Podcasts: Tobe Hooper, Paul Feyerabend, die Gesetze der Form und Conversations with People who hate me

Dradio Kultur: Zum Tod von Tobe Hooper – Der Großmeister der Angst (MP3, Info):

"What happened is true." - es ist tatsächlich geschehen – verspricht das Filmplakat zu "Texas Chain Saw Massacre", mit dem der Regisseur Tobe Hooper im Jahr 1974 das Horrorgenre gründlich aufmöbelte. Zuvor hatte der bis dahin hauptsächlich als Lehrer tätige Regisseur mit seiner Kamera die lokale Hippieszene seiner Geburtsstadt Austin dokumentiert. Mit seinem Horroreißer über einen Wochenendausflug junger Leute, die im texanischen Hinterland auf eine verwahrloste Familie kannibalischer Psychopathen treffen, hat er schließlich Filmgeschichte geschrieben: Ein neuer, zynischer Realismus hielt Einzug ins Genre – vergessen war der altmodische Mottenkisten-Grusel von Dracula und Co.

Wie zuvor bereits Alfred Hitchock (in "Psycho") und George A. Romero (in "Die Nacht der lebenden Toten") verlagerte Hooper den Horror ins eigene Land, in die eigene Gesellschaft. Nach Texas, dem amerikanischsten aller US-Bundesstaaten. Dem Albdruck der jungen Generation der 70er-Jahre in den USA – Stichworte: Kennedy-Morde, Vietnam, Watergate-Affäre, Niederschlagung der Bürgerrechtsbewegung, die Manson-Family – verlieh Hooper mit Dringlichkeit allegorischen Ausdruck.

SWR2 Wissen: Paul Feyerabend und die Demokratisierung des Wissens (MP3): „Paul Feyerabend war Vordenker einer demokratischen Wissensgesellschaft, die offen ist für unorthodoxe Denkansätze jenseits dogmatischer akademischer Wahrheitsbegriffe.“

SWR2 Wissen: Der Logiker George Spencer-Brown: "Ich rede Unsinn" (MP3): „Vor einem Jahr starb George Spencer-Brown - eine intellektuelle Kultfigur. Sein Buch 'Die Gesetze der Form' hat zwar kaum jemand verstanden, aber es wurde viel zitiert.“

HR2 Wissenswert: Hat Adorno Trump vorhergesehen? Teil 1 (MP3): „Wir dürfen eigentlich nicht darüber erstaunt sein, dass die Welt so ist, wie wir sie uns immer vorgestellt haben. (Theodor W. Adorno 1969 im hr)“

HR2 Wissenswert: Hat Adorno Trump vorhergesehen? Teil 2 (MP3): „Die Gedankenwelt der Frankfurter Schule erlaubt verblüffende Sichten auf die Wahlerfolge von Populisten und vermeintlichen Außenseitern.“

Conversations with People who hate me – Episode 3: „Dylan Marron wants to make sure that this isn’t just a 'conservative versus liberal' podcast, so this week he speaks with Matthew, a left-leaning queer artist who publically posted that Dylan 'represents some of the worst aspects of liberalism.' When Matthew reveals that he himself has also been publicly dragged, the two discuss internet culture and where it’s going.“

Conversations with People who hate me – Episode 4: Facts and Feelings: „'Facts don’t care about your feelings.' At least according to this week’s guest Anna, a school teacher from the south. Listen as Dylan and Anna try to get to the bottom of why they see that catchphrase so differently… and why they both agree that Anna shouldn’t have sex with her cat.“

Breitband: Streit im Netz, Liebe zum Spiel (MP3, Info): „In einer demokratischen Gesellschaft ist Streit unerlässlich. Während im analogen Leben auf der Straße zurzeit mehrere Projekte Diskussionsexperimente wagen, steht eine Frage im Raum: Tragen die sozialen Medien zu einer lebendigen und konstruktiven Streitkultur bei? Oder verhindern sie den Austausch von Meinungen, bei dem man sich gegenseitig respektiert und auch Minderheiten akzeptiert werden? […] Der Psychiater und Autor Jan Kalbitzer forscht an der Charité Berlin zu den Zusammenhängen zwischen Internet und seelischer Gesundheit und beschäftigt sich u.a. in seinem Buch „Digitale Paranoia“ mit unserer Kommunikation im Netz. Er stellt fest: 'Ich forsche dazu - aber persönlich ist es mir nie gelungen, mich wirklich in den sozialen Medien zu streiten. Bin ich in einer #Filterblase?' Wir sprechen mit ihm über die Schwierigkeit, sich digital zu streiten und mögliche konstruktive Auswege.“

BR Sozusagen: Name: Keith. Beruf: Emoji-Übersetzer (MP3): „Die am schnellsten wachsende Sprache? Emojis! So sieht es die Firma 'Today Translations' - das Londoner Übersetzerbüro hat jetzt einen Spezialisten nur für die Bildersprache angeworben / Noch auf der Suche ist man beim Bundesamt für Migration: Die Nürnberger Asylbehörde braucht dringend Dolmetscher für Sprachen wie Tigrinya und Oromo“.

Dradio Kultur: Digitales kontra analoges Lesen – Stellt die Digitalisierung das Lesen auf den Kopf? (MP3, Info):

Diese digitale Revolution ist eigentlich noch revolutionärer [als der Buchdruck]. Das kann man höchstens damit vergleichen, was es bedeutet hat für die Menschheit, zu schreiben. Weil das Schreiben hat gleichzeitig auch das Denken nach sich gezogen und ein gewisses Wissen, und da konnte man dann wiederum auch die Gesellschaft untersuchen, und die Revolution durch die Gutenbergsche Erfindung war zweifelsohne eine Revolution, aber letztendlich kam nicht so viel Neues. Die Kontexte haben sich nicht so verändert. Es war immer noch Papier, es waren immer noch Linien auf Papier, Buchstaben. Es hatte eine gewisse Oberfläche.

Beim digitalen Bild kann man alle Texte reproduzieren. Das ist so, wie Faust nach dem Geist sucht, nach dem Wissen sucht. Aber hier, bei diesem digitalen Bildschirm, kommt das von irgendwoher, man weiß nicht, von wo. Plötzlich ist ein Text da, und er ist virtuell, und dieser Text kann auch wieder verschwinden. Er hat keine Substanz, es ist kein Objekt. Und beim Schreiben war ja das Revolutionäre, dass wir geschriebene Sprache plötzlich fassen konnten, dass sie fassbar wurde, dass sie objektiv wurde, dass man dadurch diese Sprache auch wiederum studieren konnte. Das ist ja hier in diesem Fall, bei der digitalen Revolution eben nicht der Fall. Man kann das kognitiv eben gar nicht erfassen. Und insofern gibt es keinen Körper mehr, und alles, von dem wir glauben, dass wir es kennen, muss irgendwie neu bewertet werden.

HR2 Der Tag: Hail Trump! - Wie der Präsident nach dem Rechten sieht (MP3): „In Charlottesville, Virginia marschieren Ewiggestrige auf, weil die Statue eines Generals weichen soll. Eine Statue, die für den alten Süden und seine Sklavenhaltergesellschaft steht. Viele Rechte marschieren mit. Sie schlagen auf Gegendemonstranten ein. Einer von ihnen tötet mit seinem Auto eine Frau. Und der ehemalige Chef des Ku-Klux-Klan beruft sich später auf den Mann im Weißen Haus. Indem die Demonstranten von Charlottesville sich 'unser Land zurückholen', 'erfüllen sie die Versprechen von Donald Trump', sagt er. Und der Präsident? Er verurteilt nach langem Schweigen nichts anderes als den 'Hass auf vielen Seiten' und lässt dabei offen, ob er damit auch die Rechten meint. Ohne deren Stimmen wäre die Präsidentenhymne 'Hail to the Chief' wohl nie für Trump gespielt worden. Und so ist es fraglich, ob er die Geister, die er rief, überhaupt loswerden will. Wer sind diese Geister? Gibt es einen Geist, der sie eint? Und welche Geister scheiden sich an ihnen?“

HR2 Der Tag: #Neuland - Wahlkampf im Netz (MP3): „Plakate sind nur noch wichtig, um den Leuten zu signalisieren: da ist doch irgendwann diese Bundestagswahl. Entschieden werden die Wahlen im Netz. Deswegen geben die "Grünen“ jeden zweiten Euro für Internet-Werbung und die Analyse von Daten aus. Wahlkampfstrategen lassen sich von Experten für "Neuro-Marketing“ erklären, mit welcher personalisierten Kurznachricht Menschen angesprochen werden müssen, damit sie ihr Kreuzchen am Ende an der richtigen Stelle machen. Im letzten Wahlkampf musste Angela Merkel noch zugeben, dass Soziale Medien Neuland für sie seien. Heute drückt die CDU ihren Haustürwahlkämpfern Smartphones in die Hand, mit denen sie die wichtigsten Argumente für eine Unions-Stimmabgabe an die Parteizentrale meldet. Und die CDU-Chefin lässt sich heute von youtube-Stars befragen, damit die ihren Millionen von Anhängern sagen, wie cool die Kanzlerin ist.“

Hörspiele

WDR3 Hörspiel: Kleine Geschäfte - Oder: Umkehrung der Verhältnisse (MP3): „'Die Krise ist dann vorbei, wenn die Gier wieder größer ist als die Angst.' Jahrelang wurde die frohe Botschaft der Gewinnmaximierung so erfolgreich gepredigt, dass auch das Privatleben der Menschen mehr und mehr nach den Regeln des Kapitalmarktes funktioniert.“

WDR3 Hörspiel: Der Mann, der auf die Erde fiel (MP3): „Eine wahre Geschichte: An einem Sonntag im September fällt morgens um kurz vor acht der Körper eines jungen Mannes aus den Wolken. Er landet, tot, auf einer Straße am Stadtrand von Süd-West London.“