VERSALSATZ-ẞ IST SEIT HEUTE OFFIZIELLER GROẞBUCHSTABE YAY!

Der Rat für Rechtschreibung hat das neue Regelwerk veröffentlicht und nun ist es amtlich: Das große ẞ ist seit heute offizieller Bestandteil der regelkonformen Versal-Lettern.

Bislang war es falsch, ein scharfes ß in Versalien (ẞ) zu setzen, da 1.) das Zeichen (allermeistens) eine Ligatur aus dem kleinen s und dem lange Fraktur-ſ darstellen und sich daher nicht in das Schriftbild des Versalsatzes einfügt (KRAßEß BEIßPIEL ßIEHT NICH ßO GEIL AUß). Ersatzweise griff man im Versalsatz auf das Doppel-S zurück, wobei seit dem Übergang von Fraktur zu Antiqua-Satz die Forderung nach einem versalen ß im Raum stand und vom Duden bereits 1925 gefordert wurde: „Die Verwendung zweier Buchstaben für einen Laut ist nur ein Notbehelf, der aufhören muss, sobald ein geeigneter Druckbuchstabe für das große ß geschaffen ist.“

2008 wurde bereits ein kapitales ß in Unicode untergebracht (ẞ) und nun zieht der Buchstabe endlich (nach nur hundert Jahren Schriftsetzerbürokratiemumpitz) in die Rechtschreibung ein. Nun müssen natürlich noch die Schriftgießer Glyphenschneider Fontographer-Fuzzies nachziehen und ihre Schriften aktualisieren, was eh nur bei den bekannten Schriften und den größeren Buchstabenmachern passieren wird beziehungsweise bereits geschehen ist, VERSAL-ẞ gibt es bislang zum Beispiel für die Systemfonts Arial (ẞ), Courier New (ẞ), Times New Roman (ẞ), Geneva (ẞ) und Verdana (ẞ) (sind aber, wie man an den Beispielen sieht, noch nicht überall implementiert) und ansonsten in über 1000 Schriften auf Myfonts. Das allerdings ist immer noch nur ein kleiner Bruchteil.

Jedenfalls: Happy Inception-Day, ẞ!

Typografie.info: Es ist vollbracht: Großes Eszett nun Teil der amtlichen deutschen Rechtschreibung

Wie der Rat für Rechtschreibung in seiner Pressemitteilung vom 29. Juni 2017 bekannt gab, wurden die 2016 vorgeschlagenen Anpassungen des Regelwerkes »von den zuständigen staatlichen Stellen in Deutschland, Österreich, der Schweiz, dem Fürstentum Liechtenstein, der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol und der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens bestätigt und [sind] damit wirksam geworden.« Teil dieser Änderungen ist die Aufnahme des großen Eszett in die amtliche Rechtschreibung. Das aktualisierte Regelwerk (»Regeln 2017«) kann ab sofort auf der Website des Rechtschreibrates heruntergeladen werden. Hier die Änderungen zum Eszett im Überblick:

Ab sofort existiert jeder Buchstaben als Kleinbuchstabe und Großbuchstabe. Die bisherige Ausnahme in Form des ß ohne passenden Großbuchstaben ist entfallen.

Für die Wiedergabe des ß im Versalsatz ist neben SS ab sofort auch ẞ erlaubt. Die bisher übliche Schreibweise bleibt also erhalten. Das große Eszett kommt lediglich als Variante hinzu und kann mit allen Fonts verwendet werden, die bereits über eine Belegung auf Unicode-Position 1E9E verfügen.