FakeNews-Labels reduce FakeNews by 80%

Buzzfeed wurde eine Mail von Facebook zugespielt, laut der ihr FakeNews-Labeling das Aufkommen von gefälschten Nachrichten um 80% reduziert. (via Ingrid Brodnig)

A news story that's been labeled false by Facebook's third-party fact-checking partners sees its future impressions on the platform drop by 80%, according to new data contained in an email sent by a Facebook executive and obtained by BuzzFeed News. The message also said it typically takes "over three days" for the label to be applied to a false story, and that Facebook wants to work with its partners to speed the process.

"We have been closely analyzing data over several weeks and have learned that once we receive a false rating from one of our fact checking partners, we are able to reduce future impressions on Facebook by 80 percent," White wrote.

A Facebook spokesperson told BuzzFeed News that the system begins to "demote" a story in the News Feed after a single fact-checker finds it to be false. The label is then applied to a link once at least two checkers rate it false.

Das entspricht Ergebnissen von Studien, laut denen die Identität des Sharers wichtiger für das Vertrauen in das Item ist, als die tatsächliche Quelle des Items. Anders gesagt: Wenn Super Mario einen Fake-Artikel shared, dann glaubt man das, wenn dieselbe Story von Jack the Ripper geshared wird, glaubt man das nicht. Ein FakeNews-Label verschiebt nun dieses Vertrauen von Super Mario zu einer unbekannten Instanz, dem „3rd Party Fact-Checker“.

Das funktioniert, weil das Label das Vertrauenspotential von Fremden gegenüber meiner Online-Identität verringert. Wenn ich ein als „FakeNews“ markiertes Item weitergebe, bin ich selbst als „nicht vertrauenswürdig“ markiert und mein soziales Kapital wandert zu dieser dritten Instanz. Also verzichte ich darauf und das Mikro-Narrativ (die konkrete Meldung bzw das Narrativ also alle Meldungen) stirbt ab. (Das löst aber noch nicht das Problem des Makro-Narrativs [„alle Renés sind scheiße“], nach meiner Meme-Definition könnte man hier auch von Viral und Meme sprechen.)

Langfristig kann das nur mit flankierenden Maßnahmen funktionieren, die klassische Narrative („Flüchtlinge essen gerne Hot Wings“ zum Beispiel) von FakeNews-Sharern beeinflussen und das funktioniert nur mit breiten, offenen und pluralistischen Diskursräumen, in denen sämtiche (!) Aspekte eines Gegenstands beleuchtet werden, so dass diese nicht mehr von Marktschreiern und Schlangenöl-Verkäufern besetzt werden können. Wenn man so alle (!) Narrative mit verlässlichen Informationen weitererzählt, trocknet man den Markt für Fakes aus.

Ebenso maßgeblicher Faktor für den Erfolg der Fake-News-Label dürfte der banale Zeit-Faktor sein: Laut dieser Studie mindern Information Overload und die geringe Aufmerksamkeitsspanne im Netz die „diskriminatorische Kraft“ des Nachrichten-Markts, die in anderen Informationsumgebungen eine Wucherung von Fakes verhindert. Ein rotes, gut sichtbares Label beschleunigt die Bewertung des Items und damit genau diese „diskriminatorische Kraft“.

Bleibt die zeitliche Diskrepanz vom ersten Share eines FakeNews-Items bis zum Labelling, das laut Facebook immer noch über 3 Tage dauert. In dieser Zeit haben sich Narrative bereits gefestigt und die meisten FakeNews-Storys dürften in diesem Zeitraum ohnehin absterben. Die Zahl 80% dürfte sich auf das Sharing-Aufkommen der gelabelten Storys beziehen, nicht dem Gesamtaufkommen von FakeNews, hier würde ich mir genauere Stats wünschen.

Trotzdem und man sagt das ja sehr selten in diesen Tagen, aber: Good job, Checkers, good job Facebook.