General Robots

Viel zu brav seid Ihr mit Bayer… viel zu umgänglich.

Es ist ja auch gar nicht Bayers Aktion alleine, sondern die Gemeinsamkeiten mit Google, die von einen Anwaltsfurz dermaßen beeindruckt sind, dass sie Blogeinträge zensieren, was mich in Wallung bringt. Für wirksame Zensur im Web braucht man heute keinen Gerichtsbeschluß mehr, es genügt das Corporate Muskelspiel und die Löschsklaven kuschen. Da werden Artikel aus den Suchergebnissen entfernt oder gleich ganze Websites gesperrt, mit anderen Worten: Rechtsabteilungen versuchen, Meinungen im Internet zu unterdrücken und sie haben ganz ohne rechtliche Grundlagen Erfolg damit. Dass die Protest-Website von Greenpeace mittlerweile wieder online ist, ist unerheblich, denn das Kind ersäuft schon lange im Brunnen.

Ich frage mich, wie man solche Dinge veranlassen kann und gleichzeitig von gesellschaftlicher Verantwortung von Unternehmen faseln kann? Alles hohles Phrasengedresche. Und ich behaupte auch, die Verantwortlichen wissen ganz genau, was sie tun. Denn die Sperrung einer Protest-Website verringert nicht nur den einprasselnden E-Mail-Regen („Alles weinerliches Gewäsch“), sondern verhindert eben auch Protest, denn der ist ja mal wirklich lästig. Das wäre genauso, als kämen die Banker der Deutschen Bank bei einer Demo gegen Stellenabbau aus ihrem Hochhaus gerannt und prügelten die Demonstranten nach Hause. Wozu einen Rechtsstaat? Wir haben die Kohle, der Staat gehört uns. Ihr gehört uns, also spurt, tragt mehr Schlipse, seid produktiv. Sei wirtschaftlich!

Wie kann man solche Entscheidungen treffen und nicht auf den Gedanken kommen, man wäre lediglich ein verdammter Sturmtruppler der Schergen von Darth Vader? Ich sage: die wissen ganz genau, was sie tun. Die Front zwischen Gut und Böse, zwischen Meinungsfreiheit und Unterdrückung verläuft heute nicht länger zwischen Arm und Reich oder Kapital und Proletariat oder gar Nationalstaaten. Die Front verläuft genau zwischen Macht und Masse. Da drüben, bei den Corporate Wichsern, sitzen die Herren und Damen, verfassen blumige Reden auf soziale Verantwortung und planen als Folge davon, wie sie am besten die „richtige“ Meinung in die Gehirne der Menschen pflanzen können. „Unrichtige“ Meinungen stören da nur und gehören abgeschaltet. Willkommen in der Matrix. Macht bedeutet hier nicht Größe, sondern Säbelrasseln. Buh, ich bin wichtig, also habe ich Recht. Leider fügen sich Google und Provider nur allzu leicht.

Auf der anderen Seite haben wir die Masse, die plappert immer lauter und kackt den Unternehmen vor die Tür, wie es ihr passt. Das ist natürlich unangenehm, das hat keiner gerne, das stinkt und sieht unschön aus. Also weg damit.

Ist eigentlich schon jemand auf die Idee gekommen, eine Kapitalgesellschaft, die vor dem Gesetz „juristische Person“ genannt wird, auch als solche zu behandeln? Als Person? Ja, auf die Idee sind schon welche gekommen, und zwar die kanadischen Filmemacher Mark Achbar und Jennifer Abbott, die den Dokumentar-Film „The Corporation“ gedreht haben und darin aufzeigen, dass ein Unternehmen, gemessen an menschlichen Maßstäben, ein psychotischer Soziopath wäre. Da kann man noch so sehr in Corporate Socialism machen, der Fehler ist systemimmanent.

Gute Aussichten? Gute Aussichten!

Ihr wollt uns doch nur das Maul verbieten, weil Ihr wisst, dass wir Recht haben, weil Ihr wisst, dass Ihr Scheiße gebaut habt. Euch geht der Arsch auf Grundeis und am besten wäre es doch, es würde endlich ein Corporate Messias daherkommen und das Internet einfach abschalten: „Weg damit, die Menschen reden zuviel!“ Wisst Ihr was? Ihr seid rückständige Arschlöcher die mit totalitären Methoden versuchen, das freie Wort zu unterdrücken. Aber Ihr habt verloren, denn wir gehen nicht mehr weg.

Wir sind gekommen, um zu bleiben.
Also habt einfach die Eier und steht zu der Scheiße, die Ihr verzapft.

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15 Kommentare

  1. Ich denke da eher an sitzen, als an stehen.

    1# - Marcel - 02. November 2006 @ 23:42 Uhr Reply to this comment
  2. Macht und Masse. Hm..

    Es ist die alte Leier: Die größte Macht, die einzig wahre Stimme, mit der man wirklich wählen kann, liegt im Geldbeutel. Und da liegt die ungeheure Macht der Masse, wenn da nur nicht ihre Trägheit wäre….

    2# - .markus - 02. November 2006 @ 23:55 Uhr Reply to this comment
  3. Klar, aber in dieser Masse gibt es diese unheimlich agile Minderheit, die heutzutage ganz unverschämt Sachen ins Netz schreibt, ganz so, wie es Unternehmen nicht passt. Gut so.

    3# - René - 03. November 2006 @ 00:00 Uhr Reply to this comment
  4. Right.
    Das schöne in diesem Fall ist, dass der Protest über die “üblichen Verdächtigen” (Greenpeace etc.) hinaus geht.
    Es gibt so viele Umwelt-Skandale, die im Medienrauschen untergehen, da tut es gut, wenn eine breitere mediale Front den Leuten von Bayer die Scheisse immer und immer wieder unter die Nase reibt.

    4# - .markus - 03. November 2006 @ 00:06 Uhr Reply to this comment
  5. Genau. Hast Du Deine Protest-Mail schon abgeschickt?

    5# - René - 03. November 2006 @ 00:13 Uhr Reply to this comment
  6. Danke für den Hinweis. Protestmail ist raus und Artikel auch. Zum Kotzen, so ein Verhalten, zum Kotzen!

    6# - Hokey - 03. November 2006 @ 09:24 Uhr Reply to this comment
  7. ProtestMail ist draußen, an der Briefbombe bastel ich noch ;-)

    7# - .markus - 03. November 2006 @ 09:51 Uhr Reply to this comment
  8. Wir sind schon lange über den Punkt hinaus, an dem wir sagen können, dass “sie wissen, dass wir wissen, dass sie Scheiße sind”. Oder um es anders auszudrücken: Es ist so, als würde Hitler auf der Straße marschieren und jedem erzählen er setze sich für Juden ein.

    Warum tritt also kaum jemand Hitler in den Arsch?
    Ganz einfach: Weil die Mehrheit bequem ist. Es funktioniert doch irgendwie! Ich habe mein Auto, meinen Kindern geht es einigermaßen gut und wenn mir dann doch irgendwas nicht passt, rege ich mich aber mal so richtig dolle auf! So, in meinen vier Wänden.

    Es funktioniert so nicht. Schon tausende vor uns haben versucht, etwas zu bewegen, aber die Masse war träger als ihr Bewegungsdrang. Und genau das nutzt der Anzugträger aus. Er weiß wie bequem die Masse ist und löst sich ein Stück darauf, kostet es ihm keine Mühe es entweder aufzulösen oder in die Masse zurückzudrängen.

    Und das frustriert. Das ist der Grund warum immer weniger Menschen immer weniger unternehmen. Oder um es mit den Worten der inkompetenten Gerichtstussi zu sagen, die mich letztens auf die Palme brachte: “Nein, man kann es eben nicht ändern. Finden Sie sich damit ab.”

    Also, was tun?
    Findet euch damit ab, dass ihr wohlmöglich nichts ändern könnt. Aber das macht nichts. Denn wer eines Tages auf seinem Sterbebett liegt und nur für sich allein feststellt, dass er sich treu geblieben ist und er soviel getan hat, wie in seiner Möglichkeit stand, ohne dass er (oder jemand anderes) Schaden davon getragen hat (manchen ist selbst das egal), der kann sich glücklich schätzen!

    Und selbst wenn dieser Mensch nur ein einziges Mal aufgestanden ist, um seine Stimme zu erheben, um daraufhin für immer zu schweigen, hat dieser Mensch mehr geleistet, als die große breite Masse.

    8# - Malcolm - 03. November 2006 @ 09:52 Uhr Reply to this comment
  9. So und könnte mir jemand bitte mal eine Tüte rollen? Ich rege mich gerade wieder fürchterlich auf!

    9# - Malcolm - 03. November 2006 @ 09:54 Uhr Reply to this comment
  10. Ja, gerne, Mal. Hier, zieh.

    Und zu allem Überfluss ziehen diese Wixer, ohne die es vermutlich in einer besseren Zeit meine Heimatstadt in dieser Form nicht gegeben hätte, meinen Familiennamen in den Dreck.

    PS: in Corporate Social-Scheisse machen ist auch nur Teil des Problems, an dem dann aber auch “die Politik” wieder massiv beteiligt ist. Welche träge Masse würde diesen Quatsch denn toll finden, wenn die damit nicht nur Aufgaben übernehmen würden, die eigentlich der Staat/die Kommune zu übernehmen hätte?

    Fuck, ich bau direkt noch einen, OK?

    10# - diaet - 03. November 2006 @ 11:09 Uhr Reply to this comment
  11. wow.

    11# - MC Winkel - 03. November 2006 @ 16:12 Uhr Reply to this comment
  12. musste auch mal wieder sein, MC… is schon viel zu lange her… bin grade wieder in so stimmung ;-)

    12# - René - 03. November 2006 @ 16:18 Uhr Reply to this comment
  13. Hat/te Bayer nicht auch eine feine Coltan-Mine im Kongo?

    13# - baseface - 03. November 2006 @ 22:33 Uhr Reply to this comment
  14. Coordination gegen BAYER-Gefahren:

    http://www.cbgnetwork.org

    14# - .markus - 03. November 2006 @ 23:19 Uhr Reply to this comment
  15. Jepp!

    15# - pantoffelpunk - 15. November 2006 @ 16:51 Uhr Reply to this comment

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