1. Ich bekomme auf die Fresse, 1988, bei irgendso einem Schuldiscoblödsinn.
Weil ich den Fehler machte, einen Typen vor mir anzurempeln, gibt der mir eine wuchtige Kopfnuss, woraufhin mir das Blut aus der Nase strömt, ein Kumpel mich wegzieht und mir sein Tränengas zusteckt, das ich an diesem Abend zum Glück nicht mehr brauchte. Der Typ war Marokkaner, mein Kumpel ein schwarzer Amerikaner. Ich bin Deutscher.
2. Ein Typ bekommt auf die Fresse, weil’s Spaß macht.
Fünf Jahre später, Hessentag in Groß-Gerau. Wir stehen an der Tankstelle rum und fühlen uns cool, stoned und frisch von der Schule geflogen. Yeah. Ein Kumpel meint zu mir: „Du kommst jetzt mit, wir klatschen jemanden“. Man macht ja ungerne Rückzieher in der Öffentlichkeit und wir schlendern dahin, wo es etwas ruhiger ist, der pickt sich irgendeinen Typen raus und haut ihm eine rein. Der hält sich die Nase und fragt nur: „Warum?“. Mein (ehemaliger) Kumpel tritt nochmal zu. Alles Deutsche.
3. Hamid bekommt eine Flasche an den Kopf.
Silvester 94. Party in Frankfurt. Wir stehen vor der Halle, als es schon losgeht, fünf oder sechs Typen dreschen auf einen Typen ein, das ganze greift immer weiter um sich, wir kommen grade noch so in die Halle, als der Eingang abgeriegelt wird. Nur einer fehlt: Hamid. Scheiße, der is da draußen! Flaschen trommeln gegen den Eingang. Irgendwann wird’s ruhiger und der Eingang wieder geöffnet. Hamid kommt rein, hält sich den Kopf. Blutet nicht, hat aber eine Flasche an den Kopf gekriegt. Hamid ist Marokkaner. Die Flaschenwerfer, so Hamid, auch.
Liest man sich Studien zum Thema durch, dann durchzieht sie ein roter Faden: die Gewalt unter Jugendlichen hat massiv zugenommen.
Christian Pfeiffer vom kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen hat in der Studie Jugendkriminalität und Jugendgewalt die Entwicklung der Jugendkriminalität in zehn europäischen Ländern und den USA untersucht. Er kommt zu dem Ergebnis, daß in all diesen Ländern zumindest in den 90er Jahren, meist schon seit Mitte der 80er Jahre, ein starker Anstieg der – registrierten – Gewaltkriminalität junger Menschen festzustellen ist.
In Deutschland ist demnach seit 1989 die Jugendgewalt pro 100.000 der Altersgruppe um mehr als das Doppelte angewachsen. Der stärkste Anstieg ist bei Raubdelikten zu verzeichnen. Die Zahl der Jugendlichen, die Opfer einer polizeilich registrierten Gewalttat wurden, ist zwischen 1984 und 1995 um etwa das Dreifache angestiegen. Bei den registrierten Kriminalitätsfällen handelt es sich entgegen voreilig vorgetragenen Einwänden nicht um Bagatelldelikte wie Kaufhausdiebstahl! Der Anteil der Fälle mit einer Schadenssumme bis 100 DM ist sogar rückläufig. Und es ist auch nicht eine gestiegene Anzeigebereitschaft der Bevölkerung, die die Statistik “verfälscht”! “Wir interpretieren die analysierten Daten der staatlichen Kontrollinstanzen als Ausdruck davon, daß es hier seit Ende der 80er Jahre tatsächlich zu einem beträchtlichen Anstieg der Gewaltkriminalität gekommen ist und daß dieser primär zu Lasten Gleichaltriger gegangen ist”. resümiert Christian Pfeiffer. (Oeko-net)
Zu diesen Zahlen und dem immer wieder hochgehaltenen Beispiel bayerischer Glückseeligkeit übrigens:
Allerdings ist die Gewaltkriminalität nicht in allen Bundesländern gestiegen. So ist sie etwa in Berlin, Brandenburg, Hamburg oder Mecklenburg-Vorpommern gesunken, in Bayern und Baden-Württemberg hingegen um 16 bzw. 17,8 Prozent gestiegen, besonders stark in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen mit um die 28 Prozent. An der Spitze stehen Saarland (47,2%) und Rheinland-Pfalz (49%). (Telepolis)
Okay. Das ist Fakt, willkommen in der Realität. Auf der Straße gibt’s auf’s Maul, und das häufiger, als früher. Woran liegt das? Fragt man die üblichen Verdächtigen, dann sind es wahlweise die Killerspiele, das Fernsehen, das Internet und sowieso immer die Ausländer. Ach ja, die Handys. Saujugend, filmt sich ja nur noch beim kloppen und stellt das ganze dann zu diesem Youtube, von dem man soviel hört. Solches Stammtischniveau bring uns nicht weiter, denn die Wurzeln von Jugendgewalt liegen ganz woanders und garantiert nicht in der Herkunft des Schlägers. Und es erschreckt mich ein wenig, dass intelligente Menschen auf diese offensichtlichen aber zu kurz gedachten Argumente „Medien“ und „Spiele“ hereinfallen. Dieser „Abschaum“ ist nämlich nicht halb so blöd, wie er gerne dargestellt wird.
Wie ist das denn nun so als Deutscher, hier geboren, der von allen nur Ausländer oder Molluck oder Havack oder Abschaum genannt wird, der in der Hauptschule nicht mitkommt, weil seine Eltern auch nach 20 Jahren noch kein Deutsch sprechen und der ganz genau weiß, wo er nach dem nicht gemachten Abschluß landen wird? Dann sieht man sich um in Deutschland, sieht jeden Tag die Banker mit ihren Schlipsen durch die Straßen stolzieren, hört von Managergehältern und von Schwarzgeld-Koffern, von Arbeitslosigkeit und Kinderarmut.
Und wo holt man sich dann die Bestätigung her, die jeder braucht, wenn man nichts hat außer ein wenig Stolz? Ganz genau, man schlägt zu. Weil’s geht, weil man’s gelernt hat und weil’s nicht besondern kompliziert zu bewerkstelligen ist. Einfach zugehauen und man fühlt für ein paar Minuten ein Gefühl von Macht. Geil. Gelernt haben sie diesen Mechanismus von uns:
Gewalt ist nun mal die ökonomischste und einfachste Art und Weise, Erfolgserlebnisse und Macht zu erleben. Aggression und Gewalt sind für diese Jugendlichen eine hoch ökonomische Überlebensstrategie. (Leiter des Anti-Gewaltzentrums Berlin/Brandenburg, Oliver Lück in spOn)
Diese ganze Diskussion hatten wir ja vor grob zwei Jahren schonmal. Damals schrieben die Lehrer der Rütli-Schule einen offenen Brief über die Zustände an ihrer Schule und entfachten eine lange notwendige Debatte über Jugendgewalt an deutschen Schulen. Seit damals wurden Hauptschulen abgeschafft und in Frage gestellt. Alles richtige Maßnahmen, bis deren Auswirkungen aber in der Gegenwart ankommen, wird es aber noch eine ganze Weile dauern.
Die damalige Diskussion hatte allerdings eine andere Qualität. War es damals ein Hilferuf der Lehrerschaft, dem sich eine abstrahierte Auseinandersetzung um das Zusammenspiel von Bildung, Perspektiven und Gewalt anschloß, haben wir hier eine konkrete Straftat mit einem halbtot getretenen Rentner. Ideales Futter für kalte Kalkulierer wie Roland Koch, der das sowieso schon viel zu emotionalisierte Stammtischgerede aufgreift und nutzt, um am rechten Rand Stimmen zu fangen. Folgerichtig wurde er wegen Volksverhetzung angezeigt.
Ich finde es etwas sonderbar, dass sich Menschen tatsächlich über gewaltbereite Jugendliche wundern. In einer durchökonomisierten Gesellschaft, in der man mit Realschulabschluß Probleme hat, einen Ausbildungsplatz zu bekommen, die ihre Bürger an ihrer Leistung misst, in der nicht diskutiert wird, wie man Alte besser pflegt, sondern, wie lange sie noch arbeiten können, dass in so einer Gesellschaft diejenigen, die ohne Perspektive oder Mittel sind, zum Mittel der Gewalt greifen, um vor ihren Kollegen cool dazustehen. Mich erstaunt das kein bisschen.
Bleibt die Frage, was wir nun machen sollen, mit all den Schulversagern, die rentnerverprügelnd durch die Innenstädte marodieren? Für die wünschte ich mir einfach ein paar Vorbilder. Einen deutschen Jamie Oliver, der mit Jugendlichen mit problematischem Hintergrund ein Restaurant eröffnet. Einen Dieter Bohlen oder einen Detlev Dee!, der nicht irgendwelche Hupfdohlen vors Mikrofon zerrt, sondern ein HipHop-Label mit Hauptschülern eröffnet. Stattdessen gibt es eine Debatte um Erziehungscamps. Jeder Jugendliche da draußen wird sich von ein paar schreienden Drill-Instructors beeindrucken lassen und danach überhaupt keine Agressionen mehr zeigen. Da bin ich mir ganz sicher. Nicht.
Was haben nun die eingangs geschilderten drei Begegnungen mit Gewalt gemeinsam? Ganz einach: Nationalität spielt beim Entstehen von Gewalt keine Rolle, sondern die Perspektive auf das zukünftige Leben. Ändert man etwas an der Perspektive dieser Jugendlichen, dann ändert man auch ihr Verhalten: Der Typ aus Beispiel Zwei wohnt mittlerweile mit seiner Frau in einer Drei-Zimmer-Wohnung und sie erwarten ihr erstes Kind. Und einen Job hat er auch.
Jede Gesellschaft bekommt die Jugend, die sie verdient!
[update] Telepolis zum Thema:
Bei einem neuen gewalttätigen Vorfall in einer Münchner U-Bahn wurden ein Serbe, ein Kroate und ein Deutscher als Täter genannt. Es gab einmal eine Zeit, in der sich seriöser Journalist dadurch auszeichnete, dass er ethnische Zuschreibungen von Beschuldigten, denn das sind sie bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung, vermieden hat. Auch dieses Prinzip scheint schon lange nicht mehr zu gelten.
Die Folgen sind aber deutlich. Ausländerfeindliche Angriffe der letzten Tage wurden ebenso auf die Lokalseiten verbannt, wie der Suizid eines Abschiebehäftlings in Berlin. Gewalt von Deutschen wie in Leipzig oder Gewalt gegen Nichtdeutsche verlieren an Interesse, wenn medienträchtig jahrelang in Deutschland lebende oder auch hier geborene Jugendliche als ausländische Täter vorgeführt werden.
Und hier ein Projekt von Schülern der Rütli-Schule:
Die Jugendlichen der berühmt-berüchtigten Rütli-„Terrorschule“ entwerfen seit dem Schuljahr 2006/2007 mit Hilfe von RÜTLI-WEAR-Mitarbeitern und der offenen Siebdruckwerkstatt SDW-Neukölln, eigne Motive, Logos und Designs für eine jährlich frische Kollektion, direkt aus dem Herzen Berlin-Neuköllns. Echte Kiez-Wear mit Charakter!
Anstatt von den Medien ein Label aufgedrückt zu bekommen, kreieren sich die Schülerinnen und Schüler ihr eigenes! Anstatt mit dem Stigma des hoffnungslos verlorenen Krawallmachers zu leben, nehmen „die Rütlis“ ihr Image selbst in die Hand und beschreiben selbst wofür Rütli steht oder stehen soll.





Hell yeah! Ich kann deinem Text zu hundert Prozent zustimmen.
Nun gut, ich kann dir sicherlich nicht komplett beipflichten. Aber mit sehr vielen Punkten hasst du zweifellos vollkommen recht. Insbesondere damit, dass man nicht einfach alles auf Gewaltfilme und sog. Killerspiele schieben kann. Wobei es da natürlich etwas aufstößt, dass du oben ausgerechnet Christian Pfeiffer heranziehst – obwohl: seine Kenntisse im allgemeinen kiminologischen Gebiet kann man nicht unbedingt bestreiten.
meine worte, quasi. nur ein paar mehr :) mich widert es geradezu an, dass hier billiges bashing (nicht ganz pc in diesem kontext, aber nun ja) vorgezogen wird, anstatt sich um wahre ursachen zu kuemmern und an denen etwas zu aendern. nach strafverschaerfung zu rufen ist erstmal bequem, bedeutet aber auf lange sicht nicht den geringsten unterschied. die leute werden doch im knast keine besseren menschen.
War das nicht schon immer so Martha? Es passiert irgendwas, und irgendwer – vorzugweise Politiker, bei denen bald Wahlen anstehen – schreien laut nach drastischen Maßnahmen, was sich am Ende ja doch nur als heiße Luft heraus stellt.
Was mich bei sowas anwidert ist, dass immer vorher etwas passieren muss, bevor sich die Volksvertreter überhaupt angesprochen fühlen (wenn überhaupt).
klar war das schon immer so und das ist ja auch das schlimme. die ursachen bleiben letztlich dieselben, aber die angeblichen lösungen sind immer nur kurzsichtig auf die konsequenzen ausgerichtet.
Ich frage mich ernsthaft, ob die Damen und Herren der Politik auch nur im Geringsten ein Ahnung davon haben, worüber sie da reden…
Weiß nicht ob das so toll ist den lieben Herrn Pfeiffer zu zitieren. Der ist ja bekannt für eher “kreative” Interpretationen seiner Studien.
Hier mal ein Auszug aus dem 2. Periodischen Sicherheitsbericht der Bundesregierung:
—
Es lassen sich gegenüber dem 1. PSB für Deutschland auf Ebene der polizeilichen Daten, also im Hell-
feld, deutliche Rückgänge der von Kindern und Jugendlichen begangenen Eigentumsdelikte erken-
nen. Dies steht im Kontrast zu einem Anstieg der im Hellfeld durch die Polizei registrierten Gewaltkri-
minalität, die von jungen Menschen begangen wurde.
Innerhalb der Kategorie der Gewaltkriminalität finden sich allerdings recht unterschiedliche Arten
von Straftaten, für die sich divergente Trends identifizieren lassen. So gingen schwerwiegende
Gewaltdelikte, z. B. Tötungen und Raubdelikte, im Hellfeld zurück. Anstiege finden sich hingegen
für einfache und qualifizierte Körperverletzungen, die den größten Anteil an dem polizeilichen Sum-
menschlüssel der Gewaltkriminalität haben. Weiter finden sich Zunahmen der registrierten Verstöße
gegen das Betäubungsmittelgesetz, hier in erster Linie wegen Besitz von Cannabis.
Kontrastierungen der Polizei- und Justizstatistiken einerseits und der Befunde aus Dunkelfelder-
hebungen andererseits lassen insgesamt gesehen den Schluss zu, dass es in der zweiten Hälfte der
1990er Jahre zu einer erhöhten Sichtbarkeit der Kriminalität junger Menschen gekommen ist. Den
gestiegenen Zahlen polizeilich registrierter Fälle liegen keine realen Zunahmen zugrunde. Auch eine
qualitative Verschärfung, im Sinne eines steigenden Schweregrades der Delikte, ist empirisch nicht
festzustellen. So zeigen alle vorliegenden Dunkelfeldstudien Rückgänge der Gewalt junger Menschen.
Dies bezieht sich sowohl auf die im schulischen Kontext begangenen Handlungen als auch auf Hand-
lungen außerhalb der Schule. Daten der Versicherungswirtschaft bestätigen die entsprechenden
Befunde von Dunkelfeldstudien.
http://www.bmj.bund.de/enid/30e1f128b8c9e0ff76001ae398550196,0/Kriminologie/Zweiter_Periodischer_Sicherheitsbericht_der_Bundesregierung_131.html
—
Demnach also eher ein Rückgang bei Gewaltdelikten unter Jugendlichen, aber ein gestiegenes Anzeigeverhalten.
ich war heute bei meinem opa essen.
als ich mit ihm über das thema gesprochen habe, meinte er:
“das problem ist , das es einfach keinen gscheiden krieg mehr gegeben hatt”
man muss das jetzt in dem kontext sehen. mein opa ist während dem krieg auf die welt gekommen , und folglich in der nachkriegszeit aufgewachsen. er hatte eine harte zeit , genügend essen zu bekommen , und am abend im ofen einzuheizen zu können. damals hatt einfach keiner engergie darauf verschwendet sich mit anderen anzulegen. da ging es keinem besser als dem anderen.
ich glaube, dass es den kids von heute einfach zu gut geht.
sie haben einfach keine sorgen mehr. keine richtigen. sie können den ganzen tag fernschaun (und mal ehrlich. das is’ was die meisten wollen) und irgendwelchen junk in sich reinstopfen. sie gehen am wochenende party machen oder feiern. aber was feiert mann den da ? früher gab es noch einen echten grund. heute mach man das jedes wochenende. aus langeweille.müssen sich entscheiden was für einen jamba klingelton sie sich heute runterladen und lauter so zeug.
versteht ihr was ich meine. die jungs am bahnhof , hatten einfach langeweille. die wussten nichts mit sich anzufangen.
ich glaube dass das auf jeden fall ein grund ist.
und mein opa auch.
der war immerhin als polizist tätig , über einen langen zeitraum. und hatt diese entwicklung mitbekommen.
Bin ich der einzige, der findet, dass der Satz
“In Deutschland ist demnach seit 1989 die Jugendgewalt pro 100.000 der Altersgruppe um mehr als das Doppelte angewachsen.”
zeigt, dass der Author keine Ahnung von Statistik hat?
Erklär mir bitte mal, worauf ich reinfalle. Ich verstehe Deinen Vorwurf nicht.
Das heisst doch erstmal nichts weiter, als dass die Jugend durch den Konsum von TV-Medien und Killerspiele verroht und der Staat doch hier bitteschön mal einschreiten soll. Das ist mir beim Phänomen Jugendgewalt einfach zu kurz gedacht.
Wenn Fonsi dann im gleichen Text von Abschaum spricht, braucht man sich nicht wundern, wenn der Abschaum zuschlägt.
Oder irre ich mich?
Mal ganz von diesem „Ich fahre kein ÖPNV… immer dieser Pöbel“-Gewäsch mal abgesehen.
@Rene: Sry ist Offtopic. Du must mal irgendwas bei deinem Comments system überprüfen, ich bekomme hier ab und zu emails das es neue Kommentare zu Artikeln gibt, welche ich aber garnicht “aboniert” habe. Z.b. zu “Steampunk Rayguns” und “Erste Amtshandlung 2008″.
@mickey
nä, den Jugendlichen und jungen Erwachsenen geht es eben nicht gut. Keine Perspektiven ausser einer dunklen und vor allem stumpfsinnigen Zukunft. Mit “damals” oder “die Leute in Afrika” Vergleiche bringt doch nichts. Muss erst ein Krieg her oder überall alles auf 3. Welt Niveau runterschauben, damit man nicht so hirnloses Gelaber wie von dir und deinem Opa anhören muss? Ach nä. Fände andere Lösung doch deutlich interessanter und wäre mir auch lieber.
Darf ich mal fragen, welche Schule Du verlassen hast? Die Vorschule vielleicht, bevor man das Lesen lernt? Wer lesen kann, sollte erkennen, dass ich niemandem nachplappere oder reinfalle, sondern mir darüber Gedanken mache, wie man Gewalt und ihre Profiteuren das Dasein erschwert. Dass gewalttätuge Rollenmodelle nicht aus dem Nichts kommen, sollte halbwegs unstrittig sein, und dann ist nur noch die Frage, wie man das Problem umfassend angeht. Zum Beispiel, indem man die Leute zur Kasse bittet, die nicht völlig schuldlos an der Sache sind. Wie man halt auch von allen Alkoholherstellern in Form von Steuern Geld nimmt, um die gesamtgesellschaftlichen Folgen zu kompensieren. Nicht jeder Weintrinker ist ein Säufer, aber Säufer sind eine der Folgen von Alkohol. Nicht jeder Gamer ist ein Schläger, aber Gewaltdarstellungen zeigen den Schlägern, dass ihr Verhalten cool ist. Deshalb sollte man das ordentlich teuer machen.
Dass einer, der für Sony als Werbefigur mit anderen käuflichen Begünstigten der Spieleindustrie in einen Container zum Saufen und Daddeln zieht und mit seiner dort verdienten Kohle rumprotzt, das anders sehen könnte, würde ich akzeptieren – wenn er sich erst mal lesen würde, was da steht. Und wenn er es nicht tut, sollte er vielleicht einfach die Klappe halten, statt einen Reizwortbrocken wie “Pfeiffer” abzusondern und andere dann unqualifiziert in diese Linie zu stellen.
@ deprigirl
sry , du hast es nicht gerallt.
bleib doch einfach beim ritzen. das is einfacher.
@Mickey: Ich muss Deprigirl recht geben. Die Zeit in der Dein Opa aufgewachsen ist, mag Ihm heute in Bezug auf “Gewalt unter Jugendlichen” harmlos vorkommen, aber ich gehe jede Wette ein dass er mit den Problemen der heutigen Kids, damals ohne mit der Wimper zu zucken getauscht hätte.
Dein Beitrag liest sich so als wenn wirklich mal wieder ein Krieg nötig wäre um etwas zu ändern.
Kann das aber auch etwas nachvollziehen, mein Opa ist vom selben Kaliber ;)
@Fonsi: Eine Gewaltsteuer wird sicherlich ein paar Perspektiven für Schulversager bieten. Klar. Selten so einen Unfug gehört.
@ Don Alphonso – Ich verstehe, worauf du hinaus willst. Allerdings ist die Aussage “aber Säufer sind eine der Folgen von Alkohol” etwas kurz gegriffen. Bei Säufern/Alkoholikern ziehen meist weit mehr Faktoren, als du es hier darstellst – z.b. eine Extremsituation, die einen Mensch in den Alkohol treibt – Scheidung, Tod eines Familien Mitglieds, Armut etc. Statt Alkoliker hätte so jemand meist auch Junky werden können.
Zu “Gewaltdarstellungen zeigen den Schlägern, dass ihr Verhalten cool ist”. Da ist freilich etwas wahres dran. Aber es kommt hier stark auf den Kontext an. Als das Alter-Ego im Spiel zieht man nicht einfach (bzw. nur in Ausnahmen) los und prügelt einen Rentner nieder … und selbst im Spiel würde so etwas wohl kaum cool wirken. Ein Ego-Shooter (oder Ballerspiel) wirkt immer nur in Verbindung mit entsprechender Atmosphäre und Story cool und interessant.
Spieler suchen sich Spiele, die sie herrausfordern, die es ihnen erlauben im Team zu spielen oder taktisch vorzugehen. Von deren Geschichte sie fasziniert sind. Oder eben welche, die zu ihrem Gemüt passen…. unter letzten befinden sich nunmal auch Menschen mit aggresiven Gemüt. Und mancher dieser wollen es eben nicht nur im Spiel sondern auch im Real Life ausleben. Deswegen aber Computerspiele, ob nun gewalthaltig oder nicht, als Ursache oder Fördermittel darzustellen halte ich für falsch … dieses wäre wie das aktuelle Vorgehen unserer Politiker mit der Vorratsdatenspeicherung: Weil Amokläufer das Internetnutzen wird jeder unter Generalverdacht gestellt und seine Kommunikation überwacht.
@mickey – Interessante Geschichte. Und das “Das Problem ist, dass es keine gescheiten Kriege mehr gibt” hab ich auch schon von älteren Herren gehört.
@michael
@ holzmann
das war bloß als “beispiel” gemeint.
ich wollte darauf hinaus , das die kids heute andere sorgen haben.
die meisten von denen gehen auf die haupt, wenn überhaupt auf die realschule bis mittags. dann geht’s kurz nach hause , die sachen ins eck geworfen. und dann auf die straße. denen is langweillig. die wollen sich irgendwie beweisen. wenn sie das nicht in der schule durch erfolge und gute noten können. dann eben auf der straße. dann eben bei prügeleien.
und ganz nebenbei.
die sind echt alles andere als mutig oder sonst was. einen rentner verprügeln. zu zweit ? oder wie gerade auf spiegelonline steht : als dutzend , zwei männer angreifen.
“Eine Gewaltsteuer wird sicherlich ein paar Perspektiven für Schulversager bieten. Klar. Selten so einen Unfug gehört.”
Von einem gekauften Lakaien der Spieleindustrie würde ich auch nichts anderes als derartige Kochsche Einlassung erwarten. Nochmal. In dem von Dir zitierten Ausschnitt geht es um die Miteinbeziehung der Gewaltanbieter, die Dich in ein Hausboot schicken, in die gesamtgesellschaftliche Verantwortung. Und nicht um Schulabbrecher. OK, damit wohl auch um einen Schulabbrecher, aber das ist in dem Fall nicht das Thema.
Michael, Rene verkürzt das auf die Produkte seines Auftraggebers. Ich denke da mindestens genauso an die Erscheinungen im deutschen Hiphop, der von Leuten gemacht wird, die selbst Intensivtäter waren, und, wie Bushido, Gewalt nicht nur im Video ausleben. Wie auch immer, es gibt da ein paar schöne Beispiele, wie sowas funktionieren kann. Kennt hier jemand die sogenannten Gabelkreuze? Das ist die Darstellung eines Gekreuzigten, die für ihre Zeit extrem brutal und realistisch war, wie man es bis dahin nicht kannte. Die kamen justament auf, als es an der Grenze zwischen Hoch- und Spätmittelalter in den rheinischen Städten soziale Spannungen gab, anwachsender Reichtum bei den Patriziern, dazu Entrechtung und schlechte Lebensbedingungen am unteren Ende. Und so ein Gabelkreuz war dann eben mitunter der Funken, der das Gemisch zur Explosion brachte, worauf sich der Abschaum in die Judenviertel der Städte aufmachte, sehr zur Freude der Patrizier.
Gewaltdarstellungen verstärken und wirken. Nicht immer, nicht überall, aber doch so, dass man sich Gedanken machen sollte, was da passiert. Der Hool findet es geil und schlägt zu, der Bürger sieht die Bilder der Überwachungskamera und wählt Koch. Und andere Populisten. Es ist das gleiche Prinzip.
Von diesem ganzen Offtopic-Gewäsch mal abgesehen: dass Gewaltdarstellungen einen Trigger auslösen, geschenkt. Aber wir sind uns doch wohl mal darüber einig, dass die, ich nenne sie mal, Gewaltprodukte, egal ob Aggroberlin, Film oder Game, nicht das Problem sind, sondern das Symptom, oder?
Und überhaupt habe ich mit der Zensur durch Verteuerung irgendwie Bauchschmerzen.
@Don – Du meinst die Pestkreuze, nicht wahr? Die, an denen Jesus in Y-Form hängt und man die einzellnen Rippen zählen kann und teils Blut aus Augen, Ohren etc. tritt. Ja, kenne ich.
Und Don, ich verstehe deine Ansicht. Klar. Gewaltdarstellungen können Phantasien verstärken und in manchen Fällen das Fass zum Überlaufen bringen. Allerdings, meiner Ansicht nach, auch nicht mehr als eine Nachrichtensendung über einen Amoklauf, eine Diätenerhöhung unserer Politiker, die Serie 24 oder jemand, der einen als “Dreckiger Türke”, “Dämlicher Deutscher” oder “Arbeitsloser Penner” beschimpft. Außerdem gab es gewalthaltige Medien – ob in Buch, Theater oder Oper – schon immer.
Was Koch und den derzeitigen Populismus angeht, ich glaube, da sind wir beide vollkommen einer Meinung.
Warum greift Ihr eigentlich jeden Scheiß auf, den die Politiker als aktuelle Sau durchs Dorf treiben?
Ich finde totschweigen ist das einzig Sinnvolle um den Quatsch nicht noch mehr Aufmerksamkeit zu geben.
“Stell Dich nicht mit denen auf eine Stufe” hat die Mama früher immer gesagt.
Es gibt da den netten Spruch: Wer die Fehler der Geschichte ignoriert, ist verdammt, sie zu wiederholen. Und die US-Army steckt nicht Abermillionen in Videospiel-Entertainment, wenn sie nicht wüsste, dass es die Leute anfixt, in den Irak zu gehen. Dass wir es mit sehr unschönen Mengen Pulver im sozialen Bereich zu tun haben, bestreitet keiner, aber worum man sich erst mal kümmern muss, ist die Minimierung der Funken. Und natürlich findet es jeder Junkie scheisse, wenn man ihm seine Droge wegnimmt. Autofahrer wollen Tempo 250 ohne Radarüberwachung, Teens wollen billig Flatratesaufen, der Koch jüdische Vermächtnisse, die Reichen weniger Steuern und Rene zocken, ohne dass jemand ihn oder seine Auftraggeber wegen der möglichen Probleme anquatscht. Keiner mag das. Jeder will immer nur, dass die anderen vom Staat belästigt werden, nur sein Ding ist harmlos, legitim und absolut kein Problem.
Ich halte Verteuern für eine sinnvolle Sache. Genauso, wie ich denke, dass Raucher zurecht höhere Beiträge zur Krankenversicherung zahlen sollten. Und AKW-Betreiber gezwungen werden müssen, die Risikofolgen selbst zu finanzieren. Man nennt es das Verursacherprinzip. Wenn ich meine Karre ausfahren würde, müsste ich auch mehr an den Staat zahlen. Und wenn welche wie MTV sich dämlich daran verdienen, wenn sie Call-In-Shows machen, fragwürdige Abowerbung schalten und zwischendrin Flers und Bushidos Gewaltphantasien zeigen, sollte man sie auch zur Kasse bitten.
Und wenn es dann schwerer wird, tolle Vorbilder für das Prügeln – siehe oben – zu haben, kann man mit denen möglicherweise auch leichter ins Gespräch kommen. Ich glaube nicht, dass die schon immer zwangsweise so sein müssen. Oder bleiben.
>Ich glaube nicht, dass die schon immer zwangsweise so sein müssen. Oder bleiben.
Endlich kann ich Dir mal zustimmen.
Im Grunde haben wir ja schon ein Instrument, gewaltverherrlichende Produkte zu verteuern. Der nennt sich Jugendschutz und wenn ein Film oder Game oder sonstwas da ein Ü18 erhält, bedeutet das erstmal Umsatzeinbußen. Dass der Jugendschutz nicht wirklich greift und die Kids auch so an das Zeug kommen ist aber ebenso Fakt.
Bei einer Steuer auf Gewaltdarstellung brauchst Du dann auch eine Bemessungsgrundlage. Wie soll die aussehen? „Ich fick deine Mutter“ in Sido-Raps kosten 10000 Euro? Ich hab’ da, grade bei Musik und Film ein Problem mit, weil das Selbstzensur zur Folge hat. Schwierig.
Und überhaupt ist mit das alles zu sehr an den Symptomen gedoktort. Wenn man an den grundsätzlichen Ursachen von Jugendgewalt nicht ansetzt, wird auch die Wegnahme der Funken nichts bringen.
Obwohl: wenn man die Gelder dieser Steuer direkt in Bildung umsetzt…
@René (11)
Nein, das heisst das nicht. Da steht, dass die Hersteller und Überbringer falscher Leitbilder für die Herstellung und Verbreitung bestraft werden sollten, anstatt eine ganze Gesellschaft unter Generalverdacht zu stellen.
Und was Du sonst noch mit Don Alphonso auszumachen hast, ist wirklich nicht meine Sache.
@Don: Stellt sich nur die Frage, inwiefern ICH hoehere Kosten fuer irgendwen, insbesondere den Staat, verursache, wenn ich Medien mit hohem Gewaltanteil konsumiere… denn dass Rauchen die Gesundheit schaedigt, ist bestaetigt. Dass Videospiele mich gewalttaetig machen, nicht.
Abgesehen davon greift sowas bei Reichen dann sowieso nicht ~> Reiche duerfen gewalttaetig sein?
Und den Rest hat René ja auch schon erwaehnt.
@René (25)
Beispielsweise könnte man verbieten – idealerweise im Rahmen einer Art Selbstzensur, wie bei U-Bahn-Selbstmöfrdern, über die auch praktisch nicht berichtet wird, um Nachahmungstäter zu vermeiden – dass bestimmte Kunst im Popmedienkontext überhaupt stattfindet. In dem Moment, wo ich Bushido im Radio spiele, mache ich sein Gesamtwerk salonfähig.
@ Yuri: Reiche gehen auf die Privatschule, die sind nicht gewalttätig. Bzw üben Gewalt anders aus. ;-)
@ Holgi: Ob das funktionieren würde halte ich für fraglich. Das wandert doch dann nur in den Untergrund, das Problem bleibt. Wie gesagt, an den Symptomen rumdoktoren bringt nix.
Wtf? Zensurbefuerworter? Wo bin ich denn hier bloss gelandet…
wo wo wo . this is not my batman glass.
also moment. wir driften ab. zensur ? nein danke. das kann nicht die lösung sein. den ganzen scheiss gibt es ja nicht erst seit bushido und konsorten.
die warheit ist , das es keine patentlösung gibt. und das der ’staat’ jetzt einige sachen versuchen wird. jetzt bleibt aber trotzdem die frage: was machen ? ich bin ehrlich gesagt für die härteren strafen. da überlegt man es sich doch zweimal , ob es sich lohnt so ne scheisse nochmal zu machen.
Zensur? Meine Herren, da habe ich hier aus einigen Mündern schon anderes gehört.
Ich bin grundsätzlich gegen eine übermäßige Zensur, dafür gibt es bereits staatliche Stellen, wie wir wissen. Mir gefallen auch so einige Hip Hop Geschichten gar nicht, aber dafür brauche ich keine staatliche Stelle und die Sache mit dem Besteuern finde ich gelinde gesagt, nicht machbar. Wer soll das denn entscheiden? FSK?
1. Hartz IV erhöhen
2. Kindergeld erhöhen
3. Ein genereller Mindestlohn
4. Mehr Arbeitsplätze
5. Mehr Lehrer
6. Mehr Ausbildungsplätze
und dies alles steht auf der Agenda eines neuen Gesellschaftsvertrages!!!!
Danke Sunny. Der einzige Weg, sehe ich genauso.
“Gelernt haben sie diesen Mechanismus von uns”
Wer ist “uns”?
>Wer ist “uns”?
Das Establishment.
@Rene
Ich bin das Establishment? Wäre mir neu. Oder meinst Du Dich?
Na klar meine ich mich. Ich habe jahrelang am Abgrund getanzt und weiß, wie es ist, halb auf der Straße zu sitzen, weshalb mich dieses affektierte Geschwafel vom „Abschaum“ auch einigermaßen auf die Palme bringt. Diese Zeit ist aber vorbei. Und genau darüber wollte ich ja auch schon lange mal was machen.
@Rene
Warum schreibst Du aber “wir”? Wer ist denn nun dieses wir, wenn Du Dich und mich nicht meinst? Oder ist das nur wieder Ausfluss ekelhaften kollektivistischen Denkens, das immer alle in Haftung für das Handeln oder Unterlassen Einzelner nimmt?
Ich gehe mal davon aus, dass ihr wisst, dass es einen Unterschied zwischen Zensur und Selbstzensur gibt und dass Selbstzensur an der Tagesordnung bei jeglicher Medienproduktion ist und „Yuri“ es sich nur leicht machen und nicht weiter über diese Idee nachdenken wollte.
René & Sunny, ich glaube nicht, dass solcherlei Musik ausschliesslich Symptom ist und mir ist klar, dass das nicht die Ursache des Problems löst. Wenn es mir aber gelänge dafür zu sorgen, dass sowas wie Bushido nicht salonfähig wird, sondern grossflächig für so uncool gehalten wird, wie er tatsächlich ist, schaffe ich ein Klima, in dem die propagierte Gewalt nicht mehr als irgendwie normal angesehen wird.
Das bekomme ich aber nicht hin, wenn Feuilletonisten und Musikredakteure solche Phänomene für Quasi-Punk erklären, Jubelbeiträge darüber schreiben, ohne Sinn und Verstand Radioeinsätze programmieren und sie dadurch in einer Weise adeln, dass ich meinen Kindern nicht mehr erklären kann, was damit das Problem sein soll – steht ja sogar in der Zeitung, dass Sido cool ist. Genausogut kannst Du als Raucher ja mal versuchen, Deinen Kindern zu erklären, warum sie die Finger von Kippen lassen sollen. Das wäre dann möglicherweise ein Punkt 7 in Sunnys Liste. Da hätte ich auch noch ein paar Fragen:
1. Hartz IV erhöhen, 2. Kindergeld erhöhen, 3. Ein genereller Mindestlohn, 4. Mehr Arbeitsplätze
Auf welche Weise soll das dazu führen, dass Eltern ihren Kindern beibringen, keine Gewalt anzuwenden? Und an wen richtet sich die Forderung nach mehr Arbeitsplätzen?
@ Holgi
1. Hartz IV erhöhen, 2. Kindergeld erhöhen, 3. Ein genereller Mindestlohn, 4. Mehr Arbeitsplätze
Auf welche Weise soll das dazu führen, dass Eltern ihren Kindern beibringen, keine Gewalt anzuwenden? Und an wen richtet sich die Forderung nach mehr Arbeitsplätzen?
Und die wichtigste Frage: Woher hat Sunny das Geld, diese Maßnahmen aus seiner eigenen Tasche zu bezahlen? ;-)
Oder ist staatlicher Diebstahl (Steuern) etwa nicht unmoralisch und freiheitsfeindlich?
Marco, bist Du von der Bertelsmann-Stiftung?
@ holgi
ja, natürlich war mir bewusst, dass du selbstzensur meinst. bzw. eine redaktion welchen mediums auch immer entscheidet, was gesendet wird und was nicht. aber wenn du so etwas schreibst: “dass bestimmte Kunst im Popmedienkontext überhaupt stattfindet. “, dann klingt es eher nach verbot, als nach offener diskussion.
ja, all diese jubelbeiträge finde ich auch seltsam. bzw. lese ich lieber darüber gar nichts mehr, weil meistens immer ein relativierungsquatsch, die texte von bushido betreffend, drin steht.
nun denn, was das rauchen betrifft, mein vater ja, meine mutter nein. mein bruder wollte nie, ich viel früh.
@alle ich habe einfach geschaut, was ich denke, was einem angenehmerem sozialem klima gut täte und das ist in erster linie für mich eine gute ausgangsbasis für jeden. dabei ging es mir in erster linie nicht um ein finanzierungsmodell, sondern um ein paar grundsätze. zumindest hilft dies, die frustration zu begrenzen, wenn ich mir nicht ständig sorgen um geld und die zukunft machen muss.
wenn ich irgendeine art von ausbildung habe, habe ich das gefühl (zunächst) einen sicheren boden unter den füßen zu haben. ob dann der versprochene arbeitsplatz kommt, bleibt natürlich ein geheimnis.
weswegen dieser punkt, das schaffen von arbeitsplätzen, mithin der utopischste ist, wenn man davon ausgeht, dass so und soviel prozent der menschheit keine arbeit haben.
an wen sich das richtet, das mit den arbeitsplätzen, das schlimme ding das – na an die industrie, die firmen, die fonds-manager, an die eu, an alle – sogar an mich, ich könnte ja auch welche schaffen!
zur gewalt will ich noch folgendes sagen – ich behaupte mal, dass in familien, wo offensiv machtkämpfe ausgetragen werden, sei es durch frauen oder männer, ein hohes gewaltpotential vorhanden ist. befinden wir un also in einer zeit starker machtkämpfe in der gesellschaft wird dies auch in die familie verlagert.
@holgie
Nö, wie kommste denn darauf? Im Gegensatz zu Dir Wohlstandssozialisten bin ich arm. Ich will es nicht bleiben. Deshalb will ich nicht, dass mir Menschen Deines Schlages mein Eigentum stehlen oder mir sonstige Freiheiten einschränken.
Wer ist eigentlich dieser arrogante Alphonso hier? Und kann diesem Herrn mit seinen Verschwörungstheorien, die ja abstruser kaum sein könnten, noch geholfen werden?
Gez. KH Lohmann
Oha, jetzt wird mein Nick sogar schon in Anfuehrungszeichen gesetzt… stimmt, in Wahrheit gibt es mich auch gar nicht. Das ist nur der Deckname fuer die Mitarbeiter der Gewaltlobby.
Aber zum Thema: Selbstverstaendlich ist mir bewusst, dass es Selbstzensur GIBT [letzten Endes ist sie ja bei Spielen, Filmen usw. sowieso an der Tagesordnung]. Meines Erachtens besteht allerdings ein Unterschied dazwischen, Kenntnis davon zu haben und diese zu befuerworten… ich meine, korrigiere mich, wenn ich falsch liege.
Und ich bin nun mal ein Gegner der Zensur – egal, in welcher Form. Abgesehen davon, dass, wenn diese, wie du sagst, “freiwillig” waer, es sie ja theoretisch schon laengst geben muesste… ist ja freiwillig und so.
Die Tatsache, dass ich mich nicht weiter damit befasst habe [und dies im Grunde auch nicht will], ist eben einfach, dass ich Zensur nicht fuer ein legitimes Mittel bei der Eraschaffung einer besseren Welt halte. Punkt.
Anderer Punkt: Finde ich aber tragisch, wenn du nicht mal Argumente dafuer findest, waerum man eventuell mehr davon hat, nicht zu rauchen.
Wer auch immer hier diese ‘Gewaltsteuer’ propagiert hat, ist sicherlich auch fuer die Suessigkeitensteuer… denn bekanntlich wird ja jeder, der nascht, auch automatisch dick. Und warum sind eigentlich Autos und Drogen noch nicht verboten… aeh, zensiert?
“1. Hartz IV erhöhen, 2. Kindergeld erhöhen, 3. Ein genereller Mindestlohn, 4. Mehr Arbeitsplätze”
Holgi, du bist der Beste. Hab aber noch Vorschläge:
5. Mehr Geld.
6. Weniger Steuern.
7. Mehr Freizeit.
8. Freibier für alle.
Moment mal, bist du etwa Fraktionsvorsitzender bei der PDS?
Yuri, ich setze Namen immer in Anführungszeichen, wenn ich nicht weiss, welches Geschlecht ich dem Autor zuordnen soll. Kann ich aber auch lassen :)
Nimm beispielsweise die Selbstzensur bei Selbstmördern. Es gibt zwar immer Boulevardmedien, die der Devise „if it bleeds it leads“ folgen und trotzdem riesengross berichten, aber die machen das auch nur, weil sie wissen, dass die anderen tendenziell nicht berichten werden, um nicht Nachahmer zu animieren, so dass sie eine vermeintliche Exklusivmeldung haben.
Jede redaktionelle Auswahl eines Themas ist letztlich eine Art Selbstzensur, selbst in einem Blog. Wenn ich jetzt hingehe und den Verantwortlichen für eine Publikation schlüssig erklären kann, warum es falsch/gefährlich/unmoralisch/younameit ist, ein bestimmtes Thema überhaupt nur zu erwähnen und es dadurch salonfähig, also unfragwürdig, zu machen und der Publizist sich dafür entscheidet, es zu unterlassen, habe ich doch schon viel gewonnen.
Das funktioniert übrigens auch jetzt schon sehr gut – leider nur da nicht, wo die Verantwortlichen sich beratungsresistent zeigen (was bei Quereinsteigern in Massenmedien gerne der Fall ist – ich arbeite in einem) und wo es um Geld durch Aufmerksamkeit geht.
Dass (echte) Zensur in jedem Fall der falsche Weg ist, brauchen wir sowieso nicht zu diskutieren. Ich muss halt nur zusehen, dass ich die Menschen gegen Demagogie imprägniere. Das muss allerdings sehr früh passieren und an der Stelle fürchte ich, dass das, wie so vieles, was im Grunde dienlich ist, nur über das Vehikel Geldbeutel (der Eltern oder eben der Hersteller und Verbreiter) geht. Darum finde ich Dons Vorschlag so diskutierenswert.
Ich kenne übrigens jede Menge gute Gründe, nicht zu rauchen. Aber welches Gewicht haben die, wenn ich selbst ein Kippe im Mund habe? Dann antworten meine Kinder auf jedes Argument mit „aber Du rauchst doch auch“. Warum sollten Kinder etwas tödliches unterlassen, was ihre Eltern selbst machen? Das ist so paradox, das kann nichtmal ein Erwachsener auflösen. Und ein Kind schon gar nicht.
Und warum sollten Sachen, die eine Gesellschaft über Gebühr belasten, eigentlich nicht für den jeweiligen Konsumenten teurer sein? Zucker ist doch sogar ein prima Beispiel. Und mit Vernunft brauchst Du den Menschen doch gar nicht erst zu kommen.
Marco, Du scheinst nicht nur wirtschaftlich arm, sondern auch arm im Geiste zu sein. Du begreifst nicht, wie Staat funktioniert, was man daran erkennt, dass du nicht begreifst, wozu Steuern da sind und Du erlaubst Dir ein Urteil über andere, ohne dass Du die geringste Ahnung von deren Leben hast.
Und „Sativa“ scheint nichtmal lesen zu können, sonst hätte er/sie/es begriffen, dass ich Sunny zitiere.
@ sativa, nee die wohlstandsvorschläge kamen von mir. hau mich.
holgi, du olle heißdüse, jetzt wollen wir mal nicht ausfallend werden!
nur weil ihr alle es nicht schafft, euch mal kurz und prägnant zu fassen. ich zitiere da luther, der sagte “tritt fest auf, machs maul auf, hör bald auf”
oder habt ihr ernsthaft während der arbeit zeit, diese textwüste hier (geschweige denn bei spreeblick!!!) zu lesen?
sativa, ich lese nur das, was mich interessiert, aber dann richtig!
@Holgi: Etwas seltsames Stilmittel [imo], aber soll mir auch egal sein. Darum geht’s hier ja nun auch wirklich nicht.
Fuer mich faengt Selbstzensur eben da an, wo man denkt “ach, berichte doch mal ueber xyz – ach nee, das koennte ja anstoessig sein/Probleme nach sich ziehen/”. Nicht, wenn man ueber etwas nicht berichtet, weil man selbst keinen Grund dafuer sieht.
Nun, ich denke, dass ein Thema zum Tabuthema zu erklaeren, ueberhaupt nichts loest. Wenn es danach ginge, muesstest du auch Berichte ueber tatsaechliche Gewalt [in diesem Zusammenhang natuerlich besonders die von Jugendlichen] zensieren – denn wenn gewaltverherrlichende [oder was auch immer, ich hoere die betreffende Musik gar nicht] Liedtexte das ganze gleich “cool” machen, dann der Rest jawohl erst recht.
Ausserdem ist ja nicht jede Art von Bericht gleich. Warum sollte die Tatsache, dass ueber etwas berichtet/geredet wird, dies gleich ‘unfragwuerig’ machen? Leuchtet mir nicht ganz ein, sorry. Meiner Erfahrung nach brachte totschweigen auch noch nie etwas. Und, mal im Ernst – als gaeben Strassenschlaeger etwas darauf, ob die Zeit ihre Musik fuer gut haelt.
Abgesehen davon hilft Geld imo auch ueberhaupt nicht, das Denken der Leute auch nur im Ansatz zu aendern oder sie dazu zu bringen, ihr Handeln zu ueberdenken. Dann muss man eben zahlen, weil der Staat einen mal wieder aergern will [oder man geht gleich ueber illegale Downloads, die kosten sowieso nichts].
Zumal ich einfach keinen Grund dahinter sehe – durch das Anhoeren von Musik schadet man keinem. Auch nichts durch’s Spielen oder Fernsehenkucken. Kannst du mir nicht erzaehlen. Genauso wenig hat irgendwer einen Nachteil dadurch, wenn ich haufenweise Suesses esse. Warum sollte ich dafuer also extra Geld bezahlen muessen?
Und inwiefern belastet Zuckerkonsum ueberhaupt die Gesellschaft ueber Gebuehr?
Zum Rauchen… wenn dien Kind in der Lage ist, selbst zu denken [was ich doch schwer hoffen will!], ist ihm sicherlich schon aufgefallen, dass menschliches Verhalten oft so strunzdumm ist, dass es absolut keiner mehr nachvollziehen kann. Was kein Grund ist, sich selbst deswegen auch so zu verhalten.
Mit anderen Worten: Meine Mutter raucht ebenfalls, ich nicht. Hatte ich auch nie vor. Und die Gruende, es nicht zu tun, leuchten mir genauso ein wie dir vermutlich auch. Bloss weil sie bloed genug war, anzufangen, muss ich es ihr doch nicht nachmachen?!
“Solches Stammtischniveau bring uns nicht weiter, denn die Wurzeln von Jugendgewalt liegen ganz woanders und garantiert nicht in der Herkunft des Schlägers.”
und im nächsten absatz:
“Wie ist das denn nun so als Deutscher, hier geboren, der von allen nur Ausländer oder Molluck oder Havack oder Abschaum genannt wird, der in der Hauptschule nicht mitkommt, weil seine Eltern auch nach 20 Jahren noch kein Deutsch sprechen und der ganz genau weiß, wo er nach dem nicht gemachten Abschluß landen wird?”
also dann doch wieder jugendliche mit migrationshintergrund und die herkunft als entscheidenes kriterium? ich dachte, dass sei nur stammtischniveau…
Guter Punkt, von mir schlampig gemacht. Mein Standpunkt ist aber trotzdem klar, oder? ;-)
Sorry, ein wenig spät, aber es brennt mir auf der Zunge:
Klar hat man schon immer auf die Fresse gegeben und bekommen. Die Sache ist die, dass es keine Grenzen und keine Ehre mehr gibt. Und das erstaunlicherweise verstärkt gerade bei den Angehörigen von Volksgruppen, bei denen Ehre im Alltag angeblich eine große Rolle spielt.
Die Typen in München hätten den Opa umgebracht, dass muss man sich klar machen. Guckt euch das Video an, die gehen mit größter Brutalität und mit klarer Tötungsabsicht auf Kopf und Nacken und kennen auch danach und ohne Alkohol im Blut keine Reue und haben nur Hohn und Spott für ihr Opfer übrig (das sich nebenbei gesagt schon nach dem ersten Schlag in den Rücken nicht mehr gewehrt hat). Das gleiche mit den beiden 45jährigen neulich. Wer mit Ziegelsteinen wirft, nimmt den Tod des Opfers in Kauf. Oder was ist mit den Typen, die (5 gegen 2) die beiden Schüler in Hamburg an der Tanke angegriffen haben, und versucht haben, ihrem Opfer den Hals mit einer kaputten Bierflasche durchzuschneiden?
Bei allem Respekt deiner Argumentation gegenüber, Rene: mit deinen romantisch verklärten Prügelerinnerungen am Baggersee hat das schon lange nichts mehr zu tun. Es muss etwas geschehen. Natürlich langfristig, an der Wurzel, dem Elternhaus, der Schulbildung, etc. Aber jetzt in diesen Tagen darf sich die Polizei von solchen jugendlichen Kriminellen nicht auf der Nase rumtanzen lassen.
Wenn so etwas vorfällt, so eine klare, schwere, niederträchtige Körperverletzung, dann muss der Täter in den Knast. Egal, wie alt er ist.
…und ich finde schon, dass Kommentar #52 einen klaren Widerspruch in deiner Argumentation ausgemacht hat. Vielleicht verdeutlichst du das nochmal?
Natürlich muss etwas geschehen. Ich denke da sind sich alle einig. Aber, und da muss ich René zustimmen, hat das Aggressionspotenital von Jugendlichen nichts mit dem Herkunftsland ihrer Eltern oder Großeltern zu tun. So eine Annahme wäre rassistisch, sonst nichts. Das hat was mit dem sozialen Umfeld, den Chancen, dem Alltag, den Perspektiven und natürlich auch dem Bild, dass sich die Gesellschaft von Jugendlichen macht und dem die Jugendlichen auch deswegen immer ähnlicher werden zu tun. Nicht damit, dass sie von Menschen abstammen, die mal in Südosteuropa gelebt haben und sie deswegen noch eine andere Sprache (eventuell besser) können als Deutsch, eine dunklere Hautfarbe haben oder einer anderen Religionsgemeinschaft angehören, als der Christlichen.
Ich finde es viel ignoranter und geradezu weltfremd zu glauben, dass Menschen unterschiedlicher Abstammung und Sprachen nicht auch unterschiedliche Weltbilder haben. Dass sich diese Tatsache auch auf das Verhalten in Extremsituationen auswirkt, dürfte niemanden wundern.
Oder habt ihr schonmal gesehen, dass in Deutschland Flaggen verbrannt und mit Sandalen beschmissen werden, nur weil irgendwo im Ausland irgendein Schundblatt behauptet hat, der Papst wäre doof?
Und warum gibt es eigentlich keine gewalttätigen Nigerianer in Deutschland?
Hast Du Dich schonmal gefragt, warum ausgerechnet irgendwo in Kirgisien dänische Flaggen genau dann zu haben sind und verbrannt werden, wenn eine westliche Kamera in der Nähe ist? Nein?
Solltest Du aber.
Zu behaupten, jemand würde schneller zuschlagen, weil er Großeltern aus der Türkei hat, ist rassistisch, sorry.
Das hat etwas mit dem sozialen Umfeld zu tun, in welchem man lebt und aufwächst. Wenn das von Leuten geprägt ist, die dir beibringen zuzuschlagen, dann schlägst du eben auch zu.
Und die Behauptung, es gäbe in Deutschland keinen aus nigeriastammenden Menschen, der auch mal zuhaut, kann ich weder bestätigen noch bestreiten. Aber mit Sicherheit gibt es mehr Menschen, die aus der Türkei stammen. Viel mehr. Und die haben keine Perspektive auf eine ordentliche Zukunft, die sollen sich drei- und vierfach beweisen, weil sie ja “Ausländer” sind, die werden ausgegrenzt, grenzen sich darauf natürlich selbst aus, bekommen nicht die Chance, die jeder mittelständige Deutsche vom Elternhaus aus hat. Ich deutsches Akademikerkind bekomme meine Erfolgserlebnisse in der Schule, im Freundeskreis, im Elternhaus. Die nicht. Die pöbeln eben Passanten an. Und schlagen zu. Und nochmal. Und nochmal. Wusste doch vorher jeder, warum das Bild nicht bestätigen und wenigstens eine Sache im Leben richtig machen?
@rene:
Wow, dir kann man echt nichts vormachen.
Ändert aber nichts an meinem Punkt. Auch wenn mir Angie persönlich ne Flagge von Kirgisien in die Hände drücken würde, würde ich sie nicht anzünden und “Gott will es so!” brüllen. Die Menschen sind nicht alle gleich – sie sind alle verschieden. Ein niemals versiegender Quell von Konflikten…
@59: Die haben alle keine Perspektive und werden deshalb gewalttätig? Stimmt, das ist ne gute Erklärung. Macht die ganze Sache sehr einfach. Lass das aber nicht Fathi Akim hören, der kriegt die Krise…
Habe den Witz nicht verstanden, tut mir leid. Erklärst du ihn mir? :-)