Defined Safe Spaces are cool

In den letzten Tagen gab es zwei interessante Diskussionen um Safe Spaces.

1.) Why a Women's-Only 'Wonder Woman' Screening That Sparked Male Outrage Is Absolutely Vital
2.) Pariser Bürgermeisterin wirft Afro-Feministinnen Diskriminierung vor

Ich möchte gerne in einer recht simplen Argumentation darlegen, warum ich das Women-Only-Screening von Wonder Woman für völlig unproblematisch halte, das Festival allerdings nicht. Und diese simple Argumentation ist der simple Mechanismus der Definition des Raums.

Natanji, eine bekannte Trans-Aktivistin, schrieb Anfang des Jahres ihre sehr einleuchtende Definition: Safe Spaces, Abgrenzung und Respekt, die ich so unterschreiben würde und deren Kern für mich dieser hier ist (Hervorhebungen von mir):

„Safe Space“ bedeutet wörtlich übersetzt „sicherer Raum“, sinngemäß vielleicht „Schutzraum“. In den meisten Erklärungen dazu (z.B. hier im Geek Feminism Wiki) werden damit physische oder virtuelle Orte bezeichnet, in denen die Angehörigen marginalisierter oder diskriminierter Gruppen (im Rest des Textes: Marginalisierte) die alltäglichen Geringschätzungen und Abwertungen der Welt außerhalb möglichst nicht erleben müssen. Es geht oft um ein „unter sich sein“ von Betroffenen verschiedener Diskriminierungen. […] Abgegrenzte Räume, zu denen nur bestimmte Personen Zugang haben oder wo nur bestimmte Wortmeldungen erwünscht sind, sind keine Erfindung des Queerfeminismus oder links-grün versiffter Gutmenschen. Jede Vorstandsetage, jede wissenschaftliche Konferenz, jeder Stammtisch in den Kneipen der Republik und jede Selbsthilfegruppe ist ein in sich relativ abgeschlossener Raum, wo nur Leute mit bestimmten Voraussetzungen willkommen sind.

Diese Definition von Safe Space tangiert keins meiner Freiheitsrechte, da sie abgegrenzt und definiert sind. Der Safe Space gilt nicht für den Öffentlichen Raum.

Das ist der Fall beim Screening von Wonder Woman, ein exakt definiertes Event. Nicht aber beim feministischen Festival in Paris, ein dreitägiges Festival mit ungleich höheren Besucherzahlen. Deshalb habe ich keinerlei Problem mit ersterem, sehr wohl aber mit letzterem (wobei ich selbst dort eher mit den Schultern zucken würde, als tatsächliche Einwände zu erheben [denn auch das La Generale in Paris, wo das Festival stattfinden soll, ist ein übersichtlicher, abgeschlossener Raum] – aber deshalb schimpfe ich mich ja auch Feminist).

Das ist übrigens auch exakt der Grund für die Proteste und Ausschreitungen auf Universitäten in den USA: Die Studenten fordern eine Ausweitung ihrer Safe Spaces, eine Forderung die ich (aufgrund ihrer eigenen Argumente) für völligen Unfug und sogar für gefährlich halte. Das ist übrigens auch exakt der Grund, warum das „Verbot“ der Meisterfeierlichkeiten der Wolfsburger Fußballwonderwomen so furchtbar monströser Bullshit ist: Es ist eine unzulässige Erweiterung des Safe Spaces für die Befindlichkeiten von angeblichen Profi-Fußballern. Es ist exakt dasselbe, das aber „nur“ am Rande.

Der (Netz)Feminismus hat sicher eine Menge Probleme und die uneinheitliche Definition von Safe Spaces gehört sicherlich dazu. Aber wenn man diese Dinge schon kritisiert, dann muss man hier ebenfalls: Ganz genau hinsehen. Just saying.

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