Die Toten Comic – Stefan Dinter, Christopher Tauber

Near Death Experience

Es gab bisher drei Gelegenheiten, bei denen ich dachte, ich muss sterben. Und weil das jetzt so ein starker Eingangssatz war, soften wir das Ganze ein wenig ab und stellen uns vor, wir w?§ren zw??lf und mitten im Jahr 1986. Die Russen waren noch so richtig b??se und a?üen Kinder und so und Klein-Ren?© war auf einem Volksfest in Darmstadt mit Spa?ühaben zugange, hatte sich grade von den Eltern verabschiedet um selbst auf Streifzug zu gehen durch die Massen, die sich da ihren Weg durch die Stra?üen bahnten.

Booooom!

Es tat einen gar f?ºrchterlichen Schlag, zirka zehn Meter von mir entfernt, die Leute kreischten und rannten, hielten sich die Ohren zu und schnitten ziemlich h?§?üliche Grimassen dazu. Der zw??lfj?§hrige Ren?©, grade frisch von ‚ÄûDie rote Flut‚Äú indoktriniert und ganz auf dritten Weltkrieg getrimmt, stellte sich auf einen Blumenbottich, der da irgendwo rumstand, besah sich das Chaos und sah oben am Himmel ein Flugzeug fliegen. ‚ÄûVerdammt‚Äú, dachte ich, ‚Äûdie Russen kommen‚Äú. Ich malte mir aus, wie ich mich als Partisanen-K?§mpfer in den W?§ldern von Beeren und Wurzeln ern?§hrte, die Schulsch??nheit aus den Klauen fieser Eindringlinge befreien musste und am Ende den Heldentod sterben w?ºrde. Aber nix mit imaginierten Helden, tagsdrauf stand in der Zeitung, dass ein W?ºrstchenstand explodiert war, weil der W?ºrstchenkoch die verkackte Gasleitung nicht so ganz unter Kontrolle hatte.

Das n?§chste Kapitel, ich wei?ü bis heute nicht, was ich gegessen habe. Aber ich schi?ü und kotzte die ganze Nacht das Klo voll. Abwechselnd. Das ging geschlagene 20 Stunden so, kackten und kotzen… die Wohnung stank zum Himmel und wie das aussah, man glaubt es nicht. In den Pausen dazwischen lag ich mit vor dem Bauch zusammengepressten H?§nden auf meinem Bett und dachte, beim n?§chsten Durchgang (sic!) w?ºrde ich meine Innereien ausspeien und in der Tat kam irgendwann nur noch Zeug heraus, das merkw?ºrdigerweise an Eidotter erinnerte. In dieser Nacht kotzte ich mindestens f?ºnfzig mal und schi?ü genauso oft und am Ende stellte sich das ganze als eine ‚Äûharmlose‚Äú Magen-Darm-Grippe heraus. Die dumme Sau.

Die dritte Near Death Experience fand irgendwann letztes Jahr statt. Irgendwann wurde ich kurzatmig, das Luftholen tat mir weh und zwar genau auf einem bestimmten Punkt rechts in der Lunge. ‚ÄûVerdammt‚Äú dachte ich, ‚Äûjetz isser also da: der verkackte Lungenkrebs‚Äú. Wer meine Rauchgewohnheiten kennt, d?ºrfte verstehen. Ich habe 30j?§hrige kennengelernt, die ein Jahr sp?§ter vom Krebs aufgefressen waren, und ich sollte der n?§chste auf seiner Liste sein. Ich konnte nicht mehr schnell gehen, Luftholen bereitete mir Schmerz, nur noch sehr flaches Atmen war angesagt und auf dem H??hepunkt dieses Alptraums lag ich auf dem Bett, bekam keine Luft mehr und dachte: aus, das wars. Tsch?ºss, sch??ne Welt. Ich armer Wicht. Im Gedanken verfasste ich schon meinen Nachruf und mein Testament, ?ºberlegte, wem ich die Zugangsdaten f?ºr mein Blog zukommen lasse, um darin irgendso ein Dings zu hinterlassen und ging schlie?ülich zum Arzt.

Es war ein eingeklemmter Nerv, der auf meine Lunge dr?ºckte und mir deshalb bei jedem Atemholen Schmerzen bereitete. Dieses Arschloch.

Bis heute erfreue ich mich einer, ahem, anst?§ndigen Gesundheit und bin trotz meines Lebenswandels mit zuviel Alkohol und Kippen einigerma?üen agil. Manchmal w?ºnschte ich mir, diese drei Begebenheiten h?§tten mir mehr Respekt vor meinem K??rper beschert.

Prost! Hat jemand ne Kippe?

Bonusdeath

Mir wurden bisher drei von vier Weisheitsz?§hnen gezogen. In zwei Sitzungen. Eine davon vollzog eine Zahn?§rztin, die mir mit viel Gef?ºhl und Einf?ºhlungsverm??gen gleich zwei der tiefverwurzelten Arschl??cher aus dem Kiefer operierte. Mein Kiefer war f?ºr zwei Stunden traumatisiert, ich spuckte ein wenig Blut und dann war es gut. Ohne Folgebeschwerden.

Den dritten zog ein Metzger. Der fuchtelte mit seinen behaarten Armen in meinem Rachen herum und zog mit einer Zange unter gar f?ºrchterlichem Schmerz den dritten verbliebenen Weisen. Danach rannte ich eine geschlagene Woche mit einem geschollenen Kopf herum, der eines Charlie Brown mehr als w?ºrdig w?§re. Und, das geh??rt dazu, spuckte und schluckte Blut ohne Ende, um es dann wieder auszuscheiden. Es verging kein Morgen, ohne einen vern?ºnftigen Morgenstuhl mit dunkelgerinntem Blut und nachts dachte ich, am Blutstrom zu ersticken. Das geronnene Blut verklebte mir den Gaumen. Ich ?ºberlebte den Metzger und die gezogene Weisheit.

Aber einen hab ich noch, einen nicht gezogenen Weisheitszahn. Und ich will nicht wissen, wie der irgendwann den Abgang macht. Ich will es – echt – nicht – wissen. Bei Weisheitsz?§hnen emfpehle ich jedenfalls weibliche Oralchirurgen. Die sind einf?ºhlsamer. Ganz im Ernst.



1 Trackback

  1. bmf-headquarters bier blog

10 Kommentare

  1. Ich behalte meine Weisheitsz?§hne lieber. Wenn man eine hinreichend gro?üe Klappe hat…

    1#Dentaku • 10. Juli 2007 @ 14:48 Uhr • Rate this: Thumb up 0 Thumb down 0 • Reply: Reply to this comment
  2. hoer auf damit. mir ist gerade schlecht geworden ,)

    2#sven • 10. Juli 2007 @ 14:52 Uhr • Rate this: Thumb up 0 Thumb down 0 • Reply: Reply to this comment
  3. @ Dentaku: Irgendwann kriegen sie Dich!

    @ Sven: Da musste jetzt durch, das waren ja auch allesamt keine spa?üigen Angelegenheiten.

    3#Ren?© • 10. Juli 2007 @ 14:56 Uhr • Rate this: Thumb up 0 Thumb down 0 • Reply: Reply to this comment
  4. Das mit dem Kotzen und Scheissen hat mir gefallen, da ich das auch kannte. An einem Tag gings mir genauso … allerdings kam bei mir eine ordentliche Dehydrierung dazu, was nicht ganz ungef?§hrlich war.

    4#micha • 10. Juli 2007 @ 15:44 Uhr • Rate this: Thumb up 0 Thumb down 0 • Reply: Reply to this comment
  5. lol sorry aber “absoften”…

    aber dazu schreibe ich die tage auch noch etwas bei mir.

    und an deine lungengeschichte erinner ich mich noch ganz genau. du warst kaum am rechner etc. was war ich froh, als die entwarnung kam.

    5#Silka • 10. Juli 2007 @ 16:17 Uhr • Rate this: Thumb up 0 Thumb down 0 • Reply: Reply to this comment
  6. Ich habe mir von einem Metzger alle 4 Weisheitsz?§hne in einem Ritt ziehen lassen. In zwei Durchg?§ngen h?§tte ich es nicht gemacht, da ich nach dem ersten mal f?ºr kein Geld der Welt nochmals hingegangen w?§re.

    6#Ronnie • 10. Juli 2007 @ 16:37 Uhr • Rate this: Thumb up 0 Thumb down 0 • Reply: Reply to this comment
  7. Stichwort: Nahtod. Was sich bei mir Ende ’06 als harmlose Erk?§ltung angek?ºndigt und dann zu einem echt derben Husten weiterentwickelt hatte hat mich in ca. eine 2-monatige Bronchitis gest?ºrtzt. Wirklich heftig dabei waren die N?§chte, in denen ich aufgewacht bin, weil ich keine Luft mehr bekommen hatte! Das w?ºnsch ich wirklich niemanden… 2-5 Minuten verzweifeltes Keuchen, W?ºrgen und nach-Luft-Schnappen bis der ganze Rotz aus der Luftr??hre rauskommt. Und solche Anf?§lle hatte ich mehrmals.. ich dachte teilweise echt “Jetzt gehts zuende…gleich kippst du um”. Das w?ºnsch ich echt niemanden. Das Schlimmste ist die Ungwissheit beim Einschlafen. Ersticken geh??rt definitiv zu den fiesesten Sterbearten!

    7#maniacator • 10. Juli 2007 @ 17:02 Uhr • Rate this: Thumb up 0 Thumb down 0 • Reply: Reply to this comment
  8. Weisheitsz?§hne war bei mir ein relativ entspanntes Thema. Die wurden mir schon rausoperiert, als sie noch nichtmal aus dem Zahnfleisch rausgewachsen waren.

    Nagut, so entspannt nun auch wieder nicht.Immerhin musste dazu das Zahnfleich aufgeschnitten werden, dann wurden die Dinger angebohrt, in 3 oder 4 Teile zerteilt und so dann schlie?ülich rausgeholt. Das ekelhafteste war das Ger?§usch, als das Skalpell beim Schneiden auf den Zahn aufging. Da l?§ufts mir heute noch kalt den R?ºcken runter.

    8#Andreas • 10. Juli 2007 @ 17:31 Uhr • Rate this: Thumb up 0 Thumb down 0 • Reply: Reply to this comment
  9. @ Micha: Also, mir hat das nich so gefallen, ehrlich gesagt ;-)

    @ Silka: damals dachte ich echt, ich hab Lungenkrebs, weils auch so genau auf einen Punkt fixiert war… schei?ü Nerv!

    @ Ronnie: H?§tte ich besser auch gemacht, unter Vollnarkose… oder so…

    @ Maniacator: Ouuuuuh! Das klingt in der Tat sehr sehr ?ºbel. Vergleichbar mit dem Moment, als ich vor Nervschmerz nicht mehr atmen konnte… sehr ?ºbel.

    @ Andreas: Ahhh! Nicht an die Ger?§usche erinnern! Nicht an die Ger?§usche erinnern! Argh! Zu sp?§t… Krrrrraaaaaaackkkkkkkkrrrrrkkkrkkk…

    9#Ren?© • 10. Juli 2007 @ 17:50 Uhr • Rate this: Thumb up 0 Thumb down 0 • Reply: Reply to this comment
  10. Zwei auch sehr sch??ne: als Kind (keine Ahnung wie alt) mit geschlossenen Augen in einem Spa?übad tauchen – und direkt unter einem Gummiboot wieder hochwollen. Panik bekommen, und das Gef?ºhl, da nicht rechtzeitig drunter wegschwimmen zu k??nnen. Hat aber geklappt.

    Nummer zwei: mit ich glaube ca. zw??lf in einem Freizeitpark in so eine R??hrenrutsche gestiegen, Kontrolle ?ºber’s Tempo verloren, unten ?ºberschlagen und volle Wucht mit dem Brustkorb auf den Holzrahmen des Sandkastens gedonnert. Ich habe gef?ºhlte zw??lf Minuten keine Luft mehr bekommen, dachte das war’s – und meine Eltern haben die Situation nicht geschnallt, sondern sind seelenruhig den H?ºgel runtergeschlendert. War dann aber zum Gl?ºck nur eine massive Rippenprellung.

    10#diaet • 10. Juli 2007 @ 23:27 Uhr • Rate this: Thumb up 0 Thumb down 0 • Reply: Reply to this comment

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