Heiko MSO – R.I.P.

Gepostet vor 2 Monaten, 8 Tagen in #Music #DJing #R.I.P. #Techno

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Der frankfurter House-DJ und Techno-Urgestein Heiko MSO ist gestorben.

Wenn ich mich richtig erinnere, war es damals Richie „Plasticman“ Hawtins erstes Album Sheet One (das mit den Acid-Tabs), eine meiner ersten Technoplatten, die ich damals bei ihm im Plattenladen Delirium kaufe. Ohne Heiko wäre ich wahrscheinlich nie DJ Acidwalta geworden vor hundert Jahren. Danke für die ganzen Bretter, Heiko! Sad day.

Hier die HR3 Clubnight vom 18. Januar 1997 mit Heiko und Ata an den Decks, Tracklist hier.

Heiko Schäfers Leidenschaft begann zu einer Zeit, in der noch niemand von Techno oder elektronischer Musik sprach. Anfang der 80er begann sein Interesse für diese Musikrichtung, konkreter wurde es, wie bei so vielen, mit Besuchen im Club Dorian Gray am Flughafen, später dann im frisch eröffneten Omen in der Junghofstraße.

Bald legt er unter dem Namen MSO auf – Mental Sound Odyssee. Diese Odyssee führte ihn als DJ ins Plastik, als Plattenliebhaber zum Delirium, als Produzent zu Ongako Music, einem Label, dass er zusammen mit Ata Macias gründet. Zu größerer Bekanntheit gelangt auch die Reihe Wild Pitch Club, später legt er im Robert Johnson auf. Heiko MSO gehörte zu den maßgeblichen Wegbereitern des Sound of Frankfurt, jener Spielart moderner elektronischer Musik, die in den 90er-Jahren weltweit für Aufmerksamkeit sorgt und seine Protagonisten bis in die Gegenwart hinein Auftritte in aller Herren Länder beschert.

[update 25.5.] Nachruf von Roman Flügel:

Ich erinnere mich sehr gerne an die Zeit um das Jahr 1992, als Heiko und ich uns kennenlernten. Der erste Delirium-Plattenladen hatte gerade in Frankfurt eröffnet, und Heiko arbeitete dort als Plattenverkäufer. Eigentlich sollte ich an der Uni sein. Aber die Magie, die von der Musik ausging, die in Zukunft unser Leben bestimmen sollte, war einfach zu stark. So führte mich der Weg mal wieder in den kleinen Shop neben der Zeil. Am Wochenende hatten wir sicherlich beide die Nacht zum Tag gemacht, und besonders ein Track ging mir einfach nicht mehr aus dem Ohr. Shazamen war Lichtjahre entfernt, was lag also näher, als dich als Experten hinterm Tresen zu fragen? Alles, was ich ihm „vorsingen“ konnte, war ein Bassline Fragment. Es dauerte aber nur wenige Sekunden, bis Heiko klar war, um was es geht: Gesucht hatte ich die Classic Man-EP auf Nervous Records. M/S/O hattest das Ohr für House Music!

Rückblickend war das für mich ein unendlich wichtiger Moment, und nur kurze Zeit später lernten wir uns tatsächlich kennen, nachdem Jörn ihm und Ata unser erstes Demo als Acid Jesus vorstellten, und die beiden ganz aus dem Häuschen waren. Heikos Enthusiasmus, sein Gespür für Groove, seine Liebe zur TANZmusik, sei es Disco, Funk, House oder Techno, sein Lachen und sein Hüftschwung beim Auflegen waren immer wieder ansteckend und inspirierend. 1996 setzten wir uns zusammen in Jörns Klangfabrik-Studio und kamen am nächsten Tag mit der Aufnahme unserer „Make You Move“-12” für Ongaku wieder heraus. Wenn ich mir heute die Platte anhöre, höre ich unsere Begeisterung für den Sound der Zeit (die Stichworte sind Wild Pitch und Power House) und bin dankbar, dass ich diese Erfahrungen mit ihm gemeinsam machen konnte. Sein Name wird untrennbar verbunden bleiben mit den Labels Ongaku, Playhouse und Klang Elektronik. Labels, die unseren Alltag für fünfzehn Jahre bestimmen sollten. Eine Erfahrung, die von solcher Wichtigkeit war, dass alle Beteiligten über viele Jahre immer wieder gewillt waren, sich neu zusammen zu finden, für etwas Großes, Heiliges – Musik.

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