Neulich in Darmstadt: Das Geile Neue Internet – Potential of (visible) Infinite Idea Space

[update] Hier ein Livestream auf Facebook.

Hier der Vortrag auf Youtube. Wer einem sehr nervösen Typen auf einer Bühne beim assoziativem Mäandern über die Probleme des Internets zuhören möchte: Haut rein! (Wird im letzten Drittel besser, der Vortrag. Bin zufrieden, Feedback war ordentlich („gut, aber überfordernd, confusing und ohne roten Faden“ – ich arbeite daran).


Heute abend erzähle ich auf dem Webmontag Darmstadt – Born and raised Heiner, gude! – ab 19 Uhr ein bisschen was zum Geilen Neuen Internet:

MACHT! – VON TROLLEN, FAKE NEWS UND DESPOTEN – UND WAS WIR GEGEN SIE TUN KÖNNEN.

Wer hat das Internet kaputt gemacht? Bot-Netze verbreiten Fake News, Kommentarspalten quellen über vor Hass und bisher hat immer noch niemand @realdonaltrump das Twittergerät weggenommen.

Macht! ist das Motto des vierten Webmontag Darmstadt am 22. Mai 2017 in der Centralstation und das will bewusst doppeldeutig verstanden werden. Macht! Das ist die Macht, Menschen und Kultur zu beeinflussen – mit Posts, Algorithmen und Filter Bubbles. Macht! Das ist der Aufruf an uns alle, aufzustehen und dagegenzuhalten. Denn es ist egal, wer das Internet kaputt gemacht hat. Hauptsache, wir machen es wieder heile. Aber wie? Wir suchen Antworten auf dem vierten Webmontag Darmstadt

Einlass: 18:15 Uhr | Beginn: 19:00 Uhr

Außerdem zu Gast: Die wunderbare Karolin von der Hoaxmap, Martin Haase (Linguist vom CCC) und Wolfgang Wopperer-Beholz von Save Democracy.


Als ich vor ein paar Jahren damit begann, mich mit diesen memetischen Verknotungen zu befassen, noch vor Gamergate und dem Schlonz, habe ich das mal für 'ne kurze Weile sowas wie „Web Anomalies“ genannt. Das ist tatsächlich eine ganz gute Sub-Headline für das, was ich heute abend in Darmstadt vortragen werde, was ich vor ein paar Tagen im Netzfeminismus-Froschmonster-Text mit „ich habe [das Problem] ganz gut abgesteckt mittlerweile“ formulierte. (Und ich hoffe, ich bekomme das ganze Monster in die 15 Minuten Vortragszeit.)

Man muss das wohl ein „rudimentäres Gerüst“ für eine „Theorie der Welt-Wahrnehmung im Netz“ nennen, whatever that means. Für mich sind es vor allem Stichpunkte, an denen ich mich entlanghangeln kann, denn diese „Probleme des Internets“, die im Crash mit unserem Weltbild entstehen, sind verknüpft und bilden ein komplettes Gebilde, das ich das „Potential of (visible) Infinite Idea Space“ nenne – und das ursächliche Problem ist die Annäherung an die Erfüllung dieses Potentials, zunächst durch Demokratisierung der digitalen Produktionsmittel (die auch immer die „Welt“ reproduzieren aka kopieren können), dann Swarm-Intelligence (die das alles immer schneller verknüpften) und nun auch Künstliche Intelligenz (die das ganze massiv Beschleunigt). Dieses Potential wird wohl nie zu 100% erfüllt – ist das so? –, aber wohl genug, um Chaos zu stiften. (Ich habe mit Philosophen und Historikern über den Kram hier geredet [nicht in dieser Ausführlichkeit, aber ausführlich genug, unter anderem hier und auf Twitter mit einer ganzen Reihe weiterer Leute] und auch wenn das alles für mich neu ist, so stimmen sie mir doch in nicht wenigen Punkten zu. Das Volumen des Bullshits sollte sich also wenigstens ein bisschen in Grenzen halten.)

Ich hatte mir vor ein paar Tagen eine Grafik dazu einfallen lassen, die ist, genau wie der ganze Entwurf, Work-in-Progress, noch ausbaufähig und ich muss hierüber noch mehr nachdenken:

Das hier (und wer das Blog hier kennt, kann genau die Überlappungspunkte ausmachen, Links zu Postings trage ich nach) ist so ungefähr das Ausmaß des Problems, das meines Erachtens auf uns zugerollt kommt, zusammen mit ein paar Lösungsansätzen. Und wenn nur 20% davon zutreffen, dann holy shit.

Die mit <--> markierten Stellen sind immer unterschiedliche Spannungsfelder, die kann man in einem nächsten Schritt benennen, im Sinne des Neuen Realismus: „Es gibt soziale, mathematische, moralische, physikalische, juristische, historische Tatsachen“ (großzügiges Nahezuvollzitatidontcare aus der NZZ unten), das werde ich während des Vortrags vielleicht schonmal versuchen.

Hier die Präsentation als PDF (kann abweichen).

Das Geile Neue Internet – Potential of (visible) Infinite Idea Space

∞. Potential of (visible) Infinite Idea Space:
Noise, Emotional-Memetic Streams, Cultural Stagnation (Marc Fisher), End of Post-Modernism and Irony, New Sincerity/New Realism

Memetic Manifestations:
AltRight, Rightwing-Trolls, National Identity/Generation Identity, Theory Horror, Dark Enlightenment, NeoReaction
<-->
„Identity of Mind“, Cybergoth, Science Fiction, DIY, Hackers, Genderfluidity, Drugs, Occult Memetics, Philosophy of Horror („The Unknowns“)

[n]. Incremental smaller (Fractal) Problems/Innovations (?)

1. Fake:
Trolls, Photoshop, Clickbait, Hoax, FakeNews
<-->
Machine Learning, CGI, Computer Vision

2. Abstraction/Reality Leveling:
Reality: Literally, Media, Journalism, „The Expert“, Realtime
<-->
Fiction: Metaphorical, Fantasy, Genre, Story, Trolls, Meme, Longtime

3. Memetic Competence:
Reality: Competence is Power Distribution, „The Professional“, Law, Wikipedia, Etymology
Fiction: Folk Etymology, Conspiracy, Esoteric
<-->
Reality: „Weaponized Autism“, 4Chan, /pol/, Meme-Magic
Fiction: Memetics, Trolls, Idiot Play Theoretics, Pepe, Cult of Kek,

4. Memetic Taboos:
Reality: Taboo is Power Distribution, Law, Etymology, Overton Window, Talk Radio
Fiction: Folk Etymology, Comedy, Superstition, Fairytales
<-->
Reality: Hate-Crime, Hate-Speech, Deconstruction, Liquid Language, „Nazi“, „Troll“, Outrage-Memetics
Fiction: Satire, Dadaism, Art, Music, New Cinema

5. Timelessness:
Meatspace: Echtzeit-Gegenwart <--> other Times/25% Past/75% Future
Web: Echtzeit-Gegenwart <--> other Times/5% Future/95% Past

6. Mass:
Monolith, (En)Forced Categorization
<-->
Blocklisten, Algorithms, Machine Learning


Neue Züricher Zeitung: Fünf Jahre Neuer Realismus – Wider die postmoderne Flucht vor den Tatsachen

Der Neue Realismus nimmt an, dass es objektive sowie subjektive Tatsachen gibt, die wir erkennen können. Viele dieser Tatsachen sind davon unabhängig, dass wir Überzeugungen dazu haben. Das ist Realismus. Neu ist dabei, dass nicht mehr angenommen wird, diese Tatsachen gehörten insgesamt zu genau einer Wirklichkeit, der Welt im allumfassenden Sinn dessen, was es überhaupt gibt. Vielmehr sind die Tatsachen in sich vielfältig: Es gibt soziale, mathematische, moralische, physikalische, juristische, historische Tatsachen usw. Entsprechend gibt es eine Vielzahl an Wissensformen und Wissenschaften, die jeweils ihre eigenen Tatsachenbereiche erforschen (nicht konstruieren!), die ich als «Sinnfelder» bezeichne.

Damit wendet sich der Neue Realismus gegen zwei grosse Weichenstellungen im gegenwärtigen Zeitgeist: die Postmoderne einerseits und das naturalistische Weltbild andererseits. Anhänger der Postmoderne halten den Realismus für naiv, und Fürsprecher des Naturalismus möchten ihn allenfalls für die Tatsachenerkenntnis der Naturwissenschaften reservieren.

Die Weichenstellungen gehen auf die Eröffnungszüge der neuzeitlichen Philosophie zurück, die unseren Zugang zur Wirklichkeit insgesamt für schwierig erachtet, da zwischen uns und der Wirklichkeit vermittelnde Instanzen stünden wie Sinneseindrücke, das Bewusstsein, die Sprache, die soziokulturellen Bedingungen der Wissensproduktion und anderes mehr. Diese Skepsis kulminiert in der Postmoderne, die uns weiszumachen versucht, dass wir die Wirklichkeit an sich nicht erkennen können bzw. dass es sie womöglich gar nicht gibt, wie die radikalen Konstruktivisten annehmen. Paradigmatisch hat bereits Nietzsche behauptet, dass wir letztlich keine Wahrheiten oder Tatsachen erkennen könnten, sondern stattdessen mit Illusionen bzw. «Lügen im aussermoralischen Sinne» leben müssten. Alles Erkennen sei perspektivisch gefiltert. Dinge an sich seien nutzlose Annahmen, Bewohner einer Hinterwelt, die mit dem Tod Gottes verschwinden solle.

Der Neue Realismus wendet sich gegen diesen Versuchsaufbau. Der Gegner ist im Allgemeinen der Konstruktivismus, der in der heutigen Kultur- und Wissenschaftslandschaft in verschiedenen Spielarten sein Unwesen treibt. Etwa in der Form der angeblich neurowissenschaftlich abgedeckten These, das Gehirn konstruiere die Aussenwelt, so dass wir gar keinen direkten Zugang zur Welt «da draussen» hätten, sondern immer nur interne Halluzinationen wahrnähmen. Andere meinen, Werte, wie sie etwa in Menschenrechtskatalogen vorkämen, seien westliche Konstruktionen und mithin nicht universal gültig. Auch die Medien stehen im Verdacht, nicht von Tatsachen zu berichten, sondern diese zu erzeugen, was den Zorn der Populisten auf sich zieht («Lügenpresse»), während postmoderne Theoretiker die «Medialität» gleichsam als Schicksal der Moderne für alternativlos halten.

Einig sind sich Konstruktivisten darin, den Realismus als naiv zu bezeichnen. Reflektiert und aufgeklärt könne man demnach nur sein, wenn man die unaufhebbare Vermitteltheit – Medialität – aller Weltzugänge akzeptiere und es vermeide, sich auf Wahrheitssuche festzulegen. An die Stelle von Wahrheiten träten Parolen und Bekundungen der Solidarität mit der eigenen Gruppe.

Gegen diese Konstellation richtet sich der Neue Realismus, der freilich alles andere als naiv ist. Zu zeigen, wie es möglich ist, dass die Vermitteltheit unseres Zugangs zum Wirklichen uns das Wirkliche gerade nicht verstellt, ist Sache der philosophischen Arbeit am Begriff. Diese Arbeit kann man sich nicht durch den zynischen Seufzer ersparen, dass wir nun einmal in Platons Höhle leben und, statt die Dinge erkennen zu können, mit deren Schatten vorliebnehmen müssen. […]

Der Neue Realismus wendet sich auch gegen das naturalistische Weltbild. Im Partikelbeschleuniger und im Hirnscan sieht man weder Moral, Religion, Republiken, Zahlen noch die Geistesgeschichte. Daraus folgt aber nicht, dass es diese welthistorischen Agenten nicht gibt, sondern nur, dass man sie naturwissenschaftlich prinzipiell nicht erforschen kann. [ed.: Einwand hier, aber später] Das Reale ist nicht mit dem Natürlichen identisch, das Gegenstand der naturwissenschaftlichen Erforschung ist. Das Universum als Gegenstandsbereich der Naturwissenschaften ist eine ontologische Provinz unter anderen – was den Wert seiner Erforschung nicht mindert. Wirklich ist vieles. Zwei und zwei ergibt wirklich vier. Deutschland ist wirklich eine Bundesrepublik mit einer sehr wirklichen Kanzlerin. Menschenwürde kommt wirklich allen Menschen zu, und es ist ein Übel, sie anzutasten. Wirklich sind auch Galaxien und Bosonen, Hände und Albträume. Das Wirkliche ist ein bunter Strauss. Dieser bunte Strauss bildet aber keine riesige Einheit. Die Wirklichkeit, die eine Welt, zu der alles Wirkliche gefälligst zu gehören hat, gibt es gerade nicht.

Der Neue Realismus ist eine weltweit sichtbare Neubesinnung auf die soziokulturelle Einbettung und die Einheit, Freiheit und Gleichheit der Wissenschaften. Damit entspricht er dem Imperativ der Aufklärung, den Streit der Fakultäten mit dem humanistischen Ziel vor Augen zu moderieren, dass der Mensch als geistiges Lebewesen nicht verschwinden soll, wie nach Foucault ein Gesicht im Sand am Meeresufer.

Dieser humanistische und universalistische Impuls der Aufklärung betrifft freilich nicht nur die Organisation des akademischen Wissens. Die Wissenschaften sind ein gesellschaftliches Subsystem. Dieses benötigt Unabhängigkeit von externer Beeinflussung und den Abstand, der für Theoriebildung nötig ist. Die Wissenschaften haben den Auftrag, Tatsachen zu entdecken, die ein besseres Verständnis der Begriffe in Aussicht stellen, aus denen sich unser Selbstporträt als geistige Lebewesen zusammensetzt. Zum autobiografischen Portfolio der Gattung Mensch gehört dabei unsere Selbsterkenntnis als moralische und politische Akteure auf der historischen Bühne des Sozialen. Das wusste Carl von Linné, dem wir den Gattungsnamen «Homo sapiens» verdanken. Anstatt diesen zoologisch näher zu bestimmen, fordert Linné ausdrücklich zur Selbsterkenntnis auf (nosce te ipsum). Selbsterkenntnis setzt voraus, dass wir etwas wirklich erkennen können.

Die postmoderne Tatsachenflucht überwindet keine Krisen, sie verschärft sie. Der Neue Realismus erinnert daher an die alte Einsicht: Die Wahrheit wird euch frei machen.

Der Neue Realismus nimmt an, dass es objektive sowie subjektive Tatsachen gibt, die wir erkennen können. Viele dieser Tatsachen sind davon unabhängig, dass wir Überzeugungen dazu haben. Das ist Realismus. Neu ist dabei, dass nicht mehr angenommen wird, diese Tatsachen gehörten insgesamt zu genau einer Wirklichkeit, der Welt im allumfassenden Sinn dessen, was es überhaupt gibt. Vielmehr sind die Tatsachen in sich vielfältig: Es gibt soziale, mathematische, moralische, physikalische, juristische, historische Tatsachen usw. Entsprechend gibt es eine Vielzahl an Wissensformen und Wissenschaften, die jeweils ihre eigenen Tatsachenbereiche erforschen (nicht konstruieren!), die ich als «Sinnfelder» bezeichne.

Damit wendet sich der Neue Realismus gegen zwei grosse Weichenstellungen im gegenwärtigen Zeitgeist: die Postmoderne einerseits und das naturalistische Weltbild andererseits. Anhänger der Postmoderne halten den Realismus für naiv, und Fürsprecher des Naturalismus möchten ihn allenfalls für die Tatsachenerkenntnis der Naturwissenschaften reservieren.

Die Weichenstellungen gehen auf die Eröffnungszüge der neuzeitlichen Philosophie zurück, die unseren Zugang zur Wirklichkeit insgesamt für schwierig erachtet, da zwischen uns und der Wirklichkeit vermittelnde Instanzen stünden wie Sinneseindrücke, das Bewusstsein, die Sprache, die soziokulturellen Bedingungen der Wissensproduktion und anderes mehr. Diese Skepsis kulminiert in der Postmoderne, die uns weiszumachen versucht, dass wir die Wirklichkeit an sich nicht erkennen können bzw. dass es sie womöglich gar nicht gibt, wie die radikalen Konstruktivisten annehmen. Paradigmatisch hat bereits Nietzsche behauptet, dass wir letztlich keine Wahrheiten oder Tatsachen erkennen könnten, sondern stattdessen mit Illusionen bzw. «Lügen im aussermoralischen Sinne» leben müssten. Alles Erkennen sei perspektivisch gefiltert. Dinge an sich seien nutzlose Annahmen, Bewohner einer Hinterwelt, die mit dem Tod Gottes verschwinden solle.

Der Neue Realismus wendet sich gegen diesen Versuchsaufbau. Der Gegner ist im Allgemeinen der Konstruktivismus, der in der heutigen Kultur- und Wissenschaftslandschaft in verschiedenen Spielarten sein Unwesen treibt. Etwa in der Form der angeblich neurowissenschaftlich abgedeckten These, das Gehirn konstruiere die Aussenwelt, so dass wir gar keinen direkten Zugang zur Welt «da draussen» hätten, sondern immer nur interne Halluzinationen wahrnähmen. Andere meinen, Werte, wie sie etwa in Menschenrechtskatalogen vorkämen, seien westliche Konstruktionen und mithin nicht universal gültig. Auch die Medien stehen im Verdacht, nicht von Tatsachen zu berichten, sondern diese zu erzeugen, was den Zorn der Populisten auf sich zieht («Lügenpresse»), während postmoderne Theoretiker die «Medialität» gleichsam als Schicksal der Moderne für alternativlos halten.

Einig sind sich Konstruktivisten darin, den Realismus als naiv zu bezeichnen. Reflektiert und aufgeklärt könne man demnach nur sein, wenn man die unaufhebbare Vermitteltheit – Medialität – aller Weltzugänge akzeptiere und es vermeide, sich auf Wahrheitssuche festzulegen. An die Stelle von Wahrheiten träten Parolen und Bekundungen der Solidarität mit der eigenen Gruppe.

Gegen diese Konstellation richtet sich der Neue Realismus, der freilich alles andere als naiv ist. Zu zeigen, wie es möglich ist, dass die Vermitteltheit unseres Zugangs zum Wirklichen uns das Wirkliche gerade nicht verstellt, ist Sache der philosophischen Arbeit am Begriff. Diese Arbeit kann man sich nicht durch den zynischen Seufzer ersparen, dass wir nun einmal in Platons Höhle leben und, statt die Dinge erkennen zu können, mit deren Schatten vorliebnehmen müssen. […]

Der Neue Realismus wendet sich auch gegen das naturalistische Weltbild. Im Partikelbeschleuniger und im Hirnscan sieht man weder Moral, Religion, Republiken, Zahlen noch die Geistesgeschichte. Daraus folgt aber nicht, dass es diese welthistorischen Agenten nicht gibt, sondern nur, dass man sie naturwissenschaftlich prinzipiell nicht erforschen kann. [ed.: Einwand hier, aber später] Das Reale ist nicht mit dem Natürlichen identisch, das Gegenstand der naturwissenschaftlichen Erforschung ist. Das Universum als Gegenstandsbereich der Naturwissenschaften ist eine ontologische Provinz unter anderen – was den Wert seiner Erforschung nicht mindert. Wirklich ist vieles. Zwei und zwei ergibt wirklich vier. Deutschland ist wirklich eine Bundesrepublik mit einer sehr wirklichen Kanzlerin. Menschenwürde kommt wirklich allen Menschen zu, und es ist ein Übel, sie anzutasten. Wirklich sind auch Galaxien und Bosonen, Hände und Albträume. Das Wirkliche ist ein bunter Strauss. Dieser bunte Strauss bildet aber keine riesige Einheit. Die Wirklichkeit, die eine Welt, zu der alles Wirkliche gefälligst zu gehören hat, gibt es gerade nicht.

Der Neue Realismus ist eine weltweit sichtbare Neubesinnung auf die soziokulturelle Einbettung und die Einheit, Freiheit und Gleichheit der Wissenschaften. Damit entspricht er dem Imperativ der Aufklärung, den Streit der Fakultäten mit dem humanistischen Ziel vor Augen zu moderieren, dass der Mensch als geistiges Lebewesen nicht verschwinden soll, wie nach Foucault ein Gesicht im Sand am Meeresufer.

Dieser humanistische und universalistische Impuls der Aufklärung betrifft freilich nicht nur die Organisation des akademischen Wissens. Die Wissenschaften sind ein gesellschaftliches Subsystem. Dieses benötigt Unabhängigkeit von externer Beeinflussung und den Abstand, der für Theoriebildung nötig ist. Die Wissenschaften haben den Auftrag, Tatsachen zu entdecken, die ein besseres Verständnis der Begriffe in Aussicht stellen, aus denen sich unser Selbstporträt als geistige Lebewesen zusammensetzt. Zum autobiografischen Portfolio der Gattung Mensch gehört dabei unsere Selbsterkenntnis als moralische und politische Akteure auf der historischen Bühne des Sozialen. Das wusste Carl von Linné, dem wir den Gattungsnamen «Homo sapiens» verdanken. Anstatt diesen zoologisch näher zu bestimmen, fordert Linné ausdrücklich zur Selbsterkenntnis auf (nosce te ipsum). Selbsterkenntnis setzt voraus, dass wir etwas wirklich erkennen können.

Die postmoderne Tatsachenflucht überwindet keine Krisen, sie verschärft sie. Der Neue Realismus erinnert daher an die alte Einsicht: Die Wahrheit wird euch frei machen.

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