Alan Moore über Gegenkultur, das Informationszeitalter und den Brexit

Arte Creative hat eine achtteilige MiniDoku-Reihe über Alan Moore am Start über „Magie, Gegenkultur und Anarchie“.

Alan Moore, Autor von Graphic Novels wie "Watchmen", "V for Vendetta" und "From Hell", gibt Einblick in seine Gedankenwelt. In der 8-teiligen Webserie folgen wir einem der einflussreichsten Comiczeichner in ein Universum aus Okkultismus, Mystik und Anarchie. Zwischen abgefahrenen Visionen und weitsichtigen gesellschaftlichen Analysen erklärt Moore, inwiefern seine Comics ein Abgesang auf politische Zustände sind. Vom fin de siècle über den Niedergang der britischen Linken bis hin zum Informationszeitalter: Zentrale Themen in seinem Werk und Denken sind zeithistorische Umbrüche und die Zerstörung überlieferter Konventionen.

1: Anonymous

Die Anonymous-Masken waren erst in den sozialen Netzwerken vertreten und wurden später in die ganze Welt hinausgetragen. Seitdem wird Alan Moore, der Autor von V wie Vendetta, für einen führenden Kopf der inoffiziellen Bewegung gehalten. Auch wenn er die Bewegung in Wahrheit nicht anführt, ist er doch ein Verfechter neuer Formen der Revolution. Über die Macht seiner Comics, den Segen und Fluch des digitalen Zeitalters und düster-heitere Gedankenspiele um Verschwörungstheorien: Die Philosophie des Meisters Moore ist allgegenbärtig.

2: Gegenkultur

Alan Moore ist 1953 geboren und erlebte die Gegenkultur der 1970er-Jahre. Seinen Zugang zur Kultur fand der junge Anarchist durch Rock, Punk, Fanzines und Comics. Moore – mittlerweile eine wichtige Figur der Gegenkultur – sucht nach neuen Medien und Ausdrucksformen, um den Protest auf kultureller Ebene weiter voranzutreiben.

3: Northampton, place to be

Northampton liegt 80 km nördlich von London. Margaret Thatchers rigorose Politik hat sich besonders auf die kleine Arbeiterstadt ausgewirkt. Doch für Alan Moore, der seine Heimatstadt nie verlässt, ist sie das Zentrum der Welt.

4: Die Außenseiter

Das Arbeiterkind Alan Moore stammt aus einem der ärmeren Viertel Northamptons. Seine Generation hat die konservative Politik der Thatcher-Jahre besonders zu spüren bekommen. Den eigentlichen Verrat aber schreibt der Autor Tony Blair und seiner Labour-Partei zu, denn dessen Politik war alles andere als linksorientiert.

5: Brexit

Am 23. Juni 2016 haben die Briten für den Brexit gestimmt. Eine Entscheidung, die vor allem auf die Arbeiterschicht zurückzuführen ist. Alan Moore sieht darin den Ausdruck einer orientierungslosen Gesellschaft, die von unfähigen Politikern manipuliert wird. Was, wenn die Zukunft nicht die Aufgabe des Staates, sondern der Gemeinden wäre?

6: Das Informationszeitalter

Die Menge an Informationen auf unserer Welt verdoppelt sich in Sekundenbruchteilen. Das sprengt die Grenzen unserer Vorstellungskraft. Für Alan Moore führt die ständige Reizüberflutung zu Verunsicherung und begünstigt den Aufstieg der Faschisten.

7: Stimmen aus Northampton

Überall in seiner Heimatstadt trifft Alan Moore auf die Geister längst verstorbener Berühmtheiten: Charlie Chaplin, Samuel Beckett, Shakespeare sowie Lucia Joyce, die Tochter des irischen Schriftstellers James Joyce, die lange in der dortigen Psychiatrie St Andrew’s untergebracht war.

8: Magie

Eines alkoholseligen Abends beschließt Alan Moore Magier zu werden. Die Glykon-Schlange, ein Fabelwesen mit blonden Haaren wird zu seiner Gottheit. Die Magie ist für ihn seitdem eine Lebenseinstellung.