Insektensterben bestätigt

Vor anderthalb Jahren ging zum ersten mal (?) die Meldung vom Insektensterben rum, damals hieß es, bei Proben seien im Jahr 2013 nur noch 294 Gramm Insekten gefunden worden, im Gegensatz zu 1400 Gramm im Jahr 1989, ein massiver Rückgang der Insektenpopulation um 79 Prozent. Danach hatte ich ein paar skeptische Stimmen gehört und im Sommer gingen ähnliche Meldungen rum: „Die vom Entomologischen Verein Krefeld zuerst vorgestellten Zahlen seien nicht belastbar, da sie sich lediglich auf zwei Standorte und zwei Jahre bezögen, nicht auf ganz Deutschland. Und überhaupt werde das 'Insektensterben' nur aufgebauscht, weil Wahlkampf sei.“

Jetzt haben die Forscher ihre Daten veröffentlicht und in einer Langzeitstudie wurde der Insektenrückgang um 80% bestätigt. Tja.

Paper: More than 75 percent decline over 27 years in total flying insect biomass in protected areas
Spektrum: Insektensterben in Deutschland bestätigt

Über 27 Jahre hinweg hatten Mitglieder des Vereins spezielle Insektenfallen in insgesamt 63 Naturschutzgebieten aufgestellt und die Masse der darin gefangenen Fluginsekten dokumentiert. Alle Standorte befanden sich in Naturschutzgebieten unterschiedlicher Größe und Ökosysteme, die Mehrzahl davon in Nordrhein-Westfalen, doch mehrere auch in Brandenburg sowie Rheinland-Pfalz. Das Ergebnis bestätigt den ersten Befund – und ist erschreckend: Während der letzten 27 Jahre ist die Menge an Fluginsekten im Mittel tatsächlich um rund 80 Prozent eingebrochen.

"Ein Rückgang wurde ja schon lange vermutet, aber er stellt sich als noch gravierender dar, als wir erwartet hatten", kommentiert Hallmann die Studie. Auch Johannes Steidle von der Universität Hohenheim zeigt sich vom Resultat erschüttert: "Die kleine Hoffnung, dass die vorab bekannt gewordenen beunruhigenden Informationen in dieser Arbeit möglicherweise relativiert werden – etwa weil sich die Arbeit als fehlerhaft erweist –, ist zerstört! Die Arbeit ist methodisch sauber und zeigt flächendeckend für eine große geografische Region Mitteleuropas einen massiven Biomasserückgang bei Insekten."

Vom SWR zur selben Meldung: „Mit den Insekten schwindet auch die Nahrungsgrundlage für Vögel oder Fledermäuse. In der Folge gehen auch die Vogelarten, die Insekten fressen, immer stärker zurück. Aber auch die Körnerfresser leiden, wenn nicht mehr so viele Samen produziert werden. Früher häufige Vogelarten sind heute vom Aussterben bedroht. In nur 30 Jahren hat Deutschland 57 Prozent aller Feldvögel verloren, bei einzelnen Arten sogar 80 bis 90 Prozent.“