General Robots

Die Wahrheit braucht immer einen Mutigen, der sie ausspricht…

Oder: Warum ich bei der Bild-Veralberei nicht mitmache und auch nicht darauf verlinke.

Ich persönlich entferne jegliche Anzeichen übergroßer und verzerrter „Zeitungs“-Typographie sofort aus dem in meinem Zugriff liegenden Umfeld. Ich halte dieses „Blatt“, das es nicht einmal wert ist, diese herabwürdigende Bezeichnung für eine Zeitung zu tragen, für ein hochgefährliches Instrument anzugtragender Konservativer und, entgegen der Lettern im Logo, die Bild-Zeitung eben nicht für überparteilich (sondern für Partei-Linientreu) oder unabhängig (sondern für Lobbyistenabhängig).

Deshalb lese ich auch nicht das Bildblog. Ich mag mich nicht mit der verlogenen, verbogenen, gequirrlten Scheiße, die dieses Blatt in das Bewusstsein der deutschen Gesellschaft jeden Tag absondert, beschäftigen, auch nicht mit den Gegendarstellungen unabhängiger Berichterstatter. Dafür ist mir meine Zeit, kurz gesagt, zu schade.

Die Bild-Zeitung ist meiner Meinung nach, und das wissen wir seit Günter Wallraff, ein wahrheitsverdrehendes, alleine auf persönliche Diffamierung abzielendes Drecksblatt, das sogar über Leichen geht. Millionenfach unters Volk gebracht um die Massen zu lenken und die öffentliche Meinung nicht zu füttern, sondern zu beeinflussen, „bildet“ diese Publikation keine, sondern macht Meinung. Und das tut sie im Sinne der MACHT.

Die Bildzeitung ist seit Wallraffs „Der Aufmacher“ entlarvt und die anhaltend starke Auflage dieses Blattes können vielleicht Soziologen oder Psychologen noch erklären, der gesunde Menschenverstand kann es nicht.

Wenn ein solches „Revolverblatt“ nun also hergeht und eine dämliche Kampagne startet, die nur darauf abziehlt, Hohn und Spott in der Hohn-und-Spott-freudigen Internetgemeinde hervorzurufen, dann ist die allerbeste Reaktion darauf ein einfaches Schweigen, oder ein witzloser Verriß wie dieser hier. Doch dieser Verriß gilt nicht der Kampagne an sich, sondern den Bloggern, die sich aus Jux und gutem Glauben an die Aktion hängen.

Denn: eine Zeitung wie die Bild lebt von ihrem kontrovers diskutierten Ansehen, von ihrer „Kaltschnäuzigkeit“ und der immer wieder gedruckten „Provokation“. Und das Ansehen ist es eben, was ich diesem Schmierblatt abstreite. Denn mit Kaltschnäuzigkeit oder Provokation hat die Berichterstattung der Bild nichts zu tun. Die Berichterstattung der Bildzeitung hat etwas zu tun mit Fokusverschiebung und bewusster Täuschung.

Die Freundin vom Bruder meines Freundes, der Schwester meiner besten Freundin hat es von nem Typen gehört, der den kennt, der mit dem Mädchen geht, das gesehen hat, dass Ferris gestern Abend in der Eisdiele ohnmächtig wurde die Bild-Zeitungsreporter vor einer hochbrisanten Nahost-Konferenz dazu angehalten wurden, darauf zu achten, „ob X schwitze, seine Frau dabei habe oder nicht oder wieviele Bodyguards dabei waren“. Sprich: Die Fakten holen wir uns von der DPA, den Rest ergänzen wir mit Achselschweiß.

Gehört eine solche Zeitung zu meinem Bildungshorizont? Nein. Mit Sicherheit nicht.

Genau deshalb blende ich dieses Schmierblatt aus meiner Welt und versuche, es niemals nie in meinem Leben in Erscheinung treten zu lassen. Die völlige Ignoranz gegenüber dieser „Zeitung“ ist meiner Meinung nach das einzige Mittel, den Methoden des dort ansässigen Berufsethos beizukommen. Denn mit dem Berufsbild des Journalisten, sowenig ich davon weiß, hat das stinkende Vorgehen in den „Redaktionen“ der Bild nichts zu tun.

Deshalb verlinke ich die „lustigen“ Bildchen der Blogger nicht, deshalb weise ich nicht auf die ansonsten sehr intelligent schreibenden Menschen hin. Deshalb lese ich weder die Bild noch das Bildblog.

Bei der Bild-Zeitung kenne ich keinen Spaß.

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11 Kommentare

  1. Zeitung sage ich auch nie dazu, nur “Fischeinwickelblatt” (Wobei mir die toten Fische leid tun. Dennn niemand verdient ein so mieses Schicksal, in so einem Schund seine letzte Ruhe zu finden…)

    ?úbrigens wird das Blatt nicht als Zeitung, sondern als Unterhaltungs-Boulevardblatt gehandelt. Dumm nur, dass die Deutschen so dumm sind und den Schei?ü lesen – und glauben. Schlimm auch, dass Politiker so eine Angst vor dem Revolverblatt haben und nichts dagegen machen – oder zumindest jeglichen Geschichtchen darin gelassen gegen?ºber stehen. Was aber nicht geht – siehe oben: Millionen dumme Schafe, die das gebotene Fressen schlucken, egal, ob es eine faule Frucht ist.

    1# - Nils - 12. August 2006 @ 00:07 Uhr Reply to this comment
  2. sch??n gesagt, w?ºrd ich sofort unterschreiben. den bildblog lese ich mittlerweile auch nicht mehr im endeffekt l?§uft’s ja eh imemr aufs selbe hinaus aber es ist immer wieder sch??n leute davor zu setzen die’s nicht so richtig wahr haben wollen…

    2# - herm - 12. August 2006 @ 01:49 Uhr Reply to this comment
  3. /me wirft ein ‘Ack’ als Kommentar hinzu.
    Obwohl ich zu denen geh??ren die hin und wieder aus Langeweile auf das Bildblog zur?ºckgreifen… naja, daf?ºr mach ich nichts f?ºr Tokio Hotel *diss*

    3# - Filzo - 12. August 2006 @ 03:00 Uhr Reply to this comment
  4. bist nicht alleine, alter!

    4# - hcl - 12. August 2006 @ 08:22 Uhr Reply to this comment
  5. oha! sowas mag ich: mediendresche allein aufgrund von kenntnissen, die zugegebenerma?üen NICHT auf der bewussten analyse des mediums selber, sondern haupts?§chlich auf der einsch?§tzung eines einzelnen autors in einem buch, dass ?ºber 20 jahre alt ist, beruhen.
    bild macht unbestritten meinung in dieser republik und sie nutzt dabei alle m??glichkeiten, die boulevard-journalismus heute bietet. dahinter konservative parteilinientreue und lobbyistenh??rigkeit zu vermuten, ist schlicht paranoid oder nur platte provokation.
    dahinter steckt nur eines: profit! denn die bildzeitung ist wirtschaftlich gesehen der gl?ºcksfall des verlages springer. und weil diese krude mischung aus dreiworts?§tzen, stammtischkompatibler schreibe, nackten ludern und einem zugegegebenerma?üen eindrucksvollen sportteil sich so derma?üen gut verkauft, wird es so gemacht. und nicht weil merkel oder westerwelle mal eben herrn diekmann zum tee einladen. es ist wie mit dem gammelfleisch: am ende entscheidet der verbraucher an der kasse!
    und nun zum eigenlichen einwand: ist ist daher geboten, gammelfleisch – auch journalistisches – aufzusp?ºren und es allen zu sagen, damit sie sich ?ºberhaupt entscheiden k??nnen. und gerade daf?ºr muss es eine konsquente, aktuelle inhaltliche auseinandersetzung um journalistisches gammelfleisch geben. ignorieren und wallraff zitieren reicht da leider nicht aus…

    5# - m! - 12. August 2006 @ 12:54 Uhr Reply to this comment
  6. Ich finde den Bildblog auch ?ºberfl?ºssig ‚Äì ich brauche keine Beweise mehr, dass nur schei?ü drin steht. Aber trotzdem finde ich es sinnvoll Bild-Leser aufzukl?§ren. Aber wie? Mit dem Bildblog nicht. Den liest kein Bild-Leser…

    6# - Mitch - 12. August 2006 @ 12:54 Uhr Reply to this comment
  7. @ m!:

    Solange im Hause Springer – und nicht nur dort – der Profit ?ºber Wahrheit und Menschen gestellt wird, ist und bleibt die Bildzeitung ein widerliches Gew?§sch.

    Und der Verbraucher entscheidet, ha! Der Verbraucher frisst, was ihm vorgesetzt wird. Gib ihm Schei?üe, und er wird sie fressen. Der Anspruch liegt hier in den H?§nden der Macher. W?ºrden die Herren in den Redaktionen der Bild eine grundlegende Ethik verfolgen, so w?ºrden die Verbraucher auch das fressen.

    Es geht mir nicht um die Titten auf Seite 1, es geht mir darum, dass 5 Millionen Arbeitslose vor der Wahl jeden Tag in fetten Lettern vom Titel prangten, und nach der Wahl in der Versenkung verschwanden. Ist das paranoid?

    Ich habe ja auch nicht das Bildblog kritisiert. Es spielt in meiner Medienrezeption lediglich keine Rolle, genau wie die Bild.

    Ich kritisiere die Blogger, die ungewollt der Bild-Kampagne in die H?§nde spielen.

    7# - Ren?© - 12. August 2006 @ 13:27 Uhr Reply to this comment
  8. aber es ist doch auch so, dass die hiesige medienbranche auch passagen von bild uebernimmt (selbst die tagesschau, deren online-redakteur mir auf meine frage nach dem “warum” antwortete, dass viele reporter einfach zuerst zur “bild” laufen und sich dort anbiedern, und zumindest recherchieren die dann nochmal nach und nennen fairerweise die quelle – “wie die bild-zeitung berichtet…”) und sich so ein spin entwickelt, gegen den stille-post-spielen ein dreck ist…
    wenn ich von freunden, bekannten, verwandten… mit den worten “hast du schon gehoert…in den nachrichten hamse jesacht, das…”, dann hatte ich schon einige male das erlebnis sagen zu koennen, “yupp, hab ick jelesen, stammt urspruenglich von der “bild” und ist in diesem zusammenhang falsch!”
    ausserdem kostet ein blick auf die titelzeilen im feedreader auch nich so viel zeit, als dass ich sagen wurde, ich lese kein bildblog mehr.

    aber nunja, nen freund von mir aus sachsen meinte auch mal, er lese kein bildblog, da er sich nich mit der bild ausseinander setzen muss, er lese dafuer das npd-blog…

    8# - zimt - 12. August 2006 @ 14:55 Uhr Reply to this comment
  9. Recht so, Rene. Zudem ist die “lustige” Veralberung der Kampagne ja alles andere als zwerchfellreizend.

    9# - St. Burnster - 12. August 2006 @ 16:53 Uhr Reply to this comment
  10. Ich bezweifle, dass Ignoranz das richtige Mittel ist. Wenn die Guten wegschauen, gewinnen bekanntlichen die B??sen.

    Wie auch immer, zwei Dinge vielleicht:

    Ich glaube nicht, dass die Bild ein “Instrument anzugtragender Konservativer” ist, darauf aus, deren “Macht” zu sichern. Der Bild geht es allein um ihre Auflage, f?ºr deren Sicherung ein gewisses Machtpotential unerl?§?ülich ist.

    Politische Allianzen sind bestenfalls tempor?§r und werden am Wert f?ºr das Blatt gemessen, nicht an Ideologien.

    Mag sein, dass “anzugtragende Konservative” eher zu einer dauerhaften Zusammenarbeit mit der Bild bereit sind (Wobei, Schr??der: “Bild, Bams und Glotze – mehr brauche er nicht, um zu regieren” – Anzug ja, aber nicht klassisch konservativ), aber das ist ja nicht dasselbe.

    Und nat?ºrlich spielt die Bild (in letzter Zeit verst?§rkt, erinnerst du dich noch an die “Bild muss weg”-Kampagne Ende 2005: http://blog.handelsblatt.de/indiskretion/eintrag.php?id=439?) mit ihrem Image, und versucht so Kritikern in bestem Guerillastyle ihre diskursiven Grundlage streitig zu machen (Alleinstellungsmerkmal weg -> Machtverlust. Taschenspielertrick der neureren Kapitalismustheorie: Was uns nicht t??tet, macht uns stark).

    Auf der andere Seite wirkt sich der Versuch die Bild durch feindliche ?úbernahmen eigener Kampagnen (vgl. “Du bist Deutschland) zu dekonstruieren, nat?ºrlich auch wieder stabilisierend auf das (weitegehend geschlossene) System und den Zusammenhalt der Kritiker aus.

    Letztendlich versuchen halt beide Seiten die Wechselw?§hler am Kiosk auf ihre Seite zu ziehen. Ein Nullsummenspiel, bei dem die Bild mit den neuen Kampagnen wohl durchaus punkten kann, weil sie ihre Klientel st?§rkt (”Ihr seid schlau und wisst wie der Hase l?§uft” – Macht Bush ja genau so.) und nicht beschimpft (wie es die Kritiker tun).

    10# - jo - 13. August 2006 @ 20:07 Uhr Reply to this comment
  11. Es geht doch gar nicht um Wahrheit oder nicht, sondern schon l?§ngst um Meinungsbildung. Wenn man m??chte dass jemand Angst hat berichtet man ?ºber m??gliche Kofferbomben. Und dazu benutzt man die Bild, Spiegel etc.

    Nicht umsonst sind Mathias D??pfner (Springer) und Herbert Burda gerngesehene G?§ste bei der Bilderberg Konferenz.

    11# - Harald - 15. August 2006 @ 12:47 Uhr Reply to this comment