Dass Öffentlichkeit sich wandelt und Popularisierungstendenzen unterliegt, ist nicht neu. Aber wohin? Das Bild, das sich in den Demokratien des Westens derzeit zeigt, ist erschreckend: Hochkultur wird in vielen gesellschaftlichen Bereichen marginalisiert und zu einem Refugium der Eliten. Die neuesten Ereignisse im Leben von Britney Spears oder Paris Hilton sind auch in Deutschland allemal wichtiger als die Politik der Bundesregierung oder die Iran-Politik der US-Regierung. Wer hätte geahnt, dass die demokratischen Öffentlichkeiten Europas massive Brüche internationalen Rechts und skandalöse, noch nicht einmal notdürftig verbrämte Menschenrechtsverletzungen, für die das Lager Guantanamo symbolisch steht, undiskutiert dulden könnte? Die täglichen Exzesse der Trash-Kultur und die Ergebnisse der PISA-Studie sind nur einige weitere auf der Hand liegende Folgen.
Am 16. Mai 2007 veröffentlichte die “Süddeutsche Zeitung” in ihrem Feuilleton einen [extern] Aufsatz des Philosophen Jürgen Habermas. Unter dem Titel “Keine Demokratie kann sich das leisten” setzte der Denker Überlegungen seines erstmals 1962 veröffentlichten medienwissenschaftlichen Klassikers “Strukturwandel der Öffentlichkeit” fort. Dort verweist Habermas unter Hinweis auf Zeitungskrise, Aufkäufe renommierter US-Blätter durch Großkonzerne und die zunehmende Reduktion journalistischer Qualität auf “die besondere Natur der Waren Bildung und Information” und folgert:
Keine Demokratie kann sich ein Marktversagen auf diesem Sektor leisten.
Mit dem Hinweis darauf, dass Leser, Hörer und Zuschauer nicht nur Konsumenten seien, “sondern zugleich Bürger mit einem Recht auf kulturelle Teilhabe, Beobachtung des politischen Geschehens und Beteiligung an der Meinungsbildung” verbindet Habermas die Erinnerung daran, dass der durch die Verfassung garantierte Rechtsanspruch auf mediale Grundversorgung auch die Unabhängigkeit von Werbung und Sponsoreneinfluss einschließt. Genau diese Unabhängigkeit sieht Habermas heute in Gefahr.
Wer sich weiter für die Verblödung durch Medien das Thema interessiert, dem seien die Klassiker „Schöne Neue Welt“ von Aldous Huxley, in dem es genau darum geht, und „Wir amüsieren uns zu Tode“ von Neil Postman empfohlen, ein schönes, gutes, hartes Buch über die Folgen des Fernsehens für den demokratisch-politischen Diskurs.
Amazon-Links:
Neil Postman – Wir amüsieren uns zu Tode
Aldous Huxley – Schöne neue Welt





Mal total Offtopic: Wenn ich Schöne neue Welt jetzt zuerst auf meinem Wunschzettel platziere und es dann irgendwann bestellte oder, noch schwieriger, wenn ich es wirklich geschenkt bekomme: Kriegst du deine Gutscheine dann trotzdem?
Keine Ahnung. Auch egal…
René hatt schlechte laune.
Wie kommst’n auf die Idee? ;-)
Aber diese gehaltvollen Kommentare zum Thema. Hach.
…und wer gerade nicht lesen möchte oder’s schon hat, und stilecht, leicht verblödet aber dennoch treffend die Konsequenzen auf dem Bildschirm betrachten möchte, schiebt noch “Idiocracy” hinterher. So als Verdauungskost.
Joa, fand ich aber schwach, den Film…
Mag jetzt ein wenig komisch klingen, aber “Schöne neue Welt” ist auf englisch wesentlich interessanter.
Ich fand das Buch auf Englisch nicht gerade interessant…
nach langer zeit wieder was gutes bei tp. bei mir wird ja im haus heute der digitale kabelanschluss zwangsverlegt, da darf ich dann auf 20 weiteren sendern wiederholungen von unterirdischen serien gucken. immerhin gibts dazu ne internetflatrate (128KB!).
128KB über Kabel… ähm… ;-)
ja, geil oder? ich sach nur isdn mit gekoppelten leitungen. hol mir das gefühl von 1997 zurück. passt gut zu dieser hr1-dämlackkampagne.
1997 hatte ich noch 56k-Modem, ISDN war Firmenschnickschnack ;-)