Doku: Auserwählt und Ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa

Die Bild-Zeitung hat gestern die angeblich umstrittene Dokumentation über Antisemitismus in Europa veröffentlicht. Da ich aus Prinzip nicht auf die Bild verlinke (und ihre Erwähnung hier normalerweise auch vermeide), hier eine YT-Version. (via Daniel)

Die Dokumentation ist erschreckend und sollte gesehen werden, die Befindlichkeiten des WDR und von Arte sind befremdlich, um es diplomatisch zu formulieren.

Die Sender werfen den Filmemachern unter anderem vor, dass Ahmad Mansour als Koautor bei der Dokumentation aus privaten Gründen nicht beteiligt war. Jan Grossarth in der FAZ dazu: „Der deutsch-palästinensische Publizist, ein engagierter Kritiker des Islamismus, wollte die Dreharbeiten ursprünglich begleiten. Mansour sollte ‚die Ausgewogenheit des Projekts garantieren‘, schreibt Arte-Chef Diberder – so, als garantiere nur die Beteiligung eines Mannes mit arabischem Nachnamen ‚Ausgewogenheit‘.“

Und Mansour selbst verteidigt den Film: „Auch wenn ich aus privaten Gründen nicht als Co-Autor bei dem Film mitmachen konnte, stehe ich hinter dem Film.“

Arte ist laut Frankfurter Rundschau übrigens fine mit dem Upload der Doku von Bild:

Arte teilte mit, man habe zur Kenntnis genommen, dass „Bild.de“ die Dokumentation „in eigener Verantwortung“ online gestellt habe. „Auch wenn diese Vorgehensweise befremdlich ist, hat Arte keinen Einwand, dass die Öffentlichkeit sich ein eigenes Urteil über den Film bilden kann“, erklärte der Sender auf seiner Seite. Zudem bekräftigte Arte, den Film „nicht durch eine eigene Ausstrahlung nachträglich legitimieren“ zu wollen, da er vom verabredeten Sendungskonzept abweiche. „Die Unterstellung, der Film passe aus politischen Gründen nicht ins Programm, ist schlichtweg absurd.“

Review zur Doku in der TAZ: Zensur einer Antisemitismus-Doku – Wehrhafte Juden sieht man nicht gern:

Was man dem Film vielleicht vorwerfen kann: Die Macher wollen ein bisschen zu viel. In der ersten Hälfte wirkt „Auserwählt und ausgegrenzt“ etwas zu textlastig, man fühlt sich manchmal erschlagen von all den Zahlen und historischen Exkursen. Andererseits: Der Inhalt sucht sich immer seine Form, und Hafner und Schröder ging es darum, dem von Phantasmen und Verdrehungen in Sachen Israel geprägten Bild der Bevölkerung möglichst viel entgegenzusetzen. Da ist es durchaus zielführend, etwa ein paar Zahlen zu liefern zu den Lebensverhältnissen in Gaza: 5.000 Menschen leben dort auf einem Quadratkilometer – in Paris seien es 21.000.

Ungewöhnlich ist der teilweise sarkastische Tonfall, der an den ARD-Moderator Dieter Moor erinnert. „Schade um das schöne Mittelmeer, wir haben es so sehr gemacht“, heißt es an einer Stelle, nachdem die Bundestagsabgeordnete Annette Groth der Linken tatsächlich Israel vorgeworfen hat, das Mittelmeer zu vergiften. „Dieser Holocaust-Vergleich wurde ihnen von ‚Brot für die Welt‘ präsentiert“, lautet wiederum der Kommentar zu einer entsprechenden Äußerung einer großmütterlichen Frau aus dem kirchlichen Milieu.

Diese Mittel sind aber angemessen. Man kann auf die wahnhaften Äußerungen, die der Film aufgreift, kaum nüchtern reagieren. Selbst, wenn man die sarkastischen Einsprengsel für unangebracht hielte, wäre das nur ein geschmäcklerischer Einwand, der es nicht rechtfertigt, den Film in den Giftschrank zu packen. „Vielleicht sollte man den Zuschauern zutrauen, sich selber eine Meinung zu bilden“, sagt Schröder.

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