World Wide Crap: Wie mache ich mein Internet wieder geil?

Vor ein paar Wochen hatte ich ein längeres Telefongespräch mit Christian Alt für BR Pulse, hier der Podcast dazu: World Wide Crap: Wie mache ich mein Internet wieder geil? (MP3), meinen DasGeileNeueInternet-Kram gibt es im Podcast ab circa Minute 9, weitere Gäste unter anderem Jarett Kobek (I Hate the Internet) und „Meme-Spezialist“ Ryan Broderick von Buzzfeed.

Mit letztgenanntem gibt es noch ein Interview, dem ich in ein paar Punkten so halb zustimme, die im Detail aber sehr viel heikler sind, als er hier zum Beispiel beschreibt:

es gibt momentan einen klaren Trend zu Oldschool-Technologien wie Message-Boards und kleineren Communities. Vor allem kleinere Blogs sind gerade ziemlich angesagt. Ein gutes Beispiel und ein fürchterliches zugleich sind die Alt-Right-Chatrooms. Diese Communities operieren mit Back-Channeln und sind auf Chat-Applikationen wie Discord oder Oldschool-Platformen wie 4chan unterwegs. Diese Blogs haben immernoch viele Mitglieder und obwohl sie nicht so stark wachsen, wie sie das schon taten, bleiben sie und verschwinden nicht einfach.

Das ist eine ziemlich Untertreibung. Durch diese Channel und in diesem Netzwerk entstand in den letzten zwei Jahren eine komplett neue Subkultur mit eigenen Sprachcodes, Ritualen und Werten. Diese Bewegung ist hochgradig viral, sowohl on- als auch offline, sie ist ausgelegt auf Provokationen im Netz und in Berkley und sie gewinnen derzeit massiv. Sie sind nicht viele, aber sie haben das Netz-Spiel ganz genau verstanden und entwickeln dadurch einen dicken, fetten Einfluss, der sich bis ins Weiße Haus zieht und nichts davon ist übertrieben. Genau dazu später (sehr viel) mehr.

Ich mag dann aber sehr, was Broderick über ein netteres Netz schreibt, und diese Formulierung hier klaue ich mir für kommende Postings: „Facebook und Twitter […] lassen dich nicht über deinen Raum entscheiden“. Good one.

Wenn du bestimmen könntest, wie das Internet aussieht: Wie würdest du es bauen? Was würdest du ändern?

Hm, schwierig. Ich bin ein großer Fan von Tumblr. Ich liebe diese Platform, denn Tumblr hat für freie Kommunikation und Internetkultur einige fantastische Dinge in den letzten Jahren vollbracht. Was ich daran immer mochte, war, dass sie den wahren alten Spirit des Internets verstanden hatten: "Ich habe eine Website, ich mag deine Website, lass uns in Kontakt treten." Es geht dabei um den Gedanken, selbst ein Stück Land in der großen Welt des Internets zu besitzen und darüber zu verfügen. Hier kann man rausgehen und mit anderen sprechen, aber eben auch für sich sein und seinen Account wie ein Tagebuch für sich alleine führen.
Je weiter wir davon wegkommen, von diesem Gedanken, desto anstregender und schmerzlicher wird es für die User werden. Facebook und Twitter nämlich, lassen dich nicht über deinen Raum entscheiden, sie sind wie diese großen, grotesken Wohnprojekte in den Hochhäusern, wo Leute aufeinander sitzen und sich anschreien. Ich denke, wir befinden uns in dieser Dystopie, wo die User so viel Zeit und Energie investieren, ohne die Möglichkeit zu haben, sich irgendwie auszudrücken - es geht nur noch darum diese Platformen zu füttern.