Podcasts: Die hypermoralische Gesellschaft, Mythologie in Star Wars und Farin Urlaubs schlechte Lieder, die lausig klingen

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Sein und Streit: Die empörte Gesellschaft: Leben wir in Zeiten des Hypermoralismus? (MP3)

auch die Zusammenstöße zwischen Linken und Rechten auf der Frankfurter Buchmesse sind für Grau ein Symptom der "Hypermoral", insofern die Veranstalter selbst dazu aufgerufen hätten, ein "Zeichen gegen rechts" zu setzen und sich so als "empörter Bürger" geriert hätten. Dabei bestehe die Gefahr, dass im Namen von Pluralismus und Meinungsfreiheit ebendiese eingeschränkt würden.

Auf die Frage, ob "Hypermoralismus" eher im linken oder rechten Spektrum zu finden sei, gibt Grau keine eindeutige Antwort: "Hypermoral" sei mehr als bloß eine "starke Moral" zu haben. Es gehe vielmehr darum, dass die Moral selbst eine andere Bedeutung im gesellschaftlichen Diskurs erhalte. Während klassischerweise die Moral aus traditionellen Systemen abgeleitet worden sei – etwa der Religion –, habe sich heute eine sich selbstbegründende Moral durchgesetzt, die sich ideologiefrei gebe und einen "objektivistischen Anspruch" vertrete. Moral könne aber niemals ideologiefrei sein.

Grundsätzlich sei Moral unvermeidbar: Sie lasse sich seit Menschengedenken beobachten, zugleich aber auch ihre regelmäßige Infragestellung. Aus dem Nachdenken über Moral habe sich in der Antike philosophische Ethiken entwickelt, mit dem Anspruch, "vernünftig moralische Werte zu begründen". Später sei das Christentum als "Legitimationssystem" hinzugetreten. Die "Hypermoral" sei nun ein Produkt der Säkularisierung seit dem 19. Jahrhundert und des Niedergangs der großen weltanschaulichen Systeme im 20. Jahrhundert. Dadurch entstehe eine "normative Lücke", die schließlich von der Moral selbst gefüllt werde. Dabei sei die Moral zwangsläufig selbst zur Ideologie geworden.

BR2 Wissen: Das Geheimnis der Mythen - Metaphern von Ursprung und Wandel (mp3): „Zu allen Zeiten entstanden in allen Kulturen der Welt Geschichten über die Geheimnisse des Lebens, die dem Individuum Orientierung und Sinn gaben und seine persönliche Biographie anbinden sollte an die Geschichten von Göttern und Helden, Drachen und Ungeheuern, Weltbildern und Religionen. Mythen sind keine normalen Geschichten, sondern ineinander verschlungene Metaphernströme, die voller Widersprüche sein können, aber immer zeigen, dass Wandel möglich ist. Sie liefern den Menschen Symbole und Modelle für eigene Konflikte, Übergänge und ‚Drachenkämpfe‘. Dabei sind Mythen faszinierend und gefährlich zugleich. Sie sprechen das Unterbewusstsein an, können leicht missbraucht werden und zu politischem und religiösem Extremismus und Fundamentalismus führen. Zugleich kann der Verlust von Mythen in der modernen Welt zu Sinnverlust und Oberflächlichkeit führen. Heute kennen wir Mythen fast nur noch aus dem Kino und der Literatur. Doch wir müssen ihr Geheimnis, ihre Kraft, Schönheit und Gefahr kennen, um nicht zu ihrem Opfer zu werden.“

BR2 Wissen: Star Wars aus philosophischer Sicht - Ein moderner Mythos (MP3, Info, via Swen): „Fern davon, nur Unterhaltung zu sein, hat die Filmreihe zahlreiche philosophische, theologische und okkulte Motive, die in einer anspruchsvollen Handlung verknüpft sind. Zusätzlich beinhaltet STAR WARS auch mythologische Elemente, die bis nach Ägypten und Babylon reichen und mit den Lichtkulten alter Hochzivilisationen in Verbindung gebracht werden können. So reisen Han Solo und seine Getreuen im Raumschiff "Millennium Falke", was dem ägyptischen Gott Horus entspricht, der ebenfalls ein Lichtgott war und als Falke dargestellt wurde. Derartige Entsprechungen sind überaus häufig im Film und können detailliert und schlüssig nachgewiesen werden; so entsteht eine moderne Einweihungslehre, die dem antiken Mysterienkult nicht unähnlich ist und sinnsuchende Menschen in aller Welt bis heute hellauf begeistert.“

SWR2 Aula: Psychogramm der überforderten Gesellschaft: Überfluss und Überforderung (MP3): „Multitasking, Konsumrausch, Selbstoptimierung treiben uns in die Überforderung, ins Burn-out und schließlich in die Depression. Wolfgang Schmidbauer beschreibt Auswege.“

HR2 Wissenswert: Brot und Klima - wie sich alles verändert (MP3): „In den letzten 130 Jahren ist die Welt um mehr als 0,8 Grad wärmer geworden - der Klimawandel ist längst Realität. Er verändert unseren Alltag: Unser Brot, unsere Häuser, unseren Wetterbericht.“

WDR Hörspiel: "Schlechte Lieder, die lausig klingen" – Das Farin-Urlaub-Spezial (MP3): „Farin Urlaub hat in seiner Karriere mehr Hits geschrieben als fast jeder andere deutsche Interpret - die meisten mit seiner Rockband Die Ärzte, einige auch als Solokünstler. Doch das Image des perfekten Musikers mit Nummer-1-Gen wird nun torpediert - vom Künstler selbst.“

HR2 Wissenswert: Wirtschaft neu gedacht - die Forschung der Verhaltensökonomen (MP3): „Menschen entscheiden rational und haben ausschließlich ihren eigenen Nutzen im Blick - das sind die Grundannahmen der meisten wirtschaftswissenschaftlichen Theorien. Ein noch relativ junger Forschungszweig, die Verhaltensökonomie, stellt diese Annahmen in Frage.“

DLF Essay und Diskurs: Popkultur-Debatte – Was ist kulturelle Aneignung? (MP3, Info)

Einem weißen Schauspieler wird die Legitimation abgesprochen, einen Schwarzen darzustellen; Angehörigen der Dominanzkultur wird das Recht abgesprochen, bestimmte Frisuren wie Dreadlocks und Kleidungsstücke wie Kimonos zu tragen; und Teilnehmerinnen und Teilnehmern linker Demonstrationszüge wird die Berechtigung abgesprochen, wirklich für die Belange eintreten zu können, für die sie protestieren, nämlich für soziale Gerechtigkeit.

In allen drei Beispielen wird die Legitimität an kulturelle Zugehörigkeit geknüpft. Oder anders gesagt: Die Zugehörigkeit zu einer Kultur wird als entscheidend dafür angesehen, wer befugt ist, was zu tun. Ob es nun darum geht, gegen den Kapitalismus zu protestieren, verfilzte Haare zu tragen oder bestimmte Rollen zu spielen.

Unterscheiden muss man dabei unbedingt zwischen der berechtigten Empörung über den Ausschluss von People of Color bei einer subkulturellen, linken Veranstaltung einerseits und andererseits dem Versuch, als Antwort darauf kulturelle Eigenheiten zu betonen. Als wäre den Abwesenden damit direkt gedient, wird versucht, die Verbindung von kulturellen Zeichen wie etwa Dreadlocks, ihrer Bedeutung und den TrägerInnen dieser Zeichen festzuzurren: Widerstand, den können nur indische Kleinbauern (oder vergleichbare Subalterne) auf angemessene Art und Weise leisten, Dreadlocks stehen legitim nur Schwarzen zu. Das ist eine Re-Essenzialisierung, also die Wiedereinführung der Behauptung einer Wesensverbindung.