Da trifft man einen, mit dem hat man früher Wände vollgesprüht und hunderte von Blättern vollgemalt. Man hat sich gegenseitig die Tag-Techniken abgeschaut und Styles voneinander kopiert. Musik gemacht, ich vielleicht etwas mehr, als er. Den trifft man also wieder, und alles ist wie früher. Man schwatzt eine, zwei, fünf Minuten über den Kram, den man so macht („Ich mach da mein Studium fertig“ und „Ich bin da und mach Webdesign und sowas“).
Alles wie früher. Fast.
Er hat mit seiner Freundin ein Kind, seit einem Jahr, oder so. Seitdem ist alles anders, meint er. Kann ich nachvollziehen, allerdings: glücklich erscheint er mir nicht. Was weiß ich schon. Als ich erzähle, dass ich ziemlich viel im Internet unterwegs bin und dies und das und gestern noch in Berlin irgendwelchen Quatsch gemacht habe, leuchten kurz seine Augen. Das wäre ja auch mal was gewesen. Berlin. Oder Hamburg. Jedenfalls Großstadt. Aber jetzt…
Es ist vielleicht ein Fluch von unerfülltem Talent, dieses latente Unglück. All die Möglichkeiten und dann die Verpflichtungen. Diese scheiß Verpflichtungen. Diese drei Millionen Türen, die zuknallen und nur diese eine, die sich auftut, wenn dieser Satz fällt: „Ich bin schwanger“. Ein Kind verändert alles, hat er gemeint. Natürlich, hab ich gesagt, ganz so, als ob ich davon irgendeine Ahnung hätte.
Ich hätte gerne Kinder, wenn sich irgendwann mal die richtige Missus Walter einfinden würde. Aber seit vorhin zweifle ich an diesem Vorhaben. Ich weiß nicht, ob ich die Verantwortung will. Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht, ob ich dazu bereit bin, die Opfer darzubringen. Ich weiß nur, dass ich vorhin keine wirklich glücklichen Augen gesehen habe, von einem Menschen, von dem ich so etwas als allerletztes erwartet hätte.
Aber was weiß ich schon.







Also der vorletzte Absatz spricht mir da richtig aus der Seele. Das geht mir auch immer durch den Kopf, wenn ich bei meinem besten Freund bin und ihn mit seiner Kleinen beobachte…
http://www.youtube.com/watch?v=PKA1M4yaDmc
http://de.youtube.com/watch?v=0Cya_Cindm0
Ja, ein Kind verändert alles. Ich hab’s zwar nicht am eigenen Leib erfahren aber, wie du, von einem Bekannten zu hören bekommen. Ich hatte mit jenem Bekannten beim Bund gedient. Er war ein richtig harter Hund, der täglich eine Stunde Ausdauerlauf machte, mindestens vier mal die Woche ‘die Eisen’ stemmte und praktisch nichts anderes im Sinn hatte, als das zu tun, was er am besten konnte: Soldat sein.
Vor einem (oder so) Monat hatte ich ihn zufällig wieder getroffen und fast nicht erkannt. Er war dick, hatte Ringe unter den Augen und war – anders kann mans nicht sagen – ein Schatten seines früheren selbst. Was war passiert? Seine Freundin hatte ein Kind bekommen, für das er alles aufgab und aufopferte. Er liebt sein Kind, hat er gesagt, und sei glücklich, es zu haben. Aber es habe sich eben alles verändert.
Glücklich hatte er aber garnicht gewirkt.
Vielleicht muss man erst selbst Vater werden, um sowas zu verstehen.
ich verstehe es nicht und werde es auch nie…kinder sind nicht meine welt. und “glücklich” möchte ich auch nicht sein…
mein sohn ist jetzt 2,5 jahre alt und ich möchte keine sekunde mehr ohne ihn sein. es kommt vor, dass ich auf offener straße das wasser in den augen stehen habe, vor glück.
ja, so ist das.
Ich bin erst 23, kann mir aber Kinder schon sehr gut vorstellen. Ich hab mich viel ausprobiert, viel gelebt, viel Party gemacht. Wir sind halt noch “sehr” Jung. Schaue ich da hingegen meine Eltern an, die haben meine Schwester mit 20 bekommen. Damals war das irgendwie selbstverständlich, da gab es dieses denken gar nicht wie “Kann ich meinen Kind genügend bieten”. Heute gilt man doch fast schon als asozial wenn man mehr als 2 Kinder hat.
Die Verantwortung ist groß, aber ich glaube ein Kind kann einen eine ganz andere Sicht auf das Leben vermitteln. Außerdem würde mein Nachname aussterben, würde ich kein Kind zeugen. Also muss man ran ;).
Rene spricht mir aus der Seele.
Ich bin 28, liebe Kinder über alles – und Kinder mögen mich anscheinend auch. Lustige, unschuldige, kleine Wesen.
Ich bin verheiratet, habe eine wundervolle Frau, aber Kinder kommen für uns nicht in Frage. Die Verantwortung, die Sorgen, der Einschnitt in das eigene Leben – ich sehe bei Freunden, die Kinder bekommen haben, wie sehr sich deren Leben verändert haben.
Das ist etwas, wovor ich sogar Angst habe. Ich würde mich gefangen fühlen – unmöglich, sich diesen Verantwortungen zu entziehen…
Und: Ich bin selbst noch ein Kindskopf, habe nur Flausen im Kopf – wie soll ich da einem Kind ein Vorbild sein?
ich glaube das peppone das richtig erkennt, ihr habt angst vor dem erwachsen zu werden und wollt kinder bleiben, deswegen könnt ihr euch die verantwortung, das sich zurücknehmen etc. nicht vorstellen..
das der junge mann oben nach nem jjahr etwas hilflos wirkt ist normal, am anfang (im ersten jahr) hat mann es schwer einen bezug zum kind herzustellen, aber dann irgendwann willst du es nicht mehr missen! und dann ist es auch müssig darüber nachzudenken was alles tolles passiert wäre wenn nicht (oder halt auch trotzdem nicht)
oh das leben verändert sich, das kann ja nur schlimm sein schlisslich bin ich schon am ende meiner entwicklung und schon mit einem bein im grab, da darf man ja auch etwas umstellungserschwert sein, (ähnlich denkt oma hilde in ihrem altersheim übrigens auch wenn der zivi ihren kukident becher in die andere ecke räumt)
Peppone, eben damit. Kindskopf sein. Dich weitergeben.
…leicht verbesser vielleicht
@matti. Haste auch wieder recht.
@jaja: Ich habe keine Angst vor dem Erwachsenwerden – Ich habe Angst, mich in eine Zelle einzusperren und den Schlüssel aus dem Fenster zu werfen.
Ein Kind würde bei meinem Lebensstil überhaupt nicht gehen. Im Gegensatz zu zahlreichen Freunden hatte ich auch in meinen 34 Jahren noch nie einen Kinderwunsch.
Dafür wird mir auch die intensive Erfahrung des “Vater-Sein” verwehrt bleiben. Aber ich kann zwischen 30 und 50 wesentlich freier entscheiden wie und wo ich leben will…
So wie immer im Leben: Es hat beides Vor- und Nachteile. Man kann sich entscheiden…
(Jaja, man kann auch seine Meinung äußern, ohne dem anderen direkt “Umstellungserschwernis” zu unterstellen. Die ist auch -glaube ich- gerade hier nicht sonderlich angebracht)
Schon mal drüber nachgedacht, dass es Leute gibt, die diese Verantwortung wirklich nicht wollen? Dass es Leute gibt, die sich mehr Gedanken _vorher_ machen, als die eine oder andere Generation vor uns? (Der Automatismus Kind=Verantwortung=Zurücknehmen hat nämlich gerade bei denen auch nicht immer geklappt, falls es Dir entgangen sein sollte. Genausowenig, wie er heute klappt.)
Ich habe gerade nicht so viel Zeit, aber später mehr dazu. Interessantes Thema.
>Schon mal drüber nachgedacht, dass es Leute gibt, die diese Verantwortung wirklich nicht wollen?
@ Diaet: Eben, ich weiß es nicht, ob ich die haben will. Vielleicht ist es so, dass wenn diese 3 Worte fallen irgendwann, dass ich genau dann bereit dafür bin, aber eben erst, wenn es soweit ist.
Wenn ich sie aber vorher kategorisch ablehne, werde ich das niemals wissen… schwierig.
Mein Sohn ist 12, läuft mit Hosen rum, in denen der Arsch in den Kniekehlen zu hängen scheint, hört ähnliche Musik wie ich (hat was anderes gefunden womit er sich an mir reiben kann), hängt in Social Networks rum (SchülerVZ natürlich), hat seinen eigenen Telefonanschluss weil mich die vielen Anrufe von den giggelden Teenies genervt haben, nervt mich sowieso, erweitert ständig seine Grenzen, lässt mich an schlecht auszuhaltenden Elternabenden an der Schule teilhaben, diskutiert bis ich rot sehe, sägt an meinen Nerven, kostet einen Haufen Geld und und und…
Trotzdem möchte ich keine Sekunde mit ihm missen. Er nimmt einen grossen Platz in meinem Leben ein und wenn ich auch lieber schon dreimal ausgewandert wäre – es war jedes Opfer, jeden Stress, jede schlaflose Nacht, wert.
Man wird sich, glaub ich, erst bewusst was es bedeutet Kinder zu haben, wenn man eins hat. Und ich meine mit bewusst, die vielen wunderbaren Erfahrungen und die besondere, ganz spezielle Art von Liebe. Ich bin mit 30 Vater geworden und wenn ich viel in meinem Leben anders machen würde, hätte ich die Gelegenheit dazu – eines bestimmt nicht.
Ich bin vor kurzem Onkel geworden. Ich bin immer noch erstaunt, wie sehr sich mein Bruder in kurzer Zeit verändert hat: vom Wildfang zum fürsorglichen Vater. Das Kind war nicht geplant. Auch er meint, dass man erst weiss, wie toll es ist, Nachwuchs zu haben – wenn man ihn hat.
Er ist ruhiger geworden, verantwortungsbewusster … es steht ihm gut.
Trotzdem: wenn ich die Wahl habe, ob ich Nachwuchs möchte oder nicht: Nein. Ich möchte mich nicht verändern. Nicht jetzt.
>Man wird sich, glaub ich, erst bewusst was es bedeutet Kinder zu haben, wenn man eins hat.
Genau das meine ich…
Kein Frage, Kinder können einen in den Wahnsinn treiben. Und? Manchmal ist das eben so. Da mussten meine Eltern auch durch. Vielleicht hab ich auch einfach das Glück erst mit Anfang 40 Papa zu werden. Den Rock’n'Roll Zirkus hab ich hinter mir und keine Sorge noch was zu verpassen. Dafür gibt’s, Dank der Zwerge, jeden Tag Erfahrungen, die ich nicht mehr missen möchte. Dazu gehört der Wahnsinn genauso wie das Lachen der beiden. Und das gute Gefühl etwas von sich weitergeben können. Und Musik mach ich immernoch. Geht alles.
>Man wird sich, glaub ich, erst bewusst was es bedeutet Kinder zu haben, wenn man eins hat.
Sagt mein Bruder auch.
>Und das gute Gefühl etwas von sich weitergeben können.
Darum beneide ich Dich.
Ich glaub’ auch, daß der oben erwähnte “Schatten seiner selbst” und das “ungenutzte Talent” jeweils einen anderen Punkt in ihrem Leben ändern sollten. Ein Kind verändert zwar dies und das (und raubt auch z.B. viel Schlaf), bedeutet aber doch nicht, daß man sich grundsätzlich verbiegen muß.
(und: Was das selbst-Kindskopf-sein angeht: ein Kind ist eine tolle Ausrede zum Erwerb von Spielzeug…)
So, jetzt muß ich auch mal: Ich, 26 Jahre jung habe seit 4Jahren DIE Frau an meiner Seite. Sie wird dieses Jahr 30,….tick tick….die Bio-Uhr: “Ich will ein Kind von dir!” Ich fühle/fühlte mich geehrt, stolz und zugleich …nunja…zum Tode verurteilt?
Sicher nicht….
René hat geschrieben: “ob ich dazu bereit bin, die Opfer darzubringen”
Naja,…Ein Kind ändert sicher vieles doch nicht alles….
Opfer müsste ich natürlich bringen….sind doch dann “all die Dinge die ich soo liebe” in Gefahr….tja…mag sein. Das Gefühl, das ich “einen guten Tausch” mache überwiegt dabei trotzdem: Ein Haus, ein Baum, ein Kind…und so? Warum denn nicht?
Dazu kommt: Möchte ich als Vater an die 40 sein,….oder möchte ich ein “junggebliebener Vater sein”….wohl schon eher das…
Ich sags mal so: WENN man die Richtige an seiner Seite hat,…mal drüber nachdenkt was man eigentlich vom Leben erwartet (Geld, einen erfolgreichen Job, Sex mit 10.000 Jungfrauen, Auto, Haus, Boot,….) und bedenkt was einem das Leben “einfach so” schenken kann…Dann fällts mir leicht zu sagen: “Ja, ein Kind ist etwas wunderschönes!”
Und: Wer keine Verantwortung für ein Kind übernehmen willl…..tja…der sollte dann auch ab Morgen das Vögeln sein lassen,. DAS ist nämlich auch nur für Erwachsene…. ist das jetzt sehr katholisch, sehr konservativ gedacht? Mag sein,….sehs trotzdem so!
Am Ende tickt unsere Bio-Uhr doch genau so,Jungs…..ich möchte mich im Alter zurücklehnen können, mit dem Gedanken wenigstens eine sinnvolle Sache der Welt geschenkt zu haben!
Da steht “die Finka auf Malle, der eigene berufliche Erfolg, das Boot, der Blog, die Hobbys, ka…was auch immer ” wohl erstmal hinten an…oder!?
Mhmmm. Ich wollte nie eines, damals, als ich noch jünger war. Kategorisch. Heute habe ich zwei und auch keinerlei Zweifel daran, ob das nun eine gute Entscheidung war. Eine Freundin meinte beim Ersten, dass man nie das Gefühl hätte, dafür bereit zu sein. Das spürt man erst dann, wenn es soweit ist und in dieses Gefühl wächst man hinein. “Es wird nicht nur das Kind geboren, sondern auch die Eltern” – blub.
ich habe auch bis heute nicht das Gefühl, irgendwas verpasst zu haben. Im Gegenteil: Wenn es irgendwie machbar war, wurde alles auch mit Kind gemacht. Wenn es mal nicht ging, wurde es am nächsten Wochenende doppelt nachgeholt – auch klar. Rückblickend und wissend möchte ich meinen, dass ich etwas verpasst hätte, wenn ich keins hätte, nur das weiß man ja vorher nicht.
Und die Sache mit dem glücklich sein. Mhmmm. Ich denke ich wäre ohne Kind genauso glücklich/unglücklich wie auch mit. Anders vielleicht, aber messbar wäre das kaum. Aber der Moment, an dem dein Kind neben dir am Atlantischen Ozean sitzt und dir sagt: “Ich finde es so kuhl, dass ich mit dir hier sitzen und mit dir reden kann. Hier, am Atlantik – Danke dafür!” zählt mehr als jede andere Situation oder jedes verfickte Festival, auf denen ich mich vorher vermeintlich glücklich gefühlt habe.
Kinder rocken. Wie Sau sogar.
“Es wird nicht nur das Kind geboren, sondern auch die Eltern”
Schöner Spruch.
> Kinder rocken. Wie Sau sogar.
Exakt!
Kinder haben ein Recht auf Eltern, die Luftgitarre spielen. René, ich lade Dich herzlich zum Babysitten ein (sind nur zwei und ganz lieb), es gibt da so ein paar Konzerte und Filme dieses Jahr, …
Großartiger Text, übrigens!
Achja und: Die Augenränder bilden sich auch wieder zurück.
>Kinder haben ein Recht auf Eltern, die Luftgitarre spielen.
Das ist doch mal ein Argument, das zieht. Ohne Mist jetzt. Aber Babysitten: nee, lass mal ;-)
P.S.: Ich kann gut mit Kindern beziehungsweise: die mögen mich. Aus irgendeinem Grund. Doch jetzt, hab ich selber nicht geglaubt, is aber so.
Ich mag die Zeile “Berlin. Oder Hamburg”.
Ich habe drei Kinder, 2,5J, 4,5J und 10J. Ottokar, Paul, Fionka. Zusammen mit meiner Frau sind sie mein ein und alles. Allerdings mag ich nur ganz selten fremde Kinder.
Kinder bedeuten Verantwortung in extremen Maßen, auf jeden Fall. Das ist im Übrigen eine ähnliche Verantwortung, wie sie jeder wahrnehmen muss, der aus unserer Welt eine bessere machen will, ob mit oder ohne eigenen Kindern. Insofern ist bewusstes Leben oft mit Einschränkungen verbunden, die sich mit etwas Glück aber daraus ergebende wachsende Weisheit ist es allemal wert. Mit Kindern findet man leichter dorthin als ohne, sie halten einem immer wieder den Spiegel vor.
es passiert einfach – und dann macht man, vorher drüber versuchen es zu begreifen ist wie sich einen Geschmack vorzustellen, den man noch nie geschmeckt hat