General Robots

Digg Dug

Früher gab es auf dem Atari 2600 ein Spiel namens Dig Dug. Aber zum Thema, wer nicht unter einem Stein lebt, kennt die Geschichte: Digg ist eine Website, auf der User Artikel posten und „diggen“ können. Je mehr Diggs, desto prominenter das ganze. Dort wurde ein Artikel mit einem (illegalen) Code gepostet, mit dem man eine HD DVD knacken kann. Digg bekommt sowas wie eine Abmahnung, löscht den Artikel und als rauskommt, dass es einen Deal zwischen Digg und einem HD-DVD-Dingsbums gibt, drehen alle durch, posten hunderte Artikel mit dem Code auf Digg, diggen alle Artikel auf die Startseite, die Kuh fliegt und durchbricht dabei die Schallmauer.

Was ich nicht wirklich verstehe, warum alle so ratlos sind? Die Schwarmintelligenz, die sich hier zeigt, hat vor allem einen unumstößlichen Wert, dem sie folgt und dem sie huldigt: die bedingungslose Freiheit der Information. Digg ist letztenendes ein Werkzeug dafür und wie Scaramouch ganz richtig bemerkt:

Realizing that if your product is based on open conversation, trying to control that conversation is a death knell.

Sollte Digg an dieser Geschichte ersticken, nun. P2P ist durch den Untergang des original Napsters auch nicht gestorben. Die Technik ist da, ob nun bei Digg oder woanders. Kevin (der Digg-Erfinder) ist jetzt schon eine Legende und wird, Prozess hin oder her (falls es überhaupt zu einem kommt, ich wäre mir da nicht so sicher), als Gewinner aus der Geschichte hervorgehen. Die Geschichte ist ein Lehrstück für die alten Dinosaurier: ihr könnt Information nicht kontrollieren, es gibt sie bereits als T-Shirt!

Anderes Beispiel: Pandorra läuft außerhalb der USA nicht mehr, ausländische IPs werden gesperrt. Wieviele Tricks gibt es, das auszuhebeln? 2364? Restriktionen und Digitales gehen nicht zusammen, kapiert das endlich. Ihr kriminalisiert nur Millionen von Usern wegen Lizenzen. Das Urheberrecht ist die neue Bastille.

1 Trackback

  1. neunetz.com » 2007 » Mai » 03

14 Kommentare

  1. Das Urheberrecht ist die neue Bastille.
    Word!

    1# - Michael - 03. Mai 2007 @ 11:09 Uhr Reply to this comment
  2. ich w?ºrde mich freuen, wenn nachrichten (zum beispiel) ?ºber politische gefangene in china oder russland ebenso nach oben gesp?ºlt w?ºrden. werden sie aber nicht. und so bleibt, da muss ich johnny zustimmen, der bittere nachgeschmack einer aktion, die in ihrer art bisher einzigartig ist, die aber auch zu teilen darauf fu?üt, dass leute was umsonst mitnehmen wollen.

    eine bedingungslose freiheit der information kann ich hier nur bedingt erkennen.

    2# - nico - 03. Mai 2007 @ 11:21 Uhr Reply to this comment
  3. Es geht nicht um die Aktion an und f?ºr sich, wie ich bei mir ja auch schon geschrieben habe bin ich ein Bef?ºrworter von benutzergenerierten Inhalten. Und Seitenhiebe gegen diverse US-Lobbys sind auch immer gerne gesehen.

    Ich sehe aber das Problem in der Verantwortung: Die User machen eine Revolte, und ein v??llig anderer steht daf?ºr letztlich gerade. Ich bezweifle sehr stark, dass eine ?§hnliche Reaktion gekommen w?§re, wenn man jeden einzelnen Benutzer von Digg eindeutig ausmachen k??nnte, dann w?§re es auf einmal ein Spiel mit eigenem Einsatz. Einer f?ºr alle, alle f?ºr einen – das ist hier nicht gegeben, ich vermute mal dass nur ein Bruchteil der Menschen, die sich so unheimlich chauffiert haben, Kevin Rose bei einem stattfindenden Rechtsstreit unterst?ºtzen w?ºrden.

    3# - Jeriko One - 03. Mai 2007 @ 11:29 Uhr Reply to this comment
  4. Ich glaube einfach nicht an die Mitnahmementalit?§t im Web, speziell bei Kopierschutz und p2p. Ich wette meinen Arsch darauf, wenn die Leute etwas f?ºr diese Strukturen zahlen k??nnten, w?ºrden sie es tun. Verdammt, ich w?ºrde f?ºr einen legalen p2p-Zugang sicherlich bis zu 50 Euro zahlen, vielleicht sogar mehr…

    Mit den News, die die Masse nach oben sp?ºlt, hast Du sicherlich Recht, allein: ich mag dem Massengeschmack selbigen nicht vorwerfen. Auf Titten k??nnen sich am einfach alle einigen, da sehe ich erstmal nix schlimmes dabei.

    4# - Ren?© - 03. Mai 2007 @ 11:31 Uhr Reply to this comment
  5. Okay, ein (vielleicht etwas b??ses) anderes Beispiel: Blogger RW postet unregelm?§?üig Links zu MP3-Dumps, war sich der rechtlichen Lage nicht ganz sicher, hat es aber trotzdem getan, wof?ºr seine Leser ihm auch dankbar waren.

    Dann erh?§lt RW aber eine Abmahnung mit empfindlicher Kostennote, und entfernt die Links nat?ºrlich von seinem Blog, zusammen mit einer Erkl?§rung. Die Leser wollen das jedoch nicht akzeptieren und posten in den Kommentaren zu irgendwelchen Beitr?§gen massenweise Links zu weiteren MP3-Dumps, da sie die ja auch weiter haben wollen, ungeachtet dem Umstand, dass es RW evtl. noch mehr ?Ñrger einbrocken k??nnte.

    Verstehst du worauf ich hinaus will?

    5# - Jeriko One - 03. Mai 2007 @ 11:39 Uhr Reply to this comment
  6. Klar, verstehe ich. In dem Fall h?§tte RW einfach die Comments geschlossen, denn die sind ja nicht sein ‚ÄûGesch?§ftsmodell‚Äú. Bei Digg aber sehr wohl… verstehste? ;-)

    6# - Ren?© - 03. Mai 2007 @ 11:44 Uhr Reply to this comment
  7. @ Jerico

    Ein Blog und Digg sind vollkommen verschieden. Ein Blogger generiert selbst den Content – Digg dagegen st?ºtzt sich vollkommen auf seine User und zieht aus deren “Arbeit” Gewinn.

    Daher ist es auch moralisch v??llig korrekt wenn die User ihre Meinung darstellen. Klar die Revolte war heftig, aber sie hat gewirkt.

    7# - micha - 03. Mai 2007 @ 11:48 Uhr Reply to this comment
  8. …und RW w?ºrde nur noch einsam vor sich hin bloggen und irgendwann in der Versenkung verschwinden… okay lassen wir das ;-)

    Man kann nat?ºrlich nur vermuten, wieviele Leute Digg den R?ºcken gekehrt h?§tten, wenn die Betreiber bei ihrem urspr?ºnglichen Standpunkt geblieben w?§ren. Wenn man sich aber freiwillig auf einen Clinch mit der MPAA einl?§sst, dann muss das Portemonaie ja schon gut gef?ºllt sein, der andere Weg w?§re also auch sicher verkraftbar gewesen.

    Was ist aber z.B. mit der Sache, dass solche Aktionen eben m??glich sind? Der Key, okay, jetzt kennen ihn ein paar Millionen Leute, nur die wenigsten wissen aber etwas damit anzufangen, ist jetzt vielleicht nicht so dramatisch. Aber eben zu wissen, dass es m??glich ist, den Betreibern die Kontrolle zu einem Teil zu entreissen, vielleicht auch bei viel heikleren Dingen, das finde ich ein wenig bedenklich, wenn anderen wissentlich ein unter Umst?§nden erheblicher Schaden zugef?ºgt werden k??nnte.

    8# - Jeriko - 03. Mai 2007 @ 12:00 Uhr Reply to this comment
  9. 1. Ich glaube nicht, dass Digg besonders darunter gelitten h?§tte, wenn sie radikal alles gel??scht h?§tten. Youtube ging auch nicht daran zu Grunde, dass sie MTV-Videos gel??scht haben…

    2. Du meinst gezielte Manipulation durch das “hochdiggen” von zweifelhaften Inhalten? Gar gezielte Falschinformation? Diskreditierung politischer Gegner?

    So ein Fall w?§re in der Tat interessant und ich denke, der w?ºrde den Manipulatoren schneller um die Ohren fliegen als ihnen lieb w?§re. Einer wei?ü immer was und plappert, weil er ein schlechtes Gewissen hat und wenn so eine Geschichte erstmal raus ist, dann steht sie im Raum und w?§re mit Abstand Digg des Tages. Glaub ich nicht, Jeriko. Ich bin da nicht so skeptisch ;-)

    9# - Ren?© - 03. Mai 2007 @ 12:06 Uhr Reply to this comment
  10. Jeriko, klar ist das ganze bedenklich. Aber ich glaube das man die Revolte bei digg, nicht als “Kontrolle entreisen” bezeichnen kann. Ich glaube eher, dass die Digger Einfluss auf die Betreiber genommen haben. Letztlich, hatten Kevin und Co. immer noch das Ruder in der Hand und h?§tten dem ganzen Einhalt gebieten k??nnen – aber sie verzichteten darauf.

    Und wenn es zwischen Digg und dem AACS nun tats?§chlich zu einem Rechtsstreit kommt – naja. Klar, wie’s um die Finanzen von Digg steht ist zweifelhaft. Aber eines w?§re sicher – der Rechtsstreit w?§re sinnlos – der Key ist nunmal drau?üen und dagegen tun kann man auch nichts mehr. Dar?ºber hinaus wurde Digg als Held darstehen und die Industrie sich einen derma?üen b??sen Hammerschlag von Negativ-PR fangen, dass es noch bis in die Urzeit zur?ºckreicht.

    So oder so – Digg w?§re der Gewinner. Und wenn Digg wider erwarten dennoch untergeht – Neue Investoren findet Kevin dann wie Sand am Meer.

    10# - micha - 03. Mai 2007 @ 12:41 Uhr Reply to this comment
  11. ich sehe die sache auch eher so wie jeriko.
    es ist eben kein sturm auf die bastille. es ist eher eine art pl?ºnderungs-mob. also, mal so ganz drastisch gesprochen. wie gesagt: ich finde die reaktion von digg clever. sie hat was von resignation und alle sind still.
    ich finde es aber auch bezeichnend, das das einzige, wor?ºber sich solch ein ansturm auf einen dienst wie digg erz?ºrnen kann, ein code ist, mit dem alle meinen irgendwas umsonst zu bekommen. das ist das einzige was interessiert und hat eben nichts mit informationsfreiheit zu tun, sondern mit: gib her, will haben. daf?ºr wirst du die masse immer kriegen k??nen, insbesondere wenn es so gem?ºtlich anonym ist.

    sollte es mal um etwas gehen: z?§hle lieber nicht auf sie.

    11# - nilz - 03. Mai 2007 @ 12:48 Uhr Reply to this comment
  12. Das Urheberrecht ist die neue Bastille?
    Mag sein. Aber der Sturm hat noch nicht begonnen. Das gestern war eher der Sturm auf den W?ºhltisch. Sobald es etwas gibt das gratis ist st?ºrmen die leute los.
    mit pl?ºnderungsmob hat der nilz schon recht. ich glaube nicht das andere, ernsthafte themen so einen sturm ausl??sen k??nnen.

    12# - Florian - 03. Mai 2007 @ 13:35 Uhr Reply to this comment
  13. “ich finde es aber auch bezeichnend, das das einzige, wor?ºber sich solch ein ansturm auf einen dienst wie digg erz?ºrnen kann, ein code ist, mit dem alle meinen irgendwas umsonst zu bekommen.”

    nilz, es war weitaus mehr als das. Es wurden nicht nur Threads mit dem Key gel??scht, sondern auch Diskussionen in anderen Threads die sich um die Sache drehten. Es wurden sogar Accounts gel??scht.
    Das war Rasenm?§hermethode. Und die ist schlicht mit dem digg-Modell nicht vereinbar.

    Und Micha, “Aber ich glaube das man die Revolte bei digg, nicht als ‚ÄúKontrolle entreisen‚Äù bezeichnen kann.”

    Schau dir mal die Screenshots auf mashable an. Und erz?§hl mir dann, dass die Digg-Macher noch die Kontrolle hatten.

    Man sollte vielleicht auch noch erw?§hnen, dass die digg-user vielleicht die loyalste Gemeinschaft ist, die man im Netz finden kann. Die liesen in der Vergangenheit keine Kritik an digg auf der diggseite selbst zu (kritische Stories wurden schnell ‘geburyt’). Dass es zu so etwas kommen konnte, brauchte es also einiges.

    13# - marcel weiss - 03. Mai 2007 @ 18:31 Uhr Reply to this comment
  14. technisch w?§re es durchaus m??glich auch solche “revolten” zu kontrollieren. ob die digg software vorgestern dazu im stande war ist aber eine andere frage. auf jeden fall sollten sich andere webportale jetzt ernsthaft mit entsprechenden schutzmechanismen ausstatten. f?ºr den fall des falles. den theoretisch k??nnte so eine form der ?ºbernahme auch f?ºr andere sachen als diesen “harmlosen” key, den, wenn man will, eh sofort im internet findet, genutzt werden. ich denke da an pornographisches oder rassistisches material zB.
    so interessant die causa digg auch ist, gef?§hrlich ist sie auch. denn jetzt wei?ü man das es m??glich ist. und es ist sicher nicht nur auf digg m??glich.

    14# - Florian - 04. Mai 2007 @ 08:37 Uhr Reply to this comment

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