Punching Nazis Tumblr

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Es gibt natürlich ein Tumblr voller geboxter Nazis: „A satisfying repository of images, still or in-motion, actual or fictional, featuring those who espouse Nazi ideology being struck by mighty but non-lethal blows.“

Wir hatten gestern eine nette Diskussion um das Thema unter einem Posting über den Nazi-Troll bei Shia LaBeouf, in der ich meine Haltung zu dem Thema erläutert habe. Kurz: Ja, man sollte Nazis schlagen. Man sollte allerdings die Grenzen für die Definition von „Nazi“ dabei extrem eng ziehen.

Ich halte es mit Warren Ellis: Spencer hat sein Recht auf Ungeschlagenheit da verwirkt, als er öffentlich und prominent darüber nachdachte, ob die „Black Race is worth existing“. Und wenn er sich *danach* dann noch hinstellt und „Heil Trump“ schreit, ein paar hundert Meter vom Weißen Haus entfernt, dann muss man dem auf die Fresse geben.

Der kann solche Sachen in seinen vier Wänden sagen und Meinungsfreiheit gilt auch für den, aber sobald man solche Genozid-Fantasien im Public Space anbringt, ist jeder Widerstand zu wenig.

Ich mein, der Typ da oben bei Shia, das ist doch auch ne ganz andere Nummer. Der Typ is wahrscheinlich ein 4chan-Troll von /pol/, der sich ne Hitlerjugend-Mütze ausm Kostümfachmarkt geholt hat. Wie alt is der, 20? 22? Das isn Kind. Joa, so jemanden sollte man einfach wegschreien, da ist Gewalt wahrscheinlich übertrieben.

Aber Spencer ist ein Nazi-Leader mit Macht-Bestrebungen und Umsturz-Fantasien. Das ist ein ganz anderes Level. „Radikal“ heisst übersetzt „Umsturz und kompletter Neuanfang“ und dafür haben wir sogar im Grundgesetz einen Mechanismus dafür: „Wer die demokratische Grundordnung gefährdet“ etc. Das ist das Spencer-Level.

And I want my scalp.

Die Grenze dabei zu ziehen ist das heikle dabei. Ich bin grundsätzlich bei Dir [und Deiner Haltung der Gewaltablehnung], habe aber eben eine Grenze. Der Troll da oben hat die nicht überschritten, die AfD übrigens insgesamt auch nicht, Höcke ist kurz davor, aber noch nich drüber, vermute ich, Spencer aus den von mir genannten Gründen aber schon.

Um das vielleicht mal ein bisschen aufzufächern: Ich bin bezüglich „Toleranz gegenüber Rechten“ aufgeschlossener, als die meisten Lefties, ich halte so ungefähr alles für debattierfähig bis so circa Mitte-Rechts, [auch wenn ich anderer Meinung bin], ab da wirds schwammig. Selbst die Ideen eines Kubitschek, so rückständig ich die auch finde, halte ich für [halbwegs] diskussionswürdig, kommt dabei auf den Rahmen an. (Dazu muss man sich aber auch mal mit den Ideen auseinandersetzen und ein paar Sachen lesen, aber das ist ein halb-anderes Thema.)

Wobei einem klar sein muss: Der sagt zum Beispiel „Die Hools sind unsere Leute“. Der hält sich die Gewaltoption ganz gezielt offen, da irgendwo verläuft die Grenze zur Rechtsradikalität und damit meine Bereitschaft.

Aber wer geonizidale Ideen als ernsthafte Optionen in den politischen Diskurs einbringen will (wie eben Spencer und [noch] im Gegensatz zu Figuren wie Kubitschek), der kriegt auf's Maul.

Sorry, not sorry.

Vielleicht ist das so ein Ding, wenn man auf dem Land groß wird. Da hat man ideologisch nicht die große Rückzugsmöglichkeit in eine Bubble wie in der Stadt, ich hab damals mit Linken und Halb-Rechten in einer Clique gefeiert. Wir haben uns alle paar Monate über solche Themen gefetzt und damit war gut, wir hielten unsere Ideen gegenseitig über soziale Einbettung in Schach.

Der Mechanismus erscheint mir kaputt, neben vielen anderen, und die Situation erscheint mir brenzlig. Daher denke ich, dass ein rustikales Klarmachen der Diskursgrenzen im Extremfall durchaus angebracht ist.