Maps of Meaning

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Jordan Peterson habe ich, wie die meisten die den jetzt kennen, durch seine Ablehnung von Kanadas Bill C-16, Political Correctness und genderneutrale Pronomen kennengelernt. Ich stimme ihm in ein paar Punkten zu (er hat zum Beispiel eine hochinteressante Studie zu PC-Warriors angefertigt), in anderen nicht (ich denke er überdramatisiert und erkennt die grundsätzliche Problematik nicht an), aber mir geht es nicht um dieses Thema.

Auf dem Weg habe ich seine Vortragsreihen auf Youtube kennengelernt, ich habe seine Lecture Maps of Meaning zwischen den Jahren regelrecht verschlungen und mir die 2016er Vorlesungen am Stück angesehen. (Yup, ich hab' während der Feiertage Vorlesungen gebinget.)

chaosDie Vorlesungen basieren auf seinem 1999er Buch gleichen Namens, Synopsis: „Why have people from different cultures and eras formulated myths and stories with similar structures? What does this similarity tell us about the mind, morality, and structure of the world itself? Jordan Peterson offers a provocative new hypothesis that explores the connection between what modern neuropsychology tells us about the brain and what rituals, myths, and religious stories have long narrated.“

Die Vorlesungen sind nicht für jeden, Peterson mäandert als Vortragender zwischen allen möglichen Themen, Storys, Mythen aus aller Welt und Psychologie, Neurobiologie und whatnot hin und her und passenderweise spricht er in seinen Vorträgen extrem oft über das zu besiegende Chaos und wie sich dieser Ur-Kampf in Geschichtenerzählung und der menschlichen Psyche niederschlägt. Needless to say: Peterson ist eher ein Anhänger von Gustav Jung als von Freu, wobei er sie selbstverständlich beide sehr oft zitiert. Wer lieber auf stark strukturierte Vorträge steht, die einer klaren Linie folgen, dem rate ich hier eher ab.

Was die Vorträge für Leute, die mit dem Chaos etwas anfangen können, dann aber nochmal unterhaltsamer machen: Er bezieht sich oft auf Popkultur oder Disneyfilme, Harry Potter, The Hobbit oder Der König der Löwen. Und vor allem Pinocchio zieht er immer wieder als Beispiel für die Manifestation von psychologischen Mechanismen in Mythologie und Fiktion immer wieder heran. Ich habe mir den Film daraufhin vor ein paar Tagen nochmal angesehen. Mind Blown!

An einer Stelle bittet der Fuchs die Marionette Pinocchio tatsächlich darum, das Wort „Hypothalamus“ zu sagen, der ganze Film ist voller psychologischer Metaphern und die Story ist im Subtext alles andere, als eine Geschichte für Kinder. Es geht um die Dinge, die Notwendig sind, um „Mensch zu werden“ und genau davon handelt auch die Vortragsreihe von Peterson.

Ich hab den Anfang seines 2017er Vortrags Marionettes & Individuals mal transkribiert:

We view the world essentially thru a narrative lens and I believe we view through a narrative lens because the problem we have to solve as living creatures is how we should act in the world. And that means how we should act to maintain ourselves but also how we need to act in relationship to other people and in relationship to the broader world in order to maintain ourselves across time. That's a complicated problem.

It's not just how you survive, it's how you survive now and next week and next month and next year and 50 years from now and maybe your descendants aswell if the culture is going to stabilize and then not only you across all those timeframes, but you and everyone else across those timeframes. It's a viciously difficult problem.

We have evolved mechanisms to solve that, I think that's self evident. One of the mechanisms that animals have evolved to deal with the problem of social being, even if they are not particular social animals, is the dominance hierarchy or hierarchy of authority or power. [But] considering human social structures as mere power structures is a terrible oversimplification, because Force is not a stable way of solving the problem of how to live together across time. The Question is, what is the stable way?

Von hier aus entwirft er dann, wie diese ganzen Fragen in Mythologie und im Storytelling (etwa in der klassischen Heldenreise nach Joseph Campbell) verhandelt werden. Wenn Ihr Euch für die psychologischen Grundlagen des sozialen Miteinanders (auch und vielleicht sogar aufgrund der Virtualität grade und vor allem im Netz) interessiert und wie sie in Mythologie und Storys reflektiert werden, nehmt Euch irgendwann an einem Wochenende die Zeit und schaut Euch das an. Der Mann hat seine 2017er Version von Maps of Meaning grade begonnen, ich hatte seine 2016er Vortragsreihe angesehen und auch die neue werde ich wieder aufsaugen. Unbedingte Anschauempfehlung.

Maps of Meaning 2016 (YT-Playlist)

Maps of Meaning 2017

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