Homo Digitalis: Virtuelle Kicks und Upgrades fürs Gehirn (Werbung)

In ihrer neuen 7teiligen Webserie Homo Digitalis stellt der Bayerische Rundfunk die Frage nach der Zukunft des Menschen und zeichnet ausgehend von State-of-the-Art-Tech und Science das Bild einer Spezies, die immer mehr mit Maschinen verschmilzt.

Virtual Reality – Der virtuelle Kick

Die dritte Episode schickt uns in die Virtuelle Realität, die angeblich schon bald unser Leben übernehmen soll. Sowohl Moderatorin Helen Faris als auch ich sind skeptisch. Die derzeitigen Brillen sind noch zu klobig, ein Problem das auch durch die Wireless-Brillen nächstes Jahr nicht gelöst wird. Die Auflösung ist noch zu schlecht. Es reicht zwar bereits jetzt, um sich in einer virtuellen Realität zu verlieren, die Kosten des Effekts aber sind noch viel zu teuer, so dass sich überzeugende VR noch nur für Events und ein paar professionelle Umgebungen eignet und es stellt sich die Frage, ab welcher Schrumpfung sich VR durchsetzen könnte. Die sich anbietenden Lösungen sind herkömmliche Brillen und Kontaktlinsen.

Auf letztere geht die Folge ein und behauptet, die Technologie würde kommen. Samsung hatte tatsächlich vor Jahren bereits ein Patent angemeldet und es gibt selbstverständlich immer nette Clickbait-Artikel und angeblich kommende Kontaktlinsen-Interfaces, allein: I’m not buying it. Mir ist völlig unklar, wie die Lichtreize aus einer Kontaktlinsen-Quelle so gebrochen werden könnten, um sie auf der Netzhaut scharf zu stellen.

Zukünftige VR-Brillen wiederum können auf zwei Weisen funktionieren: Als Screen (also „nur“ eine Schrumpfung des derzeitigen VR-Prinzips) – oder als Projektor, der das Interface direkt auf die Netzhaut projiziert. Beides ist für einen wirklich alltäglichen Einsatz immer noch zu aufmerksamkeits-invasiv und der Projektor müsste auf Augenbewegungen ausgerichtet werden. Das wiederum könnte man über hochauflösende Brainscans hinbekommen und im Zusammenspiel könnte vollständigen VR dann doch der Durchbruch gelingen. Immer unterstützt durch Augmented Reality, der ich bis dahin die größten Chancen einräume. Eine schlankere Brillentechnik kommt sicher irgendwann von der Designfirma aus Cuppertino für eine vollständige Immersionserfahrungen bei Film und Gaming (und nicht zu vergessen: Drogen). Das ist sicher markttauglicher, als die Superspezialausrüstungen mit drölf Kabeln, die man sich wohl noch für ein paar Jahre zulegen müssen wird.

Ein Upgrade für Dein Gehirn

Im vierten Teil der Serie betrachten wir Brain-Upgrades und Hirn-Interfaces und für beide sehe ich einen unüberwindbaren Abgrund: Das Trauma der Schädelöffnung. Ich glaube nicht an Chips im Hirn. Selbst wenn die Kosten von Neurochirurgie auf ein Minimum fallen und alle ethischen Bedenken aufgelöst werden könnten, so ist diese Art der Operation doch schlichtweg ein zu massiver Eingriff in die Unversehrtheit des Körpers.

Aber bereits jetzt gibt es Nano-Bots, die aus unterschiedlich langen DNA-Strängen zusammengebaut werden und so eine „Körper-Spannung“ aufweisen, mit deren Hilfe sie „laufen“, Moleküle transportieren und so rudimentäre Aufgaben verrichten können – Neurochemie beeinflussen zum Beispiel. Damit ist jetzt bereits eine Steuerung oder zumindest Beeinflussung von Hirnaktivität theoretisch denkbar, möglicherweise sogar durch einfache Injektion. „Chips im Hirn“ braucht man dafür dann nicht.

Auch die angesprochenen Brain-Interfaces funktionieren bereits non-invasiv, die empfangenen Signale sind aber zu grob aufgelöst und in der Folge steuert Frau Moderatorin einen Quadcopter nur mit einfachsten Befehlen (auf, ab, links, rechts). Ob man die Auflösung der abgegriffenen Signale so weit erhöhen kann, um feinere Steuerungen zu ermöglichen, halte ich für fraglich und wirklich interessant wird ein Brain-Computer-Interface erst beim Gedankenlesen. State of the art in diesem Bereich ist Mindreading über MRI-Scans, mit deren Hilfe man visuelle Reize in Echtzeit nachbilden kann. Das funktioniert bereits in Grundzügen über eine Regeneration des Gesehenen durch künstliche Intelligenz.

Ebenfalls gibt es bereits non-invasive Brain-2-Text-Interfaces, mit deren Hilfe man in der Geschwindigkeit von einem Buchstaben pro Sekunde „tippen“ kann. Ein „echtes“ Brain-2-Text-Interface kann aber erst mit einem semantischen Verständnis von Echtzeit-Hirnscans funktionieren und bis dahin dürften sicher noch einige Jahrzehnte vergehen, wenn wir überhaupt eine Technologie schaffen können, die hochauflösende Brainscans in Echtzeit sowohl interpretieren als auch ausgeben kann und dabei auch noch so mobil und handlich wie ein Smartphone ist.

Die Zukunft der Evolution

Die fünfte Episode schließlich behandelt die Evolution des Menschen selbst, den Homo Digitalis und ob es den überhaupt geben wird.

Ich persönlich denke nicht, dass wir in Zukunft so etwas wie Maschinenmenschen sehen werden. Tatsächliche Maschinenerweiterungen des Körpers dürften sich nach wie vor auf Notfälle und medizinische Versorgung beschränken – zumindest bis wir Schwärme von verlässlichen Nano-Robotern mit einer Pille schlucken können. Und ich denke ebenfalls nicht, dass die in dieser Folge angesprochenen Technologien tatsächlich exponentiell wachsen. Die Entwicklung neuer Technologien wächst in Schüben und verbleiben nach einem initialen Wachstum auf einem Plateau bis zum nächsten Innovationsschub – und ob der stattfindet ist nicht sicher.

Die Folge vergleicht unsere Gegenwart mit den Zukunftsprognosen der Vergangenheit: 1982 hätten wir bereits das Wetter kontrollieren sollen, im Jahr 2000 sollten wir den Mond bevölkern und im Jahr 2006 den Mars. Und 2020 soll angeblich der Maschinenmensch auf der Bildfläche erscheinen. All diese Zukunftsvisionen haben gemeinsam, dass sie den Status Quo ihrer Entstehungszeit linear in die Zukunft verlängern und genauso wäre es heute ein leichtes zu behaupten, die Zukunft läge in einem Homo Digitalis.

Die Episode spricht dann allerdings noch eine weitere Innovation der letzten Jahre an, die sehr viel einschneidendere Veränderungen mit sich bringen könnte, als digitale Vernetzung: die CRISPR-Methode nämlich, mit der man genetisch veränderte Organismen erzeugt. Die Umwälzungen, die durch den Eingriff des Menschen auf sein Erbmaterial auf uns zukommen dürften, könnten die Disruption der Ökonomie durch die Vernetzung noch einmal gewaltig auf den Kopf stellen: Durch die Disruption des Menschen selbst.

Verlängert man diese Zukunftsvision linear in die Zukunft, zeigt sich dann nicht ein Homo Digitalis am Horizont, sondern ein totalindividualisiertes, alleine an sich selbst und seine eigenen Bedürfnisse angepasstes Wesen, das sich biologisch von allen anderen Ex-Menschen unterscheidet – der Endpunkt einer biotechnisch durchindividualisierten Gesellschaft. Blade Runner lässt grüßen. Ob auch diese Zukunft nicht passieren wird – wir werden sehen.

Homo Digitalis – Alle Folgen

  1. Die perfekte Freundin
    Sind echte menschliche Beziehungen bald obsolet? Begegnen wir unseren Freunden künftig nur noch virtuell? Wie reagiert Helen Fares, wenn sie statt ihrer Freundin einem Hologramm gegenübersteht?
  2. Upgrade für dein Gehirn
    Auch unsere Körper und Gehirne lassen sich inzwischen technisch aufrüsten. Wer sich einen Chip ins Gehirn pflanzen lässt, kann seine Denkfähigkeiten enorm erweitern. Dadurch verschwimmen die Grenzen zwischen Mensch und Maschine.
  3. Der digitale Höhepunkt
    Führt das Leben in der digitalen Welt dazu, immer weniger Sex zu haben? – Eine aktuelle Studie bestätigt diese These. Roboter könnten hier Abhilfe schaffen. Wie fühlt sich das an – Sex mit einem Roboter?
  4. Ewige Jugend
    Würdest Du deinen Körper tunen, ein Cyborg werden oder deine DNA hacken, um dein Leben zu verlängern? – Was nach Science Fiction klingt, ist teilweise schon Realität. Auch Helen Fares lässt mit sich experimentieren.
  5. Der virtuelle Kick
    Wer in der echten Realität schon alles ausprobiert hat, könnte in der virtuellen noch Aufregendes entdecken: als Superstar, als Extremsportler oder indem man in einen anderen Körper eintaucht.
  6. Digitales Glück am Arbeitsplatz
    Machen Maschinen und Roboter uns bei der Arbeit effizienter und letztlich auch glücklicher? Tatsächlich können Computer lernen menschliche Gefühle und Wünsche zu erfassen. Das müsste wunschlos glückliche Arbeitnehmer zur Folge haben.
  7. Eine neue Spezies Mensch
    Die digitale Revolution verändert uns Menschen nachhaltig – körperlich und geistig. Wie lange gehören wir bei diesem rasanten Fortschritt noch der Spezies Homo sapiens an? Hat nur der Homo Digitalis eine echte Überlebenschance in der Zukunft?

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