Yolocaust

holoyolo

Hart, aber gut: Yolocaust, selbst wenn die Satire von Shahak Shapira der Intention des Architekten des Holocaust-Mahnmals entgegensteht: „Und das Spielen, meine Güte, das ist doch Spaß für die Kinder, dort zu spielen. Warum sollen sie das denn nicht machen? Das ist doch okay.“

Grade angesichts aktueller Geschichts-Relativierer wie Höcke sind solche Aktionen, die das Gewicht der historischen Singularität, die der Holocaust ist, ins Gedächtnis rücken, mehr als angebracht. Auch wenn's weh tut – diese Satire hier wirkt.

„Die Satire muss übertreiben und ist ihrem tiefsten Wesen nach ungerecht. Sie bläst die Wahrheit auf, damit sie deutlicher wird.“ Kurt Tucholsky

yolosss

Yolocaust ist ein Projekt des israelischen Satirikers und Autors Shahak Shapira, das unsere Erinnerungskultur durch das Kombinieren von Selfies am Holocaust-Mahnmal in Berlin mit Bildmaterial aus Vernichtungslagern hinterfragt. Die Selfies wurden auf Facebook, Instagram, Tinder und Grinder gefunden. Kommentare, Hashtags und „Likes“ aus den Selfies wurden ebenfalls übernommen.

Interview mit Shahak Shapira auf jetzt.de:

jetzt: Du widmest dein neues Projekt Björn Höcke.
Shahak Shapira: Genau. Björn Höcke soll sich das mal anschauen und reflektieren, was er da so über Erinnerungskultur in Dresden gesagt hat. Mein Vorschlag ist: Es muss tatsächlich etwas getan werden. Die Leute sollen nachdenken, was genau sie da machen.

Wie kamst du auf die Idee für das Projekt „Yolocaust“?
Ich beobachte sei Jahren dieses Phänomen, dass Menschen das Holocaust-Denkmal als Hintergrund für Profilbilder in den sozialen Medien oder bei Flirt-Apps benutzen. Ich finde es okay, wenn man Fotos dort macht. Aber manche Bilder sind einfach krass: Da gibt es zum Beispiel bei einem Bild die Bildunterschrift: „Springen auf toten Juden.“

Was möchtest du mit dem Projekt erreichen?
Ich will den Leuten nicht sagen, was sie machen dürfen und was nicht. Das muss jeder selbst entscheiden. Ich will sie aber zum Nachdenken bringen. Die Bilder zeigen, wie schnell Erinnerung in Vergessenheit geraten kann. Viele sehen das Mahnmal leider immer mehr als Lifestyle-Foto-Objekt und weniger als Stätte der Erinnerungskultur.