Creatives see different

Wissenschaftler haben zum erstenmal gemessen, dass kreative Menschen (die vor allem das Persönlichkeitsmerkmal Openness aufweisen) „physisch anders“ sehen, als der Rest. Dazu haben sie einen sehr einfachen Test durchgeführt: Sie haben den Leuten zwei unterschiedliche Farben (Rot und Grün) gleichzeitig vor das jeweils linke und rechte Auge gehalten, also ungefähr derselbe Effekt, den man mit Oldschool-3D-Brillen sehen kann.

Bei kreativen Menschen fusionieren diese zwei Farben zu einem brown-ish Flickenteppich, durchsetzt von roten und grünen „Flecken“. Der Rest sieht einen weirden Effekt, in dem sich beide Farben schnell abwechseln und „flackern“. Das heisst, das Hirn von kreativen Menschen sucht und findet aufgrund seiner Openness einen Weg, um beide Farben zusammenzubringen. Andere Hirne schaffen das nicht (schaffen dafür aber natürlich andere Dinge, die ich nicht kann – Aufräumen, Ordnung halten etwa, pünktlich sein, whatever, das volle Programm).

Was ich bei mir feststelle: Ich sehe den „Farbwechsel“-Effekt ebenfalls, er verschwindet aber innerhalb circa einer Sekunde und formt sich zum beschriebenen Flickenteppich, der auch nicht fixiert scheint, sondern „wabbert“ und sich bewegende Strukturen aufweist – was heisst, dass ich in solchen Momenten meinem Hirn beim unbewussten Denken zuschauen kann. (Wobei ich hier aufpassen muss: Ich habe eine leichte Rot/Grün-Schwäche, was den Effekt bei mir selbstredend beeinflusst.) Fascinating stuff.

New Scientist: Creative people physically see and process the world differently

Antinori and her colleagues asked 123 university students to complete a binocular rivalry test, in which they simultaneously saw a red image with one eye and a green image with the other eye for 2 minutes.

Usually, the brain can only perceive one image at a time, and most participants reported seeing the image flip between red and green. But some subjects saw the two images fused into a patchwork of red and green – a phenomenon known as “mixed percept”.

The higher the participants scored for openness on a personality questionnaire, the more they experienced this mixed perception.

“When you present open people with the binocular rivalry dilemma, their brains are able to flexibly engage with less conventional solutions,” Antinori says. “We believe this is the first empirical evidence that they have different visual experiences to the average individual.”

In contrast, the other four major personality traits – extroversion, neuroticism, agreeableness and conscientiousness – weren’t significantly linked to experiencing this mixed perception.