RechtsLinks 11.2.2017: Jonathan Haidt: The Left and Right of Capitalism, Gamergate, die Schlacht der Narrative und warum es für einen Generalstreik gegen Trump noch zu früh ist

strike

In den USA werden die Rufe nach einem Generalstreik als Protest gegen Trump lauter und man plant bereits für den 17. Februar. Es gibt ebenfalls Ankündigungen eines „Frauen-Generalstreiks“ von den Veranstalterinnen des Womens March.

Ich bin als alter Gewerkschaftsfuzzi prinzipiell ein Anhänger der Idee, denke aber a) dass es dafür noch viel zu früh ist und b) mehrere Streiks von unterschiedlichen Gruppierungen zu unterschiedlichen Daten extrem kontraproduktiv sind. Die Gefahr bei einer zu früh angesetzten Großaktion (die komplexer zu organisieren ist, als eine Demo), wäre eine Verpuffung der Kräfte, was als Zeichen für die Zukunft organisierten Widerstands katastrophal wäre.

Ein Streik lebt von der Solidarität seiner Teilnehmer und ein Generalstreik zeichnet sich eben nicht dadurch aus, dass viele Grüppchen gleichzeitig für sich alleine rumwurschteln, sondern zusammen in einem einzigen Zeitraum ein Zeichen setzen, entweder gewachsen aus kleineren Streiks einer Gruppe oder als gemeinsames Statement. Vorher wird sich die (amerikanische) Linke allerdings zusammenraufen müssen und das sehe ich auf absehbare Zeit nicht und ganz sicher nicht bis zum 17. Februar.

Darüber hinaus sind grade die amerikanischen Gewerkschaften ausgeblutet und können die Verluste, die ein längerer Streik mit sich bringen würde, nicht auffangen. Ganz nebenbei fehlt es den Generalstreiks an einem konkreten Ziel – wobei die jüngsten ersten Abschiebungs-Raids von Trump hier Abhilfe schaffen könnten: Ein Generalstreik in Solidarität mit von Abschiebung bedrohten illegalen Einwanderern, die seit Jahrzehnten in den USA leben und arbeiten, das kann man sich vorstellen. Aber der Zeitpunkt ist dennoch zu früh und am Ende würde ein Generalstreik zum jetzigen Zeitpunkt Trump eher in die Hände spielen.

Alex Gourevitch vom Jacobin-Mag sieht das ähnlich: You Can’t Fake It – A general strike could transform American politics. But we’re nowhere near being able to call one.

the idea of calling for a general strike — a general national strike — has caught the imagination over the past few days. After Francine Prose put the idea out in the Guardian, it spread rapidly throughout social media, and split into multiple proposals and counter-proposals. Some, including Prose herself, see themselves carrying on in a venerable tradition of mass social disruption. But as much as these proposals look like a natural response to the moment, they are severely disconnected from reality.

In the past, workers stayed out on those strikes, even fighting the state, in part because of dense, historically developed, cultures of solidarity; established traditions of militancy; organized, if not always recognized, unions; and long connections with left-wing organizers. These days, the appetite for fighting the state is next to nil, there is no tested public sympathy for labor actions, and there are no clear organizations standing ready to lead.

If you’re going to ask people not just to risk losing their jobs but potentially face the armed apparatus of the state, there had better be preparation, leadership, and some evident readiness for mass labor actions.

Not to mention, there had better be a recognizable goal. But what is the point of the proposed general strike? To say “down with Trump”? What, so we can have Pence?

Or is the point just a generalized “no”? A massive expression of discontent? None of the significant costs of a general strike are worth it if it’s just a grand gesture of refusal.


The Left and Right of Capitalism with Jonathan Haidt

Hier der komplette Podcast:

Economic issues are often moral issues. If you know where a person stands on the left-right spectrum, you can easily predict their preference for economic approaches like austerity or stimulus. One’s moral compass tends to dictate their response to even ‘factual’ matters like whether or not raising the minimum wage increases unemployment. What we believe influences what we perceive far more than we would like to admit to.

Renowned social psychologist Jonathan Haidt argues that most of us stick unswervingly to one of two persuasive stories about capitalism - with predictable consequences. He believes we must push ourselves beyond these entrenched narratives and develop a ‘third story’ – one that incorporates some of the objective truths of both, and abandons the gut-level assumptions on either side.


This number blows my mind: „Among those who do support [Trump's Executive Order on immigration] you have to wonder how well thought out their position is – by a 51/23 margin Trump voters say that the Bowling Green Massacre shows why Trump's immigration policy is needed.“ From here: Public Policy Polling: Americans Now Evenly Divided on Impeaching Trump.


Guardian: Burst your bubble: five conservative articles to read as protests stymie Trump:

What Effective Protest Could Look Like
Publication: The Atlantic

Author: As I explained last week, David Frum coined “Axis of Evil” as a George W Bush speechwriter, supported the invasion of Iraq, recanted (sort of) but later seemed to suggest that he was right all along. Nevertheless, he has for some time occupied a perch as a moderate conservative at the Atlantic.

Why you should read it: There is a lot of debate on the left at the moment about what the appropriate tactics and targets are for protesting against the Trump administration. Frum offers some advice: make over protests with patriotic iconography, limit demands and don’t neglect what Weber called the “strong and slow boring of hard boards” outside protests. “The more conservative protests are, the more radical they are,” he argues.

The idea is that to build a mass movement in America, you mustn’t alienate what Frum sees as core American values. For better or worse, few on the left will be persuaded by these recommendations, from this source. But as a spectacle, this column is instructive. Perhaps the most striking thing about Trumpism is that it has so thoroughly rehabilitated some of the people whose adventurism started us down the road to this mess. Strange days.


Anja Hartmann mit einem Gastbeitrag auf Martin Oettings Kaffe & Kapital, der sich explizit auf Jonathan Haidt bezieht: Sind „Links & Rechts“ am Ende? Oder: Wie schaffen wir einen friedlichen Kategorien-Wechsel?

Ich komme mehr und mehr zu dem Schluss, dass die Kategorien von „Links“ und „Rechts“ wie oben seziert heute nicht mehr so greifen, wie sie das (mit Unterbrechungen) für rund 200 Jahre getan haben. Hierfür sehe ich zwei wichtige Indizien.

Erstens: Insbesondere die neu erstarkenden politischen Positionen, die gerne als eher „Rechts“ beschrieben werden (und sich teilweise auch selbst und selbstbewusst so beschreiben), greifen bei der Wahl ihrer Argumente und Begrifflichkeiten auf alle Felder der oben gezeichneten Matrix zu. Zur Illustration: Sowohl Donald Trump in seiner Rede zum Amtsantritt am 20. Januar 2017 als auch Bernd Höcke in seiner Rede in Dresden am 17. Januar 2017 haben ebenso eine „vision“ oder „Visionen“ wie ein „great again“ oder eine „großartige Vergangenheit“ beschworen, und beide appellierten ebenso an die Gemeinsamkeit der jeweils Angesprochenen („total allegiance to the United States“, „uns Patrioten“) wie an den Ehrgeiz der Individuen („your dreams“, „ganzheitliche Persönlichkeiten“). Gleichzeitig gehören die Vorwürfe eines zu engen Gruppendenkens („identity politics“, „Eliten“) sowie des Unwillens zur Veränderung – beides (passend zu den oben aufgespannten Dimensionen) traditionell eher Kritik der „Linken“ an der „Rechten“ – heute zum Standardrepertoire der Vorwürfe der scheinbar „Rechten“ gegen die scheinbar „Linke“. Die Zuordnung von inhaltlichen Positionen zu „Links“ und „Rechts“ wird so faktisch unterlaufen und damit als Erklärungshilfe ausgehebelt.

Zweitens: Auf allen Seiten scheint sich eine Haltung auszubreiten, die mit den Kategorien automatisch ein „besser“ und „schlechter“ assoziiert – abweichend also von der ursprünglichen Annahme einer politischen Augenhöhe zwischen „Links“ und „Rechts“ mit allen ihren Vorteilen für das Funktionieren der Demokratie. Dies gilt leider zur Zeit für sehr viele Akteure im politischen Raum: „Linke“, die darüber nachdenken, wie Anhänger und Wähler der neuen scheinbar „Rechten“ von ihrem Irrglauben abgebracht werden können, stehen in dieser Haltung den scheinbar „Rechten“ nicht nach, die demokratisch gewählte Politiker als „erbärmliche Apparatschiks“ oder als verantwortlich für „carnage“ verunglimpfen. Ist das Gefälle zwischen verschiedenen politischen Positionen aber erst einmal im Sinne eines „besser“ und „schlechter“ etabliert, ist eine konstrukive Lösung von Konflikten durch Systeme und Institutionen, die Gleichwertigkeit unterstellen, prinzipiell in Frage gestellt.

Dazu kommt: Ein gemeinsamer Nenner der neuen politischen Positionen scheint zu sein, dass sie die Ansicht vertreten, dass Wahrheit und Angemessenheit von Verhalten im politischen Raum grundsätzlich durch das definiert werden, was die Vertreter der Position für wahr oder angemessen halten – nicht durch (wie auch immer geartete) gemeinsame, objektivierbare, messbare oder anderweitig nachvollziehbare Referenzpunkte. In dieser Logik ist (um ein aktuelles Beispiel aufzugreifen) eine Menschenmenge, die mir groß vorkommt und von der ich mir erhofft habe, dass sie groß ist, selbstverständlich groß. Diese Haltung steht in ihrer radikalen emotionalen Subjektivität außerhalb des herkömmlichen politischen Systems, das vom Grundsatz her auf rationalen Austausch wechselseitig überprüfbarer Argumente ausgelegt ist. Es könnte deshalb – aber hier hypothetisiere ich – sein, dass eine neue Dimension der politischen Ordnung entlang der Achse: „Es gibt objektive/objektivierbare Maßstäbe für (politisches) Handeln“ vs.: „Der Maßstab für (politisches) Handeln ist meine subjektive Einschätzung“ verlaufen wird. Für den Umgang mit einem solchen Gegensatzpaar haben wir bis dato noch keine Mechanismen der friedlichen Konfliktlösung entwickelt – ganz zu schweigen von den gesellschaftlichen Systemen und Institutionen, in denen Vertreter der Pole eines solchen Gegensatzpaars tatsächlich auf Augenhöhe koexistieren und kooperieren könnten.


Good one from Katherine Cross: What Liberals Don’t Get About Free Speech In The Age Of Trump:

So many people are hung up on Yiannopoulos’ right to free speech (without enumerating the specifics, e.g. a right to this platform, a right to payment from this institution, et cetera, none of which are democratic rights per se), while ignoring the rights his hate-mongering specifically abridges. […] For the principle-obsessed pseudo-civil-libertarian, details only confuse the matter. D’Ancona [from the Guardian] merely gestures at it through yet more generalizing language, saying: “In a pluralist society, the line of least resistance is to shield citizens from offence. The problem is that everyone is offended by something, or by many things.” But this discourse of “offence” is a refuge for those who do not wish to speak of substance.

Yiannopoulos was not “offending” anyone; he was painting a target on the backs of Berkeley students, encouraging their classmates to harass them and incite the state itself into abusing them.

I seek no protection from offence. I’m a big girl, and I can handle being annoyed by the foolishness or narrow-mindedness of others. What I protest in Yiannopoulos’ “Dangerous Faggot Tour” is that he incites action, which cannot be ignored or brushed off by its targets.


Die Formel „Gamergate = AltRight“, die man in den letzten Wochen öfter hört, ist falsch oder mindestens massiv ungenau. Motherboard hat einen Artikel darüber, der trotz anderes implizierender Headline relativ ausgewogen ist: Under Trump, Gamergate Can Stop Pretending It Was About Games:

ggwhile the majority of Gamergaters resent the affiliation, many of the movement's leading figures, who were right wing pundits before Gamergate, have graduated from rallying against political correctness in games to supporting Trump and the alt-right.

Mike Cernovich, a self-proclaimed champion of Gamergate, became a diehard Trump supporter, pizzagate conspiracy theorist, and organizer of the DeploraBall, an alt right-themed Trump inauguration gala.

Milo Yiannopoulos, a Breitbart writer and arguably the most recognizable leader of Gamergate, used the movement to propel himself into infamy. Currently, he spends less time talking about video games than he does touring college campuses and agitating students with his support of Trump and his anti-immigration, anti-women's rights positions. Alarmingly, out of the many protests against Trump's presidency in the US and around the world, one of the few Trump specifically threatened to respond to was a student protest against Yiannopoulos speaking at UC Berkeley.

Cross argues that in this respect Gamergate was taken for a ride. These figures saw in Gamergate a potential to convert, expand, and radicalize their audience. They largely succeeded, but now that that's done, they moved on to bigger and better things. Why argue about what female video game characters are wearing when the president of the United States is tweeting about you?

In alt-right parlance, we may say that Gamergate was cucked by its heroes. All it can do is watch as they take a new lover: Trump.

"People who revel in 'librul tears' invaded KiA and brought with them the content they like," Ode_to_Joy said. "The rise of The_Donald, I think, also influenced it as it gave the radicalised Reddit elements a staging grounds to come to certain subreddits. I personally have unsubbed from KiA a month or two ago, when I saw that the content relevance is not there anymore and mods are not doing anything about it."

So where does that leave Gamergate? Some people within the community are embracing the alt-right, others are peeling off in disgust, and most, it seems, continue to deny the link vehemently while paradoxically allowing that ideology to supplant Gamergate's identity.

Cross, who even some Gamergaters would now agree was right about the nature of the movement from the very beginning, thinks that it's going to be completely absorbed by the greater alt-right, and that this process has already begun with KiA essentially becoming a sub forum of r/The_Donald. The standard around which Gamergate organized—fighting for video games—is no longer the driving force behind KiA.

In diesem Kontext ebenfalls interessant: Liana Kerzner über ihr Reddit-AMA auf KiA:


I'd like to nail this Article onto everyones foreheads: Journalism is losing the culture war, because it’s fighting last century’s battles.

This battle over the narrative is an asymmetric one on a lot of levels. There’s no doubt that the weight of numbers – people – is still very much on the side of traditional media. Despite the brutal cuts to print newsrooms over the years, in aggregate we’re still talking a heck of a lot of people – especially when you figure broadcast into the equation. But those numbers are being wasted in repetition and duplication. This is the classic “over-supply of news” problem given a rather macabre twist.

But it’s worth thinking about this in terms of asymmetric warfare. Look at the “opposing forces” Martin cites in the quote above: „Infowars, Breitbart, Britain First“.

These are all digital outfits and, in the case of Britain First, Facebook-first. These are people who have been honing their techniques for 15 years on blogs, forums and other online services. They were birthed in the rants against the “MSM” in right-wing blogs in the early 2000s, and they’ve only got more effective as the social media tools have got more powerful.

How many people today are aware of Breitbart’s origin’s as the late Andrew Breitbart‘s blog, where he developed a vision of publishing honed at The Drudge Report and The Huffington Post. Who remembers Milo Yiannopoulos as a would be mainstream right political and tech journalist in the UK? Or as a hanger-on to London and Berlin’s startup scenes?

Too many saw the #GamerGate battle as a side issue, relevant only to techies and geeks. But it was the testing ground for the techniques that the alt-right are using on a much wider scale right now.

This is a classic piece of asymmetric warfare, with a small, but highly-distributed but well-ordinated group of people punching far above their weight because they are focusing on a central narrative, and are using more powerful digital techniques than their sluggish, divided mainstream competitors. The newspapers and broadcast media have very big guns, but they’re all firing them at the same place – and it’s not where the opposition really are.

Don’t believe me? Look at this analysis of Breitbart’s use of Facebook: „[…] although Breitbart posted 12 times more links out of Facebook than images and videos combined, images and videos account for 79 percent of the total shares out of these top 100 posts. This disparity is even greater when you sum up the total shares of those 100 posts.“

breitbart-shares

And this is the most shared post:

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Such a simple message. So central to the alt-right narrative. So easily spread. So easily assimilated into your thinking. This is the propaganda power of Facebook at its most might.

These are the digital tools of narrative warfare. Use of memes – and this is what this is – is a fundamental part of the new language of communication. But we’re still fighting with the tools of the last century – the 1000 word article, debunking the lies, but which reaches a tiny fraction of the people as that simple meme above.

Are we prepared to step up and use these tools? Or will be as the French at Agincourt, cut down by the new technology of the age? Then, it was longbows. In the culture wars, it’s memes.

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