Salman Rushdie – Golden House (Review)

Ich lese grade Salman Rushdies Golden House und weiß nicht, ob ich es wirklich fertig lesen werde. Das Buch ist mein erster Rushdie und ich bin kein großer Freund seines Stils, glaube ich. Rushdies blumige Sprache verträgt sich meines Erachtens nicht wirklich mit den tausenden Zitaten, Filmszenen und Namedroppings, die er in ein postmodernes Sittengemälde der Trump-Ära zusammenführt, auch wenn diese Form unsere Zeit wohl am adäquatesten abbilden kann.

Rushdies Protagonist – ein Typ namens René – ist der Nachbar von Nero Julius Golden, frisch zugezogener King of New York, als Figur angesiedelt irgendwo zwischen Don Corleone und dem President of the United States of Joker. René beobachtet den Aufstieg und Fall der Goldens und beginnt mit der Ausarbeitung eines Dokumentarfilms über die Familie, während er durch die reichen und hippen New Yorker Stadtviertel zieht.

Die Charakterzeichnungen sind dabei wohl das interessanteste an Rushdies Buch, sämtliche Figuren lassen sich nicht wirklich festlegen und dann fällt der Satz „Gott ist tot und wir haben ihn mit Identität ersetzt.“ Es ist diese verschwimmende Qualität, der lustvolle Zusammenbruch postmoderner Remix-Erzählung in einem überbordernden Mahlstrom menschlicher Eigenschaften, die mich das Buch dann vielleicht doch noch zu Ende lesen lassen wird.

Es macht durchaus Spaß, Rushdies literarisches DJ-Set aus Mythologie und Märchen zu lesen, das Lifestyle-Mag-Geschreibsel gemischt mit Startup-Lingo, Superhelden-Comics und Filmtheorie. Salman Rushdie ist dabei zwar kein Foster Wallace und hat mit Golden House nun auch „nur“ den Vorteil der ersten literarischen Verarbeitung unserer geilen neuen Zeit am Start, mit seinem überkandidelten Sprachungetüm trifft Rushdie den Zeitgeist allerdings sehr genau und seine überbordernde barock-postmoderne Erzählform entspricht exakt dem flirrenden Plot, in dem sich fluide Identitäten in eine postfaktische Welt stürzen, in der grünhaarige Supervillains zum Präsidenten gewählt werden.

Das Buch sollte mir eigentlich richtig gut gefallen, I'm a sucker für unseren dämlichen, abgefuckten Zeitgeist, ich mag postmoderne Remix-Orgien (solange sie nicht in Zitat-Aneinanderreihungen erstarren) und ich stehe auch ab und zu auf durchaus zuckerklebrige Poetry, aber irgendwie will das Golden House nicht wirklich zu Gold werden. Möglicherweise ist genau das Absicht, vielleicht will Rushdie zeigen, dass irgendetwas nicht stimmt und die Dinge, auch wenn sie gemeinsam passieren, nicht zusammengehören. Ich weiß es nicht. Golden House ist ein seltsames Buch und vielleicht mag ich es auch mehr, als ich zugeben möchte.

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