Medienjagd auf Veganerin wegen Fuchs-Du-hast-die-Gans-gestohlen-Joke

Gepostet vor 1 Monat, 7 Tagen in #Kultur #DasGeileNeueInternet #OutrageMemetics

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Ich hätte die Story um die angebliche Absetzung des Kinderliedes „Fuchs Du hast die Gans gestohlen“ nach der angeblichen Beschwerde einer Veganerin letzte Woche fast gebloggt, dann erschien sie mir aber doch zu doof und ich will es zumindest halbwegs vermeiden, zur Outrage-Culture etwas beizutragen. Stellt sich raus: War alles nur ein Witz und von Anfang an auch so kommuniziert (Hervorhebungen von mir):

Die betreffende Veganerin, die anonym bleiben möchte, lebt jetzt in Angst: Sie erhält Morddrohungen, einige Jagdverbände sollen es auf sie abgesehen haben. Wahlweise will man sie „totschießen“ oder bestenfalls in eine Psychiatrie stecken. Sie selbst schildert, dass sie im privaten Umfeld plötzlich von ihren Arbeitskollegen gemieden wird, als wäre sie eine Geächtete. Sie musste inzwischen aufgrund des Drucks ärztliche Hilfe aufsuchen.

Am absurdesten wirken diese Reaktionen aber, wenn man erfährt, dass die ganze Forderung von ihr eigentlich ein Scherz gewesen sein soll: Wie sie mir berichtete, habe sie die Melodie, die sie jeden Tag zur Mittagspause hörte, genervt, woraufhin sie den Bürgermeister Hahn, mit dem sie auf Facebook befreundet ist, angeschrieben und scherzhaft gefragt, ob er die Melodie nicht aus dem Repertoire des Glockenspiels entfernen könnte.

Hahn habe gefragt, ob der Fuchs denn vegan werden solle, worauf die Veganerin erwiderte, dass der Fuchs nur nicht erschossen werden solle und das war’s auch schon. Daraufhin änderte Hahn das Lied des Glockenspiels, weil das sowieso turnusmäßig alle paar Tage wechselt. Es ist auch niemandem aufgefallen, denn das neue Lied lief bereits fast eine Woche, als Hahn die Geschichte bei einer Büttenrede als scherzhafte Anekdote erwähnte.

Ich hätte mir nun von Mimikana eine genauere Recherche zum folgenden Verlauf gewünscht. Welche Medien haben die „scherzhafte Anekdote“ als ernstzunehmende Story veröffentlicht? Waren das irgendwelche Blogs? Poppte die Story zuerst auf Facebook auf? Oder haben das (wie ich vermute) irgendwelche klassischen Boulevard-Zeitungen so gebracht und die Outrage-Meme verbreitete sich von dort? Oder wurde die Anekdote dort ebenfalls im Kontext der Büttenrede als Scherz veröffentlicht und die Meldung verlor im Verlauf des Sharing-Prozesses den Joke-Kontext (sehr wahrscheinlich)? Würde mich wirklich sehr interessieren.

Jedenfalls haben wir hier einen typischen Fall einer sich verselbständigenden Outrage-Meme, wie sie von Jon Ronson in seinem Buch So You've Been Publicly Shamed (dt. In Shitgewittern: Wie wir uns das Leben zur Hölle machen) geschildert werden. DasGeileNeueInternet in full effect.

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