich mit der NYT hinkt gewaltig. Warum hat die NYT das Archiv geöffnet? Um mehr Traffic zu generieren, der sich dann in Werbeeinnahmen ummünzen lässt. Mit den Urheberrechten der Autoren hat dieser Entscheid nichts zu tun (du darfst weiterhin keine Texte der NYT einfach so kopieren und selber zur Verfügung stellen und die Autoren werden weiterhin bezahlt für ihre Texte und die Rechte daran).

    Die Analogie stimmt dann, wenn eine Band oder ein Label sich entschliesst, selber Songs gratis anzubieten, weil sich das dann mit Werbeeinnahmen oder gesteigerter Popularität wieder rechnet.

    There ain’t such a thing as a free lunch. Einer zahlt immer. Bei der NYT zahlt der Werbekunde für dich, bei Musiktauschbörsen zahlt u.a. der Künstler. Darum ist diese Sache nicht so einfach, wie du sie hier darstellst.

    10# - David Bauer - 16. April 2008 @ 14:27 Uhr Reply to this comment
  11. Eines der Probleme könnte eben das sein, dass sich die Künstler daran gewöhnt haben, kommerziell so erfolgreich sein zu können, um davon den Lebensunterhalt zu bestreiten. Ein gerne genutzes Argument, gerade von jungen Küntlern. Das aber beißt sich, finde ich. Kunst wird somit von vorneherein als Kapitalbeschaffungsmassnahme verstanden, was so nicht sein sollte, weil es so nie war. Außer in den letzten 100 Jahren vielleicht, wie Don ja schon anmerkte. Daraus hat sich nun eine Industrie entwickelt, die auch weiterhin davon leben möchte, klar. Aber das ist ja nichts Neues.

    Ich sehe eigentlich nur ein Problem darin, wenn andere versuchen, mit Kunstprodukten, die nicht ihrem Kopf entsprungen sind, Geld zu verdienen. Das geht einfach nicht. Es tut übrigens mehr weh, wenn bsp. Musik von anderen zum Kauf angeboten wird, die man selber verkaufen will, als wenn Musik, die man verschenkt hatte, von anderen verkauft wird. Aber das nur am Rande und aus eigener Erfahrung.

    Meines Erachtens könnte man das ziemlich einfach regeln. Jegliche kommerzielle Nutzung von Dingen, die man nicht selber geschaffen hat, sollte unterlassen werden. Jegliche nichtkommerzielle Nutzung dieser Dinge erlaubt sein. Könnte doch so einfach sein. Eigentlich.

    Das andere davon dann nicht mehr leben können ist mir herzlich schnuppe und die Entwicklung geht eh in diese Richtung, das werden auch die Majors noch merken. Lange wird das nicht mehr dauern und solange halten sie sich an den Resten der sinkenden Fregatte fest, wofür ich sogar Verständnis habe. Aber es ändert nichts und kann die zu sehende Entwicklung auch nicht aufhalten.

    Und wenn man über Kunst redet, kann man nicht im selben Atemzug über kommerzielle Nutzung reden. Das beißt sich doch schon von vorneweg.

    Deshalb: Künstler macht Eure Kunst und verschenkt sie. Irgendwann wird es der Rezipient zu würdigen wissen. Auch in kommerzieller Form. Auch, wenn man schon unter der Erde begraben wurde. Kunst macht man der Kunst willen, und nicht des Kommerzes wegen.

    ich glaube, ich bin bissl am Thema vorbei. Egal.

    11# - Saint - 16. April 2008 @ 14:32 Uhr Reply to this comment
  12. Ich persönlich finde, das Internet stellt einen Raum dar, der eine Anpassung in rechtlicher Hinsicht auf jeden Fall erforderlich macht, gerade weil er mittlerweile so fest in unsere Gesellschaft integriert ist. Nur leider, leider machen sich diese Anpassung viel zu oft Personen zur Aufgabe (Politiker i.d.R.), die deutlich weniger Medienkompetenz besitzen als jeder 12jährige heutzutage… wenn die mal loslegen, kommt dann am End so was wie die Schäublische Pseudo-Stasi bei raus – na wunderbar…

    Aber heißt diese Anpassung, das wir die alten Regeln per se über Bord schmeissen müssen? Regeln, die ja z.T. auf gesellschaftlichen Entwicklungen basieren, die sich in Jahrhunderten der Produktion und des kommerziellen Handels gebildet haben? Mit Sicherheit werden wir das müssen, in einigen, warscheinlich sogar in vielen Fällen.

    Dennoch, das Recht auf geistiges Eigentum ist und bleibt in meinen Augen eines der wichtigsten Rechte überhaupt, auch in der digital-globalen Gesellschaft und sollte in seiner grundsätzlichen Form auf jeden Fall erhalten bleiben – unabhängig von jedweder noch so schnellen technischen Entwicklung, denn Produkt bleibt Produkt – egal ob digital oder analog.

    Was kreative Änderungen im Detail oder sinnvolle Ausnahmeregelungen ja nicht ausschliessen muss:

    „Der nächste Level wird ihnen präsentiert von Radeberger!“ – Schöne neue Welt (x_x)

    12# - sideshowbob - 16. April 2008 @ 14:44 Uhr Reply to this comment
  13. Ich meine, den Leuten ist die Kunst auch dann noch etwas wert, wenn sie nicht zwanghaft etwas kostet. Siehe Radiohead, die sicherlich gut verdient haben an ihrem letzten Album. Die Sache hat nämlich noch einen weiteren Aspekt: Vertrauen. Vertrauen, daß der Konsument die empfundene Wertschätzung (so vorhanden) für mein Produkt zu würdigen weiß, letztendlich auch finanziell. Das ist ein komplett anderer Ansatz als Dinge zu 5-fach DRM-mäßig zu verdongeln und der mir mit solch einem Angebot quasi schon ins Gesicht schreit, daß ich nur auf kriminelle Dinge mit der dargebotenen Ware aus bin.

    Oder mit anderen Worten: jemand, der die Musik einer Band XY wirklich mag, sich mit ihr identifiziert und sie richtig gut findet, der wird auch gerne etwas geben. Ohne Zwang. Dadurch wird zum Zuhörer eine ganz andere Beziehung geschaffen, eine Art Rückkopplung findet statt. Das ist nicht wirklich neu und wurde schon oft genug durchgekaut. Nur wird solch ein Vertriebsweg schwerlich mit den glattgeschliffenen Industrieprodukten ohne Seele funktionieren, die viele Majors da auftischen. Tjoa, so ein Pech aber auch. ;-)

    Ich denke, das ist der Kern der ganzen Diskussion. Daherum siedeln sich die anderen Themen- bzw. Problemfelder an: Technologie, unsinnige Reglementierungen, Abmahnanwälte, hoffnungslos veraltete Rechtsprechung, Kriminalisierung, Labeldinosaurier, achherrjewasweißichdennnochalles… Vielleicht ist die ganze Gemengelage für einen launigen Blogbeitrag zu komplex, als daß sie viele Leute aufgreifen wollen würden. Wollen würden? Ich muss Schluss machen… :-)

    13# - O.l.i. - 16. April 2008 @ 14:53 Uhr Reply to this comment
  14. @Oli
    Radiohead ist einfach ein verdammt schlechtes Beispiel. Eine Ausnahme, die die Regel bestätigt. Stell dir vor, im Supermarkt kostet alles so viel, wie es dir wert ist. Wie viel zahlst du?

    14# - David Bauer - 16. April 2008 @ 14:58 Uhr Reply to this comment
  15. Radiohead ist in der Tat nicht das beste Beispiel, weil sie eine globale, riesige Fanbase hat. Natürlich verdienen die sich mit so einem Modell blöde, ich hab mir ja auch die Deluxe-Edition damals bestellt.

    Viel interessanter ist für mich dabei: die Künstler entdecken die neuen Möglichkeiten des digitalen Vertriebs vor den Labels… warum sollte ich meinem Vertriebler nen Auftrag erteilen, wenn der nicht mit der Zeit geht?

    Die Künstler sehen so langsam ein: wenn es raus ist, dann ist es raus und es wird kopiert werden. It’s like that, get used to it. Also passen sie sich dem an und basteln sich eigene Micro-Geschäftsmodelle mit Deluxe-Editions und sowas… für die mittelbekannten Bands ergibt sich daraus aber, wie Don schon oben schrieb, ein Problem: die fehlende, riesige Fanbase.

    15# - René - 16. April 2008 @ 15:18 Uhr Reply to this comment
  16. zu David

    Bei deinem Beispiel wird aber schon wieder Musik mit Kommerzieller Ware gleich gesetz. Musik, also Kunst, ist keine Ware in dem Sinne, bzw. sollte es nicht sein.

    16# - m. - 16. April 2008 @ 15:18 Uhr Reply to this comment
  17. @ m. Naja, sind wir mal ehrlich: Kunst und Kultur sind und waren schon immer auch Produkte. Die sixtinische Kapelle ist ‘ne Auftragsarbeit, genau wie Picasso (zu Beginn) vor allem bezahlte Portraits malte… Kunst ist es letztlich wurscht, ob sie ein Produkt ist…

    17# - René - 16. April 2008 @ 15:20 Uhr Reply to this comment
  18. Musik ist kommerzielle Ware. Nicht nur, aber auch. Kunst wird gehandelt, es gibt einen nicht kleinen Markt dafür.

    18# - David Bauer - 16. April 2008 @ 15:23 Uhr Reply to this comment
  19. “Kunst ist es letztlich wurscht, ob sie ein Produkt ist.”

    Aber mit genau dem Selbstverständnis wird sie nur noch selten gemacht. Im Regelfall wird sie als Produkt plaziert, was natürlich auch Erwartungen kommerzieller Art wachsen lässt. Genau diesen Posten übernehmen im Regelfall die Musikmajors.

    19# - Saint - 16. April 2008 @ 15:24 Uhr Reply to this comment
  20. Da hast du wohl recht.

    Nur finde ich es immernoch irgendwie “falsch” Musik “nur” für Geld zu machen.

    Trotzdem wünscht sich ja wohl fast jeder von Musik, Film oder änlichem Leben zu können.

    Schwierig…

    20# - m. - 16. April 2008 @ 15:27 Uhr Reply to this comment
  21. @ Saint @m: Na klar ist das schwierig. Technologischer Umbruch ist immer schwierig. Und ob dieses Selbstverständnis wirklich so selten ist, wage ich zu bezweifeln… der ganze Schrott von Bannaroo bis ATB ist natürlich hochgradig auf die Zielgruppe zugeschnittener Müll und hat mit Kunst soviel zu tun wie mein Steuerberater.

    Aber irgendwelche kleinen Bands da draußen, die scheren sich weder um Kunst noch um Zielgruppen, die wollen nur rocken. Das ist das Selbstverständnis und natürlich kann man so eine Attitüde vermarkten, das machen die Labels. Wenn die jetzt 1.) den kleinen die Tür vor der Nase zuschlagen, weil’s Geld fehlt und 2.) nur noch auf Schrott setzen, weil der scheinbar eine sichere Bank ist, dann haben kleinen Bands ein Problem, aber auch eine Chance.

    Dieser ganze Internetkram wird schon bald Möglichkeiten für Bands bieten, da bin ich mir sicher… erste Anzeichen sind die ganzen Laut/LastFM-Dinger… da werden sich ganz einfach neue Strukturen bilden, in denen auch die ihren Platz finden, die noch zu den Online-Verlierern zählen. Das nennt sich Strukturwandel und wir stecken eben mittendrin.

    21# - René - 16. April 2008 @ 15:35 Uhr Reply to this comment
  22. Ich glaube, dass eben durch genau diesen Strukturwandel auch wieder eine andere Einstellung zur Musik kommen wird, kommen muss. Es gibt keine Garantien, dass man von dem was man da macht, auch leben kann. Besser noch wäre, wenn man das auch gar nicht unbedingt als Ziel verfolgt. Früher oder später wird er der Hörer zu wertschätzen wissen.

    Diese neuen Strukturen werden, rein am Kapital gemessen, lange nicht das bringen, was ein dicker Deal bei einem Label bringt. Das zu glauben wäre eine Illusion.

    22# - Saint - 16. April 2008 @ 15:44 Uhr Reply to this comment
  23. Julies Rant passt da irgendwie sehr schön zu, auch wenn es da nicht um Uhrheberrecht geht.

    23# - Saint - 16. April 2008 @ 15:45 Uhr Reply to this comment
  24. da ich mit meinem blog sowieso keinen cent mache, können die leute mich ruhig kopieren und zitieren oder wie auch immer in ihren blog stellen.

    doof wirds nur, wenn, wie mehrfach geschehen, in irgendwelchen foren stories von mir auftauchen, ohne jeglichen hinweis auf den autor, und erst auf nachfrage in den kommentaren, wer das denn geschrieben habe, wird (eher zögerlich) ein link auf 500beine eingeräumt, so winzig wie möglich.

    aber solang noch einer nachfragt..

    24# - 500beine - 16. April 2008 @ 16:57 Uhr Reply to this comment
  25. Herr Nerdcore,

    bzgl der Drucker haben Sie den interessanten Teil der Geschichte vergessen. Es war der Herr Luther, im Nebenberuf Reformator, der uns zeitnah ins Unglück stürtzte ,)

    Ein Vorkämpfer für die Rechte der Autoren war Martin Luther, der von 1525 an seinen Schriften strenge Worte an die Drucker hinzufügte und sich damit gegen unberechtigte Drucke zur Wehr setzte. Er setzte sich vehement gegen diese Nachdrucker ein und bezeichnete sie als “Räuber und Diebe”. Beim Rat von Nürnberg erreichte Luther, dass die Nachdrucker dem Druckwerk ihren Namen und den Erscheinungsort hinzufügen mussten. Dies kann als Anfang der Impressumspflicht zum Schutz des Urhebers gesehen werden.

    Bitte, ich helfe gern ,)

    25# - jo - 16. April 2008 @ 17:32 Uhr Reply to this comment
  26. Fakt ist doch: Wer etwas hauptberuflich erstellt, der will auch davon leben können. Wenn Musiker oder Schriftsteller nebenbei etwas produzieren und über das Web zunächst kostenfrei ihren Bekanntheitsgrad steigern, ist das ja noch eine sinnvolle Strategie. Aber sobald sie davon leben müssen/wollen, hat die Großzügigkeit doch ein Ende. Deshalb mal die Gegenfrage: Wer der hier vertretenden Pro-Free-Economy würden denn ihren Lieblingskünstlern (jeder Gattung) den Lebensunterhalt bezahlen? Und was ist mit Büchern, die gedruckt werden müssen? Wenn es alles als Gratis-PDF gibt, wer schreibt die dann noch, wenn zwar jeder Fan ist, aber nur solange es nix kostet?

    26# - Karrierebibel - 16. April 2008 @ 18:16 Uhr Reply to this comment
  27. Ich. Über eine Kulturflatrate, abzudrücken beim ISP, mir wäre die bis zu 50 Euro wert, wenn dafür mein P2P legalisiert wäre. (Ich glaube, ich leg’ mir mal eine Textbaustein-Datenbank an – mit diesem Satz an erster Stelle ;-)

    Dein Fakt stimmt und hat natürlich auch seine Berechtigung, aber darum gehts mir gar nicht. Worum’s mir geht sind die technischen Gegebenheiten, die kann man auch mit diesem Fakt nicht wegdiskutieren. Der bequemste, schnellste, aktuellste, einfachste – und ja: auch günstigste – Weg, sein Zeug zu besorgen ist und bleibt P2P, weshalb die Industrie genau diesen P2P-Markt endlich monetarisieren sollte.

    Warner hat da ja, wie gesagt, einen Vorstoß gewagt… ich bin gespannt, was daraus wird…

    27# - René - 16. April 2008 @ 19:00 Uhr Reply to this comment
  28. @ Jo: Ach der Luther. Der stand da halt und konnt nich anders ;-)

    28# - René - 16. April 2008 @ 19:00 Uhr Reply to this comment
  29. @Karrierebibel: “Wer etwas hauptberuflich erstellt, der will auch davon leben können.”

    Das heisst aber auch, dass er sich einen anderen Hauptberuf suchen sollte, sobald sich abzeichnet, dass sein alter Beruf aussterben wird.

    Wenn im Kapitalismus alles Waren sind und die Ware Kunst an Wert verliert, sind hauptberufliche Künstler irgendwann so anachronistisch wie Schellackplatten und Telefonistinnen.

    “Wer der hier vertretenden Pro-Free-Economy würden denn ihren Lieblingskünstlern (jeder Gattung) den Lebensunterhalt bezahlen?”

    Wohlgemerkt stirbt nicht die Kunstform aus, sondern die Möglichkeit, Kunst in Bargeld zu verwandeln. Wer beispielsweise die Vorstellung kellnernder ComiczeichnerInnen schlimm findet, übersieht, dass es auch kellnernde Menschen mit anderen ‘nutzlosen’ (also nicht geldwerten) Talenten gibt.

    “Und was ist mit Büchern, die gedruckt werden müssen?”

    Und was ist mit Büchern und anderen Datenträgern, die direkt für den Grabbeltisch produziert werden? Müssen, ja genau. Maximal Schulbücher müssen gedruckt werden. Sobald ein bediener-, umwelt- und geldbörsenfreundlicher Reader auf den Markt kommt, ist es auch damit vorbei.

    “Wenn es alles als Gratis-PDF gibt, wer schreibt die dann noch, wenn zwar jeder Fan ist, aber nur solange es nix kostet?”

    Abstoßendes Gegenbeispiel: Fanfiction. Kostenlos verfasst und ins Netz gestellt von Menschen, denen es um ‘die Sache’ geht und nicht um Geld. Der einzige Unterschied zu angesehende Autoren ist die Qualität.

    Denn – besseres Gegenbeispiel – alle bekannten Autoren sind Ex-Möchtegerns, die eine Chance bekamen; die ‘entdeckt wurden’, weil sie zur richtigen Zeit das richtige Manuskript an die richtige Adresse versandten.

    Außerdem: Allein die bei archive.org gesammelten Public-Domain-Werke gehen in die Millionen, hinzu kommen verborgene Schätze, die auf Dachböden und Antiquariaten auf ihr Publikum warten.

    Das Zeug ist gemeinfrei und keinen schert’s, weil alle Welt lieber Dan Brown und andere Bestseller liest – und dafür zahlt. Knauserigkeit ist kein Argument.

    29# - henteaser - 16. April 2008 @ 23:12 Uhr Reply to this comment
  30. Werbefinanzierung wird dann zum Problem, wenn nichts mehr zum Bewerben da ist. CD- und Filmwerbung fällt damit auf jeden Fall ja mal weg ;)

    30# - Ben - 17. April 2008 @ 00:05 Uhr Reply to this comment
  31. Das Thema auf Kunst zu reduzieren ist der falsche Ansatz. Eigentlich geht es doch um Diebstahl vom geistigen Eigentum im Allgemeinen. Wenn ich jetzt aus diesen Blog ein Buch machen würde, dass ein weltweiter Bestseller wird. Dann bin ich mir sicher, dass sich Herr Nerdcore bei mir meldet und seinen Teil vom Kuchen haben möchte. Oder etwa nicht? Ich Millionär mit deinen Blog und du bleibst armer Hund, obwohl es eigentlich dein geistiges Eigentum ist.
    Man kann natürlich auch die komplette Rechtsprechung umwerfen und das geistige Eigentum streichen. Dann sollten man aber das ganze Patentrecht und Urheberrecht wegschmeissen. Schließlich ist das alles das gleiche. Es gibt keine Unterschied zwischen einer Erfindung wie z.B. ein Walkman und einen Musikstück. Kommt alles aus einen Hirn, dass Zeit und Energie dafür verwendet hat. Deshalb muss es doch auch dafür belohnt werden. Gerade wenn die Künstler daran nicht verdienen. Dann verdient es piratebay durch die Werbeeinnahmen auf ihrer Seite. Oder Steve Jobs durch den Ipod. Das Geld was nicht an die Künstler geht, geben wir doch für anderen Krempeln aus. Und der Künstler nutzt seine Musik nur noch als Werbung für seine Konzerte. Und das ist doch auch alles irgendwie traurig.

    31# - Anybodyelse - 17. April 2008 @ 00:08 Uhr Reply to this comment
  32. vielleicht sollten alle musiker maler werden. bilder kann man nicht kopieren. also, man kann sie nur abbilden, aber das gefül das original an der wand hängen zu haben, kann man nicht saugen. und wem das dann egal ist, der kann es sich ja ausdrucken.

    für mich ist pdf lesen übrigens keine annehmbare alternative zum gebundenen buch auf dem schoss liegen haben. also hat auch das buch einen sicheren kopierschutz. ich sitze auch gerne im kinosaal, aber da sind die meisten wohl schmerzfreier. die können sich auch problemlos eine abgefilmte kopie zu hause angucken. kann man nix machen, ist halt so.

    ich bin da aber eh altmodisch-haptisch gestört, denn ich habe auch gerne eine cd mit artwork und booklet in der hand. oder gar eine schallplatte.

    wie ist eigentlich die meinung bei zum beispiel programmen? das sind ja nunmal keine kunstwerke, sondern für den markt erstellte produkte. dennoch bezweifel ich das die meisten design-studenten mal eben die kohle übrig hatten sich das originale photoshop zu kaufen. das dürfte dann wohl in den meisten fällen eine gecrackte version sein. das gilt übrigens für jegliche form der software, gerade da wo professionelle lösungen gebraucht werden, aber in der anschaffung zu teuer wird, ervstzunehmende open-source lösungen gibt es da ja nicht. ich habe immer das gefühl das da die konzerne grosszügig drüber hinweg sehen, weil sie davon ausgehen das die user sich das dann irgendwann mal kaufen, wenn sie können. ist das so und wenn ja, wäre das ein modell?

    32# - nilz - 17. April 2008 @ 00:34 Uhr Reply to this comment
  33. 33# - Anonymous - 17. April 2008 @ 14:45 Uhr Reply to this comment
  34. Das Urheberrecht ist sicherlich eine Notwendigkeit, garantiert es uns allen doch eine reichhaltige Palette professioneller Werke, seien es Filme, Musik etc. Urheberrechte gewährleisten – wie andere Schutzrechte auch – Innovationswettbewerb und verhindern Imitationswettbwerb. Berufskünstler leben zwar von ihren Fans aber eben auch von Geld. Erhebliche Probleme bereitet das Urheberrecht jedoch im Internet. Das Internet vollzieht eine rasante Entwicklung. Es ist ein Faktum, dass das Recht dem technischen Fortschritt in der IT-Branche hinterher hinkt. Dies führt zu erheblichen Rechtsunsicherheiten, insbesondere bei Haftungsfragen. Bis zu einer letztinstanzlichen und damit rechtssicheren Klärung von Streitfragen ziehen zwischen 5 und 7 Jahre ins Land. Diese Entscheidungen sind dann häufig bereits zum Zeitpunkt ihrer Verkündung wieder überholt (so entschied der BGH erst im letzten Jahr über die Metatag-Problematik, die erstmals im Jahr 2000 aufgekommen war. Zu diesem Zeitpunkt hatten Suchmaschinenbetreiber ihre Ranking-Einordnung aber längst überdacht. Die praktische Relevanz des Urteils war denkbar gering), ist der technische Fortschritt, der in einer solch langen Zeitspanne erzielt werden kann, doch kaum absehbar. Man könnte daher auch sagen, die Rechtssicherheit hinkt der Innovation stets einen Schritt hinterher. Kommt es zu einer Innovation, so ist deren rechtliche Einordnung zunächst unklar. Dies führt dazu, dass jede Innovation zwangsläufig die Gefahr von Rechtsverstößen (schließlich muss erst geklärt werden, wann ein solcher im Rahmen der Innovation vorliegt) und damit auch von Abmahnungen mit sich bringt. Die Frage die sich aufdrängt, nämlich ob der Instanzenzug deutscher Gerichte überhaupt geeignet ist, Probleme eines so schnelllebigen Marktes zu bewältigen wurde bislang aber noch nie gestellt.

    34# - sjm - 18. April 2008 @ 00:35 Uhr Reply to this comment
  35. @sjm: Guter Punkt, einfache Antwort: sie ist natürlich (per se?) nicht geeignet, weil die Innovation dank der Freaks der Rechtssprechung einfach davonschwimmt und dabei noch ne lange Nase zeigt. Deshalb ja, einfacher Ansatz: Legalisierung von P2P beim ISP über eine Music-Tax.

    Und was ist mit Filmen? ;-)

    35# - René - 18. April 2008 @ 01:40 Uhr Reply to this comment
  36. @René: Eine Art “Global Licence” wäre in der Tat ein gangbarer Weg. Die Musikindustrie wird dem illegalen Datentausch erst dann Herr werden können, wenn sie eine Stufe niedriger und losgelöst von Innovationen (wie bspw. “swarms” oder Online-Festplatten wie Wua.la) einen Hebel ansetzen kann und im Wege einer “secundary liability” Provider oder Suchmaschinenbetreiber erfolgreich in die Haftung nimmt. Das wäre dann aber wohl auch das Ende des Internets.

    Ich habe daher so meine Zweifel, ob der illegale Datentausch jemals in den Griff zu bekommen ist. Man muss Fragen, was will die Musikindustrie? Geld und Reputation für ihre Künstler. p2p verschafft den Künstlern eine breite Plattform und ist damit wohl das gegenwärtig effektivste Mittel um auf sich aufmerksam zu machen – die Global Licence wäre ein Weg den Urhebern (zumindest etwas) Geld zu verschaffen. Ähnlich wie bei Abgaben auf kopiergeeignete Geräte oder wie die GEZ-Gebühr bei empfangsbereiten Fernsehgeräten, könnte eine Abgabe für privat genutzte DSL-Anschlüsse erfolgen. Aber was nutzt es der Musikindustrie oder den Usern, wenn eine solche Abgabe in der BRD eingeführt wird. Es müsste schon eine Global Licence oder zumindest eine European Licence sein. Deren Realisierbarkeit kann aber ebenso bezweifelt werden, wie die abschließende Lösung eines illegalen Datentausches.

    36# - sjm - 18. April 2008 @ 10:02 Uhr Reply to this comment

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