Links: Stanislaw Lem, Pornogrind und ein zensiertes Theaterstück über Lenny Bruce und illiberale Linke

☠️ Not sure what it means when the Guardian publishes a series on vanishing underground music. Also, they seem to mistake „underground“ for „obscure music-styles“. In that sense, underground is indeed all but gone because „obscure music-style“ is all but gone – but underground means more than strange tunes.
🎸 Where is the musical underground in 2017?: In the coming weeks, the Guardian is embarking on a survey of the underground in music – asking if it still exists in a world where everything is visible online, and if so, where.
🎸 No alternative: how brands bought out underground music: Timberland hosts rap gigs. Princess Nokia makes films for Maybelline. And Red Bull is the new school of rock. Have brand partnerships destroyed counterculture? Or are they all that’s keeping it alive? Timberland hosts rap gigs. Princess Nokia makes films for Maybelline.
🎸 From Arsedestroyer to Zoogz Rift: 50 underground albums you've never heard of: Sexed-up Canadian synthpop, Japanese junglism, ritualistic Finnish bear hunting music … our writers select treasures from the darkest corners of their record collections. Please share your own curios in the comments below.
🎸 'There are a lot of weird people around here': how the north stayed underground: From turbo-charged Eurodance in Newcastle to Pennine psychedelia and grime in Hull, the north of England keeps underground scenes thriving outside the glare of the mainstream. Welcome to five of the strangest
🎸 Unsound and Semibreve: the festivals that dream a better world in sound: Spend long enough at avant-garde electronic music festivals and, like the raver character in Spaced who dances to the beep of a pedestrian crossing, you start hearing music in everything.
🎸 Pornogrind and flying intestines: my journey into the labyrinth of underground metal: It’s 11am on a Thursday and Millie Crampton is spending her lunchbreak explaining her double life to me. By day, she’s a student, studying mental health nursing. By night, however, she is Beryl, frontwoman of Basement Torture Killings, who deal in “serial-killing snuff grind”.
🎸 'Only 17th-century industrial bluegrass will do': your favourite weird records: Last month our writers picked out some of the weirdest, most obscure records in their collections – there was jazz played in the middle of the Black Forest, gay punk activism from Orange Country, and 10-year-olds singing about pimps.

🤖 On Both Page and Screen, Polish Master Stanislaw Lem Makes You Question Reality: Like a lot of kids, I was hipped to Stanislaw Lem, the Polish master of genre fiction, by a bespectacled, pony-tailed fellow-traveler amongst the self-segregated literary geeks who congregated at one end of my high school’s third floor.

Das Geile Neue Internet

☝️ Die AltRight ist eh fertig, aber --> How Unicorn Riot covers the alt-right without giving them a platform: While other organizations wrote celebrity profiles that marveled at the sartorial sense of fashion-conscious fascists, Unicorn Riot revealed what the alt-right was talking about when they thought no one was listening.

😔 Die illiberale Linke protestiert gegen ein Theaterstück basierend auf Lenny Bruce, das von protestierenden, illiberalen Linken handelt. Vielleicht sollten die Honks ihre Buttler mal genauer lesen (siehe unten). Is Lenny Bruce Too Much for Brandeis to Handle?: Lenny Bruce made a career of transgressing traditional social mores with his stand-up routines, culminating in his conviction for obscenity in 1964. Now a production of a play based on Bruce’s comedy at Brandeis University has been canceled, after students and alumni rallied in opposition.
Students Were Offended By a Play That Mocks Political Correctness, So Brandeis Cancelled It: Don't think political correctness is a problem on campus? Try producing a play about it. Renowned playwright Michael Weller conceived a play, Buyer Beware, that mocks activist students and their hostility to politically incorrect humor.

☝️ Im Gegensatz zur lahmen Entgegnung auf Alice Schwarzer kann ich ein paar der Aussagen von Judith Butler hier nur unterschreiben: Judith Butler: «Ich war nie für politische Korrektheit»:

Man wirft den Gender Studies, die Sie stark inspiriert haben, vor, einer politischen Korrektheit Vorschub zu leisten, die zu Verboten oder Intoleranz führten.
Ich war nie für politische Korrektheit. Political Correctness ist ja ein Begriff, den Konservative nutzen, um den Feminismus oder die Bürgerrechtsbewegungen zu karikieren. Diese bedienen sich der Vorstellung, wir seien eine Art Polizei, die vorschreibt, was die Menschen sagen dürfen und was nicht. Einmal abgesehen davon, dass nichts falsch daran ist, weder rassistische noch frauenfeind­liche Begriffe zu benutzen: Ich glaube auch, dass die erwähnten Bewegungen viel kreativer und experimenteller sind, dass sie Sprachen zu erfinden versuchen, die noch nicht existieren, damit die Anerkennung von Minderheiten wahrscheinlicher wird.

Also keine Sprachpolizei?
Nein, sondern der Versuch, gegen Diskriminierung zu arbeiten. Wie die Polizei verhalten sich hingegen all jene, die zu wissen glauben, was Frauen sind und zu tun haben, dass sie sich etwa nicht in der Politik engagieren sollen. Oder dass Homosexuelle krank sind, dass sich Schwarze nicht über Rassismus beschweren sollen und dass doch alles okay sei. Das ist die Polizei.

Universitäten geben Empfehlungen für eine Sprache, die möglichst keine Minderheit ausschliesst. Einige sehen darin ein Symptom, dass in unserer Gesellschaft alles auf Purifizierung hinarbeitet.
Ich glaube nicht, dass die Reinigung der Sprache der richtige Weg ist. Mich interessiert vielmehr, wie eine Gruppe, die abgewertet wird, die Sprache der Beleidigung nutzen kann, damit sie etwas anderes bedeutet, etwas Kreatives. Auf Englisch zum Beispiel bedeutete das Wort «queer» in den 1960ern etwas Beleidigendes. Wenn jemand sagte, «Du bist queer!», dann hasste er dich, dann dachte er, du seist abnorm, du seist ein Monster. Es gibt also eine Kreativität und auch einen Humor, wenn man ein Wort nimmt und es zu etwas Positivem umwendet, wenn man etwa sagt: «Ja, ich bin queer.»

Also keine Reinigung.
Nein, man benutzt vielmehr das ‹schmutzige› Wort und macht durch einen Twist etwas anderes daraus. Dieser Twist ist denn auch das, was man auf Englisch «queering» nennt. Und ich glaube nicht, dass das korrekt ist. Es scheint eher inkorrekt, wenn man Wörter nimmt, die eine festgelegte Bedeutung haben und etwas anderes mit ihnen macht. Einige in der Trans-Bewegung nennen sich zum Beispiel «nicht-binär», um sich der Kategorisierung in Mann und Frau zu widersetzen. Das ist eine Dynamik, die sich fortsetzt, die produktiv ist und nicht versucht, Sprache zu reglementieren. Vielmehr geht es darum, Bedeutungen freizusetzen. Das hat nichts mit Reinigung oder Zensur zu tun. Aber damit, Anerkennung einfacher und vielfältiger zu machen.

Viel ist auch von sogenannten Trigger-Warnungen die Rede. Wenn ein literarischer Text eine Beschreibung von Gewalt enthält, etwa Ovids «Metamorphosen», müsse davor gewarnt werden, damit keine Gefühle verletzt werden.
Ich bin gegen solche Trigger-Warnungen. Wir sollten alle getriggert werden – sind wir sowieso. Triggering ist unvermeidlich. Ich habe kürzlich ein Seminar über queere Verwandtschaft abgehalten, in dem wir griechische Tragödien lasen und was darin queer ist. Etwa in «König Ödipus» von Sophokles. Ich fragte meine Studierenden, soll ich euch sagen, dass es in diesem Stück Gewalt und Inzest gibt. Braucht jemand von euch eine Trigger-Warnung? Niemand wollte das, obwohl wir uns mit vielen Texten beschäftigten, in denen es explizite sexuelle Gewalt gibt.

Es gibt aber Leute, die solche Trigger-Warnungen verteidigen.
Ich glaube, dass die selbst in der Linken eine Minderheit sind. Und wenn man von Triggering spricht, dann denken viele, es gäbe eine Art Automatismus. De facto reagieren wir aber völlig verschieden auf Bilder, Erzählungen von Gewalt oder Sexualität. Zumindest in meinem Seminar gab es sehr viele unterschiedliche Interpretationen der Texte. Klar, einiges ist verstörend, womit wir uns beschäftigen. Aber Bildung ist verstörend. Man muss von etwas Neuem verstört werden, von etwas Seltsamem, Fremden.