Homo Digitalis: Die perfekte AI-Freudin und der digital optimierte Orgasmoflow [Werbung]

Die neue 7teilige Webserie Homo Digitalis stellt die Frage nach der Zukunft des Menschen und zeichnet ausgehend von State-of-the-Art-Tech das Bild einer Species, die immer mehr und in immer neueren Wegen mit dem Digitalen und Maschinen verschmilzt: „Werden wir irgendwann virtuelle Freundinnen und Freunde haben? Sex mit Robotern besser finden als den echten? Unseren eigenen Körper hacken? 'Homo Digitalis' ist eine Webserie und ein interaktiver Selbsttest über die Zukunftsfrage überhaupt: Was macht die digitale Revolution mit uns als Menschen?“

Homo Digitalis: Die perfekte Freundin

Im ersten Teil der Serie geht es um die perfekte Digitalfreundin und Beziehungen zu Künstlichen Intelligenzen. Lisa in Japan mietet sich eine Freundin für einen Tag: „Bei echten Freunden muss ich Rücksicht nehmen und kann nicht alles sagen“. Die Krise des Individuums in a nutshell, digital beschleunigt mit einem virtuellen Boyfriend, den sie der Kamera nicht herzeigen will.

Ob sich das im nächsten Segment gezeigte Modell der Holofreundin in diesem technischen Entwicklungsstadium durchsetzen wird, wage ich zu bezweifeln – Hakune Mitsu wird zur besseren Nachttischlampe, ein fetischiertes Designobjekt, ein ultimatives Toy, mit einer ganzen Reihe von Ansätzen für feministische Dekonstruierung, das sich allerdings aufgrund seiner Immobilität nicht wirklich als Digitaler Begleiter eignet.

Anders könnte es bei reinen digitalen Stimm-Assistenten kommen, worauf die Episode leider nicht speziell eingeht. Stimmen können bereits jetzt erfolgreich digital imitiert werden und Entertainment-Assistenten wie Alexa erfahren eine hohe Akzeptanz, auch und grade von Kids – dort wird jetzt bereits Freundschaft auf einem abstrakten Level simuliert, der unsichtbare, allgegenwärtige Digitale Begleiter ist nicht mehr allzuweit entfernt, perfekt eingestellt auf das individuelle Sensorium über künstliche Stimmerzeugung und per Machine Learning auf perfekt passende Persönlichkeit trainiert, die programmierte Algo-Vervollständigung des Ichs.

Deshalb bin ich skeptisch, wenn Robot-Psychologin Martina Mara am Ende zwar ganz richtig sagt, dass Freundschaft etwas ist, das auf Symmetrie basiert, diese aber nur von einem Ich-Bewusstsein geleistet werden könne. Ich wäre mir nicht so sicher, ob sich die Balance dieser Symmetrie nicht auch künstlich herstellen lässt, durch eine Voice-Illusion der Nähe zum Beispiel.

Sexroboter und der digitale Höhepunkt

Die zweite Episode handelt von Sex-Robots, hyperrealistischen Sexpuppen und Frau Ai Aoyamas Sex-Yoga für unglücklich Manga-Verliebte.

Ich glaube weder an eine große Zukunft der Sex-Robots außerhalb von gewissen Fetischen oder Kunstprojekten, noch an einen Siegeszug ultrarealistischer Sexpuppen irgendeines Geschlechts. Solange wir Materie nicht auf einem molekularen Level programmieren können (oder einem biologischen), dürften sich Maschinen für einen brauchbaren Partner-Ersatz der sinnlichen Erfahrung während des Liebesspiels kaum eignen – ihre Simulations-Auflösung in der materiellen Realität ist dafür auf absehbare Zeit nicht hoch genug.

Aber wir könnten diese sinnliche Erfahrung natürlich direkt durch ein Neuro-Interface simulieren, das Lustzentrum des Gehirns triggern und einen danke digitaler Quantifizierung optimierten Orgasmoflow herstellen, der den Menschen in stundenlanger Extase hält, genaustens abgestimmt per Neurochemikalien. Langfristig ist ein solches Szenario denkbar, vorausgesetzt wir schaffen eine non-invasive Aktivierung von Hirnregionen und Steuerung der Neurochemie – was durchaus im Bereich des Möglichen liegt.

Unterstützt durch virtuelle Umgebungen ist hier alles denkbar, jeglicher Fetisch, jegliche Vorliebe, jede Stellung könnte dann simuliert und projiziert werden. Aber selbst in diesem Szenario dürfte die sinnliche Auflösung des Künstlichen weit unter der echter Intimität liegen. Sex-Simulation dürfte also noch für eine ganze Weile nur mehr einen Ersatz darstellen.

Ai Aoyama und ihre Sextherapie für Menschen, die aus dieser Simulation nicht mehr herausfinden, dürfte die Arbeit jedenfalls nicht all zu schnell ausgehen und in den USA ist Cindy Gallop spätestens seit ihrem 2011er TED-Vortrag der Vorreiter im Westen: „Make Love Not Porn: Technologys Hardcore Impact on Human Behavior“.

Homo Digitalis – Alle Folgen

  1. Die perfekte Freundin
    Sind echte menschliche Beziehungen bald obsolet? Begegnen wir unseren Freunden künftig nur noch virtuell? Wie reagiert Helen Fares, wenn sie statt ihrer Freundin einem Hologramm gegenübersteht?
  2. Upgrade für dein Gehirn
    Auch unsere Körper und Gehirne lassen sich inzwischen technisch aufrüsten. Wer sich einen Chip ins Gehirn pflanzen lässt, kann seine Denkfähigkeiten enorm erweitern. Dadurch verschwimmen die Grenzen zwischen Mensch und Maschine.
  3. Der digitale Höhepunkt
    Führt das Leben in der digitalen Welt dazu, immer weniger Sex zu haben? – Eine aktuelle Studie bestätigt diese These. Roboter könnten hier Abhilfe schaffen. Wie fühlt sich das an – Sex mit einem Roboter?
  4. Ewige Jugend
    Würdest Du deinen Körper tunen, ein Cyborg werden oder deine DNA hacken, um dein Leben zu verlängern? – Was nach Science Fiction klingt, ist teilweise schon Realität. Auch Helen Fares lässt mit sich experimentieren.
  5. Der virtuelle Kick
    Wer in der echten Realität schon alles ausprobiert hat, könnte in der virtuellen noch Aufregendes entdecken: als Superstar, als Extremsportler oder indem man in einen anderen Körper eintaucht.
  6. Digitales Glück am Arbeitsplatz
    Machen Maschinen und Roboter uns bei der Arbeit effizienter und letztlich auch glücklicher? Tatsächlich können Computer lernen menschliche Gefühle und Wünsche zu erfassen. Das müsste wunschlos glückliche Arbeitnehmer zur Folge haben.
  7. Eine neue Spezies Mensch
    Die digitale Revolution verändert uns Menschen nachhaltig – körperlich und geistig. Wie lange gehören wir bei diesem rasanten Fortschritt noch der Spezies Homo sapiens an? Hat nur der Homo Digitalis eine echte Überlebenschance in der Zukunft?

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