Malzahn schreibt:
Die offizielle deutsche Politik, die das Ergebnis der Umfrage heftig beweinen wird, hat den Antiamerikanismus größtenteils verursacht. Jahrelang wurde den Deutschen von ihren Außenministern das Märchen vom “kritischen Dialog” zwischen Europa und Iran erzählt. Es ging etwa so: Wenn wir nett zu den Ajatollahs sind, ein bisschen mit ihnen knuddeln und ab und zu mit dem Finger “DuDuDu” machen, dann hören sie auf, ihre Frauen wegen “unkeuschen Verhaltens” zum Tode zu verurteilen und die Atombombe zu bauen. Irgendwie ging der Plan schief, was man in Washington übrigens lange vorher ahnte. Iran bastelt unverdrossen am nuklearen Programm, der Präsident Mahmud Ahmadinedschad reagiert auf Uno-Beschlüsse mit demonstrativer Ignoranz. Die Uno ist dann böse und verfasst eine Resolution.
Nun. Eigentlich fallen mir noch ein paar andere Gründe ein, die den Anti-Amerikanismus verursacht haben k??nnten und die so erstmal gar nix mit der deutschen Regierung zu tun haben. Und wer ignoriert die UNO? Der Iran?
Weiter schreibt er:
Die Amerikaner sind uns Deutschen entweder zu fett oder zu sportbesessen, zu prüde oder zu pornografisch, zu religiös oder zu nihilistisch. Die Amis sind in der Geschichte entweder zu isolationistisch oder zu imperialistisch aufgetreten, sie überfallen einfach fremde Länder (was wir natürlich nie tun würden) – und hauen dann einfach wieder ab, wie in Vietnam und demnächst im Irak. Besonders schlimm: Die Amerikaner haben 1945 den Krieg gewonnen.
Ich war zweimal in Amerika und kenne Menschen, die in Amerika gelebt haben. Das sind ganz normale Menschen, sehr freundlich und ziemlich begeisterungsfähig. Aber klar, es gibt auch die prüden, pornobesessenen, religiösen und nihilistischen. Die gibt es übrigens auch bei uns. Und besonders schlimm: Anti-Amerikanismus heißt heutzutage ja nicht, gegen die Menschen da drüben zu sein, sondern gegen ihre Regierung. Aber gegen das Ultra-konservativ-kuscheln der Bush-Regierung, gegen das Klimawandel-Leugnen und die fundamentalistischen Religions-Eiferer, die keine Skrupel haben, ihre Kinder zu indoktrinieren als Krieger im Namen Gottes und des Präsidenten, gegen all diesen Mumpitz darf man aber schon noch etwas haben, ohne von einem Malzahn in die Nazi-Ecke gedrängt zu werden, oder? Denn genau das sagt der Satz “Besonders schlimm: Die Amerikaner haben 1945 den Krieg gewonnen.” Und da werde ich ganz schnell zum Anti-Malzahner, wenn mir einer sowas nachsagt.
Dannach ergeht er sich in Plattheiten und pragmatischem Dogmatismus und meint:
Antiamerikanismus ist das Wundermittel der deutschen Politik. Wenn Dir keiner mehr was glaubt – hau einfach auf die Amis drauf, dann fährst Du in den Beliebtheitsumfragen nach oben wie im Turbolift.
Und meint damit Schröder, den ich zwar nicht wirklich mochte, der aber immerhin in Sachen Krieg einfach mal “Nein!” gesagt hat. Malzahn hat also damit ein Problem, wenn einer “Nein!” zu Krieg sagt. Und deshalb habe ich ein Problem mit diesem hahnebüchenen Unsinn von einem Artikel, der sich in Fremdenfeindlichkeit ergeht und zeitgleich Fremdenfeindlichkeit anprangert. Malzahn greift Gerüchte und Denkblasen der amerikanischen Regierung auf und verkauft sie als Fakten. Wie sehr wir den Fakten aus dem weißen Haus allerdings glauben dürfen, zeigten uns die Tonnen von Massenvernichtungswaffen, die man im Irak fand.
Antiamerikanismus ist prima bigott.
schreibt Malzahn. Hätte er mal lieber vor der eigenen Haustür gefegt.
[nachtrag] Die Thüringer Blogzentrale beschreibt einen Punkt, der offensichtlich ist, den ich aber schlicht vergessen habe:
Der Spiegel und sein Onlineableger mutieren zum Zentralorgan für Volksaufklärung und Propaganda. Die Tonart des Spiegel-Leitartikels und das zugeh??rige Titelblatt von dieser Woche haben erhebliches demagogisches Potential, das taz-blog titelte folgerichtig: “Die neuen NPD-Plakate sind da”, und so wie die angeblich “schleichende Islamisierung” in Deutschland angeprangert und wie Henryk M. Broder als Kronzeuge für diese aufgewärmten Überfremdungsmärchen und Terrorbedrohungssagen herangezogen wird, ist eine unerträglich groteske Inszenierung, die sich zusammen mit dem gestrigen Spiegel Online-Kommentar von Claus Christian Malzahn, und mit den aktuellen diplomatischen Komplikationen, wegen mutmaßlicher Grenzverletzungen britischer Soldaten, zu dem (verschw??rungstheoretischen) Bild verdichtet, dass wir auf einen Krieg gegen den Iran eingestimmt werden sollen.
Und bringen dazu den brillanten Volker Pispers:





hatte der einen unterm pony als er das schrieb?? is mir schlecht.
wann checken die’s mal, dass diese ganze pauschalisierung uns killt. dann w?§ren n?§mlich auch alle deutschen nazis.
wollte gerade selbst was zu dem “kommentar” vom mahlzahn schreiben, aber du hast das eindeutig besser auseinandergepl?ºckt… verdammt :-)
der mahlzahn verzapft doch ??fter so einen quark aus als tatsachen verkauften ansichten – so wie der broder eben auch.
nach den letzten 3-4 jahren kann man das sogar als tendenz beim spiegel beobachten. leider.
hm, da scheint der mahlzahn ja einmal etwas vern?ºnftiges verzapft zu haben.
ein paar anmerkungen:
- die deutsche politik brauchte den anti-amerikanismus nicht zu verursacghen. der war schon vorher ausreichend vorhanden.
- wer viel macht, macht fehler. die us-politik hat viel positives f?ºr die weltgemeinschaft getan, aber leider auch negatives. darin unterscheidet sie sich von nahezu keinem land dieser welt, das “weltpolitisch” agiert. wer der us-politik immer nur die fehler vorzuh?§lt, ist meiner meinung nach auf einem auge blind.
- die us-politik ignoriert die uno keinesfalls. das sie diesem gebilde skeptisch/kritisch gegen?ºber steht, d?ºrfte unter anderem an deren tendenziell antisemitischer resp. anti-amerikanischer ausrichtung liegen.
- es gibt vermutlich kein land, in welchem die meinungsfreiheit einen so hohen stellenwert inne hat, wie in den usa. deswegen wird sich dort vermutlich auch niemand sehr ?ºber anti-amerikanismus aufregen, da so etwas eben auch zu demokratie geh??rt, ob es einem gef?§llt oder nicht. anti-amerikanismus bedeutet aber ?ºbrigens sehr wohl, pauschal etwas gegen “die amis” zu sagen und nicht etwa, die us-(au?üen/innen)politik zu kritisieren. der grat ist hier allerdings zugegebenerma?üen schmal.
- zu suggerieren, schr??der und gesinnungsgenossen seien ?ºberzeugte kriegsgegner gewesen, ist meiner meinung nach irref?ºhrend. er war wohl eher aus innenpolitischen gr?ºnden gegen den dritten golfkrieg, nicht aus ?ºberzeugung. an anderer stelle hat er ja auch krieg gef?ºhrt, die nachfolgeregierung tut das auch.
Vielleicht hatte er ja einen CIA-Agenten zur Seite, der ihm mit Pistole zum Schreiben bezwungen hat, bevor er wieder verschwand. Hoffen wir es mal, denn sollte er das alles freiwillig geschrieben haben, w?§re das in meinen Augen bedauerlicher.
richtig.
wer foltert, soll sich nicht beschweren, dass man ihn nicht mag.
mein gott was regst du dich auf den politik, meinungs- und wirtschaftsteil des spiegels kann man oft einfach nicht ernst nehmen.
der spiegel entwickelt sich seit jahren in einem dialektischen proze?ü zum widerpart des focus.
der focus ist ja bekanntlich der spiegel f?ºr bildzeitungsleser, w?§hrend der spiegel die bildzeitung f?ºr akademiker, oder solche die es gerne w?§ren ist.
So… ich war nach seinem Kommentar erst mal sprachlos. Meine Meinung dazu auf http://www.blogoversum.wordpress.com
Eine weitere langweilige Polemik, die provozieren soll und bestenfalls (aus SPON-Sicht) eine Flut von Leserbriefen ausl??st. Wenns klappt werden morgen ein paar davon ver??ffentlicht, dazu ein paar Kommentare aus dem Forum und ?ºbermorgen schreibt ein anderer Spiegelheini einen komplett gegens?§tzlichen Kommentar. Das ist soooooo langweilig. Das einzige was mich interessieren w?ºrde ist, was Malzahn privat zum Thema denkt.
Was will Malzahn? Ich find den pauschalen Antiamerikanismus auch nicht toll. Und den gibt es ‚Äì durchaus. Nat?ºrlich ist Kritik an der US-Regierung kein Antiamerikanismus. Sowieso nie. Aber ehrlichgesagt beschr?§nkt sich bei sehr vielen diese Kritik nicht darauf sondern schl?§gt in offene, agressive Fremdenfeindlichkeit um.
Aber motzen bringt da doch nichts. Erkl?§ren hilft. Ich finde es ganz toll was USA erkl?§rt da leistet. Kein einpr?ºgeln, sondern einfaches erkl?§ren. Das, und nur das, hilft gegen Antiamerikanismus.
Dieses Blog k??nnte zu dem Thema auch interessieren:
http://medienkritik.typepad.com/blog/2007/03/spiegel_online__3.html
Hier findet ihr einen gro?üen Bef?ºrworter Malzahns, der aber der Meinung ist, dieser gehe nicht weit genug. Lest selbst.
Ach Medienkritik. S?º?ü. Alles unter ‚ÄûDie USA sin‚Äô voll doll!!!‚Äú ist da Antiamerikanisch. Gespensterj?§ger.